Berlin

One step ahead moving backwards

Diese Show hier in Berlin ist nun auch schon etwas was her (31/10/2014 – 22/11/2014), aber das letzte Quartal 2014 war verdammt voll und stressig. Viel ordentliche Arbeit, viel liebe Familie, dazu große Projekte, die dann doch nicht kamen und noch ein digital3mpire mit dem ganze Rest, das hält recht gut auf Trab und da bleibt dann eben leider auch mal was liegen.

Aber auch hier gilt wie so oft, besser spät als nie. Und somit geht dann mit etwas zeitlichem Abstand die letzte Show des nun-auch-wieder-berlinbased Kuratorenduos km.temporaer von Düsseldorf aus in den Äether. Elisa R. Linn / Lennart Wolff sind nach längerem New York aufenthalt wieder in Berlin und haben ihre Arbeit direkt wieder aufgenommen. Welcome back!
Diesmal ist alles schön streng, minimalistisch, reduziert, fast etwas nüchtern zusammen gestellt und sehr großzügi präsentiert im Berliner LEAP. Mit dabei waren Fabio Marco Pirovino,, Adriana Ramić, Paolo Thorsen-Nagel, Brian Jungen & Duane Linklater , Luca Pozzi, Mariechen Danz & Genghis Khan Fabrication Co., Andreas Greiner & Armin Keplinger, Tina Kohlmann, KAYA + n.o.madski / Kerstin Brätsch & Debo Eilers, Tiril Hasselknippe, João Onofre, Wolfgang Laib.

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PERSONAL TERRITORIES – OKK

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Als wir uns mit dem Projektteam über die Ausstellung „Personal Territories“ auseinandergesetzt haben und wir eine künstlerische und thematische Eingliederung in das Jahresprogramm des okk gesucht haben, ist mir aufgefallen, daß eine nicht vorher geplante Kontinuität in Bezug auf die Idee – und das Phäenomen – des „Territorialen“ existiert.

[…] ‚Territorialität‘ bezeichnet außerhalb der Philosophie einen sowohl kognitiven wie psychophysischen, aber auch den faktischen Umstand des Bodenerwerbs, zumeist in Form einer Grenzziehung. Was also das Territorium ist, wird durch das Verhältnis zu demjenigen bestimmt, das in der Phänomenologie seit Husserl als die Erde angesprochen wird. – Während die Erde bei Husserl aber als der Inbegriff des Festen ist, steht sie bei Deleuze und Guattari für etwas Dynamisches. Denn die Erde ist ein revoltierender Körper im Universum, dessen Oberfläche durch die Zeiten hindurch geologischen Transformationen, wie etwa der Kontinentaldrift, ausgesetzt ist, und daher alles andere als eine unwandelbare Bezugsgröße ist. Territorialität(1) ist nach Deleuze und Guattari daher der Versuch des Menschen, diesem dynamischen Gebilde etwas Festes abzugewinnen. Die Erde ist dabei die Instanz, welche selbst immer deterritorialisierend wirkt: Die Erde destabilisiert die scheinbar festen Gefüge eines Territoriums. Im Gegenzug sprechen Deleuze und Guattari bezüglich philosophischer Festschreibungen, welche die Erde als Ursprung (arché) konzipieren, von Versuchen der Reterritorialisierung. […] (2)

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Marguerite Humeau bei Import Projects

Matthias Planitzer ist nach langer Pause zurück und somit es geht weiter auf seinem Blog. Der Wiedereinstieg erfolgt mit einer Show von Marguerite Humeau bei Import Projects.

Guten Flug!

Marguerite Humeau, »Prop 1«, from »The Things?« series, 2014, Photo by Emi Maria Bohacek

Marguerite Humeau, »Prop 1«, from »The Things?« series, 2014, Photo by Emi Maria Bohacek

 

Project Space Festival – alles im Überblick

Einen Gesamtüberblick über alle Aktionen und Ausstellungen des Projectspace Festivals in Berlin 2014 gibt es hier. Danke und bis zum nächsten Jahr!

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Projectspace Festival – die letzte Woche

Das Projectspace Festival in Berlin geht zu Ende. Auf F***book gibts Bilder. Hier.

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22 – 30 August – NOTE ON | after the butcher | General Public | Autocenter | Center | L40 | Secondary Narratives | District | Berlin-Weekly

H Ÿ P E R L O C A L WiFi verfügbar 24/7

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H Ÿ P E R L O C A L bezeichnet Informationen, die sich um eine klar definierte Gemeinschaft herum ausrichten, die ihren Hauptfokus auf die Interessen ihrer Mitglieder richtet. Der Begriff stammt von 1991 und nimmt Bezug auf Inhalte lokaler TV-Nachrichten. Der Begriff ist kürzlich von der Browser-Based-Gruppe für eine Ausstellungsreihe von Browser-basierter sowie NetzKunst aufgenommen worden. In der vernetzten Welt von heute kann das Konzept von HŸPERLOCAL nicht nur als ein stationäres, an einen bestimmten Ort gebundenes, sondern auch als ein tragbares, an einen bestimmten Körper gebundenes verstanden werden.

Aus der Perspektive des Künstlers heraus hat dies einige direkte Konsequenzen:

so wird die Rolle des Kurators in Frage gestellt (und im Grunde genommen obsolet gemacht) – jeder kann in jedem Raum eine Ausstellung machen

Kunstwerke, die normalerweise nur online zu betrachten sind, sind plötzlich an einen physischen Raum gebunden, der den Autoren und den Betrachtern ein direktes Interagieren ermöglicht

die Konzepte von öffentlichem und privatem Raum können durch die Kunstwerke vollkommen neu bestimmt werden.

Wir werden modifizierte WIFI Router-Server installieren, die den HŸPERLOCAL-Kanal übertragen, um der Charlottenburger Bevölkerung – in und um povvera herum – eine Reihe von Arbeiten der Mitglieder des Browser-Based-Kollektivs zu präsentieren und das Softwarepacket, auf dem der Kanal läuft, als Download zur Verfügung zu stellen.

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Project Space Festival Berlin – die ersten Tage und Bilder

Ein Projectspace Festival in Berlin, im Sommer 2014, in Farbe.
Das sieht verdammt gut aus! Ich schlage vor: hingehen http://www.projectspacefestival-berlin.com.

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August 2014: PROJECT SPACE FESTIVAL BERLIN

Vom 1. – 31. August 2014 läuft in Berlin derzeit das PROJECT SPACE FESTIVAL BERLIN. Die ersten Bilder dazu findet Ihr hier.

Das Festival nimmt sich den gesamten August Zeit, um gemeinsam mit den Besuchern die freie Kunstszene Berlins zu bereisen. 30 Berliner Projekträume laden während des erstmals stattfindenden Festivals zu Ausstellungen und Events. Vom 01. bis 31. August öffnet täglich ein anderer Raum im Zeitrahmen von 24 Stunden seine Türen.

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Jeder teilnehmende Raum erhält 24 Stunden Zeit, um eine Veranstaltung zu realisieren. Das Programm des Festivals ist ebenso vielfältig wie die teilnehmenden Projekträume: Geplant sind unter anderem 1-Tages-Ausstellungen, Food Art-Events und Performances im Berliner Stadtraum. Auf unserer Webseite werden Zeit und Ort der Veranstaltungen kommuniziert – das genaue Programm bleibt jedoch eine Überraschung und wird erste eine Woche zuvor bekannt gegeben.

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Mit der breiten Auswahl an Projekträumen schafft das PROJECT SPACE FESTIVAL BERLIN eine Veranstaltungsplattform, um die Idee „Projektraum“ zu beleuchten. Häufig werden diese Räume vor allem durch das definiert, was sie nicht sind – weder kommerziell, noch institutionell; weder Atelier, noch White Cube. Das Festival stellt die Leistung ihrer BetreiberInnen in den Vordergrund. Projekträume zeigen Mut zum ästhetischen Experiment und setzen Impulse für Dialog und Diskurs. Geführt mit großem Idealismus und knappem Budget sind sie Nährboden für die Kunstszene und Seismograph für kulturelle Trends – gekennzeichnet gleichermaßen durch Freiheit als auch Ungewissheit.

Aktuelle Infos unter:
www.projectspacefestival-berlin.com/

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Von Kunst habe ich generell nicht so viel Ahnung, also zumindest nicht mehr als man eben so weiß wenn man ein Hobby mit gewissem Zeitaufwand über die Jahre betreibt. Das heißt ich kann schon erkennen wo etwas hingehört und ob das jetzt von Profis kommt oder doch eher aus anderen Richtungen. Bewerten kann ich das aber nicht, dafür ist alles zu verwirrend und zu viel geworden, jetzt und hier, 2014. Man wird sehen ob etwas, und wenn ja, was am Ende davon bleibt.
Generell interessieren mich eigentlich auch eher die Kontexte, also zb Off oder On, Online und Offline, sowie Räume, Plätze und die zugehörigen Konfigurationen. Und ohne die Arbeiten hier jetzt herabwürdigen zu wollen – was ich ja definitiv nicht will, weil mich das alles schon irgendwie auch anspricht – gefällt mir hier der Boden wirklich sehr sehr gut. Das hat etwas vom Transparenzhintergrund bei Photoshopdateien. Ihr wisst schon, diese grau-weissen Kacheln in einer leeren psd-Datei. Auf jeden Fall macht es das ganze dadurch für meine Augen ziemlich spannend. Erscheint wie ein großes gerendertes 3D-Modell eines Raumes.
Gute ästhetische Anlehnung an den Desktop würde ich sagen, quasi realer Raum der wie digitaler virtueller Raum wirkt.
Das ist vieleicht schon metamodern? ;-)

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Projectspacefestival in Berlin

Vom 01. – 31. August 2014 findet in Berlin das Projectspacefestival mit über 30 teilnehmenden Projekträumen statt; wir werden das Ganze aber noch mal ausführlicher aufgreifen. Denn da wir schon seit einer ganzen Weile einen unerklärlichen Hang zu Off-Festivals haben, dieses Projekt auch super finden und es sehr gerne unterstützen, sind wir eine Medienpartnerschaft eingegangen. Darüber hinaus werden wir das Festival, welches stark vom ehrenamtlichen Engagement lebt, auch über adswarm mit ein paar Tausend Bannern fördern.

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Jetzt aber schon mal nur in aller Kürze der Hinweis: Die Webseite ging gestern endlich an den Start, klickt mal rein. Das ganze sieht vielversprechend aus!
Würde die Schwester vom Sohn nicht im August kommen, würde ich mal hinfahren.

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http://www.projectspacefestival-berlin.com

surplus living

99% aller Pressetexte die uns erreichen sind ausgemachter Schrott und Artyfarty-Bullshit-Bingo. Da lese ich zwei Sätze und dann geht die E-Mail in den Müll oder in den Orkus der Vergessens. Keine Ahnung warum man 2014 immer noch Einladungstexte schreiben muss die in erster Linie nichts sagen wollen. Spart Euch doch die Zeit und schickt uns ne Flasche Wein dafür, ladet uns nett ein, dann kann man über alles reden, wir sind ja bescheiden (und in Wahrheit gar nicht so garstig wie es hier manchmal scheint).

Aber es gibt auch Texte, die lese ich und denke mir ‚Hey Moment mal, da hat ja in letzter Zeit mal jemand das Fenster und die Tür aufgemacht und heraus geschaut aus seiner weißen Gummizelle‘. Und solche Texte packe ich dann auch gerne hier.

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„Wenn der so bekloppt ist und durch die Scheibe läuft…“ in Berlin

In der Nacht zum 13. Februar 1999 verblutete der algerische Asylbewerber Farid Guendoul in einem Hauseingang in der brandenburgischen Kleinstadt Guben, nachdem er und seine beiden Begleiter von einer Gruppe rechter Jugendlicher gejagt worden waren. Die Täter waren in dieser Nacht unterwegs auf der Suche nach Menschen, an denen sie ihren rassistischen Hass auslassen konnten. Farid Guendoul ist eines von mindestens 184 Todesopfern rechter Gewalt seit der deutschen Wiedervereinigung, doch wer heute in Guben nach Zeichen einer Erinnerung sucht, wird viele Leerstellen finden und ist mit Ablehnung und Unverständnis konfrontiert.
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USB Shuffle Show Nr 2

Wir hatten auf die USB Shuffle Show im Institut für Alles Mögliche hingewiesen.
Hier kommern die Bilder von diesem Jahr. Danke Stefan!

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Pausen Bilder im Kunstknast von Ozean

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Bild: Blitzkunst (Danke!)

OZEAN ist ein Projektraum auf dem Gelände des Atelierhofs Kreuzberg in Berlin. Eine ehemalige überdachte Garagenanlage wurde an der Vorderseite mit Holzlatten, seitlich mit einem Gitterzaun verschlossen. Blitzkunst bringt was über die aktuell laufende Sache dort. Das Ganze nennt sich Pausen Bilder und basiert auf einem Overheadprojektor. Gefällt mir als Kunsthassliebhaber wirklich gut, die K hier hinter Gittern zu sehen.
Alles weitere nach dem Klick hier.

ONE NIGHT STAND – PROLOGUE – die Bilder

Wir hatten den ONE NIGHT STAND in den Kunstwerken Berlin angekündigt – alle Infos dazu lest Ihr hier.
Gestern war mit der Präsentation der Open Gallery die Auftaktveranstaltung.
Open Gallery ist, soweit ich das bisher beurteilen kann, ein ziemlich spannendes Konzept, angesiedelt irgendwo zwischen Fluxus, sozialer Plastik, 90er-Netzavantgarde-Ideen und Anonymous. Gefällt mir gut, müssen wir im Auge behalten, da würde ich gerne mehr von sehen und hören.
Also drücken wir einfach mal feste die Daumen, dass die ONE NIGHT STAND-Reihe so weiter geht, das könnte noch spannend werden. Hier auf jeden Fall mal die Bilder vom Abend, allesamt mit freundlichem Dank entliehen vom Kreuzberg Pavillon bzw deren F***boook-Page.

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Curart Popup Show

Der nachfolgende Text über die Onlinekunstplattform curart ist ein Gastbeitrag von Euphemia v. Kaler zu Lanzenheim. Die Dame mit dem schönen Namen ist Kunsthistorikerin und kümmert sich bei curart um die PR und den Aufbau von Kooperationen. Ich sage das vorweg, denn der Beitrag ist, ähm, … nun ja … für meinen Geschmack in Teilen etwas zu werbisch.

Aber! Ich hatte sie um einen Beitrag gebeten, weil mich ihr Projekt so wie das Theme Kunst, Markt und Internet in vielerlei hinsicht interessieren. Und man kann es an dieser Stelle ja auch mal offen zugeben, auch wir mischen nicht nur mit unserem Avantgardeblog und dem Startup adswarm in diesem höchst ambivalenten Feld so irgendwie mit.
Aber es geht ja auch einiges in dem Bereich und man wird sehen was davon in ein paar Jahren geblieben ist, was Strukturen verändert hat und was sich als Luftnummer heraus stellt.

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Ich hatte Euphemia also um einen Beitrag gebeten. Worauf hin sie so freundlich war, sich die Mühe zu machen einen Text über das Projekt curart zu schreiben. Und weil ich hier jetzt nicht in Ihrem Artikel herum schreiben möchte, kommt dieser mit bestem Dank an die Autorin genau so in den Blog. Ihr wisst ja bescheid.

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Spot on Marija Bozinovska Jones

Bild und Text by Marija Bozinovska Jones

Spot on ist das Format auf perisphere, in dem wir Künstler zu Wort kommen lassen und Ihnen die Möglicheit bieten, einen Teil Ihrer Arbeit zu präsentieren. Marija Bozinovska Jones zeigt heute 6 Bilder mit Text, angesiedelt zwischen Pop, Sub- und Trashkultur.

Future of the Past

Diese Arbeit wurde vor kurzem in Berlin ausgestellt und beschäftigt sich mit Identitätsdefinierung in einer Zeit digitaler transkultureller Existenz, durch Gegenüberstellung alter und moderner Elemente, beispielsweise eine antique Büste und 3D Technologie. Durch die Betonung der nationallen Identität spiele ich mit dem Begriff ‚Nationalismus‘; als fiktiven Kurator habe ich ein Land mit einem kontroversen Name festgelegt (F.Y.R.O.M.). Gleichzeitig ist Alexander der Große auf Grund mit seiner metaphysischen Frage ‚Wer bin ich?‘ Pièce de résistance. Ich habe in der Galerie einen politischen Rave inklusive Musik, Nebel und Laser inszeniert.

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There will be burgers

Zwischen der Figur des Künstlers und der Figur des Ingenieurs besteht seit dem Verschwinden des Universalkünstlertypus ein ganz besonderes Spannungsverhältnis. Es ist eine Art von Weltgestaltungs-Wettstreit zwischen Mythos und Ratio, der sich durch die Geschichte zieht, und in dem wir – mit Blick auf die totale Rationalisierung der Welt – derzeit leider keine all zu gute Figur machen. Von daher, ist das natürlich eine gute Sache, wenn die Leuten, wie am 28.9.2013 geschehen, bei Projekten wie dem Art Hack Day Berlin im LEAP zusammen kommen, um zusammen zu denken und zu arbeiten .

