Wie alles wirklich funktioniert : große Kunst

Liebe Leser,

weil es nötig ist, ist der Text heute aberhallo mal wieder viel viel viel zu lang.
Daher gibt es Schaubilder für die ganz Eiligen, die aus dem Zusammenhang gerissen zu schönen Diskussionen führen können, zu denen ich herzlich einlade.

 

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Für den Größenverglech wurden Kunst und Kunstmarkt in der Abbildung räumlich getrennt.

 

Für die Mitteleiligen gibt es einen Film ganz unten, nur ein wenig geschnitten, mit Fehlerchen belassen aber verschnellert und natürlich trotzdem immernoch weit länger als die heutzutage übliche Aufmerksamkeitsspanne für irgendwas.

 

Herzner System Frage
Die Frage.

 

Heute also : die Erklärung von allem und wie es wirklich funktioniert und trotzdem nicht:

 

Das Allerwichtigste ist folgende Feststellung: Es ist zu differenzieren zwischen Kunst, Kunstmarkt und Ausstellungsbetrieb. Trotz gewisser Überschneidungsbereiche sind diese drei Begriffe und Sphären sind nicht deckungsgleich. Die Kunst ist sehr sehr viel größer als der Ausstellungsbetrieb und noch viel größer als der Kunstmarkt.

 

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stark vergrößerte Aufnahme

 

Was ist Kunst?

Kunst soll sie die Wahrnehmung anregen und den Menschen die reale Welt, die innere Welt, die Metaphysik und/oder sich selber an neuer Stelle erlebbar machen, untersuchen, erklären und/oder verschleiern.

Dies geschieht über die Stimulation des Gehirns durch die Reizung der Wahrnehmungsorgane. Die Stimulation kann Effekte haben, die sich zwischen körperlichen Reaktion (Hormonausschüttung), logischem Nachdenken und allen Mischformen bewegen und so zu Erkenntnissen, Verwirrung und allen Mischformen führen.

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„Das Auge des Betrachters“: Perzeption und Analyse allgemein, hier gezeigt am Beispiel der Kunst.

 

Kunst liegt also quasi hinter den Sinnesorganen des Menschen [in diesem Text aus Schönheitsgründen verkürzt auf „im Auge des Betrachters“] in seiner intellektuellen und emotionalen Reaktion seine Hirns.

Kunst ist daher ausschließlich individuelle Ansichts-, Definitions-, Deklarations- und Gefühlssache.

 

Aus was wird Kunst gemacht?

Im Umkreis der Autorin und dieses blogs geht es bei „Kunst“ vornehmlich um bildende Kunst. Im Unterschied zur Literatur, Musik und Theater versucht bildende Kunst über alternative Medien als der geschriebenen Sprache, Ton und Schauspiel die Wahrnehmung des Menschen zu aktivieren, zu stimulieren, trainieren und häufig darüber hinaus weitere Informationen zu ver- und übermitteln.

Vor einiger Zeit wurde mit der Erfindung und Verbreitung technischer Aufnahme- und Wiedergabegräte die Informationsvermittlung revolutioniert. Neue Medien kamen hinzu, die zum einen Musik und Theater durch Aufzeichnungen vom ephemeren Sockel hoben und das gemalte Bild (ein herkömmliches Produkt der bildenden Künste) und die Schrift als einziges Zeitdokument technisierten, vereinfachten und eine Illusion von veritabler Abbildung der Realität implizierten.

Medium der bildenden Kunst kann alles sein. Alles kann Medium der Kunst sein.

Klassische Transportmittel für bildende Kunst sind weiterhin Malerei, Skulptur, Zeichnung und Installation, die mit konkretem Material arbeiten, dann im Übergang Fotografie, Film und Ton bis hin zu Performance und Handlungen, Happenings, Zusammentreffen und Ereignissen ohne Betrachter, beobachteten Prozessen, bloßen Gedankenspielen, Konzepten, die wiederum Zeichnung, Text, Malerei und Skulptur nach sich ziehen oder eben nicht, sowie sämtlicher Querverbindungen und Mischformen.

Entscheidend für die Erscheinung eines veritablen Kunstwerkes ist letztendlich seine Deklarierung.
Und zwar aus was für Gründen auch immer.

 

Da jeder Mensch Wahrnehmungsorgane hat, hat jeder Mensch das Recht Kunst als solche fest zu legen – als wahrnehmungsstimulierend einzuordnen oder auch als unrelevant einzustufen – als Literatur, Schauspiel oder Objekt – und aus der Kunstwelt auszuschließen.

 

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Man kann es nicht oft genug sagen.

 

Wie groß ist die Kunst?

Die Kunst – und ich rede ab jetzt bei diesem Begriff von bildender Kunst – liegt im Auge des Betrachters. Alles was von wem auch immer als solche deklariert wird, ist Kunst. Ihre Grenzen liegen dabei allein beim Einzelnen. Daher gibt es keine allgemeingültigen Grenzen. Dadurch ist die allgemeine Kunst unendlich groß bis gar nicht vorhanden oder hat eine Donutform wie das Universum oder ist das Universum oder das Leben an sich.

 

Die große Frage: Welchen Wert hat Kunst?

Der Wert von Kunstwerken liegt – wie alles – im Auge des Betrachters. Da die Kunst selber ja bereits subjektiven Urteilen unterliegt, gibt es logischer Weise auch überhaupt keine allgemeingültigen Maßstäbe für den Wert von Erzeugnissen der Kunst.

 

Warum fühlt der Mensch einen Wert von Kunst?

