Geschenke zum Fest für Euch und ein neues Projekt für uns!

Wir bedanken uns auch diese Jahr bei allen treuen und untreuen Leserinnen und Lesern für ein weiteres gemeinsames Jahr in der Perisphere. Wir danken fürs Klicken, fürs Lesen, fürs Anmailen und zu weilen, und in letztere Zeit doch mehr, ja auch fürs Kommentieren. Obwohl gerade letzteres, trotz der mittlerweile recht hohen Besucherzahlen hier, immer noch eher die Ausnahme als die Regel ist. Einmal abgesehen von Katrins Beiträge, die damit hier auch die Kommunikation explizit sucht und voran treibt.
Aber eigentlich ist es seltsam, und für mich immer noch nicht so ganz nach voll ziehbar, weil in anderen Bereichen Gang und Gebe, nur eben in der Kunst nicht – denn das Phänomen des Nicht-Kommentierens betrifft ja nicht nur uns, sondern eigentlich die meisten Blogs zum Thema. Wo ran liegt’s?

Mein persönliche Meinung ist ja, dass man zum Einen einfach zu höflich ist, um anonym seinen Senf dazu zu geben – gerade dann wenn es mal kritisch sein müsste, zum Anderen aber auch viele einfach Schiss haben sich öffentlich noch eine Meinung zu erlauben, oder auch nicht mehr die Kraft und den Mut haben sich eine zu Leisten. Das Risiko erscheint einfach zu groß, mit einer solchen anzuecken oder unangenehm aufzufallen. Es könnte der Künstlerkarriere – die bei 99%, mittlerweile eher 99,9% eh nicht kommen wird – schaden und könnte vieleicht Nachteile bedeuten im Ratrace um die wenigen begehrten Plätze in der Zirkusmanege des Whitecube.
Oder ist es der vermeintliche Glaube automatisch zu den Verlierern zu gehören, wenn man das Maul aufmacht und auch mal sagt, wie ausgesprochen hohl, dümmlich und komplett und im gar-nicht-positiven-Sinne sinnbefreit so vieles in der Bildenden Kunst mittlerweile ist?
Man, also ich, weiß es nicht. Mich würde es interessieren und eventuell Frage ich wirklich Katrin Herzner mal zu dem Thema, weil sie sich immer so große Mühe gibt die Dinge ausführlich und wirklich richtig zu klären.

Aber eigentlich ist es doch etwas Schade, dass man sich so schwer tut mit einer Debattenkultur hier im Netz, denn es gäbe viel zu kommentieren zur Kunst, gerade von denen die nicht an den angespitzten Orten wirken, sondern irgendwo in der mittelweile viel zu breiten Masse vor sich hin werken.

Eventuell nehmen wir uns das einfach mal als guten Vorsatz für 2014, die Debattenkultur anzuheizen, sowohl online als auch offline, und mal wieder mehr über das zu reden was uns zusammen hält, auch wenn ich das eigentlich nicht mehr so nennen will, bei all den Hirsts, Koons und Ai WeiWeis die unter dem gleichen Label wirken.
Aber es scheint ein guter Vorsatz und damit ein neues Projekt zu sein. Und in diesem Sinne passt dann auch der Titel unseres Weihnachtsgeschenks an Euch.
Die Edition ‚The new project“ gibts es nach dem Klick auf das Bild zum Download für Euch (auf der Webseite noch mal klicken um Download der Tif-Datei zu starten). Das Bild ist mit dem Tool eurer Wahl bis zu 100% skalierbar und lässt sich in jeder beliebigen Onlinedruckerei der Welt ausdrucken und innerhalb weniger Tage postalisch liefern. Und Jesus ist auch drin!

thenewproject-web-1024

http://www.thenewproject.de
publiziert und zum download unter CC BY-NC-SA 3.0
Auflage: ∞

Frohes Fest und alles Gute für das kommende neue Projekt 2014.

9 thoughts on “Geschenke zum Fest für Euch und ein neues Projekt für uns!

  1. Ja! Frag mal, Florian! Oder traut sich einer für Florian zu fragen?
    Ich glaub ich kanns in einem Satz erklären!

    Oder hat nichtmal endlich jemand eine Frage zu Kaninchen?
    Glaubt ihr, es kann funktionieren, wenn Künstler Antikapitalisten sind?
    Ist das nicht dann das Ende von allem?