THERE WILL BE BURGERS ist eines der Ergebnisse dieses 24-stündigen Hackmarathons. Es ist Webseite und Skulptur, und nach Definition der Autoren eine ‚24 hour crowd sourced sculpture‚. Für einen begrenzten Zeitraum von 24 Stunden wurde über das Netz, Twitter, Facebook und E-Mail Geld für eine temporäre Skulptur bestehend aus Mc Doalds Burgern gesammelt. Per paypal konnte man den Kaufpreis eines Hamburger und eines Veggieburgers überweisen, nach Ablauf der 24 Stunden wurde dafür dann bei Mc Donalds das Material für die Plastik gekauft: 85 Hamburgers and 37 Veggieburgers.

Ich habe mit Sebastian Schmieg, einem der beteiligten, ein Kurzes Inerview per E-Mail geführt.

Photo by Michael O’Brien

fk: Um was gehts in dem projekt?

ss: Innerhalb von 24 Stunden konnten Menschen uns per PayPal Geld senden, damit wir bei McDonald’s Cheesburger und Veggieburger kaufen. Als Gegenleistung bekamen sie ein Foto ihres Burgers, auf den ihr Name projiziert wurde. Anschließend wurden die Burger – 85 Hamburger und 37 Veggieburger – zu einer Pyramide gestapelt und letzten Endes von den Ausstellungsbesucher/innen komplett verdrückt.
Warum — das sehen alle Beteiligten vermutlich unterschiedlich. Mich hat interessiert, wie hier ein ziemlich dämliches, technisch-kommerzielles System aus Social Media, PayPal, McDonald’s und „personalisiertem Produkt“ als dampfende Pyramida in den Ausstellungsraum gelangt. Dort stand dann u.a. der künstlerische Leiter der Transmediale mit einem Burger in der Hand. Das ganze Geld ging natürlich an McDonald’s.

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Einweihung der medialen Plastik local.#non.access in Berlin

Es ist schon wieder eine ganze Weile her und ich wollte es schon längt einmal gemacht haben, kam aber einfach nicht dazu, weil die Zeit so rast und so vieles zu tun und zu erledigen ist. Man kommt ja einfach zu nichts. Kaum ist der Montag endlich überstanden, der Einstieg in den Arbeitsalltag leidlich geschafft und der Kater vom Wochenende verdaut, da verschickt man noch ein oder zwei E-Mails, führt ein paar Telefonate und Zack, da ist der Freitag schon wieder, eine weitere Woche herum und man dem Ende wieder ein Stück näher. So zumindest kommt es mir derzeit vor und in mir wächst der Verdacht, dass es einem beim letzten Wimpernschlag genau so vorkommen wird, verdammt schnell und verdammt schnell vorbei gewesen.

Aber ich schweife ab.

Denn eigentlich wollte ich Euch auf local.#non.access, das letzte in Berlin realisierte Projekt, hinweisen. Ohne dabei jetzt zu sehr übertreiben zu wollen, und in aller Bescheidenheit, die Nummer ist ein wirklich epochales Ding geworden, in der Form noch nie dagewesen und natürlich ironisch, technisch, paradox und hochpolitisch, wie es sich für echten Avantgardeshit eben gehört.

In Kooperation mit km.temporaer und mit der Unterstützung ausgewählter, internationaler Topnetzkünstler konnten wir da einen echten Coup landen und die erste mediale Plastik ever installieren. Das Ganze ist ein Meilenstein geworden bzw wird einmal einer gewesen sein.

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Das. Ist. Geil. Pepperspray!

Wie ja bereits geschrieben, die meisten Presse-E-Mails und Einladungen zur nächsten Vernissage öden ganz schön an. Man scannt das bis zur zweiten Zeile, scrollt einmal drüber und klickt sich schnell raus bevor man vollends wegdöst. Eine freudig begeisterte E-Mail mit Hinweis auf junge, frische, internationale, grenzüberschreitende, wahlweise ungesehene oder eben auch prämierte Kunst folgt der nächsten. Wo kommen diese ganzen Künstler eigentlich her? Wo wollen die alle hin? Das wird noch einmal wirklich spannend zu sehen, was aus diesem immer währenden Strom in ein paar Jahrzehnenten geblieben ist.

Ich weiss, ich weiss, man soll nicht immer so negatives Zeug schreiben. Das verdirbt die gute Stimmung, an irgend etwas will man ja noch glauben können in diesen nüchternen Zeiten, und ja! auch mich nervt das permanente rumgenörgele zu Weilen. Darüber hinaus passt die Kritik natürlich nicht in die allgemeine Begeisterung und Emphase die man dem K-Metier mittlerweile allenthalben entgegen bringt, ohne aber davon abzusehen, es zeitgleich immer weiter zu Gunsten von naturwissenschaftlichen Ingenieursleistungen im Dienste der fortwährenden Konsumoptimierung zu marginalisieren und zu banalisieren. (Kompliment übrigens an Alle die den ganzen Satz bis hier gelesen haben).

Und weil ich eben auch nicht immer nur herum kritteln möchte, gibt es heute mal was echt geiles – und eine Ausnahme noch dazu. Denn den nachfolgenden Tip habe ich als CRM-Massmailer-based-PR-Meldung von Helena S. vom Buraeu N (Achtung Seite ist voll mit Bilder, Browser schmiert ab) als Werbung für Peres Projects bekommen. Und bei aller mittlerweile antrainierten Skepsis, war das eine echte Sternstunde der E-Mail-Zustellung, die ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Mike Lood Ask Officer Pepperspray

Mike Lood – Ask Officer Pepperspray from Mike Lood After Dark.

Ich kannte Mike Lood bisher nicht, finde das aber alles sehr viel versprechend. Und da der Mann in Berlin sein wird, wenn ich auch gerade mal wieder eine Weile in der Hauptstadt bin, könnte es eventuell sogar passieren, dass ich im September nach langer Zeit mal wieder eine Galerie betreten werden, um mir seine Sachen vor Ort anzusehen.

Bis dahin aber erst mal online, denn noch mehr Sachen von Mike Lood findet Ihr hier, auf seiner Webseite. Die facebook-Farm Videos sind im übrigen ebenfalls verdammt gut, ebenso wie seine wirklich eigenartigen Collagen. Mein Tip für Euch: Ansehen!

(via E-Mail. Danke Helena!)

Kunst? Nein Danke!

Eine ganze Weile mussten sie in der Hauptstadt kämpfen, diskutieren und streiten, letztes Jahr hatten sie endlich Erfolg. Seit 2009 haben sie geplant und geredet, seit 2012 sind sie ein neuer Haushaltsposten. Und so kommt es, dass die Berliner freie Szene nun Preise für Projekträume vergeben kann.
Sieben Räume werden am 18. September durch eine Jury ausgezeichnet, die Preise gehen dieses Jahr an: Altes Finanzamt, Kreuzberg Pavillon, KUNSTrePUBLIK, LEAP, Netzwerk-Projektraum “Hip Hop Stützpunkt mit From Here To Fame & Common Ground Gallery“, uqbar e.V., Walden Kunstausstellungen e.V.

LAST EXIT TO SPACE – 18. September 2013 | 20:00 | HAU1

So eine Auszeichnung ist natürlich schön, wirklich interessieren würde das aber wohl niemanden, wenn diese denn nicht mit einem Preisgeld versehen wäre. Und dieses Preisgeld kann sich mit jeweils 30.000 Euro Förderung pro Projekt für ein Jahr sehen lassen. Das ist im Kontext der freien Szene eine ganz ordentliche Summe, mit der man durchaus  auch etwas bewerkstelligen kann. Zumindest dann, wenn man, so wie wir das hier im Kulturprekariat gelernt haben und gewohnt sind, hocheffizient und kostenbewusst arbeitet.
Begleitet wird das Jurierungsverfahren durch eine Publikation die zur Preisverleihung am 18. September erscheinen wird.

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Berlin Weekly via Artfridge

BERLIN-WEEKLY ist ein von Stefanie Seidl im Juni 2010 gegründetes Projekt in Berlin. Es funktioniert im öffentlichen Raum gleichermaßen wie als Internetplattform und ist dadurch 24 Stunden am Tag sichtbar.
Bei dem Projekt handelt es sich um eine nichtkommerzielle Schaufenstergalerie, die Künstlern und konzeptionell arbeitenden Designern die Möglichkeit bietet, ihre Arbeiten in exponierter Lage in Berlin-Mitte zu präsentieren. Die Installationen im hohen hell erleuchteten BERLIN-WEEKLY Schaufenster sind von außen den ganzen Tag bis spät nachts gut sichtbar. Durch die einseitige Ausrichtung zum öffentlichen Raum funktioniert BERLIN-WEEEKLY somit als künstlerische Intervention im Stadtraum über das Format ‚Schaufenster’. Im Gegensatz zur Museumsvitrine , die Kulturgeschichte rückwärts archiviert, zeigt das Schaufenster Kulturgeschichte, die noch geschrieben wird. Mehr iNfos gibt es hier.

Anna Lena Werner hat bei Artfridge ein paar Bilder der aktuellen Schau „PREMASTER BUDDING BLASTER“ von Sibylle Jazra rein genommen, die wir uns hier einfach mal kopiert haben. (Danke Anna!). Hier gibts noch einige Detailaufnahmen direkt auf der Projektwebseite.

alle Bilder Artfridge!

BERLIN-WEEKLY.COM
Gallery Space
Linienstr. 160
10115 Berlin

Grischa Lichtenberger im Team Titanic

Der Bielefelder Sound-Künstler Grischa Lichtenberger präsentierte „In/ven/tur [ɪnvɛnˈtuːɐ̯] – An Exhibition Of Things That Remain After An Exhibition“ im Projektraum Team Titanic vom 6-12.7.

Danke Julia für die Bilder!

 

 

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km temporaer zeigt (n)on site

Non-Sites: Arbeiten im Ausstellungsraum aus ursprünglichen Rohmaterialien, dem Naturraum entnommen, der Ort ist beliebig
Sites: spezifischer Ort, gestalteter Naturraum

In der aktuell laufenden Ausstellung „(n)on site“ (24.5. – 14.6.2013) wird der Ansatz des Projektes km temporaer, zeitgenössische Positionen der analogen und digitalen Kunst in einem gemeinsamen thematischen Kontext zu präsentieren, mit der Intention, einen Dialog zwischen netzbasierter Kunst und klassischeren Kunstdisziplinen zu schaffen, fortgeführt.
Die künstlerischen Arbeiten reagieren auf das Thema Mapping und der zunehmenden Tendenz der stark objektiv-rationalen Wahrnehmung des realen Raumes durch Datenvisualisierung im Netz. In den Arbeiten werden gezielt Momente der Diskontinuität erzeugt, die aus diesen technischen Methoden eine poetische Ästhetik entstehen lassen und damit die Bindung des Menschen an räumliche Bezugssysteme offenlegt bzw. hinterfragt.

„What you are really confronted with in a Nonsite is the absence of the Site.. a ponderous and weighty absence“ (R. Smithson)

Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf Robert Smithsons Dialektik der Orte (Sites) und Nicht-Orte (Non-Sites), mit der er die Karte in eine symbolische Sprache überführt. Nach Smithson konfrontiert der kartographische Blick stets das Abstrakte und das Reale, den Ort und die Delokalisierung zugleich.

In Anlehnung an Lev Manovich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit dem Verhältnis von Analogie und Digitalität im modernen menschlichen Leben und wirft die Frage auf, inwiefern sich unsere Wahrnehmung von räumlicher Form verändert, wenn diese mit dynamischen und vielfältigen Multimedia-Informationen überzogen ist. (Schwinden die Sinne im Zuge der zunehmenden Medidatisierung? Kann Desorientierung in der technischen Dokumentation wirklich verhindert werden?)

Daniel Schwarz / juxtapose / 2012

„Juxtapose“ ist eine Serie von Gegenüberstellungen unbearbeiteter Satellitenaufnahmen zivilisationsferner Orte auf der Erde, die dem Internetdienst Google Maps entstammen. Simultan nebeneinander legen sie die poetische Kraft der Naturgewalt gegenüber rationalisierenden Technologien zur Dokumentation unserer Welt offen. Die unterschiedlichen Witterungszustände und Jahreszeiten auf den Fotos sind Störungen, die automatisch durch die Google Algorithmen bei Aktualisierung des Bildmaterials erstellt werden. Diese Diskrepanz hinterfragt den Einfluss der erweiternden Technologie auf unsere Wahrnehmung von Raum und Zeit und enthüllt gleichzeitig das Scheitern, die Realität wiederzugeben.

Davide Cascio / Ikebana Arrangement / 2013

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Die Boutique zu Gast im Institut für alles Mögliche

Treue Leserinnen und Leser unseres Blogs kennen natürlich sowohl die Boutique als auch das Institut für alles Mögliche bereits, wir hatten Projekte an beiden Orten mehrfach bei uns. Um so schöner wenn zusammen kommt was eh schon zusammen gehört. Nach dem der Initiator und Organisator des Insituts, Stefan Riebel letztes Jahr in Köln zu Gast war, erfolgte nun der Gegenbesuch. Hier sind die Bilder vom Besuch.

Alle Bilder von Stefan Riebel via E-Mail, danke Stefan!

www.i-a-m.tk
www.boutique-koeln.de

DIRECT ACTION und DIRECT ACTION 2013

Ein Text von Lisa Schwalb

DIRECT ACTION ist ein Festival, das ein Mal im Jahr in Berlin vom INSTITUT FÜR ALLES MÖGLICHE in der ABTEILUNG FÜR ALLES ANDERE veranstaltet wird. Unter Festival versteht sich hier das Zusammenkommen unterschiedlicher Künstler, die über ihre künstlerischen Arbeiten und Fragestellungen in Austausch miteinander und mit den Besuchern treten. Dabei lassen sich ungedachte Räume des Zusammendenkens eröffnen, neue Prozesse anstoßen und unterschiedliche Herangehensweisen und Ansichten austauschen.

Seit 2011 ist DIRECT ACTION Teil des „Monat der Performance Kunst – Berlin“. In diesem Rahmen übernimmt es den konzeptuellen Part und befasst sich mit künstlerische Arbeiten, die einem Performanceverständnis entgegenstehen, das sich vor allem auf den körperlichen Vollzug und die authentische Expressivität der Geste konzentriert. Das System der Untersuchung und der Apparat des Analysierens rücken stattdessen in den Fokus der Betrachtung, wobei auch immer die Befragung des Mediums und des Materials eine wichtige Rolle spielt. Von diesem Ansatz ausgehend, wendet sich DIRECT ACTION mit einem Open-Call an Künstler, die ihre Arbeit nicht nur einer der bereits bestehenden Kategorisierungen von Kunst zuordnen können, sondern im Bereich der Performance Kunst an einem weiterführenden Verständnis interessiert sind. Neben dem Open-Call, der den nicht-kuratierten Veranstaltungsteil darstellt, werden ergänzend dazu ausgewählte und bereits etablierte Performance-Künstlerinnen und -Künstler eingeladen sowie Studierende der Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig.

Eines der Hauptanliegen des Festivals ist es, für viele verschiedene Kunstschaffende eine Plattform zu entwerfen, auf der eigene Positionen präsentiert, diskutiert und weiterentwickelt werden können, einen Ort, an dem rege und direkte Interaktionen stattfinden, sowie das Knüpfen nachhaltiger Kontakte möglich ist. Als Ergänzung zu den bereits etablierten Performance-Festivals kann DIRECT ACTION insbesondere im Bereich der konzeptuellen, medialen und nicht-expressiven Aktionskunst ein alternatives Forum bieten und zukünftig speziell in dieser Sparte eine wichtige Position in Berlin einnehmen.

