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Viewmaster Projects: Ein etwas anderes Ausstellungskonzept

Cycle (2013) - Jacco Olivier - Fenixloods1, Wilhelminapier. Rotterdam

Cycle (2013) – Jacco Olivier – Fenixloods1, Wilhelminapier. Rotterdam

Im Oktober 2012 besuchte ich eine Eröffnung in Heerlen, einem kleinen Städtchen in Limburg nahe der deutsch-niederländischen Grenze, das weniger für seine kulturelle Seite bekannt ist. Nachdem ein Shuttle-Bus die Besucher von Maastricht hinüber transportiert hatte, war es dort dann auch erst mal wie bei jeder anderen Vernissage im mehr oder weniger kleinem Kreis. Man kommt zusammen, trinkt Bier und irgendwann hält jemand eine Rede. Stolz erzählen der Ausstellungsmacher und andere Beteiligte von der Ausstellung und dann geht es los mit dem Betrachten. Dieses mal aber ist etwas anders: die Objekte der Begierde, eine Reihe von Videos und Soundinstallationen, befinden sich nicht in einer Galerie, sondern draußen.

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Die Ökonomie des Subversiven, ein Trauerspiel?

"A KOONS IN A MILLION; 50.932297,6.930211" Jerome Daly 2012

„A Koons In A Million; 50.932297,6.930211“ Jerome Daly 2012

Ein Kaspar Hauser im Trümmerfeld

„Die demokratischen Systeme dieser Welt stehen vor tief greifenden Erschütterungen.“ schreibt der deutsche Politologe Wolfgang J. Koschnick1 in seiner Einleitung zu einer Artikelreihe, die in dem Online-Magazin Telepolis erscheint. Weiter schreibt er: „Die entwickelten Demokratien in aller Welt – von den USA über Europa bis Japan – stehen vor dem gleichen Elend: Zwischen den Völkern und ihren Politikern ist ein tiefer Graben der Entfremdung aufgerissen, […] […]Die Menschen haben kein Vertrauen mehr in das politische System, in den Parlamenten und den politischen Parteien herrschen Hierarchien, es geht nicht mehr demokratisch zu, die Volksvertretungen nicken Regierungsentscheidungen nur noch ab, wichtige Entscheidungen werden in Hinterstuben getroffen, die politischen Institutionen sind handlungsunfähig […]“2. Im weiteren Verlauf des Textes legt er nahe, dass es sich um eine grundsätzliche Systemkrise der Demokratie handelt, die zur heutigen Realität gehört. Diese Systemkrise bezieht sich jedoch nicht nur – und nur ist vielleicht nicht das richtige Wort um es in diesem Zusammenhang zu gebrauchen – auf die Demokratie, sondern auf alle Systeme. Wir sprechen heute von einer Bankenkrise hier, einer Energiekrise da und gleichzeitig werden Bürgerrechte ausgehebelt, sowie die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander gezogen.

Dennoch halten die meisten Menschen an den Systemen fest, weil sie nicht anders können. Auch darauf hat Wolfgang J. Koschnick eine Antwort: „Wer religiös erzogen wurde, bewahrt ein Leben lang seine kindlichen Vorstellungen darüber, […] […]Diese kindlichen Vorstellungen bleiben meist mächtiger als alle späteren Einflüsse und Überlegungen des Erwachsenenlebens.[…] […]Wenn systembedingte Katastrophen den Alltag beherrschen, wird krampfhaft nach Erklärungen und nach Sündenböcken gesucht[…] […]Aber das demokratische System bleibt sakrosankt. Unantastbar.“2 Dieses Phänomen beschreibt er wie eine Barriere, die dafür sorgt, dass die Zweifel am System selbst nicht zu Ende gedacht werden. Das System selbst ist also mit unseren grundlegendsten Überzeugungen verbunden: „Demokratie ist untrennbar verknüpft mit der Achtung und Verteidigung von Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Bürgerrechten. Das macht sie so kostbar. Und niemand kann sich deren Abschaffung wünschen.“2 Es fehlt also, laut Wolfgang J. Koschnick, an radikalem kritischem Gedankengut um die Welt neu zu denken. Wir bräuchten sozusagen eine Armee aus Kaspar Hausers3, die losgelöst von ihrer Erziehung und einer systemischen Verwebung neue Definitionen schaffen für das was ist, um es einmal überspitzt zu formulieren. Aber was hat das nun alles mit der bildenden Kunst zu tun? Auch die bildende Kunst befindet sich in einer systemischen Krise und wirkt in sich fest gefahren. Auch sie scheint korrumpiert durch ein System das sie sich selbst geschaffen hat. Aber vielleicht müssen wir, um dies zu erkennen, uns erst einmal dem System Kunst selbst widmen.

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