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weiß man es? Martin Wöhrl und Andreas Neumeister in der Einheit 834

ein Bildbeitrag von Julia Wirxel

Der Architekt Peter Ottmann hat in Berlin im Corbusierhaus in der Einheit 834 seit anderthalb Jahren einen Ausstellungsraum. Aktuell sind lakonische Arbeiten von Martin Wöhrl und Andreas Neumeister aus München zu sehen. Neumeister beeindruckte mit einer Lesung zur Eröffnung.

Rechts im Bild Martin Wöhrl

weiß man es?
Martin Wöhrl und Andreas Neumeister

10.06.–21.08.2012
Corbusierhaus Einheit 834
Flatowallee 16
14055 Berlin
http://www.c834.de/
Besuch nach Vereinbarung.

Crowdfunding Katalogprojekt: I love Pubertät

Der Schweriner Kunstverein wagt ein Experiment. Der Katalog der Ausstellung ‘I ♥ Pubertät‘, soll mit Hilfe von Crowdfunding über die Plattform startnext finanziert werden.

Über die Ausstellung, die vom 22.06. bis zum 19.08.2012 im Kunstverein Schwerin zu sehen ist, haben wir bereits an an dieser Stelle berichtet. Um das in Schwerin bearbeitete Thema zu vertiefen und der Vergänglichkeit der Ausstellung entgegen zu wirken, ist zum Abschluss von ‘I ♥ Pubertät‘ nun die Produktion eines Katalogs geplant.
Da nun aber die finanziellen Mittel der öffentlichen Hand für Kunst- und Kulturprojekte traditionell knapp sind und durch die Entwicklungen der letzten Jahren nicht mehr, sondern in Zukunft wohl eher noch weniger werden, liegt es an uns neue Formen der Finanzierung zu entwickeln.

Eine Möglichkeit könnte das Konzept des Crowdfunding sein, eine Idee über welche in den USA bereits Projekte mit beachtlichen Volumina finanziert werden. Die Idee ist, über das Internet mit Hilfe zahlreicher Unterstützer und kleinerer Geldbeträge einen großen Betrag zu sammeln, der beispielsweise die Realisierung eines Ausstellungskatalogprojekts ermöglicht.
Bekanntlich sind wir aber nicht in den USA, sondern in Zentraleuropa und damit bei neuen technologiebasierten Entwicklungen zeitlich immer etwas hinterher. Crowdfunding hat hier nach wie vor etwas exotisches und ist damit natürlich alleine deswegen schon mal ein Thema, für das wir uns hier im Blog interessieren.

Da wir generell eher affirmativ mit dem Neuen umgehen, uns gerne auf die Dinge einlassen um zu erfahren wie sie sich anfühlen und auswirken, freuen wir uns das Crowdfunding Projekt des Schweriner Kunstvereins medial zu unterstützen. Auf die Fragen warum nun andere, also Sie, lieber Leserinnen und Leser das Projekt unterstützen sollen bietet man dort die nachfolgende Antwort.

Kunstvereine sind auf ihre Mitglieder und weitere Unterstützer angewiesen. Wir sind sehr froh mit mitlerweile über 100 Mitgliedern ein permanentes Programm bieten und so ein Forum für zeitgenössische Kunst etablieren zu können. Seit 2003 wurden diverse Ausstellungen und Projekte realisiert, die Aufsehen erregten und die Kunst- und Kulturszene in Schwerin bereicherten.

Nun möchten wir ergänzend zur Ausstellung einen Katalog realisieren, der aus unseren eigenen Mitteln nicht finanziert werden kann. Darum bitten wir um Unterstützung und würden uns sehr freuen den Mitgliedern und weiteren Kunstinteresssierten diesen Katalog anbieten zu können.

Kunstverein Schwerin – I Love Pupertät

Kunstverein Schwerin
Spieltordamm 5
19055 Schwerin
0049 (0)385 521 3166
www.kunstverein-schwerin.de

Das Crowdfunding-Projekts bei Startnext:
http://www.startnext.de/katalog-i-love-pubertaet

Perisphere Newsletter No1

Der Perisphere Newsletter No1 ist draußen. Den gibt es von nun an in unregelmäßigen Abständen als Printableger unseres Kunstblogs und wird an ausgewählten Orten der Stadt ausliegen. Also Augen offen halten!

Mit großem Dank an Rieke Schillmöller für die Gestaltung!

