Dietrich, Klompen und Wit im Cabinett

Flachware und verfremdete Objekte - Die Künstlerin und Textilgrafikerin Andrea Dietrich lädt im Rahmen der Kunstpunkten zwei Kollegen aus der Kunstszene in Eindhoven. Does humor belong in art? Yes, it does!

Es war ruhig, sehr ruhig in den kleinen Show-Room von Andrea Dietrich. Überhaupt war es an diesem lauen Spätsommer-Abend sehr ruhig in allen Düsseldorfer Off-Spaces. Das Off-Programm der Kunstpunkte (jene offene-Ateliers-Veranstaltung, die den Voyeurismusdrang des hungrigen Kunstpublikums befriedigt) hätte zu einem lustvollen Rundgang durch die unabhängige Szene werden können. Viele Projekträume hatten für diesen Termin ein neues Programm gestaltet und standen erwartungsvoll da. Aber bis auf die Gastkünstler und einige treue Anhänger war kaum ein Mensch an diesen Orten zu sehen. Der Grund dafür? Eine suboptimale Koordinierung des Kulturamts. Warum müssten die Kunstpunkte ausgerechnet an diesem mit Kulturterminen verstopften Wochenende gelegt werden? Nach der langen Sommerpause erwachten am Freitag Abend nämlich die Akteuren des Kunstbetriebes wieder – und zwar alle gleichzeitig. Alle Galerien der Stadt, die an dem beliebten DC (ein großer Zusammenschluß von Düsseldorfer und Kölner Galeristen) teilnehmen, präsentierten ihr neues Programm. Die Kunstsammlung NRW eröffnete zeitgleich die große Calder-Ausstellung. Das Opening der neuen Show in der Julia Stoschek Collection zog Hunderten in Oberkassel. Für die Kunstrebellen wurde die Eröffnung des Urban Art Festivals 40 Grad ein obligatorischer Anlaufspunkt. Und am Samstag und Sonntag waren auch noch die besagte Ateliers zu besichtigen- ganz abgesehen von den Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum, die ein potenzielles Restpublikum mobilisierten. Die eventgeile Stadt Düsselodrf opferte also ihre freie Szene – eine Szene, die ohnehin unter Aufmerksamkeitsdefizit leidet. Ein Sabotage hätte nicht besser funktioniert.

Marco Wit

Marco Wit

Marco Wit
Marco Witt

Trotz der ärgerlichen Zuständen waren einigen sehenswerten Ausstellungen. Der kleine Raum von Andrea Dietrich entlang der Bahngleisen zeigte, neben grafischen Arbeiten und zwei Filzskulpturen der Hausherrin, ein paar witzigen Objekten zweier niederländischen Künstler. Marco Witts verfremdete Objekte bestehen zum Teil aus Fundmaterial, das der Künstler in surrealistischem Sinn verwandelt, bis sie eine völlig neue Bedeutung erhalten. Anders als die Surrealisten aber, die vom Objekt selbst fasziniert waren und eher eine gewisse Offenheit bevorzugten als sie neue aber eindeutige Assoziationen hervorriefen, fließen in den Gegenständen von Witt Anmerkungen und Ideen zur Politik uind Gesellschaft ein.

Werner Klompen
Werner Klompen
Werner Klompen

Werner Klompen, der unter dem Pseudonym Art Generator hantiert, zeigte eine ganz kleine Auswahl seiner Kunst. Der Mann bearbeitet alle mögliche Flächen und Gegenständen, eignet sich alles an, was er findet kann und experimentiert mit den heterogensten Materialien (sein großes Bild aus oxidiertem Eisen, das ein wenig an Jean Dubuffet erinnert, war ein sehr schönes Beispiel dieser Lust am Spielen).

Andrea Dietrich
Andrea Dietrich
Andrea Dietrich

Nach wie vor setzt sich Andrea Dietrich mit den Themen der Evolution auseinander. Ihre Bilder sind verfremdete Fotoaufnahmen, zum Teil mit Zeichnungen kombiniert, die sie am PC verarbeitet. Verschiedene Entwicklungsstadien von organischen Lebewesen werden da sichtbar gemacht.

 

Cabinett
Ausstellung v. 6.9-22.9.2013
Andrea Dietrich
Gustav – Poensgen – Str. 59
40215 Düsseldorf
Tel.: 0211-392885
www.cabinett.culturebase.org
Öffnungszeiten: Sa. 16.00 – 18.00 Uhr und nach tel. Vereinbarung

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