Es gibt sämtliche Mischformen der Wirkungen von Kunst auf den menschlichen Organismus.
Die Autorin wählt zur Erläuterung Angst und Glück als zwei Pole.
Herzner System Pole
Beide Pole lösen im Menschen Verlangen aus, appellieren die „niederen“ Instinkte, liegen im ungreifbaren, unkontrollierbaren. Angst ist ursprünglich dafür da, den Menschen richtig reagieren zu lassen, wenn echte lebensbedrohende Situationen auftreten. Oft ist das Gefühl assoziiert mit Einsamkeit, in denen selbst der nächste, der vielleicht sogar doch neben einem steht, trotzdem nicht mehr als Hilfe angesehen werden kann.
Glück tritt auf als Hinweis für Sicherheit und Geborgenheit – dem Nicht-Vorhanden sein von Lebensbedrohung, der Hinweis auf die Möglichkeit des Selbsterhalt durch Geselligkeit, gegebenenfalls mit sich allein.
Der Körper schüttet Hormone aus, um eine Reaktion zu ermöglichen, die den Menschen die intellektuelle Abwägung bei der Entscheidung zwischen Flucht oder Verbleiben erleichtert und aus der (langsamen) intellektuellen Gedankenwelt auf die (schnelle) Instinktebene verlagert.

 

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Das Kunstwerk ist konkreter als die Kunst. Beide können aus unterschiedlichen Gründen dieselben Reaktionen im menschlichen Körper auslösen.

 

Das Wunder der individuellen Simulation

Das angenehme an der Kunst ist, das sie lediglich simuliert. Sie stimuliert die Sinne und erzeugt eine echte Reaktion des Körpers, um damit ein Überleben in der realen Welt zu trainieren.
Sie ist besonders anregend, weil sie die Instinkte doppelt anspricht: Die Unendlichkeit der Kunst und ihre Unbewertbarkeit an sich kann den Menschen Angst machen: die große Unsicherheit vor dem Unendlichen, dem Ungreifbaren, von mir aus Göttlichen ins Bewusstsein rufen.
Die Unendlichkeit der Kunst und ihre Unbewertbarkeit kann den Menschen das Gefühl von Freiheit geben.
Sie kann in ihrer Unsicherheit Lust erzeugen und Begierde.

Je langweiliger die individuelle Welt ist, desto größer wird das Verlangen nach Kunst, damit die Sinnesorgane und instinktiven Reaktionen im Training bleiben, falls denn dann mal doch etwas passieren sollte.
Kunst kann damit unerklärlich, instiktiv attraktiv sein bis besitzungswürdig. Und zwar trotz oder gerade wegen ihrer Unsicherheiten.

Je nach Mensch genießt er das Erlebnis von Instinkt in dieser simulierten Welt und wird sogar großer Fan oder abhängig. Oder er lässt genau deswegen von der Kunst im Ganzen oder in Teilen die Finger.

 

Der individuelle Entscheidungszwang

Dies Kunst wird also individuell extrem unterschiedlich bewertet und niemand kann eigentlich dabei helfen.
Denn die eigenen Sinnesorgane stecken nun mal nur im eigenen Körper und sind verbunden mit dem eigenen Gehirn.

Jeder muss es selber entscheiden.

Das fordert die Kunst.

Der individuelle Entscheidungszwang, der in vielen Menschen eine Idee von Einsamkeit oder Überforderung auslöst, verlangt nach die Suche nach Sicherheit in Orientierungshilfen, die vielleicht doch eine Allgemeingültigkeit simulieren und damit die Angst im Umgang mit der Kunst scheinbar verringern.

 

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Das ist nicht korrekt, aber so ist es angenehm einfach zu verstehen.

 

 

Die Orientierungshilfen

Orientierungshilfen funktionieren, in dem sie sie die Ausschüttung der Hormone beim Umgang mit der Unsicherheit von individueller Einsamkeit in der Entscheidung in Richtung allgemeinem Glück (Sicherheit, Geborgenheit) verlagern, die Angst verringern und Zugänge zur Kunst schaffen.

Diese Orientierungshilfen sind Krücken, die von der Welt außerhalb der Kunst geschaffen wurden, um sie in den Griff zu kriegen. Kein Wunder – das erscheint in jedem Fall sicherer. Die Kunst als ungreifbare Unendlichkeit kann sie allerdings gleich wieder negieren und ad absurdum führen. Und wenn sie will für sich benutzen.

 

Herzner System BegabungDie Besonderheit schafft Sicherheit für Kunst.

Wichtiger Faktor in diesem Bereich ist eine offensichtliche Sensibilität, die ein Mensch (z.B. ein sog. Künstler) von den meisten anderen unterscheidet. Er hat ein scharfes Auge des Betrachters, nimmt mehr wahr als andere, erscheint außergewöhnlich, scheint mehr sagen zu haben als andere.
Dies soll sich dann in seinen Kunstwerken materialisieren. Dabei hilft wiederum handwerkliches Geschick: passgenaues Arbeiten, die Nähe der Abbildung zur Realität, die Wahl des richtigen Materials etc.
Traditionell war Begabung in Wahrnehmung geknüpft an die Begabung im Handwerk – das Handwerk aufgrund seiner vielleicht einfacher wahrnehmbaren Kategorien bevorzugt herangezogen, daraus geschlossen die allgemeine Begabung des Erzeugers.

Aber: durch die Vielzahl der Medien und Ausdrucksformen rückt das Handwerk in den Hintergrund und die Wahrnehmungsbegabung und deren Ausdruck in allerlei Dingen und Prozessen in den Vordergrund. Außerdem dürfen Künstler gute Handwerker für sich arbeiten und ihre Ideen verwirklichen lassen.
Dies geht soweit, das „fehlendes“ handwerkliches Geschick als Ausdrucksform Gültigkeit hat oder gar bewusst simuliert wird.
Außerdem darf man durch Kunst auch ausdrücken: Ich habe keine Ahnung, verstehe das alles nicht und habe auch keine Lust, es Euch zu erklären und deswegen ist es auch noch ganz wackelig und schlecht gemacht – und damit die verzückte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen.