Auf dem diesjährigen DIRECT ACTION 2013 wurden Aktionen, Experimente, Videos und Installationen gezeigt, die sich mit Performance in Relation zu Sprache auseinandersetzen. So lautete das Thema diesen Jahres PERFORMANCE ÜBER*MIT*DURCH SPRACHE. Unter diesem Motto haben sich vom 03. bis 05. Mai die teilnehmenden Künstler in der ABTEILUNG FÜR ALLES ANDERE in der Ackerstraße 18, Berlin Mitte zusammengefunden. Der erste Abend begann traditionell mit einer kollektiven Besprechung und Zusammenstellung des Ablaufplans für die kommenden zwei Tage. Die Arbeit “ Empty pictures 4 “ von Dominik eröffnete das Programm indem, der an die Wände gemalte Text den Raum mit Sprache füllte.
Die Gruppe Campus Novel hingegen suchte das direkte Gespräch und unterhielten sich im Hof der ABTEILUNG FÜR ALLES ANDERE bei frisch gekochtem Kaffee mit den Gästen über das Thema Krise und über dieses hinaus. Während hier die Kommunikation mit dem Anderen im Vordergrund stand, führte Juanzi Cheng unter dem Titel <Hey, Ich>, ein Selbstgespräch durch, indem sie sich mit ihrer eigenen aufgenommenen Stimme, abgespielt von einem Kassettenrekorder, unterhielt. Dina Boswank und Daniela Ehemann hingegen benutzten technologische Kommunikationsmittel um über Sprache zu sprechen, indem sie via Skype und Chat mit ihren Kollaborateuren in Chicago und Bangalore live interagierten.
Das Sprache aber auch losgelöst von einem menschlichen Körper produziert werden kann, zeigte die Performance von Sim Gishel, einem Roboter, der Pop-Songs performt, was aber angeblich nicht für „Deutschland sucht den Superstar“ ausreichend war, so sein Erfinder Karl-Heinz Jeron.

Unter dem Motto täuschend echt aber doch nicht eindeutig real beschäftigten sich Thomas Lindenberg und Lisa Schwalb mit den Rahmenbestimmungen bestimmter Sprachkonventionen am Beispiel des Pop-Songs. Neben den unterschiedlichen Live-Beiträgen wurden auch Performance-Videos zum Thema Performance über*mit*durch Sprache gezeigt, so zum Beispiel die Arbeit This is not an I-Pad, Ich lese Bücher – jemand muss es ja schließlich machen von Oliver Breitenstein. Dass eine Auseinandersetzung mit Sprache aber auch über das Schweigen stattfinden kann, zeigte die Arbeit In Silence (#04) von Stefan Riebel, der mit allen Anwesenden einen kurzen Moment schweigend verbrachte. Über diese und andere Beiträge hinaus wurde in den drei Tagen zusammen diskutiert, gefrühstückt, gegrillt und pausiert. Nicht nur eine Verschachtlung der Arbeiten miteinander, sondern auch die Vermischung von Zeigenden und Zuschauenden war bei DIRECT ACTION 2013 zu beobachten und machte das Festival zu einem einmaligen Ereignis der direkten und indirekten Aktionen und Interaktionen.

Direct Action, 2013
INSTITUT FÜR ALLES MÖGLICHE und ABTEILUNG FÜR ALLES ANDERE, Berlin
http://www.i-a-m.tk/

Die USB-SHUFFLE-SHOW – ONE im Institut für Alles Mögliche

Text: Luisa Hänsel

Das Institut für Alles Mögliche experimentiert gern, vor allem wenn jeder mitmachen kann. Das neueste Experiment wurde am Donnerstag, dem 4. April, gegen 19 Uhr in der Abteilung für Alles Andere in der Ackerstraße 18 erstmals vorgeführt – die „USB-Shuffle-Show“: mit einem Open Call rief das Institut alle Interessierten dazu auf die eigenen Kunstwerke auf USB-Stick per Post einzuschicken. Wer bis zum 31. März seine Arbeit eingereicht hatte, wurde ohne Umschweife Teil der Show und erhielt die Chance seinen digitalen Beitrag einem Publikum vorzuführen.


Auf einem kleinen Couchtisch türmen sich Speichermedien in allen möglichen Ausführungen. Neben klassischen San-Disk-Modellen aus schwarzem Kunststoff, finden sich auch Hartplastik-Werbegeschenke oder praktische Miniatur-Formen fürs Portemonaie. Besondere Highlights: ein pinkes Nilpferd, ein mit Glitzer-Lametta verziehrter USB-Stick und eine graue, quadratische Box aus dicker Pappe.

Fast einhundert Datenspeicher beinhaltet der sorgfältig angelegte Katalog, den alle Besucher der Ausstellung in Form eines Memoriesticks als Begrüßungsgeschenk erhalten. So können sich Besucher die Kunstwerke speichern und mit nach Hause nehmen. Die schier unmögliche Ordnung des digitalen Chaos überblickt im Raum nur eine: Hanna – die Praktikantin.

Hanna sitzt mit dem Künstler Jona auf dem Sofa im vorderen Bereich des Raumes und steckt ein paar der nicht-flüchtigen Halbleiterspeicher in die dafür vorgesehenen Sammelbuchsen. Einen Augenblick päter wird der Film „Busen” an die Wand projiziert. Wir sehen mehrere Frauen oben ohne. Dann laufen verschiedene Bilder aus einem unbekannten Stadtraum von einem türkisfarbenden USB-Stick und im Anschluss erhalten wir eine Anleitung wie man sich imaginäre Freunde macht.

„Wenn ich mich an die Sachen erinnere, bedeutet das entweder, dass sie besonders gut oder besonders schlecht sind.“ erklärt mir Hanna mit einem Grinsen. Recht hat sie. Qualitativ unterscheiden sich die Filme und Fotos weit voneinander. Ein herausstechender Beitrag befindet sich in der quadratischen Pappbox.
Das Video auf dem Stick zeigt eine Einstellung aus der Subjektiven. Zwei Hände basteln mit Cutter, Kleber und Pappe den gerade benutzten USB-Stick. Was allerdings neben dem Speicher noch in den Karton eingepflanzt wird, ist geschickt ausgeblendet worden und verbleibt für den Betrachter im Dunkeln.

Auf die Frage, ob die gezeigten Werke zum Großteil von bildenden Künstlern stammen, antwortet mir der Gründer des Instituts, Stefan Riebel nur so viel wie „Das spielt keine Rolle. Jeder konnte ja seine Ideen einreichen.” Eine streng kuratierte künstlerische Leistung, soll in der USB-Shuffle-Show auch gar nicht gezeigt werden.

In erster Linie möchte das Institut für Alles Mögliche untersuchen ob der beliebte Datenspeicher auch ein Ort für Kunst und Kultur sein kann. Außerdem soll die Ausstellung zum Überdenken der Urheberschaft, Einzigartigkeit, Interaktivtät und kuratorische Praxis anregen.

Die USB-SHUFFLE-SHOW – ONE
4. – 6. April 2013
Institut für Alles Mögliche, Berlin 
Weitere Info unter: http://usb.i-a-m.tk/

 

Autocenter Berlin

Das Autocenter Berlin war mir bis Dato noch kein Begriff, was aber weder etwas zu Bedeuten noch etwas zu sagen hat. Laut Aussage des Kollegen Matthias Planitzer vom Castor und Pollux ist der Off-Space allerdings einer der bekanntesten und ältesten Projekträume der Stadt. Da ich mich in der Hauptstadt und er zugehörigen Kunstszene nur bedingt gut auskenne, will ich das an dieser Stelle einfach mal glauben. Der Projektraum wird seit mehr als 10 Jahren von Joep van Liefland und Maik Schierloh betrieben und musste im September vergangenen Jahres seinen angestammten Ort im Friedrichshain verlassen, hat jetzt aber neue Räumlichkeiten gefunden, in denen man in Zukunft erfreulicherweise die erfolgreiche Arbeit fort setzt.


(Bilder via Castor&Pollux, Danke!)

Die Neueröffnung des Autocenters in der Leipziger Straße 56 war am 15. März, der Neustart erfolgte mit einer Ausstellung unter dem Titel „The Legend of the Shelves“. Von den 750 Künstlern, die in den Jahren zuvor in den ehemaligen Räumlichkeiten ausstellten, bespielte nun mehr als jeder Fünfte die Regalflächen am neuen Ort. Versammelt war ein buntes Who is Who der Berliner Kunstszene, u.a. mit Katharine Grosse, Norbert Bisky, Olaf Nicolai, Bettina Khano so wie 145 weiteren Akteueren. Und natürlich nicht zu Vergessen das Publikum, denn der Laden war gerammelt voll.


(Bilder via Autocenter-FB, Danke!)

Apropos Publikum, das nachfolgende Video zeigte eine originelle Performance-Happening-Show mit Publikum-Mitmach-Partizipation nach einer Idee von Anouk Kruithof, die 2012 in den alten Räumlichkeiten passierte.
Schaut Euch das ruhig mal an.

RUHE performance by Anouk Kruithof, 29. September 2012

So Freunde, jetzt noch als letzter Hinweis der Link zum nächsten anstehenden Projekt, der ‚Autocenter Summeracademy‚ vom 17. Juni bis zum 13. Juli diesen Jahres.
Eine Facebook-Page gibts es dafür auch, die findet Ihr hier.
Und jetzt wieder zurück an die Arbeit!

„The Legend of the Shelves“
Eröffnung 15.03.2013, 20 Uhr
16.03.2013 – 06.04.2013
Do – Sa jweiles 16 – 19 Uhr

Autocenter
Leipziger Straße 56, Berlin
http://www.autocenterart.de

2,3 – 3d (+) und SUR FACE im Ballhaus Ost

Das BALLHAUS OST ist eine seit 2006 bestehende Spielstätte für freies Theater, Performance und Tanz. Das Haus in der Pappelallee 15 im Prenzlauer Berg ist Heimat für bereits etablierte Gruppen und Künstler der freien Szene (wie z.B. die Puppenspielformation „Das Helmi“) und bietet gleichzeitig Raum für bislang weniger bekannte Akteure der vitalen freien Berliner Theaterlandschaft, hier ihre Arbeiten zu präsentieren. Das Ballhaus ist somit Begegnungsstätte für experimentierfreudige und -mutige Theaterkünstler und ein neugieriges Publikum – ein dynamischer Ort der passionierten Bearbeitung heutiger Lebenswirklichkeiten. Neben den regulären Programm gibt es eine Ausstellungsreihe namens „l’oiseau présente…“, das von den Gastkuratorinnen und Künstlerinnen Mani Hammer, Gunna Schmidt, Nicola Stäglich und Anke Völk auf die Beine gestellt wurde.

 

Mit 2,3 – 3d (+) versammelt die Berliner Künstlerin Nicola Stäglich Werke von Künstlern aus Berlin und Düsseldorf, die auf unterschiedliche Weise an Konzepten des erweiterten Bildraumes und -begriffs in Form von Reliefs bis zur freistehenden Skulptur arbeiten. Mit Jan Albers, Eva Berendes, Florian Baudrexel, Wolfgang Flad, Max Frintrop, Sabine Groß, Karsten Konrad, Frank Maier und Nicola Stäglich.

 

Ausstellungsansicht mit Werken von Boller, Konrad, Flad, Baudrexel und Albers

Frintrop, Stäglich, Boller, Maier, Flad, Baudrexel

Eva Berendes, Boller, Frank Maier und Wolfgang Flad

Florian Baudrexel, Nicola Stäglich, Frank Maier, Wolfgang Flad und Jan Albers

Sabine Groß, Frank Maier

SUR FACE – ausgehend von einem Wortspiel betrachtet die Berliner Künstlerin Gunna Schmidt in Ihrer Soloshow die Oberfläche von Malerei, als geformte Haut eines Bildes und gibt ihren Werken durch körperhaften Einsatz von Material und Farbe etwas wesenhaftes.

„Sur Face“ Gunna Schmidt

„Sur Face“ von Gunna Schmidt

Eröffnung 7. März 18-22h
Mo-Fr 16 – 18:30h
Sa-So 15 – 18:30h
Die Ausstellung läuft bis 16.3.2013
Ballhaus Ost 
Pappelallee 15
Hinterhaus/3.Etage – Berlin/Prenzlauer Berg
www.loiseaupresente.blogspot.com

 

 

 

 

Robert Heel und Eva-Maria Offermann bei General Public

von Julia Wirxel (Berlin)

 

„Aufzug oder Treppe?“ lautet der Titel der Mappe von Eva-Maria Offermann mit 12 Plakaten. Es geht hier nicht um Entscheidungsfindungen von Kollegen nach dem Mittagessen in der Kantine oder die Überlegung, wie man effizient sportliche Betätigung in den Arbeitsalltag integriere, um ein paar Kalorien zu verbrennen. Es geht um ökologische und ethische Fragestellungen: Um den eigenen Fingerabdruck im Klimawandel. Wieviel an Energieressource kann man bewahren, wenn man anstatt den Aufzug zu bemühen, die Treppe benutzt und seine eigene Körperkraft einsetzt. Oder alternativ die Rolltreppe nicht nutzt. Und dies trotz der Tatsache, dass heute die Schnelligkeit und Effizienz einer Gesellschaft oder einer Stadt an ihrer Geschwindigkeit gemessen wird und and der Bereitschaft ihrer Bewohner, eine Rolltreppe während des Fahrens hochzulaufen.

Eva-Maria Offermann

Eva-Maria Offermann: Fortschritt

Eva-Maria Offerman: Co2

Eva-Maria Offermann hat auch ihr eigenes künstlerisches Tun unter die Lupe genommen. So wie sie auf die Luftverschmutzung hinweist und saubere, erneuerbare Energien als erstrebenswert aufzeigt, so hat sie errechnet, was die Herstellung des von ihr verwendetes Papiers, die Produktion der Siebdruckfarben und der Prozess des Druckens selbst an C02-Ausstoß verursachte: 400 kg. Diese Auswirkungen auf die Umwelt hat sie bei atmosfair ausgeglichen und quasi neutralisiert.

Eva-Maria Offermann: Ressourceneffizienz

Eva-Maria Offermann: Gesellschaftsvertrag

„Dinge länger nutzen“ steht slogangleich auf einem anderen Plakat, das „Ressourceneffizienz“ betitelt ist. Die Farben und Art der Gestaltung erinnern an einen Markt für Unterhaltungselektronik, der den Konsumenten zum Geiz anmahnt – allerdings geht es in diesem Geiz nicht darum, Dinge länger zu nutzen und kein neues „Ding“ zu kaufen, sondern im Gegenteil, weitere und neue Dinge zu erstehen, um dabei angeblich zu sparen. Dabei wurden Glühbirnen schon immer so konzipiert, dass sie weit unter ihrer möglichen Lebensdauer bleiben oder Kaffeemaschinen nach der Ein-Jahres-Garantie auseinanderfallen. Auf ästhetisch vielfältige Weise greift Eva-Maria Offermann in ihren Plakatdrucken Gedanken auf, die einer weiten Verbreitung bedürfen. Somit steht sie in der langen Tradition der politischen Aussage von Plakaten, Flyern, Handzetteln, Aufklebern. Die Möglichkeit zur Vervielfältigung ist diesen Medien eingeschrieben.

Robert Heel: Installationsansicht

Robert Heel

Umrahmt werden die Plakate von den Märchenwaldbildern Robert Heel. Im ersten Raum sind Papierarbeiten zu sehen, die mit Hilfe von Schablonen entstanden sind. Auf einer anderen Wand sind dieselben Waldtiere in schwarz-weiß einzeln auf – aus Berlin nicht mehr wegzudenkende – Stoffbeutel aufgetragen: Uhu, Dachs, Luchs, Specht und Fuchs. Sie hängen vor einer Waldlandschaft und können jederzeit verkauft werden, der Wald steht damit quasi vor dem Ausverkauf. Nach Bedarf kann man dazu mit einem Eichhörnchennussknacker in pinkfarbenen Signalton Nüsse knacken. Der Besucher imitiert das Leben im Wald selbst, im Ausstellungsraum, mit einem leblosen Eichhörnchen. Zur künstlichen Szenerie der im Wald als Taschen baumelnden Tiere ertönt der künstlich-echte Sound des Wallnussknackens von Menschen. Diese Aktion war ein Teil der Performance zur Eröffnung. Teil zwei spielte sich im hinteren Bereich des nächsten Raums ab. In einer weiteren Waldkulisse trat Heel musikalisch auf und erfreute das Publikum mit einem grafischen Konzert: „Ich möchte ein Eichhörnchen sein“, war die einzige Songzeile. Am kommenden Tag ertönen als eine Art Relikt Käuzchenrufe aus den Lautsprecherboxen.

Robert Heel: Installationsansicht

Der Projektraum General Public gründete sich 2005 als Verein. Das achtjährige Bestehen des Raums ist etwas besonderes, wenn man die hohe Fluktuationsrate von Off-Räumen in Berlin bedenkt. Manche bestehen für einen Abend, eine Ausstellung oder ein Jahr. Aber hier ist die Hälfte der Gründungsmitglieder noch aktiv und die Entscheidung zum Programm verläuft auf harmonische Weise basisdemokratisch, was ebenfalls eher eine Ausnahme und nicht die Regel ist. Zur aktuellen Ausstellungseröffnung erschien ein brasilianischer Künstler, der sich einen Monat in Berlin aufhält und gezielt auf General Public zukam, um eine mögliche Zusammenarbeit vorzuschlagen. Auch daran sieht man, wie sich Bedeutung und Glaubwürdigkeit niederschlagen können.

