von Saskia Zeller

„Wo geht`s denn hier zum Wackelpudding?“ Wackelpudding? An der Pforte sind sie wirklich überfordert. „Wir sind hier eine Kunstakademie und kein Süßwarenladen“, ist die Antwort. Doch „Ambrosia Officially Amazing“ ist eingeschlagen wie ein Meteorit. RTL war da, der Express, die NRZ und viele andere. Seit er im Fernsehen war, kommen auch die Massen von den Bildschirmen weg, um ihn zu bewundern. Der weltschwergewichtigste Wackelpudding der Welt hat es bis ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft und eben auch zum Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf, Raum 009. Und was ist jetzt die Kunst?

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„Es ist so einfach und berechenbar“, sagt die Kunststudentin Elisabeth Windisch aus der Richard Deacon-Klasse. „Wer will nicht das Größte sehen?“ Frei nach dem Prinzip „Wetten, dass..?“ und „Dschungelcamp“ zeigt sie es jetzt allen. Ihre Abschlussarbeit mit 512 Kilogramm Gewicht ist ihre persönliche Ansage. Mit „Ambrosia Officially Amazing“ trägt sie das manische „Größer, Schneller, Weiter“ in die Kunst. Das sei „fucking contemporary“, wie die 28-Jährige meint. Ihre grüne glibberige Götterspeise in XXL-Format ist durchaus als ironischer Debattenbeitrag zu verstehen in Hinblick auf eine Gesellschaft, in der Menschen in erster Linie als Absatzmärkte zählen, der Kunstbetrieb der Unterhaltung dient und sich wie alles der Gigantonomie unterordnet.

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Mit „Ambrosia Officially Amazing“ hat Elisabeth Windisch einen doppelten Coup gelandet. Denn die grüne Götterspeise sieht wunderschön aus – wie ein geheimnisvoller Diamant oder massiver Glas-Koloss. Gleichzeitig schwitzt und bricht das Ding. Die Gelatinesplitter, die an einer Stelle schicksalhaft herausflutscht sind, wirken spitz und gefährlich und der feuchte Pudding fühlt sich wirklich ekelig an. Obwohl er unter hygienischen Bedingungen hergestellt ist, wie Elisabeth Windisch versichert. Denn um ein Zertifikat des Guinness-Buches für ein Lebensmittel zu erhalten, müsse alles seine Ordnung haben. Man könne ihn sich also auch einverleiben.

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Elisabeth Windisch

Im Rahmen der Ausstellung „Frauengold“ im Bruch & Dallas, Köln zeigte Elisabeth Windisch zur Jahreswende schon einmal Arbeiten aus Lebensmitteln: Kuchen und große Tortenstücke aus reinem Mehl – im Gegensatz zum brachialen gummy candy „Ambrosia Officially Amazing“ äußerst sensible und zarte Werke. Aber auch diese, wie Elisabeth Windisch sie selbst bezeichnete, „weibliche Ausstellung mit Sexappeal“ kann wieder mit einem Augenzwinkern betrachtet werden. Die Künstlerin spielt und experimentiert eben auf verschiedene Weise mit Zufall, Vergänglichkeit und Brüchen – mal mit Feinsinn, mal mit Größenwahn.

Elisabeth Windisch

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