Viewmaster Projects: Ein etwas anderes Ausstellungskonzept

Cycle (2013) - Jacco Olivier - Fenixloods1, Wilhelminapier. Rotterdam
Cycle (2013) – Jacco Olivier – Fenixloods1, Wilhelminapier. Rotterdam

Im Oktober 2012 besuchte ich eine Eröffnung in Heerlen, einem kleinen Städtchen in Limburg nahe der deutsch-niederländischen Grenze, das weniger für seine kulturelle Seite bekannt ist. Nachdem ein Shuttle-Bus die Besucher von Maastricht hinüber transportiert hatte, war es dort dann auch erst mal wie bei jeder anderen Vernissage im mehr oder weniger kleinem Kreis. Man kommt zusammen, trinkt Bier und irgendwann hält jemand eine Rede. Stolz erzählen der Ausstellungsmacher und andere Beteiligte von der Ausstellung und dann geht es los mit dem Betrachten. Dieses mal aber ist etwas anders: die Objekte der Begierde, eine Reihe von Videos und Soundinstallationen, befinden sich nicht in einer Galerie, sondern draußen.

Inhale / Exhale (2005) - Michal Butink - Grote Gracht. Maastricht - foto Paul Koenen
Inhale / Exhale (2005) – Michal Butink – Grote Gracht. Maastricht – foto Paul Koenen

Jeder schaut in den kleinen Prospekt, der vorher an alle Anwesenden verteilt wurde und schnell wird klar, dass die Werke über die gesamte Innenstadt verteilt sind. Das Kunst interessierte Volk, mit mir mittendrin, beginnt sich also in Bewegung zu setzen und grüppchenweise verlässt es den Ort des Geschehens, um sich der Schnitzeljagd zu widmen. Schnell werden wir fündig. Das erste Werk des Abends, ein wenig versteckt hinter einer Säule, ist eine Arbeit von Christopher Baker mit dem Titel Urban Echo. Unmittelbar wird deutlich, dass es sich um eine interaktive Installation handelt die auf Tweets reagiert und schon haben auch die ersten ihr Smartphone ausgepackt, um sie zu testen. Während dessen werden wir argwöhnisch durch einen Nachtwächter begutachtet, der das Glashaus bewacht, in das die Projektion eingelassen ist. Da! Die gerade bei Twitter eingegebenen Worte beginnen nun über die Fläche zu tanzen und nach einem kurzen Geraune geht es dann weiter Richtung Einkaufsstraße.

Schon aus einiger Entfernung kommen einem die Papageienstimmen entgegen, die in der Soundinstallation Birdcalls von Louise Lawler die Namen bekannter männlicher Künstler aufsagen. Ort des Geschehens ist ein typischer Innenstadt Pavillon mit Sitzbänken, dessen grüne Drahtkonstruktion mit Efeu überwachsen ist. Unter diesem Blätterdach haben es sich drei junge Männer gemütlich gemacht. Einer von ihnen ist gerade dabei einen Joint zu drehen und als sie uns erblicken wird dieser auch wieder hastig versteckt. Plötzlich also sind die drei Herren, die wahrscheinlich nur ihren Feierabend genießen wollten, umzingelt von äußerst adrett gekleideten Menschen, die ihre Hälse in Richtung Blätterdach recken. „Wie ist es so in einer Soundinstallation zu sitzen?“ fragt ein in einen Anzug gekleideter Kunstfreund keck. „Was für eine Soundinstallation?“ kommt prompt von dem jungen Mann, ganz rechts auf der Bank sitzend, zurück. „Das ist Kunst!“ verkündet der schicke Herr im Anzug und während sich die beiden in eine Diskussion verstricken, kann ich beobachten wie die Konzentration der anderen beiden auf der Bank sitzenden Herren sich mehr und mehr auf die Beine der Ehefrau des Kunstfreundes verschiebt, die sich so wie ihr Mann für den Abend aufgehübscht hat, in einem äußerst knappen schwarzen Paillettenkleid.

Nein, das hier ist keine Fiktion, sondern eine Realität, die sich an der Fiktion der Kunst bricht und ehe man sich versieht findet man sich in einer sehr untypischen Ausstellungssituation wieder, die aber um so typischer ist für seinen Ausstellungsmacher Bart van den Boom und sein Viewmaster Projects. Eine einmalige Mischung aus urbanem Leben und digitaler Kunst die Fragen aufwirft, darüber wie Kunst aus den neuen Medien im öffentlichen Raum funktionieren kann. Ich bin nun seit einigen Jahren ein treuer Fan und habe Barts Projekte aufmerksam verfolgt. Seine aktuelle Ausstellung Out There befindet sich im Moment in Rotterdam und ist dort noch bis zum 08. März „begehbar“. Getroffen habe ich ihn jedoch in Maastricht – der Heimat von Viewmaster – um ihm für Perisphere ein paar Fragen zu stellen zu seinem Projekt.

