Katja Donnerstag und Yvonne Klasen im Quartier am Hafen

Text: Maria Wildeis
Fotografien: Thilo Schmülgen

 

In Köln spielen zwei Künstlerinnen mit dem Licht: Die Flora, eine Halogenlampe für Pflanzenwachstum wirft purpurnes und grünes Licht auf ein dupliziertes Wandstück. Das neue Raumfragment wurde in der Mitte aufgespiesst und dreht sich um die eigene Achse, wenn man es anschubst. Dabei verändert sich die Farbe je nach Einfallswinkel.

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Katja Donnerstag & Yvonne Klasen: Dancing Wall

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Der Ausstellungstitel Pause verknüpft die Werke mit dem globalen Thema der Zeit. Die Künstlerinnen zeigen eigene Werke und Gemeinschaftsarbeiten. Eine Arbeit von Yvonne Klasen besteht aus den Autorespondern zweier Emailaccounts, die sich, seit zum Eröffnungsbeginn eine erste Email verschickt wurde, im Minutentakt über den Verbleib ihres Empfängers benachrichtigen. Ping. Ping. Ping. Ein Dialog in der Endlosschleife.

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Yvonne Klasen: i am not available

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Die gemeinsam konzipierte Edition ist eine Sammelmappe mit Zeitstücken. Papierseiten in unterschiedlichen Farben wurden in einem Ordner gebündelt. Zum Planungsbeginn von Pause fächerten die Künstlerinnen die Blätter im Atelier auf einem Tisch auf. Nach mehreren Wochen des ungestörten Herumliegens bleichten die sichtbaren Stellen aus und die Zeit und das Licht hinterließen ihre Spuren, ohne dass die Künstlerinnen direkten Einfluß darauf nahmen.

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Katja Donnerstag & Yvonne Klasen: Pause

“Die Ausstellung PAUSE spielt mit den Möglichkeiten von Wiederholung, Endlosigkeit und präzise 
gesetzten Irritationsmomenten – in einem ganz eigenen Tempo. 

Die beiden Künstlerinnen vereint die sichtbare Faszination am Möglichkeitsreichtum von Medien und Materialien. Es sind 
die kleinen Verschiebungen und Ungenauigkeiten, die richtungsweisend in der Arbeit von Katja Donnerstag und Yvonne Klasen sind und ihnen weit jenseits bloßer 
Willkür ihre poetische Leichtigkeit verleihen. 

PAUSE ist kein lauter Ausbruch aus Routinen und hektischen Hypes, sondern vielmehr eine präzise, sensible und doch luftig-leichte Beobachtung von Raum, 
Zeit und Situation.” Anne Mager, Kuratorin.

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Katja Donnerstag: ohne Titel ( Morgen 2)
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Katja Donnerstag: ohne Titel ( Morgen 2)

Das Atelierhaus Quartier am Hafen zeigt vierteljährlich Einzel- und Gruppenausstellungen eingeladener Künstler verschiedener künstlerischer Sparten.

 

 

Katja Donnerstag & Yvonne Klasen
Kuratorin: Anne Mager
PAUSE
Ausstellung bis 10.01.2014
FINISSAGE: Freitag, 10. Januar 2014 um 19 Uhr
Öffnungszeiten: jeden Samstag und Sonntag, 14-17 Uhr
Quartier am Hafen
c/o KunstSalon-Stiftung
Poller Kirchweg 78-90
51105 Köln
 

 

 