  2. Was? Perisphere kann twittern? Verrückt!

    Ansonsten: schaun wir mal. Ist auf jeden Fall doch nett, wenn sich die Schreiber über ihre Kommentarkisten unterhalten und ihren blog somit einfach selber lebendig halten.
    Obwohl – vielleicht macht das dann noch mehr Angst :]

    Ich hab mir überlegt, die Antwort am ersten erst am ersten zu schreiben. Da freu ich mich schon drauf. Besonders, wenn ichs so unglaublich bereuhen werde, wenn ich da in Berlin in nem Internetcafé vor nem Computer …

  3. Hallo,

    ich hab jetzt lange gezögert, ob ich etwas schreiben sollte, weil meine Erfahrung darin besteht, dass auch ernst gemeinte Kommentare wenig Resonanz erfahren. Noch nicht einmal ein Dankeschön.

    Trotzdem hier ein Versuch das Problem anzugehen:

    Die harte und unangenehme Lösung: Empirie betreiben. Sprich versuchen die UserInnen zu fassen zu bekommen. Sei es durch Umfragen (und dabei den Anreiz zu antworten nicht vergessen. Etwa in Form eines Geschenks für eine Antwort…) oder durch persönliche Gespräche oder Anfragen. Der Leserkreis von Persiphere dürfte ja noch überschaubar sein. –> Was müsste geschehen, damit Du einen Kommentar schreibst?

    Ansonsten bleibt noch ein Kreis von Vermutungen:

    1) Nach Bourdieu ist das Kunstfeld durch eine besondere Machtkonstellation bestimmt, in der sich Menschen mit viel kulturellem und wenig monetärem Kapital (Künstler) Menschen mit wenig kulturellem und viel monetärem Kapital (Sammler, Vertreter von Institutionen/Behörden) gegenüberstehen. Auf beiden Seiten besteht daher die Neigung zu Schamgefühlen. Die Seite des Geldes tendiert dazu den Diskurs zu unterbinden oder wenigstens zu kontrollieren (durch geeignete Vermittler). Künstler, die zu offensiv durch eigene Meinungsbildung auftreten (Bloggen etc.) werden gemassregelt oder in subtilerer Weise in die Selbstzensur gedrängt.

    2) Nach Reckwitz („Erfindung der Kreativität“) ist die moderne Kunst insgesamt von einer anti-rationalen Haltung geprägt, die Gefühl und Empfindung über Denken und Kalkül stellt. Ein entsprechender Habitus wird schon an Kunsthochschulen eingeübt, wo das Sprechen über Kunst gerne an Experten (Kunsthistoriker, Kuratoren) delegiert wird. (Die Professoren sind in der Regel gerade deswegen Professoren, weil sie dem entsprochen haben. Sie geben ihre eigene inkorporierte Haltung an ihre Studenten weiter.)

    Wenn 1) oder 2) zutreffen, dann ist eine schnelle Lösung nicht in Sicht.

    Auf 2) liesse sich insoweit reagieren, für die User die Hemmschwelle zur Interaktion zu senken. Facebook hat das mit dem Like-Button vorgemacht. Wer nicht das Original und die damit verbundenen datenschutzrechtlichen Komplikationen haben möchte, kann unter den WordPress-Plugins einige Alternativen finden.

    Generell ist davon auszugehen, dass User auf einen Artikel in irgendeiner Form reagieren wollen. Ein Kommentar kann in der Regel eine zu hohe Hürde sein. Man sollte daher versuchen ihnen entgegenzukommen. Wer mehrfach ein Like setzt, ist vielleicht irgendwann auch zu einem Kommentar bereit.

    Like it?