Robert Heel

Mit dem Preis zur Auszeichnung künstlerischer Projekträume und –initiativen, mit dem General Public / DISK Initiative Bild & Ton e.V. – und auch andere Off-Räume in Berlin – vom Senat gewürdigt wurden (immerhin 30.000 € pro Raum), wird sehr überlegt umgegangen. Zunächst sollte es –  als Kritik des Desasters der Kunst-, Künstler- und Raumförderung, ausgelöst durch „Based in Berlin“ – in schicke Schuhe zur Preisverleihung investiert werden… Absolut wünschenswert sind mindestens acht weitere Jahre mit einem engagierten Programm, ganz gleich wie das Preisgeld investiert werden wird. Eine gute Lösung wird sicherlich gefunden werden.

The white male complex bei SAVVY Contemporary

von Stefanie Ippendorf (Berlin)

„Macho, weiß, von gestern” titelte DIE ZEIT und machte damit Barack Obamas Wiederwahl sowie die „Bedrohung“ der „Männer des Westens“ durch „Frauen, Migranten“ und „den Rest der Welt“ zum Thema.  „Die Wiederwahl von Obama“, so das gemischtgeschlechtliche Autorenteam „markiert eine historische Wende, die Jahre selbstverständlicher männlicher, weißer Dominanz gehen zu Ende …“.

Ähnlicher Meinung dürfte auch der Künstlerkurator Thomas Eller sein. Für den Berliner Kunst- und Projektraum SAVVY Contemporary hat er die Ausstellung The white male complex konzipiert, in der stichprobenartig untersucht werden soll, was es unter heutigen Voraussetzungen bedeutet, weiß und männlich zu sein. SAVVY Contemporary versteht ich als „Laboratorium der Formgedanken“ und  ist, so die Homepage-Selbstdarstellung, “ein gemeinnütziger Kunstraum, der durch Ausstellungen, Performances, Lectures und Talks den Austausch zwischen Westkunst und Nicht-Westkunst fördert“.

links: Adib Fricke: Seven Ties Version1 with 7 suits_
(1991); rechts: Thomas Eller: THE selbst (sans…) (2011)

Bei der Themenfindung zur aktuellen Ausstellung hat sich Eller durch eine kritische Betrachtung der amerikanischen „Whiteness Studies“ sowie vom Gedankengut des Germanisten Klaus Theweleits inspirieren lassen, der 1977 mit seinen „Männerphantasien“ Furore machte: einem doppelbändigem Buch, in dem er die Entstehung der faschistischen Gewalt untersuchte und danach fragte, wie diese in den Körpern der (männlichen) Soldaten verankert war. Laut Eller haben Theweleits „Beschreibungsweise von nicht zu Ende geborener Männlichkeit und Körperpanzern aller Art, bis hin zu Superheldenhalluzinationen ein brauchbares Instrumentarium zur Verfügung“ gestellt. Resultat ist eine Ausstellung mit zwölf, durchweg von Männerhand erschaffenen Werken und einem Comicheft.

DETEX: VI4GRA [SPAM] (2012)

Was also sind die Komplexe des weißen Mannes? Thema: Phallus, Thema: Potenz! Mit der VI4GRA [SPAM] betitelten Arbeit, die am Anfang der Ausstellung zu sehen und hören ist, geht die Künstlergruppe DETEXT in Zusammenarbeit mit der spanischen Band Mendetz direkt in die Vollen. „life is unjust and cruel if you have a tiny tool”, „you can be a real macho”, „be proud of your masculinity, much longer than it used to be” tönt es hier aus den kleinen Boxen – alles Textzeilen von per Spam-Mail empfangenen Viagra-Werbungen, die zu einem tanzbaren Synthie-Pop-Song mit schicken Visuals verarbeitet wurden (leider ein Ohrwurm! hier nachzuhören http://www.detext.es/).

Thomas Eller: THE selbst (endgame)(2012)

Thomas Eller lässt die Hosen runter. In seinen Arbeiten macht sich der Künstler immer wieder selbst zum Thema und bevölkert die Welt mit Stellvertreter-Aufstellfiguren in unterschiedlichen Größendimensionen. Als THE selbst (sans…) zeigt er sich dandyhaft  im schwarzen Anzug mit Krawatte, doch ohne Beinkleid und geschrumpft. Auf THE selbst (endgame) gibt er sich gar die komplette Blöße und sitzt mit erigiertem Penis beim Schachspiel gegen das eigene, bekleidete Konterfei. Mit der 2012 entstandenen Arbeit verweist Eller auf Marcel Duchamp, der sich 1963 mit der nackten Studentin Eve Babitz beim Schachspielen im Museum fotografieren ließ, um das Ende seiner künstlerischen Tätigkeit anzukündigen.

Markus Voit: ME (2005)

Markus Voit: Ohne Titel (2011)

Für das Selbstportrait ME lies auch Markus Voit die Hüllen fallen. Mit bravem Seitenscheitel und freundlichem Blick präsentiert er uns seinen schmalen, jugendlichen Körper. Doch was ist das? Statt roter Brustwarzen, wachsen zwei Fellbüschel auf der sonst haarlosen Brust. Seinen damals ebenfalls noch jugendlichen Körper inszeniert Bruce Naumann in Walk with Contraposto. Mit ordentlich viel Hüftschwung durchschreitet er einen langen, schmalen Korridor und erkundet dabei die Möglichkeit,  den auf Standbein und Spielbein basierenden, in der klassischen Bildhauerei genutzten Kontrapost in Bewegung zu setzen.

Clemens Wilhelm: Read me (2011)

„Was die Zukunft wohl bringen mag?“ fragte sich Clemens Wilhelm und konsultierte während eines Residency-Aufenthalts im chinesischen Chongqing vier Wahrsager, die ihm aus der Hand lasen und ihm über seine künftigen Erfolge, den Reichtum, das Liebesleben und die Gesundheit Auskunft gaben. Im Video ist die überlebensgroß auf einen Tisch projizierte Hand zu sehen. Als Untertitel läuft die englische Übersetzung der aus dem Off erschallenden chinesischen Zukunftsvorhersagen. Erstaunlicherweise sind sich die unabhängig voneinander befragten Wahrsager in den Kernaussagen einig. Man erfährt u.a., dass Wilhelm wohl nicht so früh heiraten wird (bzw. nicht so früh heiraten sollte), er aber einige Affären haben wird, er  jemand ist, dessen Arbeit auf dem Intellekt fußt und nicht körperlicher Art ist und dass er eine ausgeprägte Analysefähigkeiten besitzt. Mit Read me gewährt Wilhelms Einblicke in eine normalerweise sehr private Erfahrung und vermittelt dabei eine chinesische Blickweise auf seine Person.

Mike Kelley: Superman Recites Selections from `The Bell Jar`and other works by Sylvia Plath (1999)

In seinem Spätwerk hat sich der leider Anfang des Jahres verstorbene Mike Kelley mit der Vita von Superman und somit dem Paradebeispiel des heldenhaften, weißen Mannes, befasst. Ausgangspunkt für das Projekt Kandor-Con 2000 ist die Stadt Kandor: eine Stadt, die in den Comics als letztes Überbleibsel des zerstörten Heimatplanten Krypton auftaucht. Kandor wurde von einem Bösewicht auf Miniaturformat geschrumpft und gelangte in Supermanns Besitz, der die Stadt unter einer Glasglocke aufbewahrt – Superman nicht als Held sondern als durch die Vergangenheit, den Verlust der Heimat bzw. durch ein „entfremdetes Verhältnis zu dem jetzt von ihm bewohnten Planeten“ traumatisiert.  Mit dem Video Superman Recites Selections from ‚The Bell Jar‘ and Other Works by Sylvia Plath ist in der Ausstellung leider nur ein minimaler Teil von Kelleys umfassendem Projekt zu sehen. Hier rezitiert ein Schauspieler im Supermann-Kostüm Textteile aus Sylvia Plaths Roman Die Glasglocke (1963).

Irgendwie unnötig, dass neben Kelleys Arbeit eine Kopie des Comics Superman: Für den Mann, der alles hat (1968) hängt, in dem Batman, Robin und Wonder Woman dem Superhelden eigentlich einen Geburtstagsbesuch in seiner „Festung der Einsamkeit“ abstatten wollen, diesen jedoch starr, geistesabwesend und von einer Art Pflanze befallen vorfinden…

Walter Robinson: untitled (Penthouse) (2010)

Wie sang einst Herbert Grönemeyer? „Männer haben Muskeln, Männer sind furchtbar stark, Männer können alles, Männer kriegen ´nen Herzinfarkt, Männer sind einsame Streiter, müssen durch jede Wand, müssen immer weiter…“

 

The white male complex
Thomas Eller, DETEXT, Adib Fricke, Mike Kelley, Bruce Nauman, Walter Robinson,
Felix Schneeweiss, Superman, Markus Voit, Clemens Wilhelm
4.11. – 4.12.2012
Do- So, 16.00-20.00 Uhr
SAVVY Contemporary
Richardstr.43/44
12055 Berlin
www.savvy-contemporary.com

 

Podiumsdiskussion vom Netzwerk freier Berliner Projekträume

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

So ungern wir Rheinländer und Wahlrheinländer es zugeben: In vielen Dingen sind uns die Berliner ein Stückchen voraus. In Sache Projekträume und freie Kunstszene kennt die Dichte der Berliner Initiativen keinen Vergleich in ganz Europa. Und auch der Grad der Selbstorganisation und die Qualität der Selbstreflexion dieses voluminösen Netzwerkes sind für alle weiteren Off-Projekte der Republik ein Vorbild. 2009 wurde auf Antrieb der Art Transponder das Netzwerk freier Berliner Projekträume und –initiativen gegründet, das sich als „loser Zusammenschluss“ einiger Projekträumen der Hauptstadt versteht. Durch regelmäßige Treffen, Konferenzen und Aktionen sowie die Etablierung einer zentralen, koordinierenden Stabsstelle, die zugleich als Think Tank und als Diskussionsplattform dient, soll ein stärkeres Solidaritätsgefühl kreiert und die Identität und Rolle der unabhängigen Szene definiert werden.

Ein solches Konstrukt kann freilich nur in einer Stadt entstehen, in der die Zahl an Projekträumen derart groß und die politische Motivation ihrer Akteuren so hoch ist wie in Berlin – nur Hamburg könnte gegenwärtig eine vergleichbare Metastruktur auf die Beine stellen. Vergangene Woche organisierte das Netzwerk eine Podiumsdiskussion mit dem programmatischen Titel: „Interdisziplinär. diskursiv. nicht marktorientiert. Zur besonderen Bedeutung von freien Projekträumen und –initiativen für die bildende Kunst in Berlin“; Gastgeber war das Haus der Kulturen der Welt. Was von der Provinz aus wie eine Berlin-berlinerische Nabelschau wahrgenommen werden könnte, sollte jedoch genauer betrachtet werden. Denn die zwischen Kreuzberg und Prenzlauer Berg geführte Debatte dreht sich um Probleme, die wir auch, im wilden Westen – und im Süden und im Norden –, kennen. Außerdem gibt es nirgendwo sonst ein derartiges Reflexionsniveau zu diesem Sujet.

Séverine Marguin

Zum Auftakt der Veranstaltung wurden die Ergebnisse einer von Séverine Marguin geführten Studie präsentiert. Die französische Nachwuchssoziologin hat 2011 eine empirische Untersuchung zu den Berliner Projekträumen durchgeführt und stellt seitdem eine Datenbank her, in der die Komponenten des Phänomens katalogisiert werden. Ihre Umfrage, die von ca. 60 Off-Galerien beantwortet und von Experteninterviews flankiert wurde, brachte im Großen und Ganzen keine brandneuen Erkenntnisse zum Vorschein, bestätigte aber auf wissenschaftlicher Ebene viele gefühlten und intuitiv erfassten Fakten. Dass Projekträume flexibel, spontan, experimentorientiert und finanziell unterversorgt sind, und dass Selbstorganisation Selbstausbeutung zum Korrelat hat dürfte nicht als revolutionäre These durchgehen – aber nun beruhen diese Binsenwahrheiten des Offs auf einem zitierfähigen Dokument.

Die gegenwärtige Dynamik der Berliner Szene ist immer noch an ihre günstige urbane Struktur gekoppelt. Noch stehen genug freie Räume zur Verfügung, die zur Zwischennutzung umgewandelt und von einer Handvoll engagierter Menschen betrieben werden können. 150 Räume, betrieben von 900 Ehrenamtlichen, stemmen Jahr für Jahr um die 750 Ausstellungen in der Hauptstadt. Es sind beeindruckende Zahlen, die die Fragilität und endemische Prekarität des Biotops jedoch nicht verbergen können. Die Lebensdauer eines Projektraumes wurde zwar in Marguins Studie nicht dokumentiert, dürfte aber im Durchschnitt 3-5 Jahren nicht überschreiten. Zudem nimmt die Menge an bespielbaren Räumen aufgrund steigender Mietpreise ständig ab.

Nach der kurzen Präsentation von Marguins Studie fand die angekündigte Podiumsdiskussion statt. Versammelt waren Leonie Baumann, Jan Ketz, Andreas Koch, Heike Catharina Mertens und Detlev Schneider. Es wurden ebenso die klassischen Themen der Projekträume angesprochen, wie beispielsweise Fragen der Finanzierung, der Prekarität oder des ewigen Kampfes „On“ vs. „Off“, als auch neue Entwicklungen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass kommerzielle Galerien oder Institutionen (Stichwort: Guggenheim Lab) sich anschicken, Projekträume zu betreiben und damit das Experimentelle und Prozessuale in ihre globale Kommunikationsstrategie zu integrieren – wie Jan Ketz, Leiter des Raums für Zweckfreiheit, bemerkte. Wir können und wollen nicht an dieser Stelle die Gesamtheit des informativen, vielseitigen und gut geführten Gesprächs zusammenfassen; der geneigte Leser sollte selbst zuhören.

Sehr angenehm an der Runde war jedenfalls das Selbstbewusstsein ihrer Teilnehmer, die mit dem anrüchigen Ruf des Off aufräumten. Von außen wird die freie Szene nämlich nicht selten als Reservoir für gescheiterte Künstler gesehen, ohne Zugang zum institutionellen oder kommerziellen System, sich mit den Krümeln der Öffentlichkeit begnügend. Dabei ist das „Off“ eine existentielle Wahl – im Sinne einer politischen Entscheidung –  und kein Abstellgleis. Viele bekennen sich offensiv zur Projektraum-Szene als Ort der Alternative und als Gegenentwurf zu einer dominierenden Kultur; sie sind keineswegs Gestrandete des offiziellen Kunstbetriebs. Die Bemerkung von Leonie Baumann war in dieser Hinsicht rhetorisch geschickt (wenn nicht unbedingt faktisch nachvollziehbar): Wenn einerseits viele junge Künstler sich nicht für den Kunstmarkt interessieren, sondern nur ihre Arbeit verrichten möchten und anderseits gestandene Künstler ohne Galerienvermittlung gut bis sehr gut von ihrer Produktion leben können, und wenn diese beiden Gruppen sowieso die große Mehrheit der Künstlerschaft bilden, müsste man den aktuell herrschenden Kunstmarkt zur eigentlichen Parallelgesellschaft erklären, zum (extrem sichtbaren und lauten, aber letztendlich peripheren) Randphänomen mit geringfügigem Realitätsbezug.

Dieses Selbstbewusstsein ist im braven Westen wenig vertreten. Hier spielt das Off allzu oft die Rolle eines Sprungbretts ins sehnsüchtig erträumte On. Eine klare politische und konsequente Haltung für die freie Szene lässt sich nicht ausmachen. Und vor allem lässt eines sich nicht ausmachen – und das ist etwas, das wir Rheinländer und Wahlrheinländer von den Berlinern lernen sollten: Den Zusammenschluss.

 

 

Das INSTITUT FÜR ALLES MÖGLICHE in Berlin

Ein Gastbeitrag von Luisa Hänsel, Berlin

Kunst lebt nicht vom Sehen allein. In diesem Sinne erprobt das Institut für Alles Mögliche (I-A-M) neue Wege der künstlerischen und nicht-künstlerischen Zusammenarbeit. Statt sich weiterhin am Konzept eines „Friedhofes der Dinge“, wie Boris Groys es nennt zu orientieren, ermöglicht das Institut die aktive Teilnahme an kreativen Prozessen.

Dabei bleibt es nicht in herkömmlichen Strukturen verhaftet, sondern streckt seine Fühler über den gesamten Stadtraum Berlin aus. In Wedding, Neukölln und Mitte betreibt das Institut seine Zweigstellen Zentrale, Niederlassung, Büro für Bestimmte Dinge und Abteilung für Alles Andere. Kommerzielle Mietstrukturen werden genutzt, um nichtkommerzielle Experimente zu realisieren.
Das I-A-M bietet Raum und Zeit für Projekte jeglicher Art. Dazu gehören eigenwillige Formate, wie der einmal im Monat stattfindende Berlin Art Battle, die von Laura Klatt organisierten Tischgesellschaften oder etwa Workshops zu Robotermusik von Karl Heinz Jeron.