Barbarella Lichtenstein und Mary Puppet im Künstlerhaus Bethanien in Berlin


Im Rahmen des Frikk-Festivals, Berlin, dass sich in besonderer Weise den darstellenden Künsten widmet, war die Performance „Les Petites Rouges“ von Barbarella Lichtenstein und Mary Puppet zu erleben.

Die Lyrikperformance der beiden Schauspielerinnen kommt auf den ersten Blick schrill und aufreizend daher und bedient scheinbar jeden Voyeurismus. Denn sie folgen den Spuren des Marquis de Sade, dessen geheimnisumwittertes Werk für Pornographie und Perversion steht.

Aber de Sade gehört eindeutig auch in den Kontext der Aufklärung und Sätze wie : „Es wäre der Triumph der Philosophie, wenn es ihr gelänge, Licht auf die dunklen Wege zu werfen, deren sich die Vorsehung bedient, um die Ziele, die sie sich im Bezug auf den Menschen gesetzt, zu erreichen; (…)“ sprechen für den aufklärerischen Impetus.

Mit Blick auf die jüngsten Skandale hinsichtlich Kindesmißbrauch und Kinderpornographie zeigt sich bestürzend klar die Aktualität des Themas. Barbarella Lichtenstein und Mary Puppet widmen sich in bizarren, schrillen Bildern dem brisanten Themenkreis. Provokant stellen sie den Tabubruch und den eigenen Körper zur Schau. Eine sinnliche und ambivalent lustvolle  Betrachtung der dunklen Seite der menschlichen Natur, der  das Projekt Aufklärung viel zu wenig Aufmerksamkeit schenkte, denn de Sade wurde ja bekanntlich verurteilt und seine Gedanken zur Sexualität aus den bürgerlichen Bücherschränken verbannt.

Die Puppet-Lichtenstein Coop.  sucht nicht nur den Körper zum Schauobjekt zu machen, sondern erzählt eine visuelle Geschichte der Zurichtung von Körper und Körpergesten.  Hierin liegt der Unterschied. Dass vielfach diese feine Differenz übersehen wird und die Performance als Fleischbeschau wahrgenommen wird, nehmen die beiden in Kauf. Sex sells und sorgt für Aufmerksamkeit. Wer dies leugnet, ist ein Heuchler.

In diesem Sinne: Glitzer für die Welt, man!

ONFFF – DIESMAL IM GESPRÄCH MIT PAULE HAMMER TEIL 2

Zeitgleich mit Andrea Lehmann war auch Paule Hammer in den Räumlichkeiten der Walzwerkstraße 14 in Düsseldorf zu Gast. Wir haben uns die Camera geschnappt und der Mann aus Leipzig noch dazu. Heraus kam ein kurzes aber knackiges Interview.

dok25a zeigt Nicola Schrudde und Monika Schiefer

In den schönen Räumen in Oberkassel sind derzeit lediglich drei Werke von zwei Künstlerinnen zu beschauen. Doch es erweist sich erneut, dass Weniger eben Mehr sein kann! Es ist eine meditative Ausstellung der leisen, subtilen Töne. Klassische Ölmalerei von Monika Schiefer steht neben einer installativen Arbeit von Nicola Schrudde, die Skulptur und Fotografie zusammenbindet.


Monika Schiefer präsentiert nach beinah 15-jähriger Ausstellungspause eine ausgesprochen sensible Malerei, die mit Recht als peinture zu bezeichnen ist. Mit kleinen Pinselstrichen bearbeitet sie die Leinwand und generiert Farbstrukturen, die äußerst empfindlich auf Licht reagieren und ein Wechelspiel der nuancierten Farbigkeit zur Anschauung bringen. Farben, als Taten des Lichts frei nach Goethe werden so zum Erlebnis und bergen ein geheimnisvolles Innenleben.

Eine erfrischend unprätentiöse und gleichwohl handwerklich versierte Künstlerin erteilt einer schnellen, möglichst motivisch provokanten Malerei eine deutliche Absage. Das Beharren auf das sichtbare Changieren als Ergebnis einer sorgfältigen Malerei ermöglicht einen sehr offenen Raum der Deutung und bleibt dem Betrachter überlassen. Es geht nicht um Beliebigkeit, sondern um eine weder narrativ manipulierende noch sonstwie hierarchisch strukturierte Kommunikation. Also eine klassische Haltung, die den inneren Dialog vor dem Werk forciert.

