Gespräch

Ein kurzes Gespräch mit Maria Wildeis über die FAR OFF 2017

Die FAR OFF Messe ist eine junge Plattform für Galerien und Projekträume in Köln. Nach dem Erfolg im letzten Jahre geht es nun auch 2017 mit dem Format wieder weiter, vom 27. bis zum 30.  April ist es wieder so weit. Dieses Mal dann allerdings an einer neuen Location in Ehrenfeld, aber natürlich mit dem gleichbleibendem naturgemäß nicht ganz einfachen Anspruch, die Autonomie der Offkultur zu wahren und gleichzeitig die Künstler und Künstlerinnen zu unterstützen sich stärker mit ein internationalen Publikum zu vernetzen.
Und. Klar. Auch.
Die Kunst im Rahmen des Möglichen zu vermarkten.
Die Messe ist also Experimentierfeld, Ausstellung und immer auch großes Klassentreffen in einem. Und bietet von daher ganz selbst verständlich neben Videokunst, Performance und Soundart auch den notwendigen Spaß und die Freude die zum Leben dazu gehören müssen.

Ich habe mich mit Maria Wildeis, einer der Organisatorinnen, mal kurz per E-Mail über das Projekt unterhalten.

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FK: hi maria, schönes projekt gefällt mir gut! Warum hast du die FAR OFF ins Leben gerufen?
MW: Jonathan Haehn hat mich angerufen und gesagt, man sollte eine Kunstmesse bei Jack in the Box veranstalten.

FK: Warum OFF und OFF-Szene? Was reizt dich daran?
MW: Ich leite einen Offraum und bin eigentlich ausschließlich an der Gegenwartskunst interessiert. Der wirtschaftliche Teil der Kunstwelt=Kunstmarkt ist wichtig, aber für mich nicht so leicht mit der Kunst zu verbinden, die sich im experimentellen Feld des OFF finden lässt. Meine Frage bei der FAR OFF lautet, ob es nicht Wege gibt, dem Geist der Gegenwartskunst näher zu kommen, den Bedingungen der Präsentation von Kunst auf einer Großveranstaltung wie einer Messe entgegen zu kommen und gute, junge Kunst möglichst angemessen zu präsentieren, anstatt sie zu verbiegen und in „marktgerechte“ Formen zu pressen. Es gibt auf der FAR OFF Messekojen, aber auch alternative Modelle, ein Kino für Videokunst, Bewegtbild und eine Bühne für Performance und Sound. Das Programm füllt sich durch die teilnehmenden Galerien und Projekträume.

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FK: FAR OFF ist eine Messe für OFF-Spaces. Ist das nicht irgendwie ein Widerspruch?
MW: Es sind nicht ausschließlich OFF-Spaces auf der FAR OFF. Aber auch Offspaces wollen ein Publikum erreichen und ihre Künstler an den Markt heranführen. Dafür halten wir die Preise so günstig wie auf keiner vergleichbaren Veranstaltung.

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Julia Weissenberg im Interview bei Artfridge

Die Künstlerin Julia Weißenberg lebt und arbeitet den Rhein aufwärts in Köln und hat auch dort an der KHM studiert. Ihren Abschluss machte sie 2012 mit Auszeichnung bei Prof. Dr. Karin Harrasser, Prof. Matthias Müller und Prof. Johannes Wohnseifer – diese Minimalparemeter nun in extremster Kürze zur Person. Dazu gibt es unten noch ein paar Pics zum anfüttern für Euch.
Und mehr muss dann hier und jetzt ja auch nicht, denn artfridge hat gerade ein Interview zwischen dem Kurator Jürgen Dehm und ihr Angebot, dass ihr bitte mal klickt und lest.
Anlass des Interviews ist die laufende Ausstellung ‘Stranger days‘ in de Galerie Lisa Kandlhofer in Wien.