    Grüße
    Stefan

    1. Die vorgebrachten Argumente treffen nur bedingt zu, weil zu verallgemeinernd, denn wer wirklich will, kann während des Kunststudiums tatsächlich auch die Theorie dazu studieren (aus meiner Sicht unbedingte voraussetzung für eine relevante Produktion ist die Kenntnis der Kunstgeschichte und -wissenschaft; wer, wenn nicht die Künstler sind die Experten des Metiers? Die Theoretiker fungieren lediglich als „Übersetzer“ für die Ahnungslosen)-Das Problem liegt eher darin, daß die Kunstwelt insgesamt immer noch zu sehr im erhabenen, abgehobenen, sakralen Licht steht. Ein Museumsbesucher beispielsweise, der emotional reagiert (vorsicht Geräuschepegel), wirkt wie ein Alien und wird im Bedarfsfall vom Wärter genauso zurechtgewiesen als befände man sich im Petersdom. Lachen über Kunst gilt gar als Sakrilek (da wird selbst das Oeuvre eines Kippenbergers, unseres Possenreissers, bierernst betrachtet). Diskussionen über eine Ausstellung vor Ort finden so gut wie nicht statt (und wenn dann unter vorgehaltener Hand). Das sich bislang in diesem Blog keine Diskussionskultur entwickelt hat liegt vornehmlich aus der Paarung von Ahnungslosigkeit und vor allem der sogenannten Strategie, hier meine ich die Marktkompatibilität (an der hiesigen Akademie begann der spätestens der unsägliche Herr Lüppertz seinen Eleven nahezulegen mit Kunst könne man prima Knete machen und dies sei nicht nur legitim, sondern sogar notwendig, um im feinen Zwirn mehr zu scheinen als zu sein). Beides hat zur Folge, daß Angst sich breit macht. Angst, den Mund aufzumachen, um es sich nicht mit irgendjemand zu verscherzen, Angst davor, etwas dummes zu sagen. Und dann gibt es noch den veralteten Habitus der Unnahbarkeit (wenn ein Künstler etwas über sein Ouvre sagt, raube er dessen Geheimnis). Also vor weil niemand irgendwem auf den Schlips treten will halten alle in der Öffentlichkeit das Maul und überlassen es den Bildzeitungen des Kunstmarktes wie Art-Magazin, Kunstzeitung und dergleichen, Ihren hirnlosen Senf zu verbreiten. Damit degeneriert die gesamte Kunstwelt zur Rotlichtmeile. Die Sammler sind die Freier, die Galeristen die Zuhälter und die Künstler die Nutten.
      Keine Ahnung habe ich, wie man hier eine Diskussionskultur anregen könnte. Likes nach Facebook Vorbild sind mir zuwider (war schließlich mit ein Grund diesen Zeitfresser zu verlassen). Vielleicht zeigt sich daran schlicht, daß ich schon ein alter Sack bin und man kann so tatsächlich „User animieren, hier mitzumachen. Kommentarseiten der Tageszeitungen sind in aller Regel auch recht hohl. Also schlage ich vor hier ein Diskussionsforum zu etablieren: in regelmäßigem Abstand wird ein These in den Raum gestellt und zum Mitschreiben aufgefordert. (Redaktionelle Bearbeitung der Kommentar ist wünschenswert, wenn machbar)

      1. das mit der these finde ich gut und können wir hier gerne angehen. das ist eventuell auch fruchtbarer, als diskussionen zu allgemeinen fragestellungen dann anhand einzelner werke oder ausstellungen zu führen.
        vorschläge gerne hier oder per e-mail an uns, wer es privat lieber mag.

        der wunsch nach redaktioneller bearbeitung der kommentare ist nach vollziehbar und ich werde mal sehen ob mir dazu eine lösung einfällt, wie man das umsetzen könnte. ich mache mir dazu mal ein paar gedanken.

        hgfk

  4. hallo stefan,

    da steckt einiges bemerkenswertes drin, in deinem beitrag. ich muss dass in jedem fall erst mal sacken lassen, das dauert ja ein weile bis einem dazu etwas entsprechendes einfällt. und katrin wird dazu wohl auch bald was ausführliches schreiben, wenn ich das recht verstanden habe.
    bezüglich der bewertungssysteme werde ich aber nach schauen, bzw habe das bereits getan, und da gibt es ja wirklich schon einiges an modulen und plugins.
    das ist auf jeden fall einen versuch wert, hier zu experimentieren und mal versuchsweise einen einfacheren zugang zu bieten.
    eventuell reicht das ja auch schon an interaktivität. und wir merken, es muss gar nicht jeder zu allem eine meinung und position haben. und vieleicht stellen wir dann ja auch irgendwann, dass kommentare, bewertungen und ähnliches von lesern generell nicht weiter führen, und dass das aktuelle expertensystem gar nicht so schlecht ist.

    mehr experiment sollte 2014 aber in jedem fall drin, erst dann ist man etwas schlauer.

    hgfk

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.