Nicola Schrudde bespielt mit ihrer installativen Arbeit den zweiten Raum. Eine silbrige Tonskulptur wird mit einer auf Plexiglas projezierten Fotofolge konfrontiert. Motivisch handelt es sich um Florales; während das auf dem Boden liegende Objekt deutliche Arbeits-Spuren aufzeigt und eher assoziativ an etwas Pflanzliches erinnert, bilden die Fotos ein Blatt und silbrig anmutende Tautropfen ab. Irritierend wirkt die leichte Verschiebung des Motivs während der Projektion. Dies rührt vom ursprünglichen Videomaterial her. Einige Standfotos wurden für die Arbeit verwendet.

Die Konfrontation der unterschiedlichen Medien sowie das Zusammenziehen von konkrten und vagen Bildelementen macht den Reiz der Installation aus. Auch hier wird der Betrachter zur eher meditativen Reflexion animiert. Darüber hinaus stellt sich im Schwarz-Weiß der Fotografie ein hohes Maß an Abstraktion dar, welche das Natürliche von Blatt oder Tautropfen in den Hintergrund drängt. Dergestalt gewinnt das Formale ein besonderes Gewicht und ruft den Diskurs zur Ästhetik erneut in Erinnerung.

Alles in allem eine ruhige und beschauliche Präsentation, wovon sich offenkundig das Publikum am Eröffnungsabend wenig berührt zeigte. Gerne mit dem Rücken zur Kunst stehend, immer bemüht sich zu vernetzen oder über die Lasten des Broterwerbs als KunstbeamtIn zu lamentieren, stellt sich mir verstärkt die Frage nach dem Niveau des Düsseldorfer Ausstellungsbesuchers.

Paul Czerlitzki vs. Benedikt Gahl/Veit Kowald in der GSK

Immer Mittwochs zwischen 19.00h und 22.00h bietet die Gesellschaft für streitorientierte Kulturforschung (GSK) ein mehr oder weniger sportives Spektakel. Zwei Künstler, zwei Werke, ein Sieger. Das Publikumsvotum entscheidet den Zweikampf per Stimmzettel; der Sieger muß seinen Titel eine Woche später gegen einen neuen Mittstreiter verteidigen.


Gahl / Kowald

Basisdemokratie versus Elitarismus?

Die Frage nach ästhtischer Relevanz oder überhaupt kunstimmanente Überlegungen die ausgestellten Arbeiten betreffend, verbieten sich hier von selbst. Im Zentrum steht die Aktion der Entscheidungsfindung mit allen ihren Begleiterscheinungen und nicht der Artefakt. Interaktion und Begegnung werden inszeniert und benötigen die Werke lediglich als Vorwand einer Kommunikationsform, die dem Zwang zum Konsenz  zu entfliehen sucht und Entscheidung forciert. In dieser Verkürzung liegt der Reiz und die Gefahr, Kunst noch einmal mehr als schnell- erfassbares Konsumgut zu etablieren. Geschmackskriterien sind selbstverständlich nach wie vor irrelevant hinsichtlich des Kunsturteils, das ist allen Beteiligten gleichermaßen klar – und dennoch besteht gerade in der Möglichkeit des persönlichen Bewertens mit spürbarer Konsequenz die unerquickliche Nähe  zu den viel versteckteren und nicht reflektierten Formen der medialen Kunstkritik- und Wahrnehmung.

Czerlitzki

Zweifellos offenbart sich in dem provokanten Konzept ein durchaus zeitgemäßes Schema der Unterhaltung, bestens bekannt durch allerlei Shows, die das soziale Miteinander polarisieren in Verlierer und Sieger. Gleichzeitig erweist sich die vorgegebene Struktur als eine Möglichkeit insbesondere für junge Künstler sich den Konkurrenzkämpfen des Kunstmarktes zu stellen und Ablehnung oder Anererkennung zu relativieren. Denn natürlich entscheidet innerhalb der drei Stunden weniger die Qualität der vorgestellten Arbeiten, sondern vielmehr die Stärke des Freundeskreise über den Ausgang des Wettstreites.