SOFT COMPANY

soft_01Video Installation, 2 HD Videos, Orchid, electric blue carpet, 2015

USB Power

USB_Power_kopiePU Kunstharz, ca. 50 x 0,6 x 0,6 cm – 2016

To make you feel comfortable

TomakeuFeel_29:01 Min., HD, Stereo Sound, 2016
Installationview: Matjö – Raum für Kunst, Cologne, 2016

Banz & Bowinkel Video Portrait

The King and Queen of advanced and avantgarde 3D Düsseldorf at ppportrait.de.
Watch dis NOW!

via here

»Nacht im Feuer« – Hans Ulrich Reck und Konstantin Butz im Gespräch.

Konstantin Butz befragt Hans Ulrich Reck zu seinem 1981 erschienen Buch »Nacht Im Feuer – Zur Alchimie des Todes in der Rockmusik«. Der Text ist schön lohnt und dreht sich um eine der nach wie vor besten Bands des 20. Jahrhunderts, mehr will ich hier nicht verraten.
Ihr habt Finger zum Klicken, Augen zum lesen und einen Kopf zum selber denken. Die Empfehlung ist hiermit ausgesprochen, die Entscheidung verbleibt wir immer bei Euch.

Kunst und die Stadt #1

Diskussion mit Markus Ambach (Künstler und Projektautor, Düsseldorf),
Dr. Gregor Bonin (Beigeordneter für Bauen und Wohnen, Düsseldorf) ,
Prof. Dr. Florian Matzner (Kurator und Kunsthistoriker, München),
Dirk Snauwaert (Direktor WIELS, Brüssel), Susanne Titz (Direktorin Museum Abteiberg,Mönchengladbach)
unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Thomas Geisel
Einführung: Hans-Jürgen Hafner (Direktor Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf)
Moderation: Frauke Burgdorff (Raumplanerin, Bochum)

Ort: Aula der Kunstakademie Düsseldorf
Datum und Zeit: 08. März 2015, 14:00 Uhr

Alles weitere und mehr auf der Webseite der freien Gruppe.

Modell Kunstverein – im Gespräch mit Ben Kaufmann vom Neuen Aachener Kunstverein

Vor knapp 5 Jahren haben die großen Kunstvereine des Rheinlands unter dem Titel “DIE LETZTEN IHRER ART – Eine Reise zu den Dinosauriern des Kunstbetriebs” die Bedeutung und mögliche Rolle der Kunstvereine im aktuellen Kunstsystem hinterfragt und öffentlich thematisiert.
Ben Kaufmann, Direktor des Neuen Aachener Kunstverein, knüpft zwar thematisch mit dem aktuellen Programm ‘Modell Kunstverein’ ( 18.01. – 08.03.2015 im NAK) an diese Reihe an, führt den Diskurs aber an anderer Stelle fort in dem er etwa die Institutionskritik in den Fordergrund stellt. Historisch geht Kaufmann noch ein paar Jahrzehnte zurück und greift die Show „Eine Gesellschaft des Geschmacks“ im Jahr 1993 im Münchner Kunstverein auf.

Dieses Setting bildet den perfekten Anlass sich auch hier einmal kurz mit Ben Kaufmann zum Status Quo Kunstverein zu unterhalten, um dann darüber hinaus auf die den Vortrag “Ich wollt nur sagen, so ganz harmlos sollten wir das nicht sehen.” von Michael Franz und die daran anschliessende Diskussionsrunde am kommenden Samstag den 28.02.2015 im NAK hinzuweisen.

Um 18 Uhr spricht Michael Franz zur Ausstellung “Eine Gesellschaft des Geschmacks” von Andrea Fraser, die 1993 am Kunstverein München stattfand. Und ab 19 Uhr werden Sandra Dichtl (Künstlerische Leiterin Dortmunder Kunstverein), Hans-Jürgen Hafner (Direktor Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf), Lars Heller (Agentur Heller & C), Dr. Renate Puvogel (Kritikerin) und Dr. Holger Kube Ventura (Direktor Frankfurter Kunstverein, 2009-2014) unter der Moderation von Dr. Astrid Mania über das Modell Kunstverein diskutieren.