Tischgesellschaften

Berlin Art Battle

Roboterhausmusik

Viele Veranstaltungen animieren die Besucher zum Mitmachen und regen zu Interaktion und Kommunikation zwischen allen Involvierten an. Kunstvermittler und Gründer des Instituts für unkontrolliertes Denken Oliver Breitenstein oder Netzkünstler Florian Kuhlmann eröffneten mit Projekten, wie dem Büro für Kunstvermittlung und der Ausstellung Konfiguration No 7, Diskurse über die momentane Situation der Kunstwelt und den Gebrauch neuer Medien.

Das vom Institut für Alles Mögliche jährlich organisierte unkuratierte Performancefestival Direct Action ermöglicht außerdem weniger bekannten oder unbekannten Künstlern ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu zeigen. Dadurch erhalten auch junge Kreative, wie beispielsweise Kunsthochschulstudenten, die Chance sich vor Publikum zu präsentieren.

Direct Action 2012

Direct Action 2010

In den Künstlerresidenzen, Büro für Bestimmte Dinge und Zentrale, finden Kunstschaffende aus aller Welt eine Anlaufstelle für kreative Arbeit in Berlin. Den Ideen sind auch hier keine Grenzen gesetzt. Kunst ist kein Muss, sondern eine Möglichkeit. Subtiler Humor schwingt dabei fast immer mit.


DAS BÜRO FÜR BESTIMMTE DING

Das „BÜRO FÜR BESTIMMTE DINGE“ in Neukölln ist ein Atelier und Wohnraum und steht seit August 2012 Künstlern aus aller Welt zur Verfügung. Es ist eine schöner und einfacher Ort um in Berlin zu wohnen, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren und in einem der spannendsten Statteile Berlins seine Projekte zu präsentieren.


ZENTRALE

Die „ZENTRALE“ in der Schererstraße im Wedding ist ein weiteres Atelier und Wohnraum der seit Juni 2011 Künstler aus aller Welt offen steht. Auch hier handelt es sich um ein einfachen und charmanten Ort um in Berlin zu wohnen, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren und seine Projekte zu präsentieren.


DIE ABTEILUNG FÜR ALLES ANDERE

Die „ABTEILUNG FÜR ALLES ANDERE“ ist ein temporäres Büro / Labor / Initiative für Kunst und alles Andere. Sie befindet sich in einer Remise im Innenhof der Ackerstraße in Berlin Mitte und ist etwa 30 qm groß. Der Raum wird in zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus am acker! e.v. organisiert und wurde im September 2011 eröffnet.


NIEDERLASSUNG BERLIN

Die „NIEDERLASSUNG BERLIN“ ist ein Experimentalraum sowie ein Ort für Sammlungen, Absurdes und langwierige Prozesse. Sie befindet sich in einem Ladengeschäft im Wedding und wird in zusammenarbeit mit Ilse Ermen organisiert und unregelmäßig bespielt.

Institut für Alles Mögliche
PO-BOX 440156
12001 Berlin
Germany 
www.i-a-m.tk

What is it to be Chinese? im Grimmuseum

von Stefanie Ippendorf (Berlin)

 

Auf die Frage „Was bedeutet es Chinese zu sein/ Was bedeutet Chinesisch-Sein?“ würden sicherlich viele Nicht-Chinesen mit einem bunten Potpourri aus Klischees antworten: Chinesen sind klein, essen Hundefleisch mit Stäbchen, schmatzen, schlürfen und spucken, fälschen Markenartikel, sind eine wirtschaftliche Großmacht auf der Überholspur, müssen die Ein-Kind-Politik und Zensur der Kommunistischen Partei erdulden und eifrig für niedrige Löhne arbeiten.

FX Harsono: Writing in the Rain

Der China-Fastfood-Mann von nebenan oder Chinatown in New York – vielen von uns scheint die chinesische (Eß-)Kultur vor allem durch die unzähligen, in der ganzen Welt verstreuten Auslandschinesen vertraut, doch welche Beziehung haben die oft schon seit mehreren Generationen nicht mehr in China lebenden Menschen zu ihren kulturellen Wurzeln und wie definieren sie ihre Identität? Genau dies sind die Fragen, um die es in der von Katerina Valdivia Bruch kuratierten Ausstellung >What is it to be Chinese?< im Berliner Grimmuseum geht. Die fünf beteiligten KünstlerInnen sind zwar chinesisch-stämmig bzw. haben einen chinesischen Hintergrund, doch wurden sie weder in China geboren, noch sprechen sie die Sprache oder leben dort. Oftmals nehmen sie die eigen Vita oder Familiengeschichte als Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit und vermitteln so ganz persönliche Eindrücke davon, was es heißt, Teil der globalen Migrations-bewegungen zu sein und von außen auf das Land des eigenen kulturellen Ursprungs zu schauen.

Kyungwoo Chun: 1592Nr1 und Nr2

Kyungwoo Chun: Departure Songs

David Zink Yi: El Festejo

Für das von 2006 bis 2008 andauernde Fotoprojekte >Thousands< begab sich der Südkorea geborene  und heute in Seoul und Bremen lebende Künstler Kyungwoo Chun auf eine Recherchereise in die chinesische Provinz Henan. Dort machte er sich auf die Suche nach Menschen mit demselben chinesischen Familiennamen und wurde fündig. „Chun“ ist nicht nur ein gängiger Name in der Region, sondern bedeutet „1000“ auf Chinesisch. Der Bedeutung seines Familiennamens folgend, hat Kyungwoo Chun tausend weitere „Chuns“ portaitiert und auf den Fotos deren Geburtsorte und –daten archiviert. Alleine durch die Erkundung des eigenen Namens, erinnert Chun an die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichende Geschichte der Chinesen, die nach Korea ausgewandert sind. Einer von ihnen war auch General Chun, der 1592 vom chinesischen Kaiser mit einem Heer ins Feindesland Korea geschickt wurde, dort jedoch sesshaft wurde. Die beiden verschwommenen Fotos eines Mannes in Kämpfermontur, >1592#1 und #2< (2007), verweisen auf die historische Person.

David Zink: Yi El Festejo

Auch David Zink Yis >El Festejo< (2001) vermittelt Geschichte über den Lebenslauf einer Einzelperson. Sein 2-Kanal-Video erzählt von einer Peruanerin, deren Mutter chinesischen und deren Vater afrikanischen Ursprungs ist. Nahaufnahmen ihrer Hände oder eines Auges werden hier neben asiatischen Porzellanfiguren an die Wand projiziert. Zwischendurch sind trommelnde Hände zu sehen und man hört afrikanisch-peruanische Musik. Dass ein chinesisch-afrikanisches Paar auf peruanischem Boden zueinander finden konnte, hängt damit zusammen, dass Afrikaner im 16. Jahrhundert als Sklaven nach Peru gebracht wurden, welche im Laufe des späten 19. Jahrhunderts zunehmend durch chinesische Arbeiter ersetzt wurden. Ähnlich wie die Protagonistin seines Videos ist auch Zink Yi in Peru geboren, ist jedoch das Kind Deutsch-Chinesischer Eltern.

Truong Ngu: Glücklicher Stern

Truong Ngu: Glücklicher Stern

Truong Ngu: Glücklicher Stern

>Glücklicher Stern (Lucky Star)< (2010) ist wie ein Brettspiel aufgebaut. Als Spielplan dient eine chinesische Landkarte, es gibt Spielsteine, einen Würfel und Handlungsanweisungen. Das Spiel ist Bestandteil von Truong Ngus gleichnamiger Performance, bei der der Künstler über den Akt des Spielens vermittelt die Migrationsgeschichte seiner Familie erzählt. Hier bestimmen die Würfel das Schicksal einer Familie, die sich gezwungen sah, ihr Heimatland Vietnam als chinesische Minderheit zu verlassen. Heute lebt und arbeitet Ngu in Berlin.

FX Harsono: Writing in the Rain

FX Harsono: Writing in the Rain

Mit der installativen Videoarbeit >Writing in the Rain< (2011) thematisiert FX Harsono den lange Zeit durch Diskriminierung und Vertreibung geprägten Alltag der in Indonesien lebenden Überseechinesen. Selbst in Ost-Java zur Welt gekommen, lernte Harsono erst vor wenigen Jahren, seinen chinesischen Namen zu schreiben. In dem Video macht er genau dies: es zeigt, wie er den Namen wiederholte Male mit Tinte auf eine Glasplatte schreibt, bis sich die Schrift zu einem abstrakten Muster verdichtet und schließlich von einem starken Regenguss wieder ausgelöscht und fortgespült wird. FX Harsono bezieht sich damit auf eine gesetzliche Anordnung, welche die in Indonesien lebenden Chinesen Ende der 1960er Jahre zwang, ihre Namen in indonesisch klingende Namen umzuändern. In derselben Zeit war es verboten, chinesischsprachige Bücher und Zeitschriften zu verkaufen und das chinesische Neujahrfest zu feiern, chinesischsprachige Schulen im Lande wurden geschlossen und viele Kulturvereinigungen wurden aufgelöst

Tintin Wulia: Study for Wanton

Tintin Wulia: Study for Wanton

Tintin Wulia stammt ebenfalls aus Indonesien, lebt und arbeitet aber inzwischen in Melbourne. Die 4-Kanal-Videoinstallation >Study for Wanton< (2008) zeigt verschiedene Filme im Loop: Mücken in Reagenzgläsern, jemand, der Glückskekse öffnet, eine Fahrt durch eine grüne Landschaft, eine Frau, die verschiedene Nationalhymnen Karaoke singt. Mal auf einem Fernsehbildschirm, mal an die Wand gebeamt, flirren die Filme um einen herum und verleiten zum Gedankenspiel. Dem Ausstellungstext ist schließlich zu entnehmen, dass es sich bei den Karaoke-Liedern um Nationalhymnen von Ländern wie Japan oder den Niederlanden handelt, die Indonesien einmal besetzt haben und dass die Glückskekse, welche seit jeher mit China bzw. chinesischem Essen in Verbindung gebracht werden, ursprünglich gar keine chinesische Erfindung sind (Wer hats erfunden? die Japaner!).

Tintin Wulia: Study for Wanton

 

What is it to be Chinese?
Kyungwoo Chun, FX Harsono, Truong Ngu, Tintin Wulia, David Zink Yi
12.10.-18.11.2012
 
Grimmuseum
Fichtestrasse 2
10967 Berlin
Mi-So 14-19h
 
www.grimmuseum.com
info@grimmuseum.com
Infos zum aktuellen Buchprojekt: www.grimmuseum.com/blog-61/blog-74/index.html

 

 

 

reflecting on networks – artistic strategies using the web bei km temporaer in Berlin

Mit Eigenwerbung im eigenen Blog für Projekte, an denen man selber als Aussteller dabei ist, ist das immer so eine Sache. Wie präsentiert man das? Wie dezent muss man bleiben? Wie sehr stellt man den eigenen Anteil in den Vordergrund? Und ganz wichtig, schreibt man in der ersten oder dritten Person? Das ist nicht ganz einfach, wir üben diesbezüglich auch noch etwas und werden sehen, ob wir darauf eine langfristige Antwort finden.
Im Folgenden nun die aktuelle Lösung der Fragen.

Das Projekt

Vom 19.10. bis zum 11.11.2012 findet die Ausstellung „reflecting on networks / artistic strategies using the web“ bei km temporaer in Berlin statt. Das von Elisa R. Linn und Lennart Wolff kuratierte Projekt beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Bedingungen künstlerischer Praxis im digitalen Zeitalter. Ein zentrales Interesse gilt der Bedeutung, die dem Einsatz von Medientechnologien in den verschiedenen Arbeiten zukommt. Als Kommunikations- oder Recherchemedium, als interaktive Plattform oder als technologisches System rücken unterschiedliche Funktionen der digitalen Medien in den Vordergrund und lassen so verschiedenartige künstlerische Strategien fassbar werden.

Präsentiert werden Werke von KünstlerInnen, die sich mit gesellschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen in einer technik- und datenorientierten Welt auseinandersetzen. Veränderte Wahrnehmung von Raum, Privatsphäre und Eigentum durch die alltägliche Nutzung des Internets werden ebenso thematisiert wie die Kanalisierung und Transformation von Informationen durch Suchmaschinen, Social-Media Plattformen und Videoportale. Andere Arbeiten fokussieren auf die Interaktivität zwischen Mensch und Maschine, zwischen Nutzer und komplexen informationsverarbeitenden Systemen, die heute ein integraler Bestandteil des täglichen Lebens sind.

Eigenanteil fk/Perisphere

Ich werde mit der ‚Konfiguration No. 8‘ dabei sein, einem Multiple, welches auf der Collage www.spectaculartakeoverbattle.de basiert. Die einzelnen Tableaus stehen zum Verkauf, wobei das erste in der Ecke oben links 2,- Euro kosten wird und sich der Preis bei jedem weiteren jeweils verdoppelt. Es ist anzunehmen, dass sich einige der Bilder verkaufen lassen werden, sicherlich aber nicht alle. Das Multiple soll und wird sich so über die Dauer des Ausstellung hinweg im Aussehen verändern, da jedes verkaufte Tableau durch ein anderes mit weißem Inhalt und Angabe des Betrags ausgetauscht wird.
Weitere Infos dazu gibt es hier.

Der Ort

Das km temporaer in der Kremmener Straße 8a befindet sich in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Grenzstreifen gegenüber vom Mauerpark im Bezirk Berlin Mitte. Teile des Mietshauses wurden während des Ausbaus der innerdeutschen Grenze abgerissen. Diese prägenden geschichtlichen Ereignisse sind an der Bausubstanz des Hauses ablesbar, so etwa in einem seit dieser Zeit fensterlosen Raum.
Die ca. 166qm große Ausstellungsfläche umfasst acht Räume und ist über drei ebenerdige Eingänge erreichbar. Der Ausstellungsort soll bis April 2013 mit verschiedenen Bespielungen einen kulturellen Ankerpunkt der Gegend bilden.

1 Navid Tschopp „Third Space“
2 Karen Eliot „I Felt Silly“
3 Fayçal Baghriche „The Last Man Out“
4 Florian Kuhlmann „Konfiguration No. 8 (Spectacular Take Over Battle)“
5 Sebastian Schmieg „Search by Image“
6 Stefan Riebel „B.G.“
7 Karl Heinz Jeron „9 to 5“
8 Thomas Lindenberg „Proclamationbox“
9 Johannes P Osterhoff „iPhone live“
10 Aram Bartholl „Dead Drop“
11 Niko Princen „Starry Nights“

Die teilnehmenden Künstler setzen sich kritisch mit den netzmedialen Verfahren zur Regulierung von Benutzeroberflächen im Internet auseinander, die in Form von Datenfilterung sowie staatlichen Restriktionen und Kontrollmechanismen in Erscheinung treten. Durch die Teilhabe der User an der Genese mancher Arbeiten entsteht ein wechselseitiges Beziehungsgefüge zwischen Künstler und Rezipient, sodass die alleinige Autorenschaft des Künstlers in Frage gestellt wird. Im Zuge der entwickelten Möglichkeiten der digitalen Manipulation kann zudem auch der Wahrheitsgehalt eines Kunstwerkes beeinflusst werden, so dass die Frage nach der Originalität desselben eine neue Dimension annimmt.

reflecting on networks – artistic strategies using the web
19.10.2012 – 11.11.2012

km temporaer 2012
große hamburger str 29
10115 / berlin

http://kmtemporaer.de/
https://www.facebook.com/km.temporaer

 

Das Berliner Künstlernetzwerk ArtConnectBerlin feierte den ersten Geburtstag

Keine andere deutsche, eventuell auch europäische Stadt, übt derzeit eine größere Anziehungskraft auf Kreative, Künstler, Hipster und andere Bohemians aus als Berlin. Und so ist auch die hohe Dichte an Onlineprojekten mit Kunst- und Designbezug die in der Hauptstadt verwurzelt sind nicht weiter erstaunlich. An wenig anderen Orten vermischt sich digitale Avantgarde so stark mit der Kunstszene und keine andere deutsche Stadt hat mehr Kunstblogs oder Kreativeprojekte am Start.
Eines dieser Projekte ist die von Julia Mari Bernaus ins Leben gerufene Plattform ArtConnectBerlin, dort hat man es es sich zur Aufgabe gemacht die Berliner Kreativen ähnliche wie bei Facebook auf digitalem Weg miteinander zu vernetzen. Das Projekt ist am 10. August 2012 ein Jahr alt geworden und das wurde ein Wochenende lang gefeiert. Anna Lena Werner vom artfridge-Blog war vor Ort und hat sich die Sache angesehen.

der erste Geburtstag von artconnect Berlin – Foto by artfridge

Weitere Bilder vom Wochenende gibt es bei facebook.
Und natürlich gratulieren auch wir zum Einjährigen und wünschen weiterhin viel Erfolg!

artconnectberlin.com/
www.facebook.com/artconnectberlin

ARTCONNECT BERLIN HQ
Boddinstraße 62‬
‪12053 Berlin‬

Im Gespräch mit Anna-Lena Werner von artfridge

Die in Berlin lebende Anna-Lena Werner ist die zweite Gesprächspartnerin in unserer Interviewreihe mit deutschen Kunstbloggern, und bildet auch direkt eine Ausnahme. Denn der von ihr, mit Unterstützung von Amy Sherlock, geführte Blog Artfridge ist zwar stark in Berlin verortert, publiziert aber überwiegend in englischer Sprache. Der Themenschwerpunkt der Berichterstattung liegt auf dem Rheinland, Berlin und London.
Die Entscheidung für den internationalen Auftritt ist allerdings nicht nur strategisch bedingt, sondern hat durchaus persönliche historische Gründe. Anna-Lena hat selber lange Zeit in London gelebt und gearbeitet. Eine ihrer Redakteurinnen, Amy Sherlock ist nach wie vor dort. Ursprünglich stammt die leidenschaftliche Bloggerin aber aus Köln, also ganz aus unserer Nähe. Dem Rheinland ist sie dadurch immer noch verbunden und hat deshalb die Kunstszene hier nach wie vor gut im Blick.