8 thoughts on “Katja Donnerstag und Yvonne Klasen im Quartier am Hafen

  1. Zugegeben: ich habe grundsätzlich nur einen sehr schwachen Zugang zu „Konzeptkunst“ (als wenn nicht jegliche Form von Kunst eines Konzepts bedürfe)- hier scheint mir eine Überhöhung der „neuen Medien“ und eine Überbewertung des scheinbar vorhandenen intelektuellen Ansatzes vorzuliegen. Endlosschleife eines Dialogs?- ich sehe nur die Wiederholung einer Phrase; das ist nicht mal ein Kommentar auf Ärgerlichkeiten, die täglich im Umgang mit beispielsweise e-mail Verkehr passieren, sondern einfach sinnfrei. Bei der beschriebenen plastischen Arbeit ist doch nicht wirklich von Interesse, daß es sich um „Pflanzenwachstumslampen“ handelt. Werder die Wahrnehumng des Betrachters wird hier gekitzelt, noch der Intellekt angespochen. Was soll das also? Brauchen wir solche „Kunst“, um unsere Umwelt besser wahrzunehemen oder zu verstehen, um sie eventuell kritisch zu betrachten? Das ist pseudozeitgenössisch und schlicht überflüssig.

  2. hi wolf,

    der beitrag ist ja nun einer der selteneren gastbeiträge hier – noch dazu geschrieben von der kuratorin selber, von daher natürlich auch nicht ganz unparteiisch …
    sie bzw die künstler wären eventuell also besser geeignet auf deinen kommentar zu reagieren.
    von meiner seite her gilt allerdings: das e-mail pingpong mag ich gern, es ist einfach, eventuell etwas stumpf, irgendwie aber auch ganz lustig und passt gar nicht schlecht in den kontext aktuell zerplatzender netz-utopien.
    generell begrüße ich dass, wenn man mit den maschinen und der zugehörigen software etwas macht, was nicht ihrer angedachten funktion entspricht.
    da bin ich aber auch durch die eigene historie und die zugehörigen interessen vorbelastet und sicherlich subjektiv.

    hgfk

  3. Hey Wolf und Florian,
    ich muss etwas korrigieren: die Kuratorin ist Anne Mager.
    Ich habe versucht, einige Arbeiten der Ausstellung zu beschreiben, da ich vor Ort war. Die Werke sind in meinen Augen keine Konzeptkunst, weil hier nichts erklärt oder manifestiert wird. Es ist eher eine Form der Objektkunst, wo vorhandene Materialien und Dinge in einen poetischen Zusammenhang gebracht werden. Wie das dublizierte Wandfragment oder ja auch der Datenaustausch der Emailresponder.
    Ob man sowas braucht oder nicht, wüsste ich nicht, wie ich das beantworten soll.
    Es ist Geschmackssache und natürlich auf Fotos nicht so gut zu erschließen, wie vor Ort.
    Viele Grüße, Maria

  4. Guten Morgen,

    auch ich finde, das Daten-Ping-Pong der Arbeit von Yvonne ist kein Dialog! Es ist eben keiner! Wie es oft endet mit Versuchen der Kommunikation im digitalen Zeitalter. Kommunikation wird verhindert. Dies ist in dieser Arbeit auf den Punkt gebracht. Und das genau ist das Schöne daran, finde ich!
    Es ist auch nicht wichtig, ob das Licht ein Pflanzenlicht ist. Es ist schön zu sehen, wie es scheint, wie es dem Raum schmeichelt, wie es sich ändert, wie es die Betonwand rahmt, wie sich die Röhre spiegelt in der gerahmten Reflektorfolie des Bildes gegenüber, wie das Licht zusätzlich reflektiert wird und sich mischt mit der Bewegung der Wand an der Stange, der Kopie der vorhandenen Wand, plötzlich leicht, obwohl sie schwer und begrenzend ist, wie man es von einer Wand erwartet. Wenn sie an der Stange tanzt wird das Licht auf ihr verlaufend grünweiss, warmweiss, kaltweiss und rosa reflektiert. Schatten verschwinden und die Begrenzungen des Raumes ändern sich. Neue Räume entstehen. Das Gefühl einer Pause.
    Das es ein Pflanzenlicht ist, ist dabei höchstens ein kleiner Link an all den Stress, den Material und Produkte nehmen sollen, anstatt die Pflanzen einfach wachsen zu lassen. 
    Nun bin aber auch ich in diese Falle getreten, mich mit Konzepten aufzuhalten, anstatt die Atmosphäre, die im Raum 018 entstanden ist ganz ohne konzeptuellen Gedanken, die wohl wahrlich jeder künstlerischen Arbeit inne sind, mir jedoch je ausformulierter meist als Entschuldigung erscheinen, wahrzunehmen. Deshalb höre ich jetzt schnell auf damit. Überaus stolz bin ich doch, mit Yvonne Klasen zusammen, diese Atmosphäre dort auszustellen. 
    Ich möchte deshalb anbieten mich mit Ihnen in der Ausstellung zu treffen, um diese Fragen weiter zu diskutieren? Kommentare, ob die Welt diese Austellung eigentlich braucht, kitzeln meine Wahrnehmung und ich bin selber fortwährend mit dieser Frage beschäftigt.
    Also?