 

Herzner system erfahrungErfahrung verringert Angst vor Unbekanntem.

In ihrer bloßen nackten Definition wird Kunst gerne bekleidet mit Begriffen und Selbstverständnissen wie Professionalität, bewusste Unprofessionalität, professionelle Unprofessionalität, amateurhafte Professionalität, professionelle Amateurhaftigkeit, Amateurhaftigkeit, Unbedarftheit, Unreife. In diesen Begriffen steckt der Gedanke daran, man könne mit Zeit und Professionalität die Kunst lernen und besser verstehen.

Die Zeit, die ein Mensch sich mit Kunst beschäftigt hat, täuscht die Möglichkeit eines messbaren Faktors von Erfahrung vor. Beliebt zum Nachweis von Zeit ist dabei die akademische Ausbildung des Künstlers, der ihn scheinbar in den Himmel der Professionalität befördert. Aussagekräftig scheinen die Anzahl der Ausstellungen, die eine Auseinandersetzung nachweisen.

Die Sicherheit, die eine durch Urkunden nachgewiesene Bildung vermittelt, liegt allerdings – wie alles – im Auge des Betrachters. Um nur ein hübsches Phänomen zu nennen: In der professionellen Kunstwelt sind Off-Künstler sehr hoch im Kurs, die ihre eigene Werke vielleicht nicht als Kunst ansehen, sondern als innere Notwendigkeit. Ihre unbedarfte Intensität, ihr ungezügelter Zeitaufwand lässt Außenstehende auf Kunst schließen. Für manche Menschen im Kunstsystem mag die Entdeckung eines Off-Künstlers als da höchste der Gefühle gelten und sich als besonders erfahren profilieren. Je unprofessioneller und unerfahrener die Entdeckung, desto besser.

 

Herzner System WissenschaftWissenschaft lenkt von unsicheren Gefühlen ab.

Viele Arbeiter versuchen sich in Bildung, in Anhäufung von Informationen, über Gespräche und Abhandlungen, dem Besuch von Ausstellungen, dem Kramen in der Geschichte, dem Beobachten aktueller Tendenzen und der Mutmaßung von dem, was bleiben und kommen wird, die Kunst in ihrer Unendlichkeit zu packen. Sie versuchen auf der intellektuellen Ebene zu bleiben, oder die instinktive Ebene wieder zurück in die intellektuelle Welt zu holen.
Sie versuchen, ein ordentliches intellektuellen Geländer zu bauen, an dem man sich festhalten kann, um nicht Gefahr zu laufen, in Gefühle zu versinken. Dieses Geländer heißt Kunstwissenschaft und ist aus Theorie gebaut.

In Vergessenheit gerät darüber, dass kein Mensch bei der Kunst rechter haben kann als ein anderer und Intellektualität nur ein Teil der Kunst ist, ansichtsachenweise sogar vollkommen fehl am Platz sein mag. In jeder Kombination von menschlichen Organen und Körper liegt in jedem der individuelle Instinkt und die eigene individuelle, ungreifbare, unwiderlegbare Wahrheit.
Der intellektuelle Reiz mag manchen Personen ausreichen, übertriebene Kopflastigkeit aufgrund fehlenden Mutes und Missachtung von Intuition beschränkt die Möglichkeiten der Kunst jedoch meist auf deren langweiligeren Teil.

 

Herzner System MehrheitGeselligkeit verringert Angst.

Es ist tatsächlich sinnvoll, dass Kunst von Dritten, also Betrachtern, gesehen wird. Einige Dritte machen sich zu Experten, überlegen, wie und welche Kunst zeigenswert erscheint und sorgen für die Veröffentlichung von Werken.
Eine öffentliche Betrachtung zieht allerdings folgende Illusion von Sicherheit den Individuums in der Herde mit sich: je mehr Menschen die Kunst sehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sie als Kunst definieren, desto größer scheint die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich Kunst ist. Das hat zur Folge, dass Menschen Dinge, die in Kunstmuseen als Kunst gezeigt werden durch ein Mehrheitsgefühl leichter als Kunst hinnehmen können.
Museen erschaffen Autorität, die dem Betrachter sagt: Dies ist Kunst. Das kann so weit gehen, das Betrachter trotz gerechtfertigtem Unverständnis anfangen, an sich selber zu zweifeln.

Dieser Quatsch der Sicherheit der Mehrheit, die ihrerseits von Individuen gelenkt wird, erzeugt zusätzlich zur der tatsächlichen Notwendigkeit einen instiktiven Bedarf an Plattformen, auf denen Kunst gezeigt wird. Je mehr Menschen zu Besuch kommen, desto größer ist die Mehrheitsmacht der Institutionen.

 

Herzner System GeldGeldwerte und die Möglichkeit der kommerziellen Verwertbarkeit von Kunst implizieren Berechenbarkeit und Sicherheit.

Ein Geldwert – wie auch immer er nun erzeugt wurde – ist viel greifbarer als die Unendlichkeit und Unberechenbarkeit der Kunst. Das unendliche Kunstwerk drückt sich aus in einen numerisch begrenzten Betrag. Betrachter nehmen konkrete Geldwerte dankbar an und sehen es aufgrund dessen als Kunst an.
Der Wert von Kunst wird interessanter Weise auch dadurch beeinflusst, ob er sich am Verkauf orientiert, überhaupt gehandelt werden kann oder eben nicht. Je nach Auge des Betrachters ist es wertvoll, ob ein Werk bereits gehandelt wurde, überhaupt gehandelt werden kann oder eben gerade nicht.

