von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Fotos: Sirin Simsek

 

Nicht, dass wir uns missverstehen: Es soll im Folgenden nicht partout versucht werden, eine neuartige Tendenz zu erkennen oder gar einen artifiziellen Trend zu kreieren. Nichts liegt mir ferner, als der vermeintliche Beobachter und Kommentator einer neuen, homogenen Generation zu fungieren – einer Generation, deren Homogenität hauptsächlich aus dem schön zusammen gedichteten Konstrukt eines Kunstwissenschaftlers bestehen würde. Ich möchte nur auf die Verdichtung einiger Anzeichen aufmerksam machen und fragen, ob eine ganze Gruppe von Düsseldorfer Nachwuchskünstler nicht als „romantisch“ bezeichnet werden könnte. Fragen, ob jene Kunstschaffenden, die Anfang der 1980er Jahren geboren wurden und entweder ihr Kunststudium vor kurzem abgeschlossen haben oder es bald tun werden, nicht auf eine romantische Weltsicht rekurrieren. Fragen ob sie, bewusst oder unbewusst, Stilelemente verwenden und eine Haltung verkörpern, die sehr an Formen der historischen Romantik erinnern. Denn– zumindest in Düsseldorf – verdichten sich die Hinweisen.

In einem früheren Artikel hatte ich mich bereits über den eigentümlich romantischen Charakter der künstlerischen Einstellung von Rebekka Benzenberg und Oliver Blumek gewundert. Ihr Projektraum Studio Roh, dem ich neuerdings einen zweiten Besuch abstattete, ist von eine idealistische Vision und einer erfrischenden, emotionalen Begeisterung getragen, die selten geworden ist. Weit entfernt vom strategischen Kalkül, von der abgeklärten Coolness oder der post-postmodernen Ironie, die in diesem Milieu vorherrscht, wird dort an einer Parallelwelt – einem existentiellen Gesamtkunstwerk – gearbeitet. Mit viel Pathos und Herzblut. Ich hatte versucht, diese Eigentümlichkeit am genuinen Charakter der zwei Künstler zu interpretieren und mir zunächst keine weiteren Gedanken gemacht. Aber es liegt vielleicht mehr dahinter. Die bereits vor ein paar Wochen abgeschlossene Ausstellung „Body Light“, die in Julia Stoscheks Projektraum „Venus und Apoll“ nur drei Tage lang zu sehen war, hat neues Material zur „romantischen Hypothese“ geliefert.

Jonas Wendelin: Du Licht – Abgrund

C.D. Friedrich: Zwei Männer in Betrachtung des Mondes (1819-20)

Ein für mich charakteristisches Exponat der Body Light-Ausstellung war „Du Licht – Abgrund“ von Jonas Wendelin. Schon dieser Titel. Ein Heraufbeschwören der finsteren Untiefen dieser Welt und der transzendentalen Erleuchtung, die sie trotzdem verspricht. Um die Bilder einzufangen, die in seine Videoarbeit einfließen, wandert und wandelt Wendelin durch die Berliner Nacht. Anders als die Figuren von Caspar David Friedrich, die sich auf den Weg in ein dichtes Gestrüpp machen, bevor sie, eine mystische Union mit den schlummernden Kräften der Natur eingehend, in katatonische Ekstase unter dem Schein des Mondes geraten, streift Wendelin am Rande der Hauptstadt entlang, entlang an Schnellstraßen und Tankstellen. Die vorbei rauschenden Autos sind zwar nie zu sehen, sie spielen aber die eintönige Hintergrundmusik dieser Großstadtpassion. Wendelin geht durch die Nacht. Er braucht diese Dunkelheit, die nur von dem orangenen Licht der Straßenlaternen gebrochen wird (hier leuchtet kein Mond); er braucht diese Un-Zeit zwischen den Tagen; er braucht diese Einsamkeit. Er ist allein und sucht – aber was sucht er? Das Licht, das Schöne, die Transfiguration? Er sucht ein Bild. Die klirrende Kälte der Nacht hinterlässt nämlich Spuren, und Wendelin kann sie lesen. Er filmt den von der kondensierten Luftfeuchtigkeit produzierten sehr dünnen und unregelmäßigen Eisbelag auf den Motorhauben von geparkten Autos. Diese winzigen Eiskristalle entstehen nur unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen und wirken in Großaufnahmen wie Sterne. Sie blitzen und funkeln in verschiedenen Farbtönen. Hier treffen das Triviale und das Göttliche, car and stars, Mikrokosmos und Makrokosmos, das Stumpfsinnige und das Erhabene, aufeinander.

