Western Typologies und Facebook Soldiers – zwei Projekte über private Bilder öffentlicher Kriege aus den globalen Netzwerken

Das globale Netzwerk facebook ermöglicht uns den Zugang zu privaten Bildern aus weit entfernten Regionen und anderen Welten. Thomas Artur Spallek hat sich mit den dort zu findenden Bildern aus den Kriegs- und Konfliktregionen des nahen Ostens beschäftigt und daraus eine Publikation gemacht.

Der Düsseldorfer Gestalter und Künstler Thomas Artur Spallek ist ein umtriebiger Zeitgenosse. Gemeinsam mit den Moxies zeichnet er sich unter anderem für die Gestaltung der Plakatkampagnen der Tonhalle Düsseldorf mitverantwortlich. Darüber hinaus betreibt er gemeinsam mit Albert Naasner, George Popov den eigenen Independent Verlag TFGC Publishing mit dem wir widerum gerade das Books&Blankets-Projekt planen und umsetzen. Und als wäre all das noch nicht genug, studiert er auch noch Kommunikationsdesign an der FH-Düsseldorf, weilt aktuell allerdings für ein Auslandssemester in Portugal.

Neben all diesen Arbeiten, als Verleger, Organisator und Gestalter im Auftrag der Anderen geht Thomas Spallek zusätzlich noch eigenen künstlerischen Projekten nach. Über zwei dieser Projekte habe ich mich mit Ihm unterhalten. Thomas war darüber hinaus so freundlich, das besprochene Bild- und Textmaterial als Video aufzubereiten. Mit diesem kurzen Video steigen wir in die beiden Projekte und das Gespräch ein.

Im Gespräch mit Thomas Artur Spallek

Perisphere:
Thomas, erklär doch bitte noch mal kurz worum es in Western Typologies und dem Vorgängerprojekt Facebook Soldiers geht.

Thomas Artur Spallek:
Es geht vor allem um Menschen und Ihre Verbindung durch das Internet. Es geht aber in beiden Serien auch um Menschen die für etwas kämpfen.
Das Internet hat es mir erst möglich gemacht in Bildern anderer Leuten zu suchen. Gäbe es das nicht, würde ich wahrscheinlich meine Bilder in alten Fotoalben auf dem Flohmark suchen. Das spannende ist wie nah das Internet zwei unterschiedliche Menschen bringen kann. Dieses Idee versuche ich in meinen freien Arbeiten weiter auszureizen.

Facebook soldiers, 2012
Facebook soldiers, 2012
Facebook soldiers, 2012
Facebook soldiers, 2012

Perisphere:
Wie bist du auf die Bilder und die Themen gestoßen?

Thomas Artur Spallek:
Mit den Facebook Soldiers habe ich Anfang 2012 angefangen, als die Medien von der Facebook bzw. Internet Revolution in West Afrika berichteten. Blogger und Internetaktivisten sind zu Nationalhelden geworden, weil Sie ihr Leben auf Spiel setzten, um andere Leute über die neusten Verläufe der Revolution auf dem laufenden zu halten. In meinem Interesse waren erst syrische Aktivisten wie Rami al-Said, der aufgrund der Zensur in Syrien, in den Libanon flüchten musste, um sein Videomaterial über YouTube und Bambuser.com der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ich fing an im Netz nach ihnen zu suchen, um Kontakt aufzunehmen. Dabei bin ich auf die eigentlichen Facebook Soldiers gestoßen.
Western Typologies ist eine Weiterführung des Facebook Soldiers Projekts. Durch die Digitalisierung ist heute jeder in der Lage Foto und Videomaterial zu erstellen und durch das Internet dieses auch zu veröffentlichen. Ich fragte mich, was die amerikanischen Soldaten in ihren Fotoalben haben und fing an danach zu suchen.

Western Typologies – Outlooks, 2012

Perisphere:
Wie findest du neue Bilder? Facebook ist doch eigentlich nicht so einfach zu durchsuchen?

Thomas Artur Spallek:
Das stimmt nicht ganz. Es ist sogar ziemlich leicht eine Person in Facebook zu suchen. Noch einfacher ist es nach Personengruppen zu suchen – wie Soldaten der US Army zum Beispiel. Das einzige Problem war nur an die Bilder zu gelangen. Aber auch das ist möglich wenn man lange genug danach sucht.