Dabei wiederhole ich nur einen Satz von weiter oben:
Der Wert von Kunst liegt – wie alles – im Auge des Betrachters. Da die Kunst selber ja bereits subjektiven Urteilen unterliegt, gibt es logischer Weise auch überhaupt keine allgemeingültigen Maßstäbe für den Wert von Kunst. Es gibt Kunst, die sofort zerstört wäre, würde sie verkauft werden.

 

Herzner System BehauptungDas Empfinden von Angst und Glück eines Menschen ist unter anderem Abhängig vom Gefühl der Einsamkeit und kann deswegen durch andere verringert und verstärkt werden.

Menschen wollen überzeugen und greifen damit bewusst und unbewusst auf alle Mittel zurück. Menschen wollen überzeugt werden und lassen dafür unterschiedlichste Mittel zu. Überzeugende Menschen können empfänglichen Leuten alles erzählen. Sie können dabei auf die bereits aufgeführten Orientierungshilfen zur Argumentation zurückgreifen.

Letztendlich freuen sich die Menschen einfach über die Illusion von Orientierung, die Menschen beabsichtigt und unbeabsichtigt durch ihr Auftreten, geschicktes Formulieren und Gestikulieren, ihre Ausstrahlung und ihr Sexappeal bieten, und nehmen sie dankend an. Hier können sie instinktiv die Verantwortung für die Definition von Kunst abgeben.

 

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Ja wie und das ist jetzt Kunst?

 

Die Autorin schränkt die eigentlich unendliche Zahl der Orientierungshilfen zur Erleichterung der Orientierung ein und sagt:

Kunstmarkt und Ausstellungsbetrieb arbeiten mit diesen sechs Orientierungshilfen.
Sie unterscheiden die Unendlichkeit der Kunst von der Kunst innerhalb von Kunstmarkt und Ausstellungsbetrieb.
Sie sind zwar letztendlich unnötig und unmöglich, aber sie scheinen sich so sehr zu lohnen, dass es sogar echte Arbeitsplätze daraus entstehen und es aberhallo um einen ganzen Haufen Geld geht.
Ihre Übergänge sind fließend und liegen im Auge des Betrachters.

Fast jeder Akteur – Künstler, Kunstwissenschaftler, Kurator, Käufer und die Kunst selber – nutzt diese scheinbar allgemeingültigen Orientierungshilfen, obwohl sie keine sind und sein können.

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Der Ausstellungsbetrieb:

Der Ausstellungsbetrieb erzeugt, wie oben bereits erwähnt, Plattformen zur Veröffentlichung von Kunst in Form von Ausstellungshäusern und echten und virtuellen Räumen.
Die Sphäre des Ausstellungsbetriebes ist schon aufgrund seiner oft recht physischen Grenzen von Gebäuden und menschlicher Beweglichkeit und der Grenzen eines virtuellen Netzwerks eingeschränkt und zeigt daher schon aus Prinzip nur einen kleinen Teil der unendlichen bildenden Kunst.
Im Ausstellungsbetrieb liegt die Hoheit bei der Herstellung vom Wert von Kunst durch die Orientierungshilfe der Mehrheit Herzner System Mehrheit.

 

Wie wichtig tut der Ausstellungsbetrieb?

Der Ausstellungsbetrieb erzeugt die Illusion von Wichtigkeit, weil er Orientierungshilfen in doppelter Form anwendet und dabei verstärkt und sogar aufdringlich übersteuern kann: Erstens Kunst wird hier scheinbar bewertbar und zweitens kann der Ausstellunsgbetrieb selber mit den Orientierungshilfen bewertet werden und unterstützt damit das Bewertungssystem selbst.

Überschneidungen mit dem nun folgenden Kunstmarkt bilden die Galerieräume, in denen Kunst eindeutig zum Verkauf ausgestellt wird. Hier sind die Dritten die kommerziellen Galeristen, die im kommerziellen Raum kommerzieller Kunst handeln und damit doppelt und dreifach bei der Orientierung helfen. Je mehr Kunden und Besucher eine Galerie hat, desto mehr kommt außer der Orientierungshilfe des Geldwertes die Orientierungshilfe der Mehrheit zum tragen.

 

Was ist der Kunstmarkt?

Der Kunstmarkt beinhaltet den Handel mit Kunst.
Der Kunstmarkt  ist, wie der Ausstellungsbetrieb, auf eine Minderheit der Menschheit und ihrer räumlichen Ausdehnung physisch begrenzt und funktioniert ähnlich, überschneidet auch ja auch mit ihm. Er spielt und hantiert zusätzlich sehr offensiv mit Orientierungshilfe : Geldwert Herzner System Geld.
Er beschränkt sich damit auf einen noch kleineren, verkaufbaren Teil der unendlichen Kunst und ist damit kleiner als der Ausstellungsbetrieb.

Der Kunstmarkt ist durch seine Illusion von Sicherheit im Umgang mit der Kunst so sehr im Fokus, das sogar in die Arbeit der Künstler eingreift und sie an ihrer eigenen Definitionshoheit zweifeln lässt, obwohl doch eigentlich sie die Begabten und Sensiblen sind. Künstler, Kuratoren, und Mitmischer jeder Art können ins Zweifeln an einer Daseinsberechtigung von Kunst außerhalb des Kunstmarktes geraten. Sie vergessen vollkommen, dass der Kunstmarkt seine Energie nicht aus der Kunst, sondern aus den Orientierungshilfen zieht, die Maßstäbe aus der Welt außerhalb der Kunst bezieht, um Messbarkeit der Unendlichkeit vor zu täuschen und das der Kunstmarkt nur einen winzigen Teil der Kunst zeigt.

Das geht soweit, das der Kunstmarkt wiederum in den Ausstellungsbetrieb eingreift, und damit indirekt in die Kunstwissenschaft und seine Macht der Mehrheit.

 

Wie reagiert die Kunst?