 

Hallo Bart, schön dass du kommen konntest. Es gibt eine Frage die mich natürlich am meisten interessiert. Wie hat das mit den Ausstellungen eigentlich bei Dir begonnen?

Ich habe autonome Kunst auf der Kunstakademie in Maastricht studiert und danach Kulturwissenschaften auf der Universität. Bereits während des Studiums, so gegen 1999, habe ich begonnen Ausstellungen zu machen. Im Museum Bommel van Dam in Venlo und im Museum Het Domein in Sittard. Nebenbei habe ich bei der Zeitung De Limburger gearbeitet und Kunst-Kritiken geschrieben.
Nach dem Studium, als Kreativer, mit wissenschaftlichem und journalistischem Hintergrund habe ich dann begonnen am Kunst und Kulturzentrum Centre Ceramique in Maastricht das Inhaltliche Programm zusammen zu stellen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, dort Fotoausstellungen, Kunstausstellungen oder Kulturhistorische Ausstellungenzu organisieren. Dort habe ich dann Erfahrungen gesammelt wie man einerseits Kunstgegenstände mit dem Ausstellungsdesign zusammenbringt und präsentiert und auf der anderen Seite die Inhalte, wie die Texte und den Ausstellungsplan, für das Publikum auf zu bereiten.
2004 habe ich dann meine erste Videokunstausstellung im öffentlichen Raum gemacht. Die Ausstellung fand in Maastricht statt und trug den Titel „Extended Views“. An der Ausstellung nahmen 16 Künstler aus den gerade neu der Europäischen Union beigetretenen Ländern, wie Rumänien, Litauen oder Tschechien teil. 2010 bin ich dann Freelancer geworden und habe das Viewmaster Projects ins Leben gerufen mit der Ausstellung „For Real“ in Maastricht und Hasselt…

Hast Du zwischen Extended Views und For Real noch weitere Ausstellungen im öffentlichen Raum gemacht?

Zwischen 2004 und 2010 habe ich noch verschiedene kleinere Projekte im öffentlichen Raum zusammen mit Videokünstlern gemacht. Die Projekte fanden unter dem Namen „Moving Maastricht“ statt. Das waren kurze Programme in 15 Minuten Länge, in denen verschiedene Videos hintereinander liefen. Das war jedoch nur an einem Platz in der Stadt.

Trailer (2005) - Olde Wolbers - Lombaardstraat. Hasselt
Trailer (2005) – Olde Wolbers – Lombaardstraat. Hasselt

Wie kam es zu der Idee Videokunst im öffentlichen Raum zu präsentieren?

Für „Extended Views“ kam die Gemeinde mit der Bitte auf mich zu, eine Ausstellung über die neu der EU beigetretenen Länder zu machen. In Maastricht war der Vertrag unterzeichnet worden. Die Stadt hatte die Idee, auf den Fenstern des Centre Ceramique Künstler aus diesen Ländern Bilder malen zu lassen. Ich hielt nichts von der Idee, weil ich kein stereotypes Bild der Kunst in diesen Ländern darstellen wollte. Es sollte nicht der Eindruck entstehen das Künstler aus diesen Ländern sich alleine mit Traditionellen Techniken auseinander setzen können.
Erstens wollte ich gerade das neue sehen lassen und zeigen, dass auch dort herausragende Dinge in den neuen Medien gemacht werden. Und zweitens wollte ich die Ausstellung nicht drinnen organisieren, sondern nach draußen gehen. Ich wollte Videokunst in der Stadt zeigen und heraus aus dem White Cube oder der Black Box, in denen man still sein muss und der Andacht fröhnt. Bisher hatte ich auch noch keine Ausstellung dieser Art gesehen. Zwar gab es vereinzelt Videoprojektionen im öffentlichen Raum, jedoch eine ganze Ausstellung, mit Videos auf der Straße, gab es damals noch nicht.
Es war natürlich eine Herausforderung, die Ausstellung technisch zu realisieren, aber so ist dann die Idee entstanden und die Ausstellung war gleich ein Riesenerfolg. Ich erreichte damit ein ganz anderes Publikum als vorher.

Das klingt sehr nach Streetart…

Es ist interessant, dass Du das jetzt erwähnst. Ich habe es selbst nie so betrachtet, jedoch habe ich früher selber gesprayt und war auch interessiert in der Streetart. Vielleicht hat mich das unterbewusst beinflusst…

Was macht für dich den besonderen Reiz aus im öffentlichen Raum zu arbeiten?