    Mit Grüßen,

    Katja Donnerstag

  5. hi maria, hi katja,

    danke für die kommentare eurerseits. das ist ja nicht immer einfach sich aus der deckung der tendentiell unscharfen und stark interpretierbaren sprache der kunst heraus zu wagen, da konkret zu werden und sich damit angreifbar zu machen.

    die von wolf aufgeworfene und von dir katja, freundlicherweise aufgenommene frage ob die Welt diese Austellung eigentlich braucht muss man imho auch gar unbedingt anhand dieser konkreten ausstellung ausfechten. sie hat ja eine ganz allgemeine und generelle bedeutung in anbetracht der mittlerweile fast inflationären verbreitung künstlerischer arbeiten und projekte. das wird im übrigen schön hier verarbeitet, in der portlandia-folge ‚art project‘:
    http://www.youtube.com/watch?v=fLzixKZp_a0

    hgfk
    hgfk

  6. Wir brauchen Kunst! Immer und überall, so inflationär wie nur möglich!
    Bei der Musik sagt man doch auch nicht, „oh, jetzt haben wir genug davon, lasst uns mit dem glücklich werden, was wir bisher produziert haben.“
    Und das Gefühl, es gäbe zu viel von allem, ist sicherlich ein zeitgenössisches Problem: Man ist in der Gegenwart nun mal dem ungefilterten Spektakel ausgeliefert.
    Aber ja, lasst uns als Betrachter konkreter und kritischer werden im neuen Jahr.
    Ich bin dabei!
    Maria

  7. Wenn auch mit Verspätung: Ein herzliches Dankeschön für die Anmerkungen, Anregungen und Rückmeldungen! Ich kann Maria nur zustimmen und möchte nur noch anmerken, dass meiner Meinung nach Kunst keinesfalls grundsätzlich Verpflichtung steht, immer gesellschafts- und kommunikationskritisch sein zu müssen. In der Ausstellung geht es vor allem um die direkte Auseinandersetzung mit dem Raum und der Wahrnehmung im allgemeinen. Und das darf auch mal Spaß machen.
    Übrigens: Finissage ist am Freitag, 10. Januar um 19 Uhr. Vielleicht sehen wir uns!

  8. Hi maria, hi anne,

    jede anmerkung ist willkommen – auch die späten. wir arbeiten hier ja eh für die ewigkeit. ;-)

    @anne: ich habe die ankündigung für die finnissage mal oben in unseren header gepackt. eventuell wird die diskussion ja dort weiter geführt.

    @maria: ob wir kunst wirklich immer und überall brauchen, da müssten wir eventuell noch mal separat drüber diskutieren. vieleicht auch mal in einem eigenen artikel, wenn zeit ist. mir erscheint das ja manchmal so, dass man eigentlich mal wieder etwas mehr mit verknappung arbeiten müsste um der allgemeinen reizüberflutung herr zu werden. also weniger ist dann mehr.
    aber wie gesagt, da könnte man wirklich noch mal etwas länger und ausführlicher drüber diskutieren und reflektieren.

    viel vergnügen auf jeden fall schon mal am freitag! leider keine ahnung ob wir es nach köln schaffen.

    hgfk

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