Das Unterview haben Ben Kaufmann und ich per E-Mail geführt. Die Fotos zeigen die aktuell laufende Ausstellung im Kunstverein, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen will, und statt dessen wieder einmal gerne auf Magdalena Kröners Besprechung im Artblogcologne hinweise. Klicken lohnt sich!

Wir werden das Thema auch die nächsten Tage hier noch mit 2 weiteren Beiträgen verfolgen. Es folgt dann eine Transkription der Soundfiles von Veit Loers zu KUNSTVEREIN KIPPENBERGER und FRIDERICIANUM, KASSEL, 1993 sowie ein historisches Video zur 93′er Ausstellung in München.

Ihr bleibt bitte dran, das Thema ist und bleibt ja relevant.

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Testfeld Ebertplatz

Was für die Düsseldorfer Künstler der Worringer, ist für die Kölner der Ebertplatz. Und wer diesen Blog mitverfolgt, der hat  eventuell mitbekommen, dass ich ein großer Freund dieses Ortes und der dort verorteten Projekte und Räume bin. Im Dezember letzten Jahres gab es dann bekanntlich einen Wechsel in einem der vier Projekträume. Max Erbacher, Diane Müller und Yvonne Klasen haben ihre erfolgreiche Arbeit als Organiatoren der Boutique bendet, Maria Wildeis führt die Location nun unter dem Titel Tiefgarage fort.
Als krönender Abschluss erschien die Publikation Ebene Minus Eins, in der  die Entwicklung eines noch im Januar 2012 völlig verpatzten Platzes (1) hin zu einer der spannendsten Adressen im Kölner Kunstleben (2) reflektiert wird. Während der Arbeit an Ebene Minus Eins stellte sich heraus, dass die Genesis des Ortes sowie dessen aktuelle Entwicklung zu komplex für eine rein chronologische Dokumentation der BOUTIQUE war und ist. So wurde daraus ein Buch in dem eingeladene Autoren die „neue urbane Qualität“ (Zitat des Kölner Kunstbeirats 2013 in seinem Plädoyer für eine Mietfreiheit der Off-Räume am Ebertplatz) aus ihrer fachspezifischen Perspektive untersuchen durften.

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BU: ALONG THE LIGHT – Festival für analoge Bilder und Klänge 2014,
Veranstalter: BOUTIQUE, Bruch & Dallas und GOLD+BETON;
Bild: Martin Plüddemann

Es entstanden eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher, sehr lohnender Texte, und transkribierter Gespräche, die in unterschiedlichen Formen, von der Stadt, ihrem Platz, seiner Architektur, seiner Geschichte und den damit verbundenen Künstlern und Künsten handelt. Eines dieser Gespräche führten Diane Müller und Yvonne Klasen mit der Direktorin des Ludwig Forum Aachen, Brigitte Franzen.


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Im Chat mit Don Elektro

Don Elektro habe ich über f***book gefunden. warum wir befreundet sind? keine ahnung. aber er postet sehr viel gutes zeug und deshalb habe ich ihn letzte woche mal kurz per chat angeschrieben. aus dem chat hat sich ein kurzes interview ergeben, das ihr jetzt hier lesen könnt.

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fk: hi don.
fk: ich mag deine pics sehr. tolles zeug dabei. ist das alles von dir? oder gesammelt? oder gemischt?
de: He Florian, danke das hört man doch gern. Um deine Frage zu beantworten, der meiste Grafikquatsch mit Titel ist von mir, manchmal teile ich was von anderen und finde im netz was mir gefällt. Aber wie gesagt fast alles von mir was mit glitch, trash oder aesthetics auf meiner Seite sich tummelt oder was ich in Gruppen teile.