Alex Grein: o.T.

Wendelin fixiert ein simples, natürliches Phänomen auf Video und überträgt das Lichtspiel, das die fragile Schönheit der Welt einzufangen versucht, in den Raum.  Diesen Impuls finden wir auch in der reduzierten Arbeit von Alex Grein. Die Künstlerin war bereits vor einem Jahr in einer Gruppenausstellung im NRW-Forum aufgefallen, wo sie das Landschaftsmotiv (darunter auch die eisige Ikone von C.D. Friedrichs Gescheiterter Hoffnung) collageartig neu interpretierte. Ihre kleine, unbetitelte Videoinstallation am Worringer Platz, bestehend aus einem mit Wasser gefüllten Glaskasten, auf den Aufnahmen von Wasserspiegelungen projiziert wurden, leuchtet wie eine magische Schatulle in der Dunkelheit. Das viereckige Objekt, das an ein Aquarium erinnert und gewiss dekorativ wirkt, funktioniert wie ein Meditationsstein, eine kontemplative Ruhe ausstrahlend. Die instinktive Faszination des menschlichen Auges für Naturschauspiele wie Wasserfälle, Vogelschwärme oder Wolkenbewegungen kristallisiert sich in diesem höchst artifiziellen Gegenstand. Unter Umstände wird man an Nam June Paik erinnert, auch wenn die esoterische Ästhetik von Greis‘ Objekt weit entfernt zu den grellen und hektischen Bildexplosionen des Großvaters der Videokunst stehen. Beide Ansätze behaupten, dass die Suche nach dem Erhabenen nicht zwangsläufig durch eine Naturerfahrung vollzogen werden muss, sondern auch technologisch evoziert werden kann.

Anna K.E.: Gloss of a Forehead

Francisco Goya

Vom Erhabenen zum Grotesken mag der Weg sehr lang erscheinen; aber gerade das Zeitalter der Romantik hat gewusst, welche Abkürzungen gangbar sind und die Überquerung von einem Extrem ins Nächste ermöglichen. Die ästhetische Kategorie des Grotesken, die übrigens überhaupt nicht spezifisch romantisch ist, soll als Kontrapunkt des Erhabenen verstanden werden – wie die notwendige Schattenseite einer Lichtgestalt –, und war mit Goya und Füssli in den Bildenden Künsten sowie Victor Hugo und Gogol in der Literatur dieser Epoche gut vertreten. . . Präsenzen des Grotesken in Body Light lassen sich an verschiedenen Stellen ausmachen. In Gloss Of a Forehead lässt Anna K.E. ihre lustig-monströse Arschkreatur durch ein Künstleratelier herumtapsen und allerlei Kunst-Stücke (sowohl im wörtlichen als auch im erweiterten Sinne) durchführen. Das Wesen mag ein deftiges Vexierbild oder ein obszönes Ebenbild sein –  bedeutend hier ist jedenfalls die Platzierung des laufenden Popos im Kunstkontext. Klar besitzt der Ansatz von Anna K.E. den Biss und die Albernheit eines einfachen punkigen Streichs; darüber hinaus aber scheint sie manche Schöpfungsmythen und Künstlerklischees heftig in die Mangel zu nehmen. Sowohl die paradigmatische Figur des Künstlers als auch die Vorstellung des Ateliers als Ort der Kreation werden hier ohne große Anal-yse frech demontiert.