Auch der Hype um die Star-Kuratoren wird durch die Zufälligkeit der konkurrierenden Exponate obsolet. Vermittelt doch die gängige Praxis der Kunstpräsentation zunehmend den Eindruck, dass es bei Ausstellungen letztlich um die jeweilige KuratorInnen und deren wie auch immer superlativisch zu lobende Zusammenstellungsarbeit gehe. Dieser Attitude erteilt das clevere Konzept von Jana Schröder, Andreas Breunig, Johanna Bücker und Clemens Rathe definitiv eine Absage.

Und das ist gut so!

Paul Czerlitzki

Den teilnehmenden Künstlern mag es auch schon mal unter die Haut gehen, denn Ablehnung zu erfahren, ist in jedem Fall unangenehm bis heikel. Die von den Protagonisten zur Schau getragene Coolness täuscht daher nicht über die Anspannung hinweg die mit dem anstehenden Konkurrenzkampf einhergeht, allerdings trägt der kleine Härtetest unbedingt dazu bei, die jeweilige Sozialmaske zu erfinden, zu definieren und zu verfeinern.

Benedikt Gahl und Veit Kowald

Ein spannendes Experiment, das zunächst recht schlicht erscheint sich aber als gesellschaftlich relevant und ungeheuer komplex mit Blick auf Kommunikation und Wahrnehmung des eher elitäten Feldes sozialen Handelns, dem Raum von Kunst und Kultur darstellt. Die Problematisierung von Rezeption und Wertung berührt dabei den beinah reflexionsresistenten Zirkel der sogenannten Kulturschaffenden ebenso wie die Kulturwirtschaft.

Und wer würde wohl als Sieger hervorgehen, ließe man Struth gegen Kriwet in den Ring?

Gesellschaft für streitorientierte Kulturforschung
jeden Mittwoch ab 19 Uhr
Merowingerstrasse 28
gsk-info.blogspot.com

klar sind wir social wir sind ja auch blog

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Miniaturen – ein Videoprojekt von Lars Klostermann

anlässlich des vierwändekunst festivals letztes jahr hat der dokumentarfilmer lars klostermann unter dem titel ‚miniaturen‚ verschiedene, aktive düsseldorfer off-spaces dokumentiert. er wagte dabei den versuch mit seiner kamera und wenigen subjektiven, dafür aber um so präziseren, einstellung die charakteristika der einzelnen orte herauszuarbeiten.
er arbeitet dabei mit ruhigen, nicht immer konventionellen einstellungen im stile des ‚direct cinema‘, als fliege ‚an der wand‘ oder auch mal ‚am boden‘. darüber eröffnet er dem zuschauer perspektiven welche sich beim regulären besuch so nicht anbieten.

neben den konkreten ausstellungsräumen und off-orten zeigt das miniaturen-projekt aber auch ganz allgemeine formen der präsentation und rezeption von kunst im jahr 2010 in mitteleuropa. lars klostermann bietet so einen unaufgeregten einblick in räume die von künstlern, kulturschaffenden und aktivisten besetzt und für ihre zwecke inszeniert werden. darunter sind zahlreiche orte, die noch vor gar nicht all zu langer zeit funktionen in handel, produktion und handwerk inne hatten, heute aber von dieser ökonomie nicht mehr benötigt werden.

eigenartigerweise dringt nun die kunst, also der traditionelle ort der verschwendung und verausgabung, als soziales phänomen in die aufgebenen räume vor. gleichzeitig lässt sie aber die frage offen, ob diese überhaupt in der lage ist diese fehlstellen sinnvoll zu besetzten oder gar zu schliessen.

das miniaturen-projekt findet ihr unter

http://vimeo.com/vierwaendekunst

Hallo Welt! – jetzt als online-mag: vierwände Off

es geht weiter denn es gibt immer noch was zu tun!

vierwände off ist unser jüngstes projekt. an dieser stelle werden wir unsere arbeit über off- und subkultur fortsetzen. wir beobachten das geschehen, berichten und reflektieren darüber, denn wir sind der meinung das phänomen des off gibt nach wie vor genug her um es nicht aus den augen zu lassen. wie der ort über den wir berichten wollen, ist auch dieses projekt ein raum für experimente und versuche. wir sind offen für vorschläge, hoffen auf zuspruch und lassen uns – wenn es zu uns und dem thema passt – auch auf gastbeiträge ein.

wir sind selber gespannt, wie es wohl weiter geht.
deshalb unser aufruf an sie:
bitte bleiben sie an den apparaten, es bleibt spannend!