Schlimm war das. Sie hatten uns versprochen: Nie wieder. Never again. Aber Florian Kuhlmann und Timothy Shearer bekamen den Befehl von höheren Wesen, die fürchterlichste Ausstellung des Jahres zu produzieren. Sogar da scheiterten sie: Es wurde  die beste Ausstellung des Jahrtausends.

Gut, dass es nur zwei Tage dauerte. Gut, dass es am Ebertplatz stattfand, wo nur Künstler, Alkoholiker und Aussteiger verweilen. Die Manifest-Ausstellung, die schon am vergangenen Sonntagabend von den Gesundheitsschutzbehörden der Stadt Köln mit einem großen polizeilichen Aufgebot geräumt wurde, hätte möglicherweise noch mehr Opfer gefordert. So bleiben die moralischen Schäden einigermaßen überschaubar.

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Peinliche Studenten- und Altherrenwitze, schockierender Nippes aus der IT-Abteilung, hässliche Bilder vom letzten Krieg, unverständliche Theorien, kitschige Fotos aus den südosteuropäischen Kolonien, zweifelhafter Humor (oder war das Poesie?) in der Form von Ready-Mades, hermetische Begriffe in Post-Avantgarde-Stil, schmerzvolle Requisiten, Titten und ein echter Georges Braque (aus seiner analytischen Kubismus-Phase) wurden im GOLD&BETON gezeigt. Nie zuvor passte der Name der feinen Galerie so gut auf die präsentierte „Kunst“.

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Schnell kursierte es in allen Redaktionen dieser Welt. Von Flash Art zu Kunstforum, von Art-Magazin zu Parkett, von art press zu Mein Landhaus: Diese Schande durfte nicht weiter verbreitet werden! Gleich einem Firewall des gesunden Menschenverstandes schloss sich dieser Schutzring um die gemeingefährliche Veranstaltung. Durch das beharrliche Schweigen der Pressevertreter wurde die Infektion auf dem besagten Platz eingeschränkt – bis zum Einschreiten der Autoritäten. Die Ausstellung wurde dann vollständig zerhackt, eingeäschert, komprimiert und in Castor-Behältern in eine finnische 8000-Meter-tiefe Schlucht aus Granit gelagert.

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Wer sind die Übeltäter? Florian Kuhlmann ist freischaffender (und nicht: rechtschaffender) Künstler, war Supervisor Torturer in ein paar Agenturen für Spam-Mailing bevor man ihm Berufsverbot erteilte, ist gegenwärtig Ayatollah des Blogmagazins Perisphere, graue Eminenz von verschiedenen Projekten und Porn Bus-Fahrer. In seiner Freizeit ist er mein Freund (das behauptet er, zumindest). Der Mann ist der Dichter und Denker des Duos, ein kühler Stratege, der das Abendland in die Knie zwingen will. Und blond ist er auch noch.

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Timothy Shearer ist ein vom Guantanamo des guten Geschmacks entlaufener Terrorist. Bevor er in die Kölner Bucht untertauchte, war er erfolgloser Asylbewerber in Ländern mit strengen ästhetischen Einlasskriterien (Montenegro, Türkmenistan, USA). Er ist der Thomas Anders des Duos: Ein finsterer Schläger ohne Gewissen, der seine Opfer brutal misshandelt (mit Rockstar-Tapeten aus den 80ern oder mit Golfkrieg-Ego-Shooters aus dem Jahre 1992 mit einer Auflösung von 2,5 dpi). Und eine Brille trägt er auch noch.

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Beide Männer laufen auf freiem Fuß, aber Kuhlmann hinkt ein bisschen hinterher seit er Sport treibt. Ein Kopfgeld ist zwar auf das Duo gesetzt worden, aber es lohnt sich nicht. Die Redaktion bedankt sich bei Kuhlmann und Shearer für das Engagement und wünscht den sympathischen Männern viel Erfolg!

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