Victor Hugo: Le Roi des Auxcriniers (1866)

Dominik Geis: Die Maske

In der Abteilung für groteske Selbsttransformationen müsste neben Anna K.E. auch Dominik Geis herbeizitiert werden. In seiner zwölfminütigen Videoarbeit appliziert er sich in strenger Frontalansicht feuchte Tonklumpen auf das Gesicht, um daraus eine grobe Maske zu formen. Der Künstler verschwindet hinter einer lächelnden Fratze aus schleimiger Materie, verwandelt sich regelrecht in eine Grimasse, wird eins mit dem Kunstwerk. In der Umkehrung des Pygmalion wird Geis zu einer Skulptur. Maske kann als expressionistische Variante von (als Hommage an?) Bruce Naumans Art Make-Up von 1967 interpretiert werden, in dem der Körper des US-Amerikaners zum Bildträger gemacht wurde. Diese Aufhebung der Distinktion zwischen Objekt und Subjekt im Prozess der künstlerischen Schöpfung führt zur Vorstellung der Verschmelzung von Kunst und Leben. Die Welt nach den Idealen der Kunst zu prägen und die Existenz des Künstlers in einem prozesshaften Kunstwerk zu gestalten war ein Projekt der Frühromantik. Das Leben sollte einem Roman gleichen, jeder Mensch sollte zu einem kunstvollen Held werden. Die von Novalis, Schlegel oder Schleiermacher gepredigte Realisierung einer ästhetischen Existenz sollte sich allerdings nie in dieser formulierten Radikalität verwirklichen. Geht man zu weit, wenn man die schlichte Arbeit von Dominik Geis in dieses sehr weite Feld einordnet? Wird das Selbstporträt überinterpretiert? Ich lasse mich gerne auf Diskussionen ein.

Isabella Fürnkäs & Marion Benoit: Zucker

Tanja Ritterbex: I like it Loud

Maske ist nicht die einzige selbstreferenzielle Arbeit der Ausstellung mit grotesken Zügen. In I like it Loud zappelt Tanja Ritterbex wie wild vor der Kamera, übertrieben geschminkt und hyperaktiv, singt, plappert und gestikuliert in einer häuslichen Umgebung, die ihr Teenager-Zimmer sein könnte. Ihr ausgeflippter und enthemmter Beitrag hat den Charakter einer Tagebucheintragung mit evidenten exhibitionistischen Zügen – Tendenz Trash. Die narzisstische Leier kann, je nach Tagesform des Rezipienten, als nerventötend oder goldig angesehen werden. Man entzieht sich jedenfalls der One-Woman-Show nur schwer; die Penetranz des Videos wird nur dank eines kleinen Monitors und Kopfhörers in Schach gehalten. Es ist gewiss eine Plattitüde, diese Art von digitaler Hypersubjektivität als späte Nachfolgerschaft und Web 2.0-Variante der Tagebuch-Manie und der autobiographischen Erzählungsmode zu sehen, die sich im Zeitalter der Romantik rasch ausbreitete. Indes scheint sich die Tyrannei der Intimität durchgesetzt und das totalitäre Ideal des romantischen Menschen in der Transprivacy verwirklicht zu haben. Der Blick in den Spiegel nimmt manische Züge an, vor allem wenn das reflektierte Bild vollständig gestaltet werden kann. Die beinah erschreckende Verstärkung des Individuums, die das Phänomen der social networks mit sich bringt, führt zugleich zu einer Steigerung der expressiven Möglichkeiten des Einzelnen und zu seiner größeren Isolierung im Schwarm. Formen der narzisstischen Persönlichkeitsstörungen, wie sie von der Protagonistin Ritterbex durchlebt werden, werden zur Norm.

Sarah-Jane Hoffmann: From w/Love

Ben van den Berghe: Stepper, Tower and Stomach Trainer (session II)

