Herzner U2——————
PROLOG:

Danke für die Fragen von letzter Woche!
Ich sammel weiterhin! Also sobald sich eine ergibt, kann man sie stellen, dort unten in der Kommentarkiste. Sie wird beantwortet, sobald es soweit ist.

Die Antwort auf die Frage mit dem Geld ist zum Beispiel in Arbeit, braucht aber noch mehr Zeit.

Und eine kurze Anmerkung zu „Warum sollte ich mich mit meinen Fragen ausgerechnet an Dich wenden? ;)“ ist auch schon zu sehr ausgeufert, um sie hier mal kurz in einem Nebensatz zu schreiben.

Lest doch einfach erstmal.
Wenn das hier ein Kunstwerk ist, liegen ohnehin 50% an Euch.

Diesen Mittwoch die Antwort auf die schöne einfache Frage mit dem U von Frauke, für die ich ihr wirklich ganz ganz herzlich Danke:

 

frage

In meiner Benutzeroberfläche werden die Kommentare tatsächlich eingereicht.

 

Und ungeduldige Menschen scrollen runter bis:    Herzner das wichtige

 

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HAUPTTEIL

Liebe Leser,

als ich angefangen habe, mich häufiger in dieser Stadt aufzuhalten, habe ich mich über das Dortmunder U in gleicher Weise gewundert wie Frauke.

 

DortmunderU_Aussenansicht

Also, für alle, die noch nie in Dortmund waren und noch nicht bewusst mit dem Zug durchgefahren sind und dabei in die richtige Richtung aus dem Zug geschaut haben: Das U ist ein Gebäude mit einem U obendrauf, das so sehr nach U-Bahn aussieht, dass ich am Anfang dachte, da wäre ein U-Bahnhaltestelle unter dem Gebäude – jetzt echt. [Das Foto hat Emmanuel Mir irgendwo geklaut – ich benutze es einfach nochmal.]

Das U-U sieht also tatsächlich dem U-Bahn-U sehr sehr ähnlich. Obwohl, wie ich glaube, die Dortmunder U-Bahn viel jünger ist, als das U. Das U-Gebäude kommt eher aus den 1930ern. Die Dortmunder U-Bahn ist von nach dem Krieg . Und das U-U ist ein bisschen mehr gestreckt als das U-Bahn-U.
Das Dortmunder U-Bahn-U ist allerdings auch nicht das Ur-U-Bahn-U. Das Zeichen für die Dortmunder U-Bahn orientiert sich an älteren U-Bahn-Us. [Die haben sich überlegt: Hm, wie könnte man das U machen? Hm – wie haben die das denn damals in Berlin gemacht?]
Also – sagen wir mal, das U-Bahn-U kommt aus Berlin. Da weiß ich, dass die erste U-Bahnlinie, die dort gebaut wurde, die U1 über der Skalitzer ist – und das war 1907. [Ich meine mich zumindest daran zu erinnern, dass der Fahrer das erzählt hat, bei dem ich in der U2 in Berlin mal mitgefahren bin, aber Zahlen sind nicht so meins.]
Die Typographie des U-Bahn-Us ist also durchgesickert von der Gründerzeit, wurde in den 30ern neu und sachlich gestreckt, wurde durch zwei Weltkriege gestaucht bis es, teilweise ergänzt durch das Wort Stadtbahn, auf die Dortmunder und alle vrr-U-Bahnschilder und alles andere gedruckt wurde. Und jetzt sehen sich die beiden Us aberhallo verdammt ähnlich.
So ähnlich, dass es vielleicht nämlich doch eine U-Bahnhaltestelle da unter dem U gibt.

Könnte sein.

Lustiger Weise ist die U1 in Berlin nicht unterirdisch, sondern fährt über eine Hochbahn aus Stahl – so wie die Schwebebahn in Wuppertal, nur andersrum.
In Dortmund gibt es ebenfalls oberirdische Haltestellen. Und bei denen muss man dringend den Halteknopf rechtzeitig vorher drücken, wenn man aussteigen will, sonst fährt die Bahn eventuell durch – ohne zu halten.
Das ist ein interessantes Gefühl: Die Haltestelle ist keine Haltestelle mehr, nur noch ein Stelle, an der man vorbei gefahren wird. Ich kanns bezeugen: wirklich interessant.

Aber warum sollte man sich wundern?
Eine oberirdische Untergrundbahnhaltestelle, ist ja so gesehen eigentlich sehr unwahrscheinlich, oder?

