Katrin Herzer schickt eine Mail und spricht im Arnsberger Kunstverein über Gordon Matta-Clark

Die meisten E-Mails die uns erreichen sind deprimierend voll gestopft mit den aktuellen Buzzwörtern der Kunst. PR-Talk trifft Diskurs. Wir klicken das weg. Manchmal aber da hat man auf einmal etwas Intelligentes im Postfach, so wie heute.

Uns erreicht mittlerweile ein kontinuierlich wachsender Strom von E-Mails angefüllt mit einem Haufen Kunst-PR-Mist. Das allermeiste davon ist eher deprimierend, weil im verschwurbelten Kunst-Diskurs-Sprech gehalten, der Donnerstag-Blog macht ja zumindest eine Mini-Kolumne aus dem Best-of in diesem Quatsch. Wird sind was das angeht leider etwas weniger gewitzt, bei uns wird sofort weg geklickt, da helfen auch die tollsten CRM-Mailer mit persönlich automatisierter Lieber-Florian-Ansprache nix.
Inhaltlich ist eben dieser eine Teil uninteressant bis belangslos und ein weiterer Teil davon so an unserem Thema vorbei, dass ich mich zu weilen doch Frage, ob die Klicks auf unseren Blogs eventuell doch nur von lauter verzweifelten PR-Praktikanten auf der Suche nach einer weiterer E-Mail-Adresse für ihre Excell-Tabelle stammen. Denn mal ganz ehrlich Leute, gab es in diesem Blog seit bestehen eine einzige Musik- oder Plattenrezension? Liebe E-Mail-Versender, lest Ihr eigentlich was wir hier schreiben oder wollt ihr nur lesen dass wir über Euch schreiben?

Manchmal aber erreicht einen dann doch eine Nachricht der man entnehmen kann, dass sie von jemanden verfasst wurde, der noch denkt – und nicht nur sendet. In diesem Fall ist der Der eine Die; Katrin Herzer heißt die Dame, und war auch schon mal bei uns im Blog.
Um was es in der E-Mail geht habe ich in der Überschrift angedeutet, soll sie Euch aber lieber selber erzählen.

Guten Tag.

Dieser Text ist für eine schnelle Informationsvermittlung zu lang und zu unübersichtlich.
Somit erfordert er zu viel Aufmerksamkeit dafür, dass er mit mehreren interessanten Terminen und Informationen gespickt ist.
Außerdem durchmischt er gnadenlos berufliches (eher oben/unten) und privates (eher mitte) und feiern (überall).
Ich empfehle natürlich, ihn sogleich zu lesen.

Ich halte am 6. September den Monolog Nummer 10 im Arnsberger Kunstverein.
Der Abend beginnt um 19:00h mit dem Screening eines Filmes von Gordon Matta-Clark, für den die Rechte so teuer sind, dass er nur an diesem Abend laufen kann. Und damit überhaupt jemand kommt, schmeißen wir sozusagen zusammen. Obwohl Gordon Matta-Clark selbst da ja ohnehin nicht mehr viel zu sagen kann. Seine Nachlassverwaltung bekommt das ganze Geld. Zu Recht, wie ich finde.

Es geht im anschließenden Monolog genau um das, was ich lange Zeit bei Gordon Matta-Clark nicht verstanden habe: Wenn man geometrische Formen aus Häusern schneidet, dann braucht man doch nicht noch dazu erzählen, dass man Häuser, Gesellschaft und Menschen thematisiert.
Der ästhetische Eingriff war mir vollkommen ausreichend, so klar wie Kloßbrühe: die Stimulation der Wahrnehmung, das Durchtrennen der Optik – sehr eingängig alles und sehr schön. Der soziale Aspekt, von dem er sprach, war mir hingegen schleierhaft, erschien mir gar naiv oder vielmehr überflüssig. Der typische Fall dessen, dass der Künstler besser schweigen sollte, weil er zur Überinterpretation neigt. Im Grunde ist Matta-Clark einfach ein Hippie, habe ich gedacht.