Western Typologies – Groups, 2012

Perisphere:
Die Fotos machen einen privaten und intimen Eindruck, die Bildästetik steht im Widerspruch zu den Hochglanz-Bildern der Militär-PR-Abteilung. Ist es den Soldaten eigentlich erlaubt diese Bilder bei facebook einzustellen?

Thomas Artur Spallek:
Ich bin mir nicht ganz sicher wie die rechtliche Lage der Soldaten aussieht. Aber ich denke schon, dass Fotografieren erlaubt ist. Etwas anderes ist dieses Material zu veröffentlichen. Während meiner Suche nach den Bildern, habe ich mich auf einigen Foren für US Soldaten registriert, um dort nach weiterem Material zu suchen. Dort werden die Veröffentlichungen von den Soldaten ziemlich kontrovers diskutiert, da viele nicht möchten, dass Bilder von Ihnen ins Netz gelangen.
Das war aber auch ein Grund für mich möglichst respektvoll mit dem Fotomaterial umzugehen.

Perisphere:
Hast du zu den Leuten die die Bilder eingestellt haben Kontakt aufgenommen?

Thomas Artur Spallek:
Nicht zu allen. Ich habe denjenigen eine Facebook Nachricht geschrieben, von denen ich Fotomaterial verwendet habe. Anders als bei den Facebook Soldiers habe ich aber keine Fragen gestellt, weil die Arbeit eine andere Idee verfolgt. Das individuelle Bild sagt nicht viel aus, aber wenn ein ähnliches Bild von mehreren Fotografen gemacht wurde, zeugt es davon, dass das was fotografiert worden ist eine besondere Aufmerksamkeit bekommt. Genau nach diesen Fotografien habe ich gesucht, um sie für die Zukunft zu erhalten.

Western Typologies – Helicopters, 2012

Perisphere:
Neben dem Thema Privatheit, Öffentlichkeit und Transparenz ist die zugrunde liegende Technologie offensichtlich etwas was dich beschäftigt.

Thomas Artur Spallek:
Technologie ist für mich wie eine große Seifenblase die ich nicht verstehe, mit der ich aber spielen möchte. Der BigDog von Bosten Dynamics ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür. Technologie ist für mich aber auch interessant weil es unsere einzige Schnittstelle zwischen der digitalen und der materiellen Welt ist.
In einem neuen Projekt versuche ich neue Wege zu finden, wie man Low und Hight-Tech nutzen kann, um Daten und Informationen aus dem Computer zu materialisieren, um neue Objekten und Bilder zu erschaffen. Bisher ist das genau andersrum gewesen. Nachdem wir mit der Mail die Post digitalisiert haben, war der nächste große Schritt unser Wissen, dann das Geld, unsere Sprache und dann immer mehr unser Leben.
Ich bin gespannt was passiert wenn man das umdreht.

Perisphere:
Wie nimmst du das Netz heute war? Was bedeutet Internet für dich?

Thomas Artur Spallek:
Das Internet bedeutet mir viel, deswegen trage ich es immer mit mir.

Thomas Artur Spallek – Internet

Western Typologies und Facebook Soldiers
Thomas Artur Spallek, 2013
92 Seiten, s/w, Edition 100

erhältlich bei tfgc-publishing.com

2 thoughts on “Western Typologies und Facebook Soldiers – zwei Projekte über private Bilder öffentlicher Kriege aus den globalen Netzwerken

  1. Interessantes Projekt!
    Was mich interessiert ist der fuer mich nicht verstaendliche Respekt vor den Autoren der Bilder. Wesshalb ist es relevant Veroeffentlichungsrechte einzuholen. Fuer mich sind das zeitgeschichtliche Dokumente die in der Oeffentlichkeit (auch wenn FB eine Privatfirma ist, sehe ich FB trotzdem als oeffentlicher Raum, ansonsten droht dieser naemlich zu verschwinden, da FB sehr dominant ist mittlerweile). Ich persoenlich wuerde aus zwei Gruenden niemals Publikationsrechte fuer solche Bilder einholen. Erstens benutze ich alles was ich finde frei ohne Credits, auch kommerziell, und zweitens wuerde ich Verbrecher (Soldaten = Moerder/Armee=Kriminelle Organisation) nicht um Veroeffentlichungsrechte anfragen – ja ich weiss, auch Kriminelle haben ein Recht auf Privatsphaere, aber es handelt sich hier eindeutig um Bilder von organisierter Kriminalitaet und da ist das Recht auf Information wichtiger als die Persoenlichkeitsrechte, so fuck that!
    Hans-

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