von Stefanie Ippendorf (Berlin)

 

Bunte bemalte Planen, Baumaterialien, ein durch Motoren auseinandergezogenes Gummiband, Aluminiumstreifen auf dem Boden sowie sorgsam lackiertes Holz – alleine diese Aufzählung einiger in der Ausstellung verwendeten Materialien verweist auf die Spannbreite der künstlerischen Arbeiten, die in >Myspace< vertreten sind. Die Erfahrung des Raumes als einen wesentlichen Aspekt der Wahrnehmung verstehend, haben die beiden Künstlerinnen Franziska Hünig und Alexandra Schlund eine Ausstellung kuratiert, die den künstlerischen Umgang mit räumlichen Erfahrung bzw. deren Transformation in ein bildliches Vokabular thematisieren soll. Für die Ausstellungsdauer von nur 8 Tagen haben nun 11 KünstlerInnen den Ausstellungstitel >Myspace< wörtlich genommen und haben den in mehrere kleinerer Räume unterteilten Projektraum im Kunstraum Kreuzberg / Bethanien “in Beschlag“ genommen.

Alexandra Schlund

Nicola Stäglich

Viele der in >Myspace< gezeigten Arbeiten sind jeweils für den konkreten Ausstellungsraum konzipiert. So hat Alexandra Schlund mit >Cluster< eine Wandarbeit geschaffen, die aus großkopierten, photographischen Versatzstücken von Architekturmodellen und verschiedenen Klebebändern besteht und die aus der Ferne wie eine vereinfachte, nah herangezoomte Straßenkarte wirkt. Ursprünglich als Malerin ausgebildet, bezieht sich Schlund in ihrem Werk immer wieder auf Architekturen und urbane Landschaften, ohne jedoch reale Stadträume abzubilden. Wie an der Farbwahl unschwer zu erkennen, ist >Cluster< auch aus einem künstlerischen Dialog mit den drei abstrakten Werken von Nicola Stänglich, die im selben Raum präsentiert werden, hervorgegangen.

 

Franziska Hünig

Ähnlich inspirierend dürfte es auch beim Aufbau der gemeinsam in einem Raum gezeigten Werke von Franziska Hünig, Geka Heinke, Anke Mila Menck und Rebecca Michaelis zugegangen sein. So sind zum Beispiel Hünig und Heinke mit einem vorbereiteten Materialfundus angereist und haben den Raum im Bethanien als erweitertes Atelier genutzt. In einem mehr oder weniger parallel stattfindendem künstlerischen Prozess sind die Wandarbeiten >Ohne Titel< (Hünig) und >Kreise aufsteigend< (Heinke)  entstanden, die beide auf die Kraft der Farbe im Raum setzen. Wunderbar, dass Rebecca Michaelis ihre Bodenstücke >Bendpainting 1< und >Bendpainting 2< genau in diesem Raum platziert hat! Die auf Rädern angebrachten, länglichen Aluminiumstreifen spiegeln jeweils kleine Ausschnitte des ephemeren Geschehens im Raum wider.

Rebecca Michaelis und Geka Heinke

 

Christl Mudrak

Einen ganz anderen Ansatz wählte Christl Mudrak: Sie hat zwar einen ganzen Ausstellungsraum für sich, doch ist dieser auf den ersten Blick leer. Dass die Künstlerin hier gesaugt, die Fenster geputzt, die Luft durch einen Riesenkaktus gereinigt, mit Kerzenlicht erhellt und mit Gebeten und Wünschen bereichert hat, ist nur den ausgiebigen Materialangaben von >Clearing and Cleansing, Raumüberschreibung< zu entnehmen. Mudraks Verweigerungshaltung ist vielleicht durch die Tatsache zu erklären, dass die Künstlerin 2007 in eben jenem Raum schon einmal ausgestellt hatte (>Überhitzt<, Meisterschülerausstellung) und sie dem Vorangegangenen etwas gänzlich anderes entgegensetzen wollte.

Martin Schepers

Martin Schepers hat an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Siegfried Anzinger Malerei studiert, wagt sich aber inzwischen auch auf das Terrain der Plastik vor. >Verwerfungen< ist eine Materialschlacht aus Holz, Gips, Draht, Fensterscheiben, Pressspanresten und anderen typischen Baumaterialien, die aus fünf kastenartigen Modulen zusammengesetzt ist. Dazu zeigt er die großformatige Zeichnung >Großer Querschnitt<. Mit den aus der Geologie stammenden Werktiteln ist ein vager Hinweis auf den Kontext der Arbeiten gegeben. Konkret basieren Schepers Werke auf den Kenntnissen, die er bei “Forschungsreisen“ zum Braunkohletagebaugebiet in der Lausitz gewonnen hat.

Ilona Kálnoky

>strrr…< wiederum ist eine wunderbar verspielte, kinetische Arbeit von Ilona Kálnoky. Ein raumhohes Gummiband ist hier zwischen Boden und Decke aufgespannt. Über eine Angelschnur sind die beiden Seiten des Gummibandes mit zwei kleinen Seilwinden verbunden, die dafür sorgen, dass sich das Band verzieht und dabei Vierecke oder dreieckige Formen im Raum erzeugt.

Ina Geißler

… in your room, in >Myspace<.

 

MYSPACE – RAUMINTERVENTIONEN
Ina Geißler//Geka Heinke//Franziska Hünig//Ilona Kalnoky//Anke Mila Menck//Rebecca
Michaelis//Christl Mudrak//Martin Schepers//Nicola Stäglich//Alexandra Schlund//Benedikt Terwiel
Kunstraum Kreuzberg / Bethanien ( Projektraum 1)
21.04.- 29.04.2012
Öffnungszeiten: täglich von 12 – 19 Uhr
Mariannenplatz 2
10997 Berlin
U-Bahn Kottbusser Tor
www.kunstraumkreuzberg.de