Nicht jedes Werk ist geeignet, um auf der Straße ausgestellt zu werden, aber wenn es mit dem Rauschen des öffentlichen Raumes zurechtkommt, kann der öffentliche Raum dem Werk sehr schöne Ebenen hinzufügen. Die Menschen, der Verkehr oder die Architektur kann dem Werk dann eine neue, oder andere Bedeutung geben. Das Werk kann sich auch verstärken was es sehr interessant macht, die Arbeiten und Plätze zu selektieren. Man ist also sehr bewusst damit beschäftigt, für das Werk den richtigen Platz zu finden. Es ist eben kein White Cube, in dem man einfach eine Mauer oder Ecke aussucht. Im öffentlichen Raum muss man sich schon sehr gut überlegen wo wann und warum man etwas präsentiert, weil dort so viele Elemente zusammen kommen. Es ist also eine sehr interessante Umgebung um eine Ausstellung zu organisieren.

Warum interessierst du dich eigentlich so im speziellen für digitale Kunst oder Video-Kunst?

Ich finde Kunst aus den neuen Medien – und Videokunst im speziellen – besonders interessant. Ich finde, dass es eine Kunstform ist – zusammen mit der digitalen Kunst – die etwas über das Jetzt erzählt. Wir leben in einer Bildkultur mit bewegenden Bildern und es ist das Medium in dem wir kommunizieren. Überall kommt man Videos entgegen. Und Künstler die eben dieses Medium nutzen können interessante Fragen zu unserem Zusammenleben liefern. Für mich ist es das Medium vom Jetzt und genau das finde ich so stark daran. Es erzählst dabei sehr viel über unsere heutige Kultur. Das macht Videokunst für mich interessanter, als Gemälde, oder Kunst in klassischen Medien.

Hello World or: How I Learned to Stop Listening and Love the Noise (2008-2010) - Christopher Baker - Festivillage, Boschstraat. Maastricht - foto Paul Koenen
Hello World or: How I Learned to Stop Listening and Love the Noise (2008-2010) – Christopher Baker – Festivillage, Boschstraat. Maastricht – foto Paul Koenen

Wie reagieren die Menschen auf der Straße auf die bewegten Bilder?

Manche Leute laufen vorbei und manche bleiben stehen und lassen sich auf die Situation ein. Das ist natürlich sehr unterschiedlich von Werk zu Werk, von Ort zu Ort, oder von Thema zu Thema. Bei „Out There“ (2012 – 2014, Maastricht & Rotterdam) – was eine Ausstellung über Landschaften ist und überwiegend ruhige Bilder zeigt – laufen die Menschen natürlich schneller vorbei als bei „Body Talks“ (2011, Maastricht), wo die meisten Werke mit viel Bewegung, Geräusch und menschlichen Interaktionen waren, was natürlich viel direkter den Betrachter anspricht. Es ist also sehr unterschiedlich von Ausstellung zu Ausstellung. Aber das macht es eben besonders interessant in der Betriebsamkeit ein Bild zu platzieren das einen Mehrwert haben kann und es liegt an den Menschen selbst ob sie es annehmen oder nicht, oder damit etwas anfangen können oder wollen.

Spricht da etwa der Sprayer in dir?

Ja vielleicht: hier ist es, es ist alles deines, schaue selbst was du damit anfangen kannst oder nicht. Wenn du nichts damit anfangen kannst: schade. (lacht)

pantone 352u (2014) - Stephan Keppel - Wilhelminapier. Rotterdam
pantone 352u (2014) – Stephan Keppel – Wilhelminapier. Rotterdam

Wie findest du eigentlich die Künstler für die Ausstellungen?

Ich probiere viel zu sehen und habe ein großes Netzwerk mit Freunden und Kollegen in der Kunstwelt. Ich lese auch viel über Werke und Künstler, folge Blogs die sich mit Videokunst auseinander setzen, oder Institutionen die Videokünstler unterstützen. Im Internet ist natürlich auch viel zu finden und manchmal arbeite ich mit Gastkuratoren zusammen.
Ich streife durch Ausstellungen, kleine Museen, oder den Underground und probiere letzten Endes einen Zusammenhang zwischen den Werken zu finden, oder neue Themen in der Videokunst. Manchmal fühle ich mich dabei wie ein Trendwatcher, auch wenn das in diesem Zusammenhang vielleicht das falsche Wort ist. Auf diesem Weg versuche ich heraus zu finden was vielleicht interessant sein könnte für das nächste Projekt.