Es ist ntürlich einfach, zu behaupten, Orientierungshilfen und Geld liegen außerhalb der Kunst, seien keine Kunst, hätten nichts mir ihr zu tun, seien vielleicht eine andere Kunst, aber nicht die bildende. Dies würde Schwarzweißmalerei vereinfachen, den Kunstmarkt als böses Wesen entlarven, das außerkünstlerische und ungerechtfertigte Orientierungshilfen heranzieht, um die unschuldige Kunst zu kastrieren und einzusperren.

Die Kunst ist jedoch keineswegs unschuldig. Die stärkste Kunst innerhalb des Kunstmarktes ist die, die Orientierungshilfen des Kunstmarktes mit in die Kunst holt und jeglicher Kritik mit Recht erhaben ist.
Das ist zulässig, sogar hoch interessant. Und sie ist für die Personen, die sie als solche ansehen, selbstredend Kunst. Und zwar Kunst von Wert. Von Geldwert.

 

 

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Sieht zwar doof aus, aber so kann man es trotzdem sehen.

 

Das Wichtigste zum Schluss:

Die Kunst hat sich im Laufe der Zeit von den Engen ihrer Produktbreite in die Unendlichkeit befreit.
Geblieben ist das Verlangen nach Bewertung, um sie trotzdem in den Griff zu bekommen.
Und der Kunstmarkt macht das sehr gerne, weil sich in ihm aus dem Phänomen der Ungreifbarkeit der Kunst monetärer Gewinn schlagen lässt.

Der Kunstmarkt ist von der Größe her ein Fliegenschiss. Aber er ist so mächtig, weil er mit Angst und Glück arbeitet, plus Illusion von Professionalität mit rein zieht, Sicherheit illusioniert in vollkommen rechtsfreiem Raum, Sicherheit durch Mehrheiten schafft, Sicherheit durch sich selber, mit Risiko und Vergänglichkeit, mit einem erkauftem Beweis für Geschmack spielt, Arbeitsplätze für seltsame Menschen schafft und eine Wunderwelt der konsumierbaren Kuriositäten in vollem Glanz erstrahlen lässt. Er ist ein Autorität, er zieht eine unglaubliche Aufmerksamkeit auf sich, die die Unendlichkeit der Kunst vergessen lässt.

Er verringert die Angst und bietet stattdessen Glück gegen Geld.

Und es ist berechtigt, wie alles in der Kunst.
Alles ist gut.
Die Kunst ist nur halt viel größer.
Und die Orientierungshilfen sind in echt halt keine.

 

 

Lieber Axel,

alles ist relativ und Kunstmarkt ist nicht das Ende der Kunst, denn das Kunstsystem ist umfassender.
Und den Kunstmarkt könnte man als Autorität sehen. Ich kann diese Vorstellung aber nicht ernst nehmen, denn ich bestimme selbst, welche Autoritäten ich anerkenne oder nicht.
Und wenn ich den Kunstmarkt nicht endgültig ernst nehme, kann ich auch nicht erwarten, dass der Kunstmarkt mich ernst nimmt.

Die Kunst nimmt mich sehr ernst. Die Kunst und ich, wir führen schon seit längerem eine offene Beziehung. Und hin und wieder gibt es ziemliche Krachs. Ich erwäge sehr oft mich zu trennen. Und das letzte mal war es echt hart an der Grenze und dann kam da diese Sache mit dem Leben an sich bei raus.

Menschen, die die Kunst so ähnlich sehen können wie ich, finden meine Kunst super oder zumindest beachtenswert oder interessant. Die anderen haben sie noch nicht gesehen, ihnen fehlt irgendetwas für ihre Orientierungshilfe, sie glauben, sie kapieren sie nicht, sagen nichts kritisches und/oder haben Angst, sie wären die Dummen.

Herzlich Katrin Herzner

17 thoughts on “Wie alles wirklich funktioniert : große Kunst

  1. Wow, Katrin, vielen herznerlichen Dank für die detaillierte Antwort! Ich fühle mich ein bisschen wie jemand, der Seife in einen Geysir geworfen hat. Das macht man ja eigentlich nicht, weil sich das negativ auf dessen Eruptionstätigkeit auswirkt, aber ich konnte nicht wissen, dass meine Frage einen Ausbruch bei dir auslöst. Jetzt hab ich einerseits ein schlechtes Gewissen, andererseits das gute Gefühl zumindest halbwegs verstanden zu haben wie das mit dem Kunstsystem wirklich funktioniert. Danke!

  2. Hallo Axel,
    gern geschehen, aber ich habe vielmehr für die Frage zu danken.
    Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil der Text so unhandlich lang ist und ich nichts davon wegkürzen will. Aber wenn es so sein muss muss es wohl so sein. Ist übrigens auch nicht schlimm, wenn Du gar nichts verstehst – das wäre irgendwie auch ganz passend.
    Ich habe für die Frage zu danken.

    Hallo Leser,
    Ich könnte auch noch ein paar neue Fragen gebrauchen.
    Kein Angst – es kann Euch nichts passieren.
    Wie wär’s mal wieder mit was ohne Kunst?
    Als nächstes beantworte ich nämlich wahrscheinlich, ob ich schonmal was von Metamoderne gehört habe.

    Schöne Grüße Katrin

  3. liebe katrin,

    das wüsste ich in der tat gerne, ob du schon mal etwas von der metamoderne gehört hast. obwohl wir ja auch unser publikum nicht zum narren halten wollen in dem wir fragen beantworten die evident sind.
    die frage ist ja jetzt beantwortet.

    interessant wäre aber, was denn die metamoderne eigentlich ist?

    das wird ja derzeit an verschiedenen orten erforscht und verhandelt. eine fundierte einschätzung von deiner seite wäre sicherlich nicht verkehrt.

    mein aktueller erkenntnisstand ist: metamoderne ist wie moderne, nur alles genau ander rum.

    da geht aber vielleicht noch mehr?

    hg
    florian

  4. Liebe Katrin,

    ich zolle Dir meinen Respekt für die Leistung Kunst erklären zu wollen. Du hast Dich kurz gefasst.