 

Herzner U

Ich recherchiere nicht. Ich fühle nur nach dem schreiben mal nach, was mein Hirn da produziert hat.

Ich war bisher nur einmal im U drin. Nicht, um nach der U-Bahn zu suchen – ich wollte nur mal rein. Und dort war zufällig eine Ausstellung zu John Cages‘ 4’33“ [oder so ähnlich – Zahlen sind nicht so meins].

Die Ausstellung hat sich für mich deswegen gelohnt, weil ich mich gewundert habe, warum die Dirigenten und Musiker, die das Stück aufführen, nicht nichts machen können. Das sollen sie ja, laut Cage: nicht spielen, Pause machen, still halten [Ich glaub in unterschiedlichen Tempi oder sowas]. Aber nein – sie kommen nicht aus ohne TamTam drumherum oder während dessen: Sie stellen Uhren auf, sie klappen den Deckel auf und zu oder die halten den Dirigentenstab komisch und in einer Version stehen die Musiker sogar so da, als würden sie gleich die Seiten berühren und losspielen.

Ich glaube, das ist alles zu viel. Es ist ein Stück ohne Mittelpunkt – ohne Anfang, ohne Ende, ohne zentrale Quelle, die die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es ist einfach ein Stück Zeit.
Klar: die Musik wird dabei auf links gedreht. Das dazwischen wird nach außen gestülpt, und auf einmal kommt das Stück von nirgendwo her, sondern es ist da – und vielleicht sogar dafür da, übersehen oder überhört zu werden – wie so viele Stücke Zeit.
Ich finde nicht, dass die Instrumente schweigen, sondern Platz machen für die Unendlichkeit der Zeit. Oder vielmehr ihre rein definierte Existenz.

Das unendliche Universum ist ja irgendwie gebogen, nicht wahr? Es hat keinen räumlichen Anfang und kein Ende und daraus ergibt sich dann so eine Form, die beim Versuch sie darzustellen aussieht wie ein Donut. So haben es sich die Physiker zumnindest überlegt.
Ich denke ja, man kann die Form eigentlich einfach nicht zeigen. Man kann sagen, sie ist ungefähr ein Donut. Sie lässt sich irgendwie berechnen, aber eigentlich ist sie nicht da. Nichts mathematisches ist ja wirklich da. Es ist – wie die Zeit – nur definiert.
Diese Form ist genau wie Musik auf links gedreht oder eine oberirdische Untergrundbahnhaltestelle.

Im Ernst – für mich fühlt sich eine Universumdonutform als Beschreibung für das Stück von Cage sehr passend an.
Und zwar, wenn es gerade passiert. Weil das eigentliche ist drumherum, oder vielmehr nicht wirklich da, oder eher nur definiert oder vielleicht sogar nichtmal das. Und in der Mitte im Loch sitzen dann nämlich die Musiker. Und sollten eigentlich gar nichts tun.
Und der Rest kommt dann doch von alleine. Keine Sorge, Musiker! Macht Euch da nicht zu viel Gedanken drum, vorher.
Macht einfach mal ein schwarzes Loch.
Nichts.

 

Herzner das wichtige

Das Dortmunder U hatte also zumindest für eine gewisse Zeit lang etwas mit der Unendlichkeit des Universums zu tun, mit der nichtmusikalischen Darstellung des luftleeren Raums, des schwarzen Loches und seiner Unsichtbarkeit, dieser Sache mit Materie und Antimaterie.
In der Realitität tritt so etwas als U-Bahn in Erscheinung, die, sobald sie oberirdisch fährt, nicht mehr normal halten kann, weil es natürlich nicht geht, das eine U-Bahn einfach oben fährt und normal hält. Diese Sache mit Materie und Antimaterie eben.

 


Ja. Materie – Antimaterie. Hier ist es gut gegangen, wie man sieht. Aber man weiß nicht genau, wo das hinführt.

 

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EPILOG:

Liebe Frauke.

U ist die Abkürzung für Universum.
Es gibt es unendlich viele U-Bahn-Us in Dortmund.
Und die in Düsseldorf sehen genauso aus.

Herzlich, Katrin Herzner 2013

 

Herzner U 2

Grundsätzlich hat Erdbeer (im Bild in meiner Hand) zwar die bessere Farbe,
aber der mit den Nüssen obendrauf (oben) war mit Schokocreme gefüllt.
Schwer zu sagen, was dem Universum mehr ähnelt. Ich hab das alles jedenfalls erstaunlich gut überstanden.