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Zwei bis drei Minuten Schweigen in einem sehr sehr langen Gespräch

Beim Eiskellerberg gibt es ein wirklich, wirklich, wirklich langes, aber eben auch wirklich, wirklich, wirklich lohnendes Gespräch mit Karl Heinz Rummeny, einem der Mitbegründer und langjähriger Betreiber des Düsseldorfer Off-Space Parkhaus. Das Parkhaus, gelegen im Garten des Malkasten, ist einer der schönsten und mittlerweile ältesten Projekträume der Stadt. Rummeny hat das Projekt 1997 zusammen mit Jost Wischnewski und Gregor Russ begründet.

Mehr müssen wir an dieser Stelle nicht verraten, denn alles andere lest Ihr bei eiskellerberg.

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Parkhaus, vierwändekunst Festival, 2010

 

Politik der Langsamkeit – Beat Wyss im Gespräch mit Anja Martick

Das Gespräch zwischen Beat Wyss und Anja Martick über das Verhältnis von Kunst und Medien wurde ursprünglich auf der Webseite der Universität Duisburg-Essen publiziert. Freund Alec machte mich gestern darauf  aufmerksam – Danke!
Und da wir im Text lernen, dass der Tanz um das Original sowieso ein recht neuer Splin der Kunst ist, verlinken wir, danken wir und kopieren es hier her.

Politik der Langsamkeit

Beat Wyss im Gespräch mit Anja Martick,
Weimar, 18. Juni 1998

Herr Wyss, könnten Sie kurz Ihren persönlichen Werdegang schildern, und wo Sie jetzt tätig sind?

Ich unterrichte Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart und war zuvor an der Universität Bochum für das selbe. Ich komme eigentlich aus der Schweiz aber ich machte viele Wanderjahre nach den Vereinigten Staaten. In der Schweiz habe ich auch unterrichtet an der Eidgenössischen Technischen Hochschule.

Warum sind Sie von der Schweiz nach Deutschland gekommen?

Das sind Zufälle und zum Teil auch Absichten, ich habe in Deutschland studiert, in Berlin, und von daher hat es mich auch immer schon interessiert, hier zu leben und durch die Diskurse hier- ich find? das einfach ein bißchen lebhafter als in der behäbigen Schweiz.

Ihre ersten beiden Hauptwerke, also einmal “Der Wille zur Kunst” und die “Trauer der Vollendung”, werden in die Kunstgeschichte eingeordnet, und das letzte Buch “Die Welt als T-Shirt” ist eine Geschichte und Ästhetik der Medien. Wie sind Sie von der Kunst zu den Medien gekommen?

Für mich ist das eigentlich das selbe. Kunst ist ein Medium, ich finde ohnehin, es wäre eigentlich wichtig, gerade auch für Medienleute, daß sie begreifen, daß z.B. die modernen, die digitalen, die technischen Medien eigentlich nur ein Aspekt der Medien sind. Eine Kathedrale ist ein Medium, ein Buch ist ein Medium, ich fasse eigentlich das Medium als einen Filter zur Welt auf, den wir brauchen um sie zur verstehen.

Also ein Medium als Mittel?

Mittel, das Medium ist das Mittel die Welt anzuschauen, weil wir ohne ein Medium die Welt nicht verstehen.


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Schluss mit dem Herumgeschwurbel und der leidenschaftslosen Betriebsamkeit!

Ein Gespräch mit Erik Stein vom Donnerstag-Blog über Kunst, Netz und unser Medium.

