In der Nacht zum 13. Februar 1999 verblutete der algerische Asylbewerber Farid Guendoul in einem Hauseingang in der brandenburgischen Kleinstadt Guben, nachdem er und seine beiden Begleiter von einer Gruppe rechter Jugendlicher gejagt worden waren. Die Täter waren in dieser Nacht unterwegs auf der Suche nach Menschen, an denen sie ihren rassistischen Hass auslassen konnten. Farid Guendoul ist eines von mindestens 184 Todesopfern rechter Gewalt seit der deutschen Wiedervereinigung, doch wer heute in Guben nach Zeichen einer Erinnerung sucht, wird viele Leerstellen finden und ist mit Ablehnung und Unverständnis konfrontiert.
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Nur ein kleiner, unscheinbarer und häufig verwahrloster Gedenkstein auf einer Wiese erinnert vor Ort an Farid Guendoul. Die vom Werkraum Bild und Sinn-Team konzipierte Ausstellung ist eine audio-visuelle Erinnerungsinstallation zum 15. Todestag Farid Guendouls. Sie erzählt die Februarnacht 1999 vor aktuellen Fotografien damaliger Ereignisorte. Die Diskrepanz zwischen der Tat und ihrer Nicht-Ablesbarkeit im Raum ist dabei nicht zu überbrücken. Sie ist Teil der Erinnerung und Anlass der Annäherung.
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Die Ausstellung bildet den Abschluss des Projektes RE:GUBEN, das sich ein Jahr lang dem Umgang mit dem Gedenken an die Todesopfer rechter Gewalt und der Erinnerung an Farid Guendoul in Guben gewidmet hat. Dafür wurde diesen Themen auf einer Website in Kommentaren, Reportagen, Analysen, Interviews, Filmen und Bildern nachgegangen: http://www.re-guben.de/
Der Werkraum Bild und Sinn besteht seit Oktober 2013 in Berlin-Kreuzberg und hat sich in eine Weinbar eingenistet, die den separaten Raum für das Projekt zur Verfügung stellt.  Das Team besteht aus der Architekturtheoretikerin Alexandra Klei, dem Fotografen Christian Herrnbeck, und den Kunsthistorikern Annika Wienert und Sebastian Sprenger. Das Kollektiv lotet mit Fotografie- und Videoausstellungen die komplizierte wechselseitige Bedingtheit von Abbilden und Erzählen, Sehen und Wissen, Imaginieren und Dokumentieren aus. Interessierte Künstler/innen sind eingeladen, sich mit den Projektbetreiber in Verbindung zu setzen: werkaumbildundsinn@gmx.de.
„Wenn der so bekloppt ist und durch die Scheibe läuft…“
Guben 15 Jahre nach der tödlichen Hetzjagd auf Farid Guendoul
Konzeption: Alexandra Klei; Fotografien: Christian Herrnbeck
13. Februar, 19 Uhr (Vernissage) bis 13. März 2014 (Finissage)
Bergmannstraße 59, 10961 Berlin (in der Weinbar Peccato DiVino)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 16 Uhr; Bildprojektion auf Anfrage, Eintritt frei