Also arbeitest du immer an Hand eines Themas…

Ich finde ein Thema besser, um eine Ausstellung insgesamt für das Publikum besser auf zu bereiten. Ein Thema kann mir auch helfen, an die Video-Kunst andere Kunstformen zu koppeln sofern es inhaltlich passt.
Bei Body Talks waren das z.B. Videokunst und Cinedance Produktionen mit Danceperformances…

Jetzt wo du es sagst fällt es mir wieder ein, dass auf der kleinen Verkehrsinsel auf der Brüsselsestraat in Maastricht eine Tanzperformance Gruppe war…

Ja, das war am Abend der Eröffnung von Body Talks. Jedenfalls versuche ich so mit den verschiedenen Einflüssen in der Kultur zu spielen und sie für die Ausstellung zusammen zu bringen. In „Paraphrasing Babel“ (2013, Maastricht & Heerlen) z.B. haben wir Videokunst mit Soundscapes in Verbindung gebracht. In „Out There“ haben wir Videokunst mit Fotografie gekoppelt, einschließlich aller Zwischenformen: Träge langsame Videos in denen kaum eine Bewegung stattfindet, Stop Motion und Slightshows. Ich habe versucht, dabei eine sehr schöne Synergie zu finden zwischen den verschiedenen Disziplinen ausgehend von einem Thema.
Der Ausgangspunkt ist immer Video, aber ich versuche auch andere Werke, sehr oft mit Bewegung, Geräusch, oder digitalem Hintergrund hinzu zu mengen, so lange sie der selben Disziplin entspringen. Ich würde z.B. keine Videokunst zusammen mit Gemälden zeigen. Das passt meiner Meinung nach einfach nicht zusammen. Malereien haben einen anderen Ursprung als Filme. Aber alles, was auf dem selben Boden seinen Ursprung hat, versuche ich in den Ausstellungen zusammen zu bringen, sofern es thematisch passt.

Exercise (2008)- Julia Nimcova -Brusselsestraat. Maastricht - foto Philip Driessen
Exercise (2008)- Julia Nimcova -Brusselsestraat. Maastricht – foto Philip Driessen

Du hast vorhin darüber gesprochen, dass Videokunst eine erneuernde Kraft in sich trägt. Glaubst Du, auch die Form von Ausstellung die du machst kann diese Kraft entfalten?

Ich denke schon, dass es Platz für die Kunst außerhalb des White Cube, der Blackbox oder des Museums gibt. Es gehört heute zum alltäglichen Leben, dass man Dinge nach Draußen bringt, sie öffentlich macht und sie teilt. Ich denke, dass wir mit dieser Videoausstellung im öffentlichen Raum dieser Entwicklung etwas hinzu fügen können. Für mich hat es sicherlich einen Mehrwert Kunst im öffentlichen Raum zu platzieren.
Es gibt ja auch bereits viel Kunst im öffentlichen Raum aber das sind meist Standbilder die in Verbindung stehen mit einem bestimmten Ort oder einer bestimmten historischen Begebenheit. Ich glaube, dass auch das bewegte Bild in Konkurrenz zur Reklame und all den bewegten Werbebotschaften seinen Platz im öffentlichen Raum verdient und sich diesem bemächtigen kann.

Wie reagieren eigentlich die Locations die du aussuchst auf deine Anfragen? Meist sind es ja Geschäfte oder Gebäude in privatem Besitz.

Angesichts der Tatsache, dass man von Stadt zu Stadt zwischen 15 und 30 verschiedene Locations braucht, kostet es sehr viel Zeit, Mühe und Energie diese zu finden. Man muss jeden persönlich ansprechen, ansonsten bekommst du keine Reaktion. D.h. anrufen, Briefe verschicken im Zweifelsfalle noch mal kontaktieren. Makler anrufen, nach recherchieren, wer eigentlich der Hausbesitzer ist. Manchmal hat der Makler kein Interesse zu helfen, und in dem Falle kommt man auch nicht an den Hauseigner ran.
Es ist auch leider so, dass ich keine Miete zahlen kann für den einen Monat in dem ich ein Schaufenster Geschäfts in Beschlag nehme. Dafür reicht das Budget einfach nicht. Also ist es meist der gute Wille der Eigner und den musst du erst einmal gewinnen um dein Ziel zu erreichen. Man muss die Leute auch für die Kunst begeistern können und das geht mal mehr mal weniger. Insgesamt ist es ein sehr träger Prozess die Orte zu finden.