Es ist prinzipiell erstaunlich, wie relevant die Thematik des Individuums in Body Light erscheint. Wenn sie sich nicht gerade selbst inszenieren, greifen viele Künstler auf die Gattung des Portraits zurück. Nach den Künstler-Kuratorinnen Isabella Fürnkäs und Melike Kara sollte sich die Show auf Themen der Körperlichkeit und der Selbstwahrnehmung konzentrieren – dass ihr Vorhaben vielmehr geworden ist, als eine bloße, erneute Gruppenausstellung zum Motiv des Leibes, spricht für die Beiden. In Body Light wird die Kunst zum Mittel der Selbsterkundung, Selbstbefragung und Selbststilisierung eingesetzt. Überall so viele Ichs. So viele alleingelassene Menschen, in so vielen (Vorstellungs-)Bildern und Klischees gefangen. In manchen Beiträgen, wie beispielsweise bei Ben van den Berghe oder bei Sarah-Jane Hoffmann, prallen Individuen an massenmedialen Konstrukten (aus der Populärkultur im ersten Fall, aus der sog. Hochkultur im zweiten) zusammen, die ihr Selbstbild erheblich bestimmen. Dabei löst sich die Individualität des Körpers in einem diffusen Fundus aus idealen und traditieren Images; die selbst auferlegte Entfremdung nimmt ihren Lauf. Man nimmt es mit Humor (van den Berghe) oder mit Respekt (Hoffmann). Weil diese Bilder rund um die Uhr verfügbar sind und als implizite Modelle gelten, verformen sie allmählich die Körper, nachdem sie sich in die Köpfen verpflanzt haben. Dieser Schock der medialbedingten Selbstmanipulierung lag Goethe, Novalis oder Stendhal fern – auch wenn sie gerade am Anfang des 19. Jahrhunderts mit der explosiven Entwicklung des Romans ihren ersten Anlauf nahm.

Anna-Lena Meisenberg: o.T.

Tobias Hoffknecht: MEM

Die große Qualität der Ausstellung liegt eben nicht nur allein darin, den Spleen einer einigermaßen einheitlichen Generation eingefangen und auf dem Punkt gebracht zu haben – also auf die romantische Ader dieser Generation gestoßen zu sein und sie zu erschließen. Darüber hinaus wurden in Body Light manche Spezifitäten dieser wiederholten Romantik berücksichtigt, die ansonsten keine Entsprechung in der Geschichte finden – wie z. B. durch den Rückgriff auf Kommunikations- und Vernetzungsmedien, die ganz neue Möglichkeiten der Selbstinszenierung öffnen. Die gegenwärtige romantische Generation ist keine eins-zu-eins-Kopie einer historisch-romantischen Generation. Sie bringt ihre Eigenheiten mit. Anstatt der x-ten Retro-Welle, die sofort vergessen wird, könnten wir es hier mit einer tiefgreifenden Reaktualisierung zu tun haben. Der Unterschied ist ein wesentlicher.

Kira Bunse: My Favourite Wate of Time

Kira Bunse bewegt sich allerdings eher in einem anachronistischen Raum. Diese Bemerkung darf nicht als Kritik genommen werden, sondern als Ausdruck einer gewissen Originalität. Bunses Foto- und Videoarbeit ist in der Modewelt angesiedelt, unterhält aber durchaus Beziehungen zur sogenannten „freien Kunst“. Mit My favourite Wate of Time zeichnet sie das Bild eines jungen Mannes mit nacktem Oberkörper, eine Zigarette vor einem neutralen Hintergrund rauchend. Keine übertriebene Laszivität in diesem kurzen Film, doch eine gute Portion Selbstverliebtheit, wie man sie sonst aus den Mode-Klischees kennt. Die Kontraste sind hart, das verwackelte Bild leicht unscharf. Die Super 8-Ästhetik evoziert in ihrer seichten und stilisierten Homoerotik die frühen Filmen von Derek Jarman. Die melancholische und elegische Grundstimmung der Aufnahme wird von ebenso schmachtenden wie schwülen Gitarrenakkorden unterstützt. In unmittelbarer Nähe der Arbeit von Tanja Ritterbex schafft Bunses Miniatur eine willkommene Atempause.

Melike Kara: Haram

Eugène Delacroix: Femmes d’Alger dans leur appartement (1834)