Eigentlich wollte ich diesen Artikel mit einem brüllend komischen Wortspiel beginnen, welches mir noch Heute Morgen im Bett in den Sinn kam. Irgendwas in der Art von ‘ein Interview mit Donnerstag am Donnerstag’, oder ähnliches. Aber es gibt Ideen die sind auch beim besten Willen nicht witzig, da hilft einfach nix, auch wenn man sich das noch so sehr wünscht. Und wenn man das zum eigenen großen Glück noch rechtzeitig bemerkt, dann lässt man das einfach. Weshalb wir denn nun auch die Kalauer Kalauer sein lassen und uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Denn heute geht es um die Besten; oder besser, geht es um den angeblich besten Kunstblog im deutschsprachigen Raum. Und – Achtung wieder Kalauer – dabei meine ich natürlich nicht uns. Nicht dass wir es nicht sein könnten, aber wir sind bekanntlich viel zu gut erzogen und darüber hinaus auch zu bescheiden um uns selber so loben zu können.
Nein, es geht wie zu Anfang bereits angedeutet um den Donnerstag Blog, welcher aktuell unter Kolleginnen und Kollegen einen hervorragenden Ruf genießt. Matthias Planitzer etwa lobte bereits im März “Der Donnerstag, „Weblog für Kunst & Danach“, führt als derzeit vermutlich bestes deutsches Kunstblog vor, welche Qualität hierzulande online erreicht wurde,…“, Blitzkunst aus Berlin hat aktuell nur Gutes für das Projekt übrig und auch ich gebe zu, dass mir das Projekt immer besser gefällt.

Was zu Beginn ein wenig wirkte wie die verbitterte Abrechnung einiger im Kunstbetrieb zu kurz gekommener, hat sich Stück für Stück in eine ernst zu nehmende, kritische und kluge Instanz entwickelt. Fundierte, vor allem aber nach vollziehbare Analysen und Ausstellungsbesprechungen ohne unnötig aufgeblasenes Herumgeschwurbel treffen auf Humor und Witz. Die Minikolumnen ‘Lesezirkel’ und ‘Sprechblasen’ sind kurzweilige Ansätze für den geschickten Umgang mit der medialen Themenflut, das Format ‘Kurzmitteilung’ ist unter anderem auch eine ironische Remineszenz an den populären Kurznachrichtendienst Twitter. Das sind ohne Zweifel gute und originelle Ideen in dem unsrigen, sonst so konservativen und behäbigen Themengebiet Kunst. Und so merkt man trotz des strikten Fokus schnell, dass hier Leute am Werk sind, die in der Lage sind noch etwas Anderes außer Kunst, Szene und Zirkus wahr zu nehmen.


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Kunst? Nein Danke!

Eine ganze Weile mussten sie in der Hauptstadt kämpfen, diskutieren und streiten, letztes Jahr hatten sie endlich Erfolg. Seit 2009 haben sie geplant und geredet, seit 2012 sind sie ein neuer Haushaltsposten. Und so kommt es, dass die Berliner freie Szene nun Preise für Projekträume vergeben kann.
Sieben Räume werden am 18. September durch eine Jury ausgezeichnet, die Preise gehen dieses Jahr an: Altes Finanzamt, Kreuzberg Pavillon, KUNSTrePUBLIK, LEAP, Netzwerk-Projektraum “Hip Hop Stützpunkt mit From Here To Fame & Common Ground Gallery“, uqbar e.V., Walden Kunstausstellungen e.V.

LAST EXIT TO SPACE – 18. September 2013 | 20:00 | HAU1

So eine Auszeichnung ist natürlich schön, wirklich interessieren würde das aber wohl niemanden, wenn diese denn nicht mit einem Preisgeld versehen wäre. Und dieses Preisgeld kann sich mit jeweils 30.000 Euro Förderung pro Projekt für ein Jahr sehen lassen. Das ist im Kontext der freien Szene eine ganz ordentliche Summe, mit der man durchaus  auch etwas bewerkstelligen kann. Zumindest dann, wenn man, so wie wir das hier im Kulturprekariat gelernt haben und gewohnt sind, hocheffizient und kostenbewusst arbeitet.
Begleitet wird das Jurierungsverfahren durch eine Publikation die zur Preisverleihung am 18. September erscheinen wird.

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Daheim oder Unterwegs – Podiumsdiskussion im Onomato

Daheim oder Unterwegs

Stipendien, Preise, Zuschüsse
Möglichkeiten der Projekt- und Künstlerförderung

Podiumsdiskussion über die Möglichkeiten der Projekt- und Künstlerförderung in Nordrhein-Westfalen und der Region Düsseldorf

Starthilfe? Anerkennung? Motivation? Erweiterung des Horizontes? Leben & Überleben? Mitwirkung am kulturellen Leben & Geschehen in der Stadt? Stärkung der Kunstszene?