Jetzt gehe ich eine Gerade durch die Welt und merke unweigerlich: Ach so.

OST – also besagte Gerade – wird im achten Teil fortgesetzt vom 06. – 27.10.2013. Dazu weiter unten wieder mehr.

Ich lade erstmal sehr herzlich dazu ein, in Arnsberg vorbei zu kommen. Es liegt im Sauerland und ist sehr hübsch, der Kunstverein liegt repräsentativ gleich am zentralen Platz, wo die Busse drehen.
Die Ausstellung ihrerseits dauert bis zum 15. September und diskutiert Denken und Sichtbarkeit, Privat und Öffentlichkeit, Festhalten und Vergänglichkeit, oder auch die geometrische Form und ihre Entlassung in die Gesellschaft. Vlado Velkov ist einer der besten Kuratoren zur Zeit und arbeitet wie verrückt.

In etwa zwei Wochen später, am 21.09., gibt es am Abend zudem meine Feier hier in Dortmund, Süggelweg 11, ab 18:00 h.
Die Feier feiert eigentlich vor allem, dass es einen Garten gibt und einen Ort, zu dem ich einladen kann. Ich lade also ein. Und wer möchte, kommt bitte gerne. Und sagt, sobald er/sie es weiß, Bescheid. Ich freue mich über jeden und jede, der und die kommt. Auch mit Kindern natürlich. Das sind ja auch Menschen, nicht wahr? Da das ganze im Garten stattfindet wird gegrillt. Es gibt auch eine Terrasse mit Dach drüber.

Natürlich kann man an beiden Wochenenden kommen, weil eigentlich lohnt sich beides. Das eine ist irgendwie eher beruflich und das andere eher privat. Aber was soll’s? Menschen sind Menschen und es ist doch egal, aus welchem Grund sie sich treffen. Hauptsache, sie treffen sich und finden hoffentlich einen Moment, in dem sie zum anderen durchkommen und ein Austausch stattfindet. Ich biete als Hilfestellung Alkohol an. Und von mir aus auch Fanta.
Es gibt einen Dachboden, wo viel Platz ist, um bei Bedarf mit Isomatte und Schlafsack zu nächtigen, weil man wegen der Hilfestellung nicht mehr fahren darf. Oder es auch einfach zu weit ist. Es ist hier oben sehr hübsch, wenn auch etwas staubig, und dieser Teil des Daches ist noch schlecht isoliert. Der Raum ist unter anderem mein Büro, in dem ich auch gerade sitze. Dortmund ist 40 min Fahrzeit von Arnsberg weg. Ich komme eventuell gerade am 20. aus Berlin.

Außerdem verkaufe ich meine Tage. Also – wie gewohnt – die von OST: jeden zwischen und einschließlich 6.10. (Erntedank) und 27.10. (Ende der Sommerzeit). Jeder Tag, den ich verkaufe, bedeutet für mich 4,5 Stunden weniger auf der Baustelle arbeiten, die unter meinem Büro liegt, weil ich das Geld für OST nicht dort verdienen muss. Stattdessen kann ich vielleicht für die Kunst arbeiten, russisch lernen, vielleicht einfach rumliegen und Musik hören.
Oder über Menschen nachdenken. Wobei das gerade eigentlich für die Kunst arbeiten bedeutet.

In diesem Sinne: Herzliche Einladung zum Leben.
Haha – ich bin doch wirklich auch ein Hippie. Ich dusche ja auch viel zu selten.

Herzlich
Katrin Herzner

PS:
ein Text über mich im BOM Magazin: http://www.bom13.de/
und zwar „linientreu“: http://www.bom13.de/ausgabe03/Hi_Einzeln/16%20Linientreu.pdf
die Ausstellung: http://www.kunstverein-arnsberg.de/papc2013
Falls keine e-mails von Katrin Herzner mehr erwünscht sind, bitte ich um kurze Rückmeldung. Danke.
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Katrin Herzner
0176 3974 0674
mail katrinherzner.de
aktuelle Postadresse: Süggelweg 11, 44339 Dortmund

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