Im Frühjahr diesen Jahres wechselte Sie aus der Rolle der Beschreibenden in die Rolle der Organistorin und Kuratorin, unter dem Titel “Untitled (Absence)” realisierte sie bei Savvy Contemporary eine Ausstellung mit Lela Ahmadzai aus Afghanistan und dem gebürtigen Dänen Lars Bjerre. Trotz ihrer Aktivitäten und Projekte hatte Sie freundlicherweise Zeit uns ein paar Fragen zu beantworten.

Anna-Lena Werner | artfridge.de

FK: Welche Ausstellung war für Dich besonders wichtig und warum?

ALW: Im Frühling 2005 habe ich im Hamburger Bahnhof in Berlin die Präsentation von Friedrich Christian Flicks Sammlung gesehen. Das war so mit das erste Mal, dass ich so viele gute zeitgenössische Kunstwerke geballt in einem Museum betrachten konnte. Ich war völlig fasziniert von Paul McCarthys Videoinstallation ‚Saloon Theatre‘. Seine Arbeiten haben mich noch Jahre später beschäftigt – ich habe auch viel über ihn geschrieben. Für mich war diese Ausstellung wie eine Tür zur Kunstwelt, die sich ganz plötzlich öffnete. Alle hingen sie da: Cindy Shermans Fotografien, Bruce Naumans Installationen, Arbeiten von Nam June Paik, Peter Fischl und David Weiss, Martin Kippenberger, Pipilotti Rist und vielen anderen. Seitdem ist der Hamburger Bahnhof mein Lieblingsmuseum – die Räume dort haben eine ganz eigene Mystik.
Auch fasziniert hat mich „The Killing Machine and Other Stories“ im MACBA in Barcelona. Das war 2007. Diese Sonderausstellung von dem Sound-Installations-Künstler-Duo Janet Cardiff und George Bures Miller war so schockierend wie radikal. Man versinkt in eine völlig abstrus-anti-utopische Welt. Ohne tatsächliche Gewalt zu zeigen, ruft die durchchoreografierte Installation „The Killing Machine“ die tiefsten Ängste und Phobien hervor. Alle Sinne sind für diese Zeit vollständig auf das Werk konzentriert.
Mit der Bewertung von wichtigen und unwichtigen Schauen halte ich es also wirklich simpel: Wenn ich mich nach Jahren noch so scharf an Ausstellungen erinnern kann, wie an diese beiden, dann haben sie zumindest einen großen Eindruck hinterlassen.

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Und dafür zahlen wir steuern – Rundgang der Weißensee Kunsthochschule Berlin

eine Fotostrecke von:
Stefanie Ippendorf

„Und dafür zahlen wir steuern“ lautete der Titel des diesjährige Rundgangs / Tage der offenen Tür der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, der parallel zum Akademierundgang der Universität der Künste vom 14.-15.07.2012 stattfand. Gezeigt wurden die Diplom- und Studienarbeiten des Studienjahres 2011/2012 aus den Fachgebieten Bildhauerei, Bühnen- und Kostümbild, Künstlerische Grundlagen, Kunsttherapie, Malerei, Mode-Design, Produkt-Design, Raumstrategien, Textil-/Flächen-Design, Visuelle Kommunikation.

Hier ein paar Eindrücke vom Rundgang der äußerst vielseitigen und lebhaften Kunsthochschule im Osten Berlins:

Mähne Birkholz Kasper

Zora Jankovic

Zoe Kahlert

vier Arbeiten von Martin Maeller

Theresa Baumgartner und Marlene Burz

Textil und Flaechendesign

Soft-Interfaces, Helena Rott

Zeichnungen von Romy Troxler

Raumarbeit von Ana Lilia Konishchev

K. Durgeloh

Jan Friedrich

Irena Koscheleva

Installation von Sebastian Teubner

Hannah Hansel

Gruppenausstellung Studierende Malerei

Gruppenausstellung Bildhauer

Gipswerkstatt

Blick in den Gang der Maler

Blick in den Gang der Fotografen

Eva Baeumler

Dressage, Bianca Benenti und Charlotte Duale

Amelie Kemmerzehl

Rundgang vom 14.-15.07.2012

Weißensee Kunsthochschule Berlin
Bühringstraße 20
13086 Berlin
Telefon: +49 30 47705-0
www.kh-berlin.de

weiß man es? Martin Wöhrl und Andreas Neumeister in der Einheit 834

ein Bildbeitrag von Julia Wirxel

Der Architekt Peter Ottmann hat in Berlin im Corbusierhaus in der Einheit 834 seit anderthalb Jahren einen Ausstellungsraum. Aktuell sind lakonische Arbeiten von Martin Wöhrl und Andreas Neumeister aus München zu sehen. Neumeister beeindruckte mit einer Lesung zur Eröffnung.

Rechts im Bild Martin Wöhrl

weiß man es?
Martin Wöhrl und Andreas Neumeister

10.06.–21.08.2012
Corbusierhaus Einheit 834
Flatowallee 16
14055 Berlin
http://www.c834.de/
Besuch nach Vereinbarung.

A Retrospective of Tomorrow’s Artists im Schillerpalais

Ein Fotobeitrag von Stefanie Ippendorf (Berlin)

 

Für >A Retrospective of Tomorrow’s Artists< haben sich die beiden Kuratorinnen Karin Anzivino und Ferial Karrasch buchstäblich auf Spurensuche begeben. Mit dem Thema „Spur“ im Gepäck, haben sie die Gerrit Rietveld Academie Amsterdam, die Kunsthochschule Weißensee, die Akademie der Künste Berlin, die Akademie für Bildende Künste Karlsruhe und die Hochschule für Gestaltung Karlsruhe nach jungen Talenten durchforstet und haben Kunststudenten gebeten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wohlwissenderweise, dass eine Retrospektive mit gerade am Beginn ihres künstlerischen Schaffens stehenden Künstlern zunächst paradox erscheinen mag, haben Anzivino und Karrasch sich für die Arbeiten von Maximilian Arnold, Claire Bamplekou, Anja Braun, Jan Erbelding,  Annika Kappner, Johanna Kotlaris, Susanne Lanckowsky,  EunHee Lee, Sarah Martín, Pedro Matias, Wataru Murakami, Kris Olbricht, Lisa Peters, Hanna Schaich und Claudia de la Torre entschieden und eine abwechslungsreiche Schau zusammengetragen, die nicht nur einen Blick auf die Kunst von morgen verspricht, sondern auch die vielseitigen Bedeutungsebenen des Begriffs „Spur“ analysiert.

wataru murakami, garten und berg

sarah martin, parasitic traces

pedro matias, i'm the drawing you're the reality

maximilian arnold, ohne titel

maximilian arnold, ohne titel, detail

lisa peters, membrana es mihi die haut an mir

johanna kotlaris, silence is not a feeling

jan erbelding, foto von glas

hannah schaich, 166mal1 schleifpapier

EunHee Lee, collection of worss searched by google

claudia de la torre, take one leave one

annika kappner, superflous I

anja braun, strich auf papier auf wand

 

A Retrospective of Tomorrow’s Artists
23. 6. 2012 – 2. 7. 2012
Schillerpalais e.V.
Lageplan_Schillerpalais
Kunst- und Aktionsraum
Schillerpromenade 4
12049 Berlin

 

Montag bis Freitag: 10:00 – 18:00 h
Telefon: 030 / 62 72 46 -70 / -73
info {ad} schillerpalais de
www.schillerpalais.de

 

Im Gespräch mit Matthias Planitzer vom Kunstblog Castor und Pollux

Das nachfolgende Gespräch bildet den Auftakt einer neuen Reihe bei perisphere, in welcher wir in loser Abfolge die Kunstbloggerszene im deutschsprachigen Raum beleuchten werden. Den Anfang machen wir mit einem Interview mit dem Berliner Matthias Planitzer vom Castor & Pollux-Blog.

Matthias startete mit seinem Projekt im Januar 2009 und gehört damit nicht mehr ganz zu den Pionieren, aber mittlerweile immerhin doch zu den fest Etablierten unter den deutschsprachigen Kunstblogs, sein Schwerpunkt liegt von Beginn an auf dem Kunstgeschehen in der Hauptstadt Berlin. Mitte diesen Monats wurde die kontinuierliche Arbeit offiziell gewürdigt, Castor & Pollux wurde in Hamburg mit einem Lead-Award ausgezeichnet. Die Auszeichung wird übrigens heute Abend in Berlin in der Kim Bar gefeiert.

Matthias Planitzer ist vielseitig interessiert und äußerst umtriebig. Er studiert Medizin, ein Studium welches laut eigener Aussage mit kurzen Lücken von Kleinauf sein Berufs- und späterer Studienwunsch war, gründete aber parallel dazu gemeinsam mit Sol­veig Maria Ebbing­haus die Kommunikationsberatungsagentur Ebbing­haus Pla­nit­zer — Art Con­sul­tancy. Zusätzlich zu den Texten und Rezensionen in seinem eigenen Blog schreibt er einmal im Monat für das Kunst-Magazin und unterhält noch ein eher experimentelles Online-Projekt unter dem Titel Ganymed, in dem es ihn um die Verbindung von bildender Kunst und Literatur geht.

Matthias Planitzer | Castor & Pollux

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Katrin Herzner zeltet in Berlin in der Abteilung für alles Andere

1200 km Luftlinie ist Katrin Herzner für ihr Kunstwerk OST mindestens gewandert. Sie versucht so gerade wie möglich zu laufen – per Kompass nach Osten – um zu sehen, was passiert und herauszufinden, wie weit man kommt. Begonnen hat sie die erste Etappe in Freiburg im Breisgau im Herbst 2010. Vor wenigen Wochen endete die fünfte Etappe in den ukrainischen Karpaten. Die Fortsetzung folgt in Teil VI voraussichtlich im Herbst 2012.
Während den Wanderungen lässt sich das Geschehen jeweils ausschließlich per Audio-Live-Übertragung per Telefon mit verfolgen.

In diesem Sommer sucht Katrin Herzner unterdessen Plätze zum Zelten im Innen- oder Außenraum, in Deutschland und seinen Nachbarländern. Sie zahlt dafür mit einer Arbeitsstunde pro Tag für Tätigkeiten aller Art. Vom 11. bis zum 19. Juni hat, oder vielmehr hatte, Katrin Herzer ihr Zelt in der Abteilung für Alles Andere aufgebaut.

Abteilung für alles Andere, Berlin

Katrin Herzner zeltet in der Abteilung für alles Andere in Berlin

Katrin Herzner schreibt dazu „Ich zelte diesen Sommer, weil es mir momentan widerstrebt, einen Mietvertrag abzuschließen. Zu sehen gibt es in der Abteilung also mein Lager, neue Videos und mich selbst.
Die POSTOST-MONOLOGE,
(ein Programmpunkt der Aktion – Anm. d. Red. ) beschäftigen sich größtenteils mit unterschiedlichen Aspekten von OST – der Wanderung zum Live-Hörbuch von Katrin Herzner. Hier erkläre ich alles, wonach ich üblicher Weise nicht gefragt werde.“

Zelten in Berlin | Abteilung für alles Andere

Zelten in Bremen

Zelten in Aachen

Wir haben Katrin einen Minifragenkatalog geschickt, den sie uns freundlicherweise beantwortet hat.

FK: Welches war das größte und schwierigste Hinderniss welches du auf Deiner Wanderung 1200km überwunden hast?

KH: Es sind 1200 km luftlinie – gelaufen bin ich vermutlich an die 2000 km, weil ich nicht fliegen kann. Dann … Groß und Schwierig sind zwei paar Schuhe. Der höchste Punkt war gerade erst in den Karpaten: ca. 1420 Meter. Das schwierigste bin ich selber und ich bin immer da.

FK: Dir wiederstrebt es einen Mietvrtrag abzu schliessen. Als moderner Mensch ist man auf vielfältige Weise vertraglich gebunden. Wie hälst Du es mit anderen Verträgen, wie KV, Handy, Altersvorsorge?

KH: Ich finde Verträge gut, weil deswegen alles schriftlich geklärt ist. Man sollte bei Bedarf halt prüfen, was man da unterschreibt. Macht im besten Fall Sinn für beide Seiten. Ich will halt nur keinen Mietvertrag unterschreiben. Denn das bedeutet, Miete zu zahlen und diesen Klotz von Zimmer oder Wohnung am Bein zu haben, der die Bewegungsfreiheit einschränkt. Aber man kann sich ja glücklicher Weise aussuchen, ob man einen Vertrag unterschreibt oder nicht.

FK: Was hälst du vom Konzept des Grundbesitz?

KH: Grundbesitz ist Eigentum von Landflächen? Er legt sich wie ein Bild über den Planeten Erde und verändert die Oberfläche – manchmal sehr großflächig, manchmal ganz klein parzelliert. Das ist ganz interessant, da quer durch zu gehen – sich manchmal durch zu mogeln und manchmal aus Respekt oder Schüchternheit einen Bogen zu machen. Ich würde gerne auch Land besitzen. Ich denke allerdings, wenn jemand kommt und eine Linie darüber gehen will, würde ich ihn auf jeden Fall lassen und einen Kaffee kochen.

FK: Cowboy oder Indianer?

KH: Einzelbison.

FK: Das Zelt ist im Rahmen der Occupy-Aktionen zum Symbol einer globalen Protestbewegung geworden, hat das für Dich Bedeutung?

KH: Nein. Für mich ist es mein Haus, und ich kann ganz so mit 1,4 kg meinen Raum erzeugen. Ich frage immer, ob ich an einem Ort zelten darf und bin kein Besetzer. Zelte sind auch Flüchtlingslager, Notlazarette, Rock am Ring, Nomadenhäuser und vieles mehr – das zweite nach der Höhle, schätze ich. Occupy natürlich auch, klar – aber im Verhältnis zum Zelt an sich ist das meiner Meinung nach nur ein kurzer Moment.

FK: Beim aktuellen Projekte tauschst Du Dich eine Arbeitsstunde gegen die Möglichkeit Dein Zelt aufzuschlagen. Warum der Rückgriff auf den Tauschhandel?

KH: Weil ich gerade nicht viel Geld habe und trotzdem nicht schmarotzen will. Das sind auch schöne Jobs … Ich mache da Sachen, die schon lange mal hätten erledigt werden sollen.

FISIMATENT – Katrin Herzner zeltet in der Abteilung für Alles Andere
Ausstellung vom 11. – 19. Juni 2012
Ackerstraße 18, Berlin Mitte
http://www.a-a-a.cc/

http://www.katrin-herzner.de

 

Zeitguised zeigt Hyper Trophies in der Stink Temporary Gallery

Ok, ok, ok. Videos gibt es eigentlich nur Montags und vom Kontext gehört das was hier jetzt kommt auch nicht so ganz hierher, die Arbeit ist etwas zu slick und visuell eigentlich viel zu lecker für diesen Blog.
Denn von Eyecandys, mögen sie noch so imposant daherkommen, lassen wir uns bei Perisphere ja normalerweise nicht beeindrucken. Hier zählt knallharte konzeptuelle Stärke, gedankliche Stringenz und eine radikale Haltung gegenüber dem was hinter den Bildern geschieht.
Wir sind verkopft bis in die Haarspitzen und verlangen das auch von der Kunst! – so deutsch sind wir dann schon.

Scheißdrauf sag ich heute!

Auch wir werden mal schwach und hier in unserem Blog dürfen wir sowieso tun und lassen was wir wollen, wenigstens hier sind wir freie Männer. Und deshalb gibt es heute ausnahmsweise auch schonmal Sonntagabends wirklich spektakulären Hochglanzbilderzauber im Videoformat.