    Wenn ich Deine Argumentation nachvollziehen kann, so verläuft sie in etwas so:

    Da draussen, quasi in freier Wildbahn, gibt es jede Menge Kunst (so eine Art Dark Matter). Jede/r, der den Mut hätte, seine eigenen Sinne und Verstand zu gebrauchen, könnte sie bemerken und wertschätzen. Ohne weitere Vermittlung.

    Nun neigen die Menschen aus Angst oder Faulheit dazu sich Krücken, Orientierungshilfen nennst Du sie, zurechtzulegen, um nicht mit ihrer eigenen Meinung alleine zu stehen. Ausstellungsbetrieb und Kunstmarkt tun ihr übriges dazu, die Auswahl einzuschränken und aufgrund ihrer Kriterien einen riesigen Bestand an Kunst auszublenden.

    So plausibel das klingt, ich habe doch meine Bedenken.

    Ich glaube nicht, dass Kunst „da draussen“, quasi a priori, einfach so exisiert. Vielmehr wird Kunst immer schon und vorab unter der Prämisse gemacht, dass sie im Kunstbetrieb erscheinen könnte.

    Peter Weibel sagt daher: „Wer Kunst macht, will auch Kunstgeschichte schreiben.“

    Kunstbetrieb (ob Ausstellung oder Handel) ist dem individuellen Schaffen nicht nachgeordnet, sondern soweit mit ihm verwoben, in es hineinreichend, dass eine Trennung kaum möglich ist. Auch Kunst, die es nie in den Ausstellungsbetrieb oder den Kunsthandel schafft, hat seine Prinzipien verinnerlicht und auf ihn ausgerichtet. Genau darin liegt auch ihre Tragik. Es gibt einige Ausnahmen, aber sie sind sonderlich rar.

    Moderne Kunst entsteht mit dem Moment, mit dem sie sich entschliesst, der Logik der Sammlung und damit des Museums (von dem Du gar nicht redest) zu entsprechen. Und infolge kann nur der Kunst entdecken, der den musealen Blick akzeptiert. Darüber hinaus gibt es keine (oder kaum) Kunst.

    Soweit mein Verständnis der Dinge.

    Herzliche Grüße
    Stefan

  5. Lieber Stefan,

    ehrlich herzlichen Dank für die Schilderung Deines Verständnisses der Dinge und Kunst. Ich freue mich wirklich über jede öffentliche Zurverfügungstellen von Gedanken, die sich wirklich jemand gemacht hat.

    Ich melde mich erst jetzt, weil ich ein wenig abwarten wollte, ob hier noch irgendwas passiert. So Rückmeldungen wie: Aber Nein. Oder aber: Ja, genau.

    Ich sehe keinen Widerspruch zu meinem Text. Vielmehr ist auch Deine Position als als mögliche Sichtweise darin eingebettet – sogar, dass Du sagst: über einen Punkt hinaus existiert leider keine Kunst.
    So eitel sich das jetzt anhören mag, ich finde, Du belegst das Prinzip, das ich hier konstruiert habe.

    Ich sehe es übrigens nicht so, dass die Kunst überhaupt außerhalb des menschlichen Geistes existiert – vielleicht könnte eine Dark Matter so etwas meinen? (Ich weiß nicht so genau, was das ist.) Falls das so rüberkam oder ich das so geschrieben habe, dann kann ich nur sagen, dass die ganze Welt allein in den etwa 7 Milliarden Hirnen so existiert wie sie ist – und zwar in etwa 7 Milliarden Varianten. Darüber hinaus gibt es nichts, was ich als für die Kunsteingrenzung relevant bezeichnen würde. Und die Kunst ist Teil der Welt schon seit den ersten Menschen, die in Höhlen gemalt haben.
    Und die „moderne“ Kunst ist nur ein Pups der Kunst – dazu kommt in einem der zwei nächsten Texte mehr.

    Menschen, die noch nie etwas von Peter Weibel gehört haben, sagen trotzdem mit Recht: „Die Ausstellungen im ZKM sind eine Nummer zu wirr, tut mir leid, ich verstehe nichts und da ist keine Kunst zu sehen.“ Oder sie wissen gar nicht wo das ZKM ist. Sie denken gar nicht an Kunst. Sie haben einfach besseres zu tun.

    An welchem Punkt sollte man anfangen, Meinungen von Menschen zu Kunst auszuschließen?

    Sie haben Recht so wie Du und ich und natürlich Peter Weibel oder derjenige, der behauptet: „Die beste Kunst ist jene, die nicht als solche geschaffen wurde.“ oder der andere, der sagt, dass gute Kunst sich unabhängig vom Künstler behaupten können muss oder weder Malerei noch Skulptur sei. Wer auch immer das jetzt jeweils war.

    Ebenfalls herzliche Grüße
    Katrin

  6. Liebe Katrin,

    jetzt habe ich eine Zeitlang nicht hier reingeschaut. Schön, dass Du geantwortet hast.

    Wenn Du schreibst:

    …dann kann ich nur sagen, dass die ganze Welt allein in den etwa 7 Milliarden Hirnen so existiert wie sie ist – und zwar in etwa 7 Milliarden Varianten. Darüber hinaus gibt es nichts, was ich als für die Kunsteingrenzung relevant bezeichnen würde.

    Dann ist das eine so extrem subjektive Ansicht, dass mir das philosophische und soziologische Rüstzeug fehlt, sie zurückzuweisen, weil sie mir so selten begegnet.