Andere Musik, andere Landschaft, andere Stimmung. Das Motiv des Harems revisited zieht sich durch die wunderbar schlichte und intensive Arbeit von Melike Kara. Der Harem als Topos der Fremde, des Mysteriösen und Lustvollen ist ein höchst romantisches Motiv in den Bildenden Künsten. In den Salons des 18. Jahrhunderts  wurde die wollüstige Atmosphäre eines orientalischen Zimmers voller schlummernder Frauen zu einem beliebten Männerphantasma. Erinnerungen an die Interieurs eines Delacroix oder Ingres drängen sich nun im kurzen Videofilm auf. Aber anstatt von schweren Vorhängen in satten Farben und von reich verzierten Teppichlagen herrscht in Karas Arbeit die Nüchternheit eines mittelmäßigen Wohnzimmers in einem westeuropäischen Wohnblock; anstatt einer halbdunklen Kammer voll berauschender Düfte und geheimnisvoll wirkender Kerzenlichter, wird die Szenerie von grellen Neons beleuchtet. Der exportierte Traum vom Morgenland wird mit seiner wenig schmeichelhaften Realität konfrontiert. Von dem Gemach der Frauen von Algier zu dem Wohnzimmer der Frauen in Köln-Kalk scheint die Distanz unüberwindbar zu sein. Aber ein dunkler Blick voller Sehnsucht, ein improvisierter Bauchtanz vor dem Sofa oder die melancholische Stimme einer Sängerin, die den kahlen Raum mit einem orientalischen Wunder füllt, stellen plötzlich Verbindungen zwischen verträumten Bildern aus einer anderen Zeit und der heutigen Situation türkischer Frauen in Deutschland her. Haram besitzt eine fragile Poesie, die mit wenigen Worten und lakonischen Bildern auskommt. Der Film reaktiviert eine eigentümliche Exotik, die sich an manche triste Standards des deutschen Lebens angepasst hat.

Mit Buchtipp von Manuel Graf wird schließlich die romantische Hypothese ein letztes Mal bestätigt. Die Arbeit ist schon öfter gezeigt worden; ich möchte nur kurz darauf zurückkommen, auch wenn Grafs spannender Ansatz einen ganzen Artikel verdient hätte. Buchtipp nähert sich spirituellen Erkenntnistheorien aus der anthroposophischen Lehre an und bringt auf sehr gelungene Art und Weise eine alternative naturwissenschaftliche Denkweise, die sich u.a. aus der Physik, der Biologie und der Thermodynamik ableitet, mit ihrer freien, plastischen Interpretation zusammen. Das Ergebnis ist zunächst leicht verwirrend, denn man fragt sich, ob man vor einem Dokumentarfilm steht, vor der Persiflage einer Doku oder tatsächlich vor einem künstlerischen Video. Die Struktur der Arbeit ist dichotomisch: Ein älterer Herr referiert zunächst über das Buch Das sensible Chaos von Theodor Schwenk und fasst dessen Hauptthesen zusammen. Dann sind stilisierte Bilder eines eurythmischen Tanzstücks und Raucheffekte zu sehen. Auf den rationalen, analytischen Teil folgt also ein stark assoziativer Teil. Über den esoterischen Diskurs des Vortragenden im Film wurde während der Ausstellungseröffnung gut und raffiniert gelacht. Die meisten Besucher wollten unbedingt Ironie erkennen, da wo – wie ich zumindest vermute – das ehrliche Interesse des Künstlers liegt.

D.J A.Korte

Nach Body Light ist jedenfalls Eines klar. Künstler sind die besseren Kuratoren. Karas und Fürnkäs’ Präsentation zeichnet sich durch einen lockeren und unaufdringlichen Umgang mit der Ausstellungsthematik aus. Diese unerwartete Aktualisierung der Romantik erfolgt unsystematisch und mit einer charmanten Leichtigkeit – und lässt viel Interpretationsraum für den Besucher zu. Hier werden keine eindeutigen Botschaften geliefert und keine Manifeste unterzeichnet; hier werden keine handfesten Beweise gesammelt und keine Thesen an die Wand genagelt. Die zwei Künstlerinnen/Kuratorinnen arbeiten intuitiv und assoziativ, frei von jedwedem theoretischen Ballast (dafür sind wir Kunstwissenschaftler letztendlich zuständig). Body Light ist keine didaktische Demonstration sondern eine verspielte und vorsichtige Behauptung – man fragt sich sogar, ob sich die Macherinnen der Tragweite ihres Ansatzes bewusst sind, ob sie die übergeordneten Zusammenhänge gesehen oder ob sie nicht eher, ihrem Instinkt und ihrer Lust folgend, einfach gemacht haben. Jedenfalls haben sie es sehr gut gemacht.