Boom Box (1998) - Barbara Visser - Eiffelgebouw, Boschstraat. maastricht - foto Ilona van den Breke
Boom Box (1998) – Barbara Visser – Eiffelgebouw, Boschstraat. maastricht – foto Ilona van den Breke

Was sagen eigentlich die Städte wenn du kommst?

Ich bin immer sehr willkommen gewesen in Heerlen, Hasselt und Maastricht. Ich habe dort schon mehrere Male etwas gemacht und gehöre zum festen Bestandteil des Kulturprogramms in Maastricht. Auch überall anders war ich bisher sehr willkommen. Die Städte finden mein Projekt sehr spannend und sind auch oft der Meinung man müsse die Kunst mehr nach draußen bringen und das Publikum erweitern. Und wenn das eine kleine Institution wie Viewmaster dann macht und öffentlichen, oder brach liegenden Raum in Ausstellungsfläche verwandelt, nimmt man das sehr dankbar an…

Und Viewmaster wächst. Die Ausstellungen sind im Laufe der Zeit immer größer geworden. War es eine besondere Herausforderung, gerade in einer so großen Stadt wie Rotterdam, eine solche Ausstellung zu organisieren?

Es war besonders interessant denn bei Rotterdam handelt es sich um ein großstädtisches Gebiet. Ein Gebiet in dem es viele Neubauten und Hochhäuser gibt. Viele kulturelle Institute sind dort vertreten wie z.B. das niederländische Fotomuseum mit dem wir die Ausstellung zusammen machen. Dort gibt es auch viele Geschäfte und Restaurants. Am Anfang habe ich gedacht mir würde es sehr einfach gelingen dort eine Ausstellung zu organisieren, aber es war dann doch schwieriger als ich gedacht habe. Ich bin froh, dass am Ende alles gut gegangen ist. Ich bekam sehr viel Hilfe von den dort ansässigen kulturellen Einrichtungen, da die Rotterdamer sehr willig sind, diese Stadt auf zu bauen und ihr neues Leben zu verleihen. Die Mitarbeit der Menschen dort war also sehr groß und überwältigend. Von sehr vielen Seiten kam positiver Zuspruch und diese Erfahrung war wirklich schön.
Die Ausstellung fällt auch genau in die Zeit der Kunstmesse, der Art Rotterdam und das führt dazu, dass sich in dieser Zeit das Who is Who der niederländischen Kunstszene dort aufhält. Also Kuratoren, Künstler, Galeristen und Kunstliebhaber kommen aus den ganzen Niederlanden dort hin und dann wird einem auch bewusst, dass du gerade im momentanen Zentrum der niederländischen Kunstwelt bist mit deinem Projekt. In Limburg hatte ich nicht so ein großes Publikum, weil es auch schwer zu erreichen ist.

Das kann ich gut verstehen. Das Projekt wird sich von Rotterdam aus natürlich viel schneller verbreiten. Gibt es denn schon Pläne für eine neue Ausstellung?

Vielleicht…

Vielleicht?

Ich bin stark abhängig von Subventionen und wenn jemand mir einen Sack voll Geld geben würde und sagen würde: Bart mach mal. Sage ich bestimmt nicht nein. Aber so läuft das nun mal nicht. Man muss dann doch das Projekt zu Papier bringen um Subventionen anfragen zu können und da ist ein Jahr Vorbereitung meist sehr knapp bemessen.
Vielleicht wird es nächstes Jahr wieder ein Viewmaster Projekt in Rotterdam geben. Dort habe ich sehr viele Komplimente zu meinem Projekt bekommen, was mich sehr glücklich macht. Vielleicht gibt es in Zukunft auch ein Projekt in Deutschland, wer weiß?
Viewmaster möchte gerne nomadisch sein und es auch bleiben. Wir wollen immer wieder in neuen Städten unser Projekt aufziehen. Das kostet sehr viel Zeit und sehr viel Energie, aber ich habe noch nie ein Viewmaster Projekt an ein und dem selben Platz gemacht. Die Leute fragen mich auch manchmal: Warum gibst du dir so viel Mühe und nimmst nicht einfach die gleiche Stadt mit den gleichen Locations? Aber die Umgebung gehört zu dem Projekt und eins plus eins muss drei sein. Gerade wenn Du contramuseal sein willst in dem Sinne, musst Du auch immer wieder neu suchen, wo Du deine Projekte machst, anstatt sich mit etwas zu beschäftigen, das sicher ist. Es ist also inhärent mit der Ambition, jedes Mal neue Plätze zu finden. Vielleicht wird es in Großbritannien ein Projekt geben, dort sind wir gerade in Verhandlungen. Aber ich möchte nicht zu viel verraten.

 

Words: Bart van den Boom

Editing: Jerome Daly

 

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