    Aber alles, was mich die Schriften von Heidegger, Luhmann und Bourdieu (um mal die zu nennen, die sich gleichzeitig mit Kunst und Erkenntnistheorie beschäftigt haben) gelehrt haben, lässt mich zu dem Schluss kommen, dass Kunst und jeglicher anderer gesellschaftliche Gegenstand sozial vermittelt und konstruiert wird. Und zwar vor jeder subjektiven Erkenntnis.

    Die Gesellschaft konstruiert/konstitutiert Subjekte, die erst nachträglich eine subjektive Sichtweise auf diese Gesellschaft werfen.

    Daher kann ich kurz und bündig sagen:

    Kunst ist das Geheiß der Anderen.

    Nur aus dieser Perspektive ist die ursprüngliche Fragestellung des Artikels erklärbar; nämlich, wie willkürlich erscheinende Entscheidungen im Kunstbetrieb zustande kommen.

    Herzliche Grüße
    Stefan

    1. Hallo Stefan,

      ich suche nach einer neuen Frage für den nächsten Text, und Du stellst nicht eine. Das ist ungewöhnlich. Da hat eigentlich bisher noch keiner geschafft. Mein ehrliches freundlich gemeintes Kompliment.

      Aber wo ich schonmal dabei bin, kann ich jetzt gerade eine Rückantwort verfassen:

      Ich glaube, ich sage kurz und bündig:
      Kunst ist die Ansicht des Einzelnen und anders geht es gar nicht.

      Ich lagere das Individuum und sein Hirn im Gegensatz zu Dir vor die Gesellschaft und überhaupt vor die Welt. Selbst Heidegger, Luhmann und Bordieu haben ja mit ihren eigenen Hirnen gedacht. Das kommt einfach kein Mensch drumherum.

      Objektivität ist eine Illusion, die subjektiv erzeugt wird.

      Die Subjektivität der Gesellschaft ist eine Illusion der Subjektivtät des Einzelnen.

      Die Gesellschaft ist das subjektive Ergebnis eines subjektiv zusammengeschusterten Konsenzes dessen, was der Einzelne subjektiv für die Subjektivität der Anderen hält.

      Die Anderen sehen für jeden Menschen anders aus.

      Es gibt Menschen, die sich abgesehen davon trotzdem lieber etwas sagen lassen, als selber zu entscheiden.
      Und das ist trotzem ihre subjektive Entscheidung. Ihr Hirn hat das so eingerichtet.
      Selbst wenn man sagen würde, die Gesellschaft hat es in das Hirn geschrieben, dann sage ich: ohne das Hirn kann nichts etwas in das Hirn einschreiben. (Ausnahmen bilden physische Verletzungen trotz Schädeldecke oder von innen als Schlaganfälle, natürlich)

      Und wenn jemand möchte, dass die Gesellschaft ihm vorgibt, was Kunst sei, dann ist das trotzdem seine subjektive Sicht auf die Kunst – nur er gibt die Verantwortung eben ab.

      So erkläre ich mir mein Recht, selber zu denken und auf meine eigenen subjektiven Ergebnisse zu kommen, weil sie ohnehin subjektiv sind.
      Und im Fall von diesem blog hier arbeite ich konsequenter Weise ohne gezielte Recherche bei anderen.
      Ich denke, mein Hirn recherchiert sowieso die ganze Zeit.
      Es vergisst nur sehr leicht Namen.

      Ist da wirklich so eine ungewöhnliche Ansicht?
      Ich finde das einleuchtend.

      Vor allem passt das doch eigentlich ganz gut in die heutige globalisierte individualisierte Welt, oder?

      Was soll man denn bei dem ganze Wust denn noch anderes machen, als zu denken: ‚Tja – die einen sehen es so und die andern so, also höre ich auf mich und respektiere die anderen.‘?

      Oh, mir fällt gerade noch was ein und ich nutze die Gelegeheit, ein wenig abzuschweifen:

      Ich komme jetzt darauf, weil ich mich frage, ob die Gesellschaft oder das Außen denn vielleicht nicht doch das Hirn formt, ohne das das Individuum mitreden kann – und somit die Gesellschaft die Kunst dort hineinsetzen könnte.

      Eine neue Therapie für Epileptiker ist der Ansatz, dass das Hirn lernt, seine eigenen „Gewitter“ (epileptische Anfälle) zu umgehen, in dem eben diese Umwege durch Hirntraining bewusst gebaut werden.

      Wenn man will, kann man selbst die äußeren Versuche der Einflussnahme auf das Hirn bewusst lenken.

      Ist selbst also Brainwashing eine Entscheidung des Hirns, es anderen zu überlassen?

      Den Hirntod zum kann man natürlich nicht wegdenken.

      Oder doch?

      Siehst Du, ich zum Beispiel komme ohne Fragen gar nicht aus.
      Das liegt vielleicht daran, weil ich mir das mit der Erkenntnis ziemlich umständlich mache.

      Mensch, vielen Dank für Deine Beteiligung.
      Und falls Du doch noch eine Frage hast, frag gerne.

      Bis dann, Katrin

  7. Hallo Katrin,

    ich versuch nochmal eine Vermittlung unserer unterschiedlichen Ansätze.

    Du kannst sicherlich sagen: Ich sehe das so. Das ist meine Wahrnehmung.

    Das kann Dir niemand ausreden. Ob das allerdings mit der Realität übereinstimmt, steht auf einem anderen Blatt.

    Ich musste an Dich denken, als ich kürzlich folgende Karte von Hamburg zeichnete:

    http://thinglabs.de/2014/06/kunst-in-hamburg/

    Darin habe ich manche Orte sehr groß gezeichnet, weil sie in meiner Wahrnehmung viel Raum einnehmen. Das ist meine Sicht auf Kunst in Hamburg. Museen und Galerien kommen darin nicht vor.

    Ich denke, soweit liegen wir auf einer Linie.