Die Leute die das folgende Video bzw. das Videotryptichon gemacht haben, hatte ich schon am Freitag Abend bei Kollegen Rene von nerdcore entdeckt. Ich war nachhaltig beeindruckt. So oft kommt es ja dann doch nicht vor, dass man beim Surfen auf einer Seite richtig hängen bleibt und sich manche Sachen sogar mehrmals anschaut.
Zeitguised heißt die Truppe, die sich mit Ihren Arbeiten auf den Spuren der Surrealisten bewegt und diesen mit Hilfe von allerfeinster Bildbearbeitung in Kombination mit 3D-Rendering auf allerhöchstem Niveau ins 21. Jahrhundert transportiert.

Als Moving still portrait sculptures bezeichnen Sie das Projekt „Hyper Trophies“ welches in Kooperation mit dem Berliner Modelabel Franzius and ProdCo Stink Berlin entstanden ist.
Die Premiere war in der Stink Temporary Gallery während dem Gallery Weekend Berlin 2012 – wie gesagt eigentlich nicht unser Feld, aber … naja … schaut einfach selbst. Und wer dann noch nicht genug hat, schaut sich unbedingt das hier noch an.

Hyper Trophier by zeitguised

Hyper Trophies, 2012
Moving still portrait sculptures.
1080p portrait screen exhibit: endless loop

http://zeitguised.com/61786/556975/work/hyper-trophies

Büro für Qualifikation und Vermögen in Berlin

von Florian Kuhlmann (Düsseldorf)

 

Die Politik jazzt die Berufsgruppe der Kreativen ja gerne mal lässig zur Creative Class hoch, denn arm ist angeblich sexy und zu viel Geld sowieso nur etwas für alte Männer oder die ganz Korrupten unter den Künstlern. Ein Leben nur für die Kunst, dazu am besten sozial verantwortungsbewusst bis zur Selbstaufgabe und ständig engagiert für eine bessere Welt, so vermitteln sich manche gerne mal das Bild des kreativ Schaffenden – inklusive der involvierten Personen selbst.

Und so bleiben die Künste sowie das Arbeiten unter dem Stern der Kreativität auch weiterhin die Falle die mit Freiheit lockt und in die manch junger Mensch begeistert hineintappt. Wer dann aber Teil der Creative Class geworden ist, lernt oft sehr zügig am eigenen Beispiel wie sich der abstrakte Begriff des Prekariats ganz konkret als Lebenswirklichkeit anfühlt – auf Dauer durchaus anstrengend und mitunter auch mal etwas zermürbend.

Früher, in der guten alten Zeit, war ein solches unbestimmtes Dasein eventuell mal cool, No-Future war immerhin Punk und Teil einer Antihaltung, die es einem erlaubte viel Zeit mit Drogen, überwiegend beschissener, dafür aber lauter Musik und wenig Gedanken an die Zukunft zu verbringen.
Wer leerstehende Häuser besetzen wollte, konnte das noch innenstadtnah in aufregenden Städten wie Hamburg oder Berlin tun und musste sich nicht in die ländlichen Brachen Ostdeutschlands oder des Ruhrgebiets zurückziehen.
Und wer auf die Unannehmlichkeiten von Hausbesetzung und Straßenpunk keinen Bock hatte, sich eher zu Glamour und Pop hingezogen fühlte, der ging eben direkt zur SPD und später dann zu Gazprom.
So einfach war das Alles in der guten alten No-Future-Zeit.

Heute, im Jahr 2012 ist No-Future eher ungewollt zum Lebensgefühl einer bürgerlichen Generation geworden, die eigentlich so gar keine Lust auf Keine-Zukunft hatte, weil nämlich eigentlich alles cool war, und auch so hätte bleiben können.
So treten an Stelle von aufregenden, persönlichkeitsbildenden Rauscherfahrungen bei gitarrenverzerrter Musik nun unbezahlte Vollzeitpraktikas in klimatisierten, coolen Lofts mit Latte-Macchiato-Koffein-Flash gratis. Aber auch wenn Mama, Papa oder die Großeltern, den Arbeitsplatz im schicken Altbau brav finanzieren, bleibt es nicht selten trotzem nur beim Danke-du-hast-Dich-super-eingebracht-und-das-Projekt-komplett-eigenverantwortlich-durchgezogen-alles-gute-für-die-Zukunft-I-Pod oder, wenn es ganz optimal läuft, beim Zeitvertrag.
Und mancher von uns redet sich gar ein, die permanente Selbstausbeutung am unteren Ende der Hackordnung wäre ja im Grunde auch so eine Art freies Unternehmertum, man müss doch nur fest genug an Sich und das Projekt glauben.
Tschacka! ruft der Kunstblogger laut.

Irgendwie merken aber doch immer mehr, daß auch unser gemeinsam inszeniertes Selbstbild und die zugehörige Wirklichkeit auseinander fallen, und so macht sich in den Coworkingspaces und Gemeinschaftsbüros Europas ganz langsam eine gewisse Irritation breit.

Aber man ist zu jung um ein wie auch immer geartetes Schicksal einfach zu akzeptieren und es widerstandslos hinzunehmen, denn noch brennt etwas in uns. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so werden nun verschiedenste Ansätze ausprobiert um sich und damit vielleicht auch dem Ein oder Anderen aus der Misere zu helfen.
Die Einen gründen dazu die nächste Partei, diesmal nicht in grün, dafür nun in orange. Und es soll geentert werden, was noch eine Generation zuvor, beim langen Marsch durch die Institutionen, erlaufen werden wollte. Weitere Unterscheidungsmerkmale zum bereits Etablierten erarbeitet die Basis nach dem Entern per Twitter oder Liquid-Doodle, verspricht man sich.

Andere wiederum gehen weiter und versuchen die Dinge unter dem Stichwort Do-it-Yourself selber in die Hand zu nehmen.
Wer unseren kleinen, Underground-Blog für das gehobene Prekariat kennt und etwas länger verfolgt, der weiß wahrscheinlich auch welchen Ansatz wir hier bevorzugen. Denn Selbstorganisation ist das Stichwort in einer zunehmend automatisiert verwalteten und rationalisierten Welt, in der Niemand mehr für irgend etwas zuständig, dafür aber Alles und gleichzeitig Nichts mehr geregelt ist.

In Berlin hat nun das Büro für Qualifizierung und Vermögen geöffnet, dort will man sich mit verschiedenen Projekten der Problematik des Kreativ-Prekariats annähern. In Workshops, Performances und Lectures geht es vom 19.5. bis zum 9.6. in der Eberwalswaldersraße 21 um das Thema Hilfe zur Selbsthilfe.

Mitgetragen und organisiert wird das Projekt von den Kollegen der Berliner Gazette, die das Unterfangen wie folgt umschrieben. „Sozialamt, Jobcenter, Gründerberatungsstelle: Orte, so inspirierend wie eine Zahnarztpraxis. Orte, die die in Berlin steigende Anzahl von “Kreativen” meidet – selbst wenn die Ratlosigkeit unter ihnen wächst, wie die eigene Existenz zu finanzieren ist. Doch was, wenn es ein Beratungsbüro gäbe, das von den Betroffenen geleitet wird?
Eine Selbsthilfestelle, in der die Sachbearbeiter keine realitätsfernen Maßnahmenleiter sind, sondern erfolgreiche Künstler und Sozialunternehmer. Ein Ort, an dem nicht der Geruch von Akten die Atmosphäre bestimmt, sondern der Anschein einer geheimen Bar. Willkommen im BQV, dem Büro für Qualifikation und Vermögen!“

Los ging es am 19.5. im pong mit der Lecture „Creatives like us“. Das Performancekollektiv Andcompany&Co. (@Alexander Karschnia, Nicola Nord, sascha sulimma) fragte in seinem Lecture Concert anlässlich der Eröffnung des BQV: Wie könnte ein Kommunismus der Kreativen aussehen? Oder eine Gewerkschaft der prekären kreativindustriellen ArbeiterInnen weltweit?

Und mit glühenden Textfragmenten und Disco-Sounds wurde mit der Installation die roten Fahnen! des Künstlers Johannes Paul Raether (@Jean Paul Ratier) im BQV der kommende Aufstand in den Fabriken der Kulturindustrie beschworen.

Am 26. Mai ging es unter dem Titel „Knirpsschweinchen-Kickstarter“ um das Thema Crowdfunding, im Rahmen der Veranstaltung ging man diesen Fragen gemeinsam mit Tim Pritlove (Podcaster), Anna Theil (Crowdfunding-Coach) und Karsten Wenzlaff (Medienforscher) nach.
Anna Theil, eine der Teilnehmerinnen hat dazu in der Berliner Gazette einen Artikel geschrieben, in dem sie einen Überblick über das Phänomen Crowdfunding und über den damit Verbundenen Hype, sowie über die Potentiale dieser Idee gibt.

Weitere Veranstaltungen sind

  • 02. Juni | „Sound & Dance Space Measurements“ | 18 Uhr
  • 09. Juni | „Volksbegierden Totale Rekonstruktion“ | 18 Uhr
  • 19. Mai | „Prekär/Produktiv“ | 14 Uhr
  • 26. Mai | „Fans finanzieren Kultur“ | 14 Uhr
  • 02. Juni | „Sozialarbeit Reloaded“ | 14 Uhr
  • 09. Juni | „Was wollen wir vom Staat?“ | 14 Uhr

Alle Infos zu den einzelnen Projekten gibt es auf den Seiten der Berliner Gazette unter
http://berlinergazette.de/seminar/projekte/bqv/

Büro für Qualifikation und Vermögen (BQV) in Berlin
19.5. bis zum 9.6.2012
Eberswalderstraße 21 / Prenzlauer Berg

Alle Bilder by Andi Weiland via @ohrenflimmern und fb

Occupy Biennale in den Kunst-Werken Berlin – Teil II

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Haben die Süddeutsche, die Zeit und die FAZ bereits alles (Schlechtes) über die Biennale in Berlin geschrieben? Und muss man wirklich seinen Senf hinzutun? Ja, muss man. Wenn man die bereits formulierten Kritiken nicht wiederholt und sich aus einer klar definierten Perspektive artikuliert, ist das Anliegen durchaus legitim. perisphere hat noch eine Wortmeldung. Und unsere Perspektive ist nicht die einer albernen Debatte um die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst (Süddeutsche) und nicht die einer retrograden Disqualifizierung der Handlungsästhetik zugunsten des Objekts oder des Bildes (FAZ); unser Standpunkt ist nicht der einer Wiedereröffnung des Kampfes um die Zweckfreiheit, bzw.  Zweckmäßigkeit der Kunst mit obsoletem Rückgriff auf Kant (Die Zeit) oder aber der einer Infragestellung der intellektuellen Eindimensionalität der Occupy-Akteure (FAZ). Vielmehr wollen wir wissen, warum das notwendige und unbedingt richtige Konzept des Kuratorenteams um Adam Zmijewski so kläglich gescheitert ist.

Um die Stellungnahme nicht ausarten zu lassen und präzise zu operieren, werden wir uns hier auf die Biennale-Station in den Kunst-Werken beschränken. Der Ort gilt als Herz der Veranstaltung und ist mit Sicherheit ihre interessanteste – weil problematischste – Station. Was da zu sehen ist, war schon den letzten Beitrag zu entnehmen: Die ständige Inszenierung einer Revolte.

 

Der Kubus der Kunst-Werke hat sich in ein Theaterfundus verwandelt. Hier liegen oder hängen die Requisiten, die für ein politisches Stück verwendet wurden. Es sind Transparente und Plakate, bemalte Pappkartons und diverse Objekte, die bei vergangenen Demos in die Luft emporgeschwungen wurden. Entladene Kampfwaffen, die in diesem Raum ihre Bestimmung verloren haben. Sprüche wie „Power to the People“ oder „Um Europa keine Mauer“ sind direkt an die Wände gesprüht worden. Info-Material zu den aktuellen Aktionen werden auf kleinen Podesten oder in Leseecken zur Verfügung gestellt. Ganz hinten ist ein militärisches Zelt als Sleeping Stage aufgebaut. Und im Hinterhof ist so etwas wie ein autonomer Garten angelegt worden. Zur Selbstversorgung? Zur Verschönerung?

Ein paar barfüßige, tätowierte und bärtige Aktivisten in schwarzen Streetwears bespielen dieses Stück. Ein linker Nerd frickelt an einem Notebook herum. Zwei schuljunge Franzosen sprayen in einer Ecke Parolen und Aufrufe auf Fahnen. In einem abgetrennten Teil des Raumes hält Jemand einen Vortrag zu den Unterschieden zwischen Realkapital und Finanzkapital. Einige hören zu. Eine Schönheit im Designerkleid betritt die Piano Nobile, zwei hochwertige Einkaufstaschen über der Schulter, gleitet eine Etage tiefer und dreht ein paar Runden wie eine Prinzessin im Affenkäfig. Und dazwischen latscht immer wieder der typische Biennale- und Documenta-Besucher hinein – zu denen ich ja auch gehöre – und beschäftigt sich ernsthaft mit dem dargelegten Stück.

Hier also haust, arbeitet, kommuniziert und diskutiert eine gemischte Einheit der internationalen Occupy-Bewegungen. Die Kunst-Werke sind praktisch zum Think-Tank, Informationsstelle und Werkstatt des dezentralen Widerstandes gegen das Kapital geworden. Dabei ist die formulierte Kritik höchst heterogen – Syrien, der Irak, Griechenland und der Prenzlauer Berg sind dessen geographische Eckpunkte; Spekulanten, Diktatoren und liberale Politiker dessen Zielscheiben; die Lage der Frauen in Russland, der Kinder in Afrika oder der Proletarier aller Länder sind dessen Themen.

Und wie sieht es aus? – weil darum geht es auch, doch, doch… Nicht sehr gut sieht es aus. Die Visualisierung des großen Stücks ist nämlich nicht von Künstlern sondern von linken Autonomen und Globalisierungsgegnern konzipiert worden. Und diese wissen bestimmt, wie eine Handlung erfolgreich durchgeführt wird, aber nicht wie ein Bild dieser Handlung ästhetisch funktioniert. Und, auch wenn das Kuratorenteam der Biennale es naiverweise nicht wahrhaben will, ist das, was in dem Kubus produziert wird, in erster Linie ein Bild – und keine Handlung.

Wenn man die Situation in den Kunst-Werken (ich will nicht von einer Ausstellung sprechen) tatsächlich mit einem Theaterstück vergleichen will, müsste man den Regisseur und den Bühnenbildner feuern. Nicht weil sie den Raum nicht in Griff bekommen hätten – im Gegenteil: die Strategie des Open Spaces mit einzelnen Themeninseln, die mal aktiviert werden, mal ruhen, ist gelungen; und auch die Fülle an Bildern und Textmaterial, die scheinbar ohne großen Sinn für die Gesamtkomposition verstreut wurde, besitzt einen gewissen Reiz. Aber der Umgang mit Requisiten (mit Reliquien?) ist hier höchst problematisch – und auch die Akteure wirken eher peinlich.

In einem Einleitungstext der Biennale-Zeitung, schreibt die Kuratorin Joanna Wasza: „Wir arbeiten mit Mitgliedern von Indignados, Democracia Real YA, Occupy Berlin, Occupy Frankfurt, der Bewegung 15M in Barcelona und mit den Künstlern von Occupy Amsterdam, die ihre Ateliers aufgaben, um ein Zelt im Camp in der Mitte aufzuschlagen… Indem wir Kollektive einladen, die zum jüngsten ideologischen Umbruch beigetragen haben, und ihnen die Ausstellungshalle der KW als Vertretung überlassen, unternehmen wir eine Unterbrechung im business as usual – um uns selbst zu befragen wie auch die gegenwärtige Politik und unsere gemeinsame Rolle in dieser. Wir setzen Performativität als Mittel ein und treten der gängigen Ansicht entgegen, alles, was im Kunstraum stattfindet, sei per Definition fake und ohne Wirkung“.

Und genau da liegt m. E. der Krux der Situation in den Kunst-Werken: Der (von den Kuratoren ungesteuerte) Umgang mit den höher beschriebenen Requisiten, sowie die unwillkürliche Zurschaustellung der Occupy-Akteure machen aus einem relevanten politischem Statement eine lumpige Inszenierung. Was haben eigentlich die Plakate vergangener Demos im Kunstraum zu suchen? Wozu diese pubertären Sprüche an den Wänden? Muss sich der Aktivist wirklich von so viel Krimskrams umgeben? Und hätte eine auf das nötigste reduzierte Kommandozentrale ihren Zweck nicht erfüllt? Die Organisation und die Vermittlung des Widerstandes braucht kein überflüssiges Ornament. Diese Stilisierung einer revolution on progress kippt rasch ins Manierierte, ja ins Kitschige.