Die öffentliche und private Förderung in der bildenden Kunst kann unterschiedliche Formen haben. Ob im Rahmen allgemeiner Bezuschussung, eines Preises oder eines Stipendiums: Eine Unterstützung der Länder, Kommunen und Stiftungen kann Künstlerinnen und Künstlern helfen ihren Weg zu gehen.

Doch kommt die Förderung dort an, wo sie hin soll? Wo hilft sie konkret? Lässt sich das Ergebnis und die Wirkung von den Förderern überprüfen? Was kann an dem System und der Vergabe verbessert werden, damit eine wirkliche Hilfe zustande kommt? Was ist bei der Bewerbung und Antragstellung zu beachten und wer kann dabei helfen? Und lässt sich die Art der Unterstützung überhaupt noch mit dem heutigen Alltag bildender Künstlerinnen und Künstler vereinbaren?

Die Podiumsdiskussion Daheim oder Unterwegs wird anhand konkreter Beispiele aufzeigen, welche Fördermöglichkeiten es zurzeit in NRW und Düsseldorf für die bildende Kunst gibt und welche konkreten Erfahrungen Akteure im Kunstbereich auf ihrem bisherigen Weg damit gemacht haben. Die Darstellung verschiedener individueller Erfahrungen und Entwicklungswege soll Hinweise auf den Zugang und die Wirkungsweise von Fördermitteln aufzeigen und neue Tendenzen und Perspektiven darstellen und eröffnen.

Zu den Teilnehmern der Podiumsdiskussionen gehören Künstlerinnen und Künstler verschiedener Ausrichtung, Kunstvermittler und -vermittlerinnen und Vertreterinnen der Kulturabteilung des Ministeriums und des Kulturamtes der Stadt Düsseldorf.

Donnerstag, 25. April 2013, 17 Uhr
onomato künstlerverein
Birkenstrasse 97, 40233 Düsseldorf-Flingern

Podiumsteilnehmer:
Marianne Schirge (Kulturamtsleiterin, Kulturamt Düsseldorf)
Dr. Ingrid Stoppa-Sehlbach (Referatsleitung Museen, Kunst und Film, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW)
Uschi Huber (Künstlerin / Mitherausgeberin des Fotomagazins Ohio)
Gereon Krebber (Künstler, Professor für Bildhauerei, Kunstakademie Düsseldorf)
Florian Kuhlmann (Künstler / Kurator / Blogger)
Markus Ambach (Künstler / Projektautor)

Moderation:
Friederike van Duiven (Künstlerin, Kuratorin und Vorsitzende des BBK Landesverbandes NRW)

Veranstalter: Kulturwerk des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Landesverband NRW e.V.
Stapelhaus / Frankenwerft 35, 50667 Köln, www.bbk-landesverband-nrw.de

Western Typologies und Facebook Soldiers – zwei Projekte über private Bilder öffentlicher Kriege aus den globalen Netzwerken

Der Düsseldorfer Gestalter und Künstler Thomas Artur Spallek ist ein umtriebiger Zeitgenosse. Gemeinsam mit den Moxies zeichnet er sich unter anderem für die Gestaltung der Plakatkampagnen der Tonhalle Düsseldorf mitverantwortlich. Darüber hinaus betreibt er gemeinsam mit Albert Naasner, George Popov den eigenen Independent Verlag TFGC Publishing mit dem wir widerum gerade das Books&Blankets-Projekt planen und umsetzen. Und als wäre all das noch nicht genug, studiert er auch noch Kommunikationsdesign an der FH-Düsseldorf, weilt aktuell allerdings für ein Auslandssemester in Portugal.

Neben all diesen Arbeiten, als Verleger, Organisator und Gestalter im Auftrag der Anderen geht Thomas Spallek zusätzlich noch eigenen künstlerischen Projekten nach. Über zwei dieser Projekte habe ich mich mit Ihm unterhalten. Thomas war darüber hinaus so freundlich, das besprochene Bild- und Textmaterial als Video aufzubereiten. Mit diesem kurzen Video steigen wir in die beiden Projekte und das Gespräch ein.