    Nun gibt es aber Museen und Galerien in Hamburg. Warum?

    Würde man viele Menschen dazu bringen, ähnliche Karten zu zeichnen, so würden sie wahrscheinlich dort Museen und Galerien eintragen, weil sie in ihrer Wahrnehmung mehr Raum einnehmen als in meiner. Und infolge verleiht diese Wahrnehmung den Institutionen Wirklichkeit. (Sehr verkürzt dargestellt.)

    Wenn Du nun mit Deinem Artikel ursprünglich erklären wolltest, wie willkürlich erscheinende Entscheidungen im Kunstbetrieb zustande kommen, dann liegt nach meiner Meinung der Erklärungsansatz darin, zu untersuchen, wie subjektive Meinungen sich zu Wirklichkeit formieren.

    Dass die/Deine subjektive Wahrnehmung allem vorangeht (was für sich auch problematisch ist), nehme ich mal hin, aber Du müsstest jetzt einen Schritt weitergehen und erklären, wieso manche Wahrnehmungen unter den Tisch fallen und manche Prominenz erlangen.

    Aber ich glaube, ich wiederhole mich.

    Grüße
    Stefan

  8. Hallo Katrin Herzner,

    ich muss gestehen, dass ich mir nur die Variante „für die Mitteleiligen“ angetan habe und möchte als Feedback auf Deinen Eingang in diesem Blogbeitrag eingehen: was gibt es da noch zu diskutieren? Vielen Dank dafür und wieder einmal Dankeschön, Stefan Beck, für den Hinweis!

    Viele Grüße,

    Sabine

  9. Hallo Stefan,

    auf Deine letzten Sätze in Deiner Antwort auf Katrin erlaube ich mir eine Rückfrage: weil die „Bewerbung“ von „Kunst“ eben auf anderen Beweggründen beruht als die Arbeiten an sich? Da mir meine Antwort so simpel erscheint, muss ich Dich da aber falsch oder unzureichend verstanden haben……. „Wahrnehmung“ als solche fällt doch nie unter den Tisch… – dass sie geleitet wird und DADURCH etwas unter den Tisch fällt, steht auch für mich außer Frage…

    viele Grüße!

  10. Liebe Katrin, mit grossem Interesse habe ich Deinen Beitag über Kunst gelesen. Die Art und Weise, wie Du Dein Video gestaltet hast, finde ich inhaltlich und gestalterisch sehr gelungen. Meine Mission ist, Menschen die Angst vor Kunst zu nehmen und Kunst verständlich zu machen.
    Mein härtester Fall ist folgende Aussage:

    „Ich würde zu Deinem Projekt kommen, wenn Ich anschliessend Lust hätte regelmässig ins Museum zu gehen. Wenn Kunst so schön für mich wäre, wie ein Buch lesen oder Musik hören, oder wie eine schöne Frau anschauen… oder die Sportschau.“

    Diese Aussage beschäftigt mich, seit ich sie gehört habe, jeden Tag. Ich möchte gerne eine Antwort finden. Was denkst Du über diesen Satz. Ich denke, das könnte zu einer wirklich veränderten Präsentation von Kunst oder zu einer neuen Art von Kunstvermittlung führen.

    Liebe Grüsse,
    Cornélia

    1. Hallo Cornélia,

      Sag der Person, Du kannst ihre Meinung erst ernst nehmen, wenn sie glaubt, Dich vom schöne Frauen ansehen überzeugen zu können. Oder Sportschau gucken.
      Oder irgendwas, was die Person richtig geil findet und Du aber voll nichts mit anfangen kannst, weil es Dir zu doof ist, erst die Regeln zu lernen.

      Ich persönlich würde sagen, ins Museum gehen kann für viele Menschen weder Buch lesen oder Musik hören, und überhaupt nicht schöne Frauen anschauen noch Sportschau ersetzen.

      Für manche Menschen ist da (leichte) Literatur, (unkomplizierte) Musik, Frauen oder Sportschau leichter zugänglich, weil die Systeme, auf denen sie beruhen, für sie eben irgendwie einfacher erscheinen, in ihnen schon drin stecken und leichter rein gehen.
      Manche Menschen müssten bei der Kunst nämlich erst damit klar kommen, dass sie das Gefühl haben, dass die Kunst sie fordert.

      Sie müssten also 1. kapieren, dass auch die Kunst ein System wie Literatur, Musik, Sex und Sport hat.
      Und das dann 2. dieses wiederum lernen zu ignorieren, um dabei auch zu entspannen.

      Wenn ihnen das aber zu viel ist, müssen sie eben bei Buch lesen oder Musik hören, schöne Frauen anschauen und noch Sportschau gucken bleiben, und verpassen die Kunst.
      „Selber Schuld“ kann man ihnen auch noch sagen, denn in der Kunst gibts es ja zum Beispiel auch Sex und Fussball.
      (Vielleicht wäre da der Konsum ein paar einschlägiger Kunstwerke sogar ganz ungewöhnlich anregend?)

      Cornélia, wirklich vielen Dank für Deine Frage.
      Ich werde leider vorerst nicht dazu kommen, einen längeren Text dazu zu schreiben.
      Aber vielleicht reicht das ja auch schon.

      Liebe Grüße,
      Dr. Katrin Sommer

      PS: Nach neuen Präsentationsformen und alternativer Kunstvermittlung sollte man übrigens immer suchen.
      Nicht nur, wenn man danach gefragt wird.
      Ich persönlich würde es im Moment aber nicht als mein Ziel in Betracht ziehen, den Anspruch an den Betrachter zu senken.
      Es gibt auch genug Leute, die nicht einsehen, das Niveau ihrer Literatur, Musik, Pornos und Fußballkommentaren zu senken, damit alle es mögen.
      Obwohl ich selbst da jeweils immer ein hohes Niveau schätze.

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