Die in dem Raum ausgebreiteten Objekte erhalten ihre Legitimierung auf der Straße. Da sind sie stark, da finden sie ihren richtigen Raum, da entfalten sie ihr ganzes Potenzial. Im urbanen Kontext werden diese Transparente und Plakate zu frechen, humorvollen, vordergründigen, bewegten und bewegenden Kunstwerken. Ausgebreitet in den Kunst-Werken, verkommen sie zu unansehnlichen Reliquien, zur Illustration des rebellischen Geistes. Die gepflegte Sperrmüll-Ästhetik, diese Selbstverliebtheit für das schnelle Zusammengeschusterte ohne Rücksicht auf Materialqualität, wirkt letztendlich nur kontraproduktiv.

Manch einer wird an dieser Stelle vehement behaupten, dass es sich hier nicht um Ästhetik, sondern um Authentizität handelt – was alles deutlich schlimmer macht. Dass die erwähnten Zelte von echten Menschen bewohnt werden, die in Berlin Mitte ihre reale Kommandozentrale errichtet haben und von hier aus reale Aktionen planen oder an weiteren realen Requisiten arbeiten, macht die Sache noch problematischer. Die vom Bund subventionierte Organisation der Revolte ist nicht besonders authentisch. Der Charme der Werkstatt, mit einem Touch von Revolutionärem, wird hier partout herbei beschwört. Wie in touristischen Künstlerateliers in Südfrankreich erlebt der Besucher hautnah echte (Lebens)-Künstler bei der Arbeit. Besser: Sie können zuschauen, wie diese essen, schlafen und miteinander kommunizieren. Nun wären wir im Zoo angekommen. Völlig ungeklärt ist also das Verhältnis zwischen Inszenierung und Anspruch auf Authentizität, Real-Life-Setting und Zurschaustellung der Realität.

Die vage, ungelöste und unreflektierte Spannung zwischen dem Leben und ihrer bühnenreifen Präparierung macht aus einer gutgemeinten Aktion eine exhibitionistische Show, deren gesamter politischer Hintergrund unglaubwürdig geworden ist. Das von Zmijewski angekündigte „Verfahren zur Gestaltung von Politik“ hat nicht stattgefunden.

 

Berlin Biennale
27.4.-1.7.2012
Kunst-Werke
Auguststraße 69
Di – So 12 – 19 Uhr
Do 12 – 21 Uhr

Occupy Biennale in den Kunst-Werken Berlin

Die Berlin Biennale hat Occupy Museum mit den Kunst-Werken einen nicht unbedeutenden Teile der verfügbaren Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Occupy Museum ist im November 2011 aus der Occupy Wallstreet Idee hervor gegangen und startet damals mit einem Marsch in Richtung MOMA und Natural History Museum.

Occupy Moma - New York

Occupy Moma - New York

Nun hat es die Kunst-Werke Berlin erreicht und wird sich dort unter dem Titel Occupy Biennale für die kommenden zwei Monate gegenüber den komplexen Vereinnahmungsmechanismen des Kunstsystems behaupten müssen.
Wir möchten das Projekt im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten in dieser Zeit begleiten und den Versuch unternehmen, die daraus erwachsenden Paradoxien mit dem ein oder anderen Beitrag zumindest einmal anzuschneiden.
Glücklicherweise kam bereits vor einiger Zeit über facebook ein Kontakt mit der aktuell in Berlin aktiven Rafaela zustande, die uns nun mit ein Paar ersten Bildern von dort versorgt hat. Wer sich gerne eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte, dem seien die folgenden verlinkten Beiträge ans Herz gelegt.

Matthias Planitzer vom Castor-und-Pollux-Blog hat sich bereits im Dezember 2012 in einem längeren Artikel mit Occupy Museum und den damit verbundenen Aktivitäten in New York beschäftig.

Thing Frankfurt begleitet die Thematik seit Oktober 2011 unter dem Titel Occupy Schirn, erste Debatten zum Thema gab es auf der dortigen Mailingliste aber bereits im August 2009 (eine Zusammenfassung der Diskussion gibt es hier).
Für die Leser, die immer noch auf Künstler-Manifeste stehen lohnt sich der Click zu rebel:art (mit Video!) und wer ein Interview mit Noah Fischer dem (Nicht?)-Sprecher der Gruppe lesen möchte, dem sei der direkte Besuch der Webseite der Berlin-Biennale empfohlen.

Und für unsere Leser mit Ohren, die sich einen möglichst authentischen Eindruck wünschen, ist der nachfolgende, von radio99Prozent zur Verfügung gestellte, Audiomitschnitt der Pressekonferenz zu Occupy Biennale eventuell das Richtige. Videos davon gibts übrigens hier.

Und wer der Meinung ist, das politische Kunst Unsinn und sowieso schon lange fürn Arsch ist und eigentlich immer nur wegen der schönen, bunten Bilder hier vorbei surft, für den gibt es jetzt endlich die versprochenen Impressionen aus den Kunst-Werken Berlin.

Aber völlig unabhängig davon, was man denn davon hält und was nun daraus wird, zumindest als Ausstellung, als Happening oder als Performance sieht die Revolution doch eigentlich gar nicht so schlecht aus …

mit bestem Dank an rafaela.

Indignad@s Occupy Biennale
http://occupybb7.org

Kunstwerk Berlin e.V.
Auguststr. 69
10117 Berlin
www.kunst-werke-berlin.de/

Andrea Winkler bei SOX

von Nicole Büsing und Heiko Klaas (Hamburg, Berlin)

Gallery Weekend in Berlin. Drei Tage lang cruisten VIPs aus aller Welt in schwarzen BMW-Limousinen durch die deutsche Hauptstadt: Von Rirkrit Tiravanijas performativer Wurstmanufaktur bei neugeriemschneider zu Robert Longos theatralischen Kohlezeichnungen im XXL-Format bei Capitain Petzel auf der Karl-Marx-Allee, von Jenny Holzers brandneuer Lichtinstallation mit Neonschriftbändern in der Blue Chip-Galerie Sprüth Magers zum neuen Geheimtipp im Kreuzberger Graefe-Kiez, der sympathisch-bodenständigen Hinterhof-Galerie Supportico Lopez, wo im Untergeschoss an das poetisch-konzeptuelle Werk des 1998 verstorbenen Italieners Gino de Domenicis erinnert wurde.

Wer am Sonntagabend nach unzähligen bier- und weinseligen Eröffnungen und dem stark überschätzten “Gala-Dinner” mit Flying Buffet und Wurstbroten noch Energie übrig hatte, war bei der Eröffnung der Ausstellung von Andrea Winkler im Projektspace SOX in der Oranienstraße in Kreuzberg genau richtig. Während türkische Gastronomen und Kreuzberger Aktivisten sich allmählich auf die langen Nächte rund um den 1. Mai eingroovten, versammelten sich die Eröffnungsgäste des nichtkommerziellen Ausstellungsprojektes für zeitgenössische Kunst bei Pilsner Urquell, Weißwein aus Pappbechern und exquisiter Schokoladentorte auf dem Bürgersteig vor dem Kreuzberger Off-Space. SOX besteht eigentlich nur aus einer 225 x 300 cm großen Vitrine.

Die Berliner Konzeptkünstlerin Andrea Winkler, geboren 1975 in Zürich, hat den nicht begehbaren, nur 60 cm tiefen, alternativen Showroom durch einen ebenso simplen wie genialen Eingriff erweitert. In die weiß gestrichene Hinterwand der Schaufensteranlage hat die Schweizerin ein handelsübliches weißes Kunststofffenster einbauen lassen und damit erstmals in der Ausstellungsgeschichte von SOX den Durchblick zum Hinterhof geöffnet. Der Perspektivwechsel funktioniert in beide Richtungen: Von der vielbefahrenen Oranienstraße aus blickt man auf die normalerweise abgeschottete Werkstättenidylle Kreuzberger Alternativer, die sich hinter dem SOX eingerichtet haben. Betritt man den Hinterhof und schaut durch das neue Fenster auf die bei Tag und Nacht belebte Straße, blickt man auf die Heterogenität des Großstadtlebens: vorbeifahrende Doppeldeckerbusse, metropolitane Hipster aus aller Herren Länder, Mütter mit Kinderwagen, Rentner mit Rollator und türkische Autoposer, die mit aufgetunten Oberklasselimousinen voller bassdröhnender Lautsprecherboxen um Aufmerksamkeit buhlen.

Fast beiläufig ergeben sich reale Straßenszenen zwischen Profanität und großer suggestiver Kraft, die streckenweise an die Arbeiten von Fotokünstlern wie Beat Streuli oder Philip Lorca diCorcia erinnern. Das dynamische Kreuzberger Großstadtgewusel spiegelt sich plötzlich auf verschiedenen Ebenen, ermöglicht durch einen simplen künstlerischen Eingriff, der noch einen weiteren Aspekt der Irritation bereithält: Andrea Winklers Fenster ist nicht im korrekten rechten Winkel eingebaut, sondern um einige Grad geneigt. Im geradezu hoffnungslos reizüberfluteten Kreuzberger Kiez klinkt sich das Fenster auf diese Weise mit wohldosierter Raffinesse in die Aufmerksamkeitsökonomie ein und sorgt so für eine fast beiläufige Verschiebung des Perspektive.

In ihre Fensterintervention hat Andrea Winkler noch zwei kleine Papierarbeiten integriert: ein Fotoausdruck mit abstrakten Farbverläufen im DIN A4-Format und ein mit grauer Farbe fast bis zur Unkenntlichkeit besprühtes Werbefaltblatt eines bekannten Elektronikkaufhauses. Andrea Winkler, die an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg unter anderem bei Wolfgang Tillmans und später an der Slade School of Fine Art in London studiert hat, ist bekannt für ihre stets ortsspezifische Vorgehensweise, ihre minimalen Eingriffe und ephemeren Setzungen mit zumeist poveren Materialien wie Sprühfarbe oder Metallfolien. Ihre Arbeit bei SOX trägt den ebenso humorvollen, wie anspielungsreichen Titel “du bist zu klein”.

Mit wechselnden Tageslichtsituationen und dem Übergang vom Tag zur Nacht spielt Winklers Intervention erst ihr ganzes Potenzial aus: Spiegelung und Transparenz, Licht und Schatten, Ein- und Durchblicke, Funktionalität versus Dysfunktionalität, Rahmung des Betrachterblicks und Medium der Selbstreflektion für Flaneure und Passanten. Andrea Winklers sowohl ästhetisch als auch konzeptuell überzeugender Eingriff in den Berliner Stadtraum reflektiert einen künstlerischen Dauerbrenner auf neue erfrischende Art und Weise. Wer, angeregt durch diese Installation, mehr über das Fenster in der modernen und zeitgenössischen Kunst erfahren möchte, der sollte vielleicht der bis Ende August laufenden Düsseldorfer Ausstellung „Fresh Widow. Fenster-Bilder seit Matisse und Duchamp“ im K20 einen Besuch abstatten. Dort wird das offenbar nach wie vor virulente Thema einer umfangreichen kunsthistorischen Untersuchung unterzogen.

 

Andrea Winkler: du bist zu klein
SOX
Oranienstraße 175, Berlin-Kreuzberg
30.4. bis 10.6.2012, 24 Stunden geöffnet


MYSPACE im Kunstraum Kreuzberg

von Stefanie Ippendorf (Berlin)

 

Bunte bemalte Planen, Baumaterialien, ein durch Motoren auseinandergezogenes Gummiband, Aluminiumstreifen auf dem Boden sowie sorgsam lackiertes Holz – alleine diese Aufzählung einiger in der Ausstellung verwendeten Materialien verweist auf die Spannbreite der künstlerischen Arbeiten, die in >Myspace< vertreten sind. Die Erfahrung des Raumes als einen wesentlichen Aspekt der Wahrnehmung verstehend, haben die beiden Künstlerinnen Franziska Hünig und Alexandra Schlund eine Ausstellung kuratiert, die den künstlerischen Umgang mit räumlichen Erfahrung bzw. deren Transformation in ein bildliches Vokabular thematisieren soll. Für die Ausstellungsdauer von nur 8 Tagen haben nun 11 KünstlerInnen den Ausstellungstitel >Myspace< wörtlich genommen und haben den in mehrere kleinerer Räume unterteilten Projektraum im Kunstraum Kreuzberg / Bethanien “in Beschlag“ genommen.

Alexandra Schlund

Nicola Stäglich

Viele der in >Myspace< gezeigten Arbeiten sind jeweils für den konkreten Ausstellungsraum konzipiert. So hat Alexandra Schlund mit >Cluster< eine Wandarbeit geschaffen, die aus großkopierten, photographischen Versatzstücken von Architekturmodellen und verschiedenen Klebebändern besteht und die aus der Ferne wie eine vereinfachte, nah herangezoomte Straßenkarte wirkt. Ursprünglich als Malerin ausgebildet, bezieht sich Schlund in ihrem Werk immer wieder auf Architekturen und urbane Landschaften, ohne jedoch reale Stadträume abzubilden. Wie an der Farbwahl unschwer zu erkennen, ist >Cluster< auch aus einem künstlerischen Dialog mit den drei abstrakten Werken von Nicola Stänglich, die im selben Raum präsentiert werden, hervorgegangen.

 

Franziska Hünig

Ähnlich inspirierend dürfte es auch beim Aufbau der gemeinsam in einem Raum gezeigten Werke von Franziska Hünig, Geka Heinke, Anke Mila Menck und Rebecca Michaelis zugegangen sein. So sind zum Beispiel Hünig und Heinke mit einem vorbereiteten Materialfundus angereist und haben den Raum im Bethanien als erweitertes Atelier genutzt. In einem mehr oder weniger parallel stattfindendem künstlerischen Prozess sind die Wandarbeiten >Ohne Titel< (Hünig) und >Kreise aufsteigend< (Heinke)  entstanden, die beide auf die Kraft der Farbe im Raum setzen. Wunderbar, dass Rebecca Michaelis ihre Bodenstücke >Bendpainting 1< und >Bendpainting 2< genau in diesem Raum platziert hat! Die auf Rädern angebrachten, länglichen Aluminiumstreifen spiegeln jeweils kleine Ausschnitte des ephemeren Geschehens im Raum wider.

Rebecca Michaelis und Geka Heinke

 

Christl Mudrak

Einen ganz anderen Ansatz wählte Christl Mudrak: Sie hat zwar einen ganzen Ausstellungsraum für sich, doch ist dieser auf den ersten Blick leer. Dass die Künstlerin hier gesaugt, die Fenster geputzt, die Luft durch einen Riesenkaktus gereinigt, mit Kerzenlicht erhellt und mit Gebeten und Wünschen bereichert hat, ist nur den ausgiebigen Materialangaben von >Clearing and Cleansing, Raumüberschreibung< zu entnehmen. Mudraks Verweigerungshaltung ist vielleicht durch die Tatsache zu erklären, dass die Künstlerin 2007 in eben jenem Raum schon einmal ausgestellt hatte (>Überhitzt<, Meisterschülerausstellung) und sie dem Vorangegangenen etwas gänzlich anderes entgegensetzen wollte.

Martin Schepers

Martin Schepers hat an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Siegfried Anzinger Malerei studiert, wagt sich aber inzwischen auch auf das Terrain der Plastik vor. >Verwerfungen< ist eine Materialschlacht aus Holz, Gips, Draht, Fensterscheiben, Pressspanresten und anderen typischen Baumaterialien, die aus fünf kastenartigen Modulen zusammengesetzt ist. Dazu zeigt er die großformatige Zeichnung >Großer Querschnitt<. Mit den aus der Geologie stammenden Werktiteln ist ein vager Hinweis auf den Kontext der Arbeiten gegeben. Konkret basieren Schepers Werke auf den Kenntnissen, die er bei “Forschungsreisen“ zum Braunkohletagebaugebiet in der Lausitz gewonnen hat.

Ilona Kálnoky

>strrr…< wiederum ist eine wunderbar verspielte, kinetische Arbeit von Ilona Kálnoky. Ein raumhohes Gummiband ist hier zwischen Boden und Decke aufgespannt. Über eine Angelschnur sind die beiden Seiten des Gummibandes mit zwei kleinen Seilwinden verbunden, die dafür sorgen, dass sich das Band verzieht und dabei Vierecke oder dreieckige Formen im Raum erzeugt.

Ina Geißler

… in your room, in >Myspace<.

 

MYSPACE – RAUMINTERVENTIONEN
Ina Geißler//Geka Heinke//Franziska Hünig//Ilona Kalnoky//Anke Mila Menck//Rebecca
Michaelis//Christl Mudrak//Martin Schepers//Nicola Stäglich//Alexandra Schlund//Benedikt Terwiel
Kunstraum Kreuzberg / Bethanien ( Projektraum 1)
21.04.- 29.04.2012
Öffnungszeiten: täglich von 12 – 19 Uhr
Mariannenplatz 2
10997 Berlin
U-Bahn Kottbusser Tor
www.kunstraumkreuzberg.de

Alex Müller im L40

Ein Bildbeitrag von Julia Wirxel (Berlin)

Wer wissen will, was das L40 eigentlich ist, kann es hier erfahren. Mehr Informationen zum Projekt von Müller gibt es da.

 

Shannon Bool und Alex Müller