Jana Schröder und Matthias Grotevent im Gagarin

Und einer mehr! Im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk wurde letzte Woche in unmittelbarer Nachbarschaft einer Ateliergemeinschaft ein neuer Projektraum eröffnet. Trotz seines Retro-Sci-Fi-Namens, hat sich Gagarin keineswegs die Eroberung höherer Sphären zum Programm gemacht und startet bodenständig mit zwei Positionen aus der Kunstakademie.

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Zwei ehemalige Lüpertz-Schüler entscheiden sich, aus dem Elfenbeinturm ihrer Ateliers auszusteigen und ebenerdig tätig zu werden. Ted Green und Kai Müller wollen den lokalen Kunstbetrieb mit einer Initiative bereichern und eine Präsentationsplattform für junge Künstler schaffen. Das klingt nach dem üblichen kunstvermittlerischen Idealismus, der in der selbstorganisierten Kunstszene herrscht. Dabei ist die Initiative – wie für beinah alle andere Projekte dieser Art – nicht ganz selbstlos. Wie Green bewusst und scharfsichtig erläutert, geht nämlich mit dem Betrieb eines Off-Raums immer auch das Interesse an einer Verstärkung der eigenen Vernetzung einher. Schließlich wollen die zwei Künstler-Initiatoren ihre Präsenz und Sichtbarkeit ausbauen. Die Gründung von Gagarin findet zwar seinen Ursprung in diesem schwer beschreibbaren Impuls „etwas-tun-wollen“ und „es-selbst-in-die-Hand-nehmen-wollen“; eine reine uneigennützige Mildtätigkeit ist sie aber nicht.

Bild: K. Müller

Kai Müllers Werkstatt befindet sich in einer Ateliergemeinschaft auf der Kirchstraße. Angekoppelt daran ist ein kleines Ladenlokal, das immer wieder von den dortigen Künstlern in Anspruch genommen wird. In der Vergangenheit hat das Projekt Expeze (das übrigens lange nichts mehr von sich gezeigt hat) in dem verwinkelten und schwer bespielbaren Laden bereits ausgestellt; für Müller und Green lag es nah, auf diese räumliche Möglichkeit zurückzugreifen. Mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Ateliergemeinschaft wird also Gagarin ein regelmäßiges Programm an diesem Ort durchführen. Vorgesehen sind anderthalb-wöchigen Ausstellungen mit jungen, meist lokalen Positionen, ohne thematischen oder medialen Schwerpunkt – wobei der Raum keine allzu großen Bodeninstallationen oder Videoscreening (schlechte Akustik) ermöglicht. Gesucht wird nach den Worten von Green eine „dezente Vielfalt“.

Bild: K. Müller

Wie Ted Green weiterhin berichtet, ist die Initiative auch eine große Gelegenheit für deren Macher, anderen Künstlern über die Schulter zu schauen und einen ausgeprägten Austausch zu ermöglichen. Die Vernetzung ist eine Sache, der intellektuelle Dialog eine andere. Und beide Aspekte – altruistisch und weniger altruistisch – lassen sich gerade in einem artist-run-space perfekt kombinieren. Im Sinne dieser gesuchten Reibung, haben Müller und Green für die erste Ausstellung zwei sehr unterschiedliche Positionen aufeinander prallen lassen.

Jana Schröder

Für die Projekteröffnung ist Gagarin von einem  fortgeschrittenen Kunstakademiker und einer jungen Akademie-Absolventin okkupiert, jeweils mit einer einzigen großen Arbeit. Jana Schröder, die bis 2009 bei Albert Oehlen studierte, präsentiert eine abstrakte Komposition aus Acryl und Kugelschreiber-Tinte. Die übliche grafische Prägung des letzteren Mediums löst sich hier in dünnen und transparenten Schichten auf, die an Aquarelltechnik erinnern. Diese sanften, dunkelblauen Schleier, die die Leinwand in verschiedenen Intensitäten bedecken, werden von Zeichen unterbrochen, die an Sprachsymbole oder kodierte Motive erinnern und eine weitere Ebene in die Raumtiefe bilden.

Matthias Grotevent

Matthias Grotevent, seinerseits bei Richard Deacon studierend, hat die Einladung genutzt, um seinen bisherigen dreidimensionalen Experimenten mit Keramik zu entkommen und einen Exkurs in die Fläche zu wagen. Sein „Tafelbild“, das sich in die hintere Wand der Galerie gut einfügt, besteht aus einem Motiv, das durch die Verschiebung der Holzplatte unlesbar – oder zumindest verfremdet – wird. Ist das ein Logo? Ein Wappen? Schwer zu bestimmen – genauso wie es schwer erscheint, Grundsätzliches über zwei Künstler zu schreiben, die hier lediglich mit einer Arbeit präsentiert werden.

Eine regelrechte Reibung zwischen Schröder und Grotevent will sich übrigens nicht so wirklich einstellen, denn beide Künstler halten sich auf Distanz und verweigern den Dialog – sicherlich aufgrund der komplizierten Räumlichkeit, die eher trennt als sie verbinden könnte.

Der Name „Gagarin“ wurde übrigens aufgrund seines interessanten Klangs gewählt und ist keineswegs als Hommage an den ersten Mann im All zu verstehen. Dass Assoziationen an Durchbruch, Raumeroberung und männlichen Potenztraum (s. Einladungskarte) mit in den Name schwebt, erscheint jedoch unvermeidbar…

Ted Green vor dem Gagarin
Jana Schröder und Matthias Grotevent  im
Gagarin
Kirchstr. 41, 40227 Düsseldorf
Ausstellung v. 2-12.8.2012
Besichtigung nach Vereinbarung
0171/1231596 oder 0151/11500277

 

1 thought on “Jana Schröder und Matthias Grotevent im Gagarin

  1. Auch wenn der Name durchaus wegen einer gewissen Abstraktheit gewählt wurde (uns hat es ebenfalls verwundert wie wenigen Menschen der erste Mensch im Weltraum in der lokalen Kunstszene bekannt ist), waren Assoziationen zu Aufbruch und Raumeroberung durchaus erwünscht.

    Kai Müller

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