Im Gespräch mit Thomas Artur Spallek

Perisphere:
Thomas, erklär doch bitte noch mal kurz worum es in Western Typologies und dem Vorgängerprojekt Facebook Soldiers geht.

Thomas Artur Spallek:
Es geht vor allem um Menschen und Ihre Verbindung durch das Internet. Es geht aber in beiden Serien auch um Menschen die für etwas kämpfen.
Das Internet hat es mir erst möglich gemacht in Bildern anderer Leuten zu suchen. Gäbe es das nicht, würde ich wahrscheinlich meine Bilder in alten Fotoalben auf dem Flohmark suchen. Das spannende ist wie nah das Internet zwei unterschiedliche Menschen bringen kann. Dieses Idee versuche ich in meinen freien Arbeiten weiter auszureizen.

Facebook soldiers, 2012

Facebook soldiers, 2012

Facebook soldiers, 2012

Facebook soldiers, 2012


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Sven Blatt im Interview mit Anthony Cragg

Tony Cragg Declination

Das Interview mit Anthony Cragg ist schon etwas länger online und ich wollte schon die ganze Zeit einmal darauf hingewiesen haben. Aber zwischen den Jahren machte sich so eine überaus angenehme Faulheit und Antriebslosigkeit breit. Der Kollege Sven Blatt von kunstdüsseldorf wird es uns nach sehen, immerhin zum Lesen hat es gereicht.

Nach einem etwas holprigen Anfang nimmt das Gespräch gut Fahrt auf und was Cragg über künstlerischen Erfolg zu sagen hat ist nicht nur sympathisch sondern auch vernünftig. Darüber, dass sich eine solche Haltungen natürlich sehr viel einfacher einnehmen lässt wenn sich der künstlerische Erfolg bereits auf allen Fronten eingestellt hat liesse sich eventuell diskutieren. Wir sparen und das, weil wir auch renommierten Künstler das Recht zu gestehen etwas kluges zu sagen. Und am Besten lest Ihr sowieso einfach selbst.

Zum Interview mit Prof. Anthony Cragg, Rektor der Kunstakademie Düsseldorf und international
renommierter Bildhauer.

PS: Frohes neues Jahr und alles gute für 2013! Lasst es Euch gut gehen.

 

Bild: von Bengt Oberger (Eigenes Werk)
[CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)],
via Wikimedia Commons

Baustelle Schaustelle in Essen – Ein Gespräch mit Brigitte Krieger

Fotos: Stefanie Pluta

 

Emmanuel Mir: In der Regel werden Off-Räume oder Projekträume von Künstlern gegründet, seltener auch von Kunsthistorikern. Nun gehörst Du weder zu der einen noch zur anderen Kategorie. Was hat Dich bewegt, die „Baustelle Schaustelle“ zu gründen?

Brigitte Krieger: Vor der Baustelle Schaustelle hatte ich schon ca. 5 Jahre lang Ausstellungen im Amtsgericht Langenfeld kuratiert – ein in mehrerer Hinsicht sensibler Ort. Der Off-Raum in Essen ist entstanden, weil mir einerseits den Raum zur Verfügung stand und ich andererseits über eine lange Liste von interessierten KünstlerInnen verfügte, die ich gerne zeigen wollte. So kam es zur Eröffnung in 2007. Es waren die Jahre, in denen viele Kunstsammler ihre eigenen Museen aufbauten. Da hätte es auch genug Raum in der Brigittastraße gegeben. Das war mir aber nicht spannend genug. Die Bestände der Sammlung Krieger waren alle schon lange angesehen und mein Bedarf nach ihnen nicht vorhanden. Dann doch lieber Förderung junger KünstlerInnen mit immer wieder neuem Input für mich und andere.

Du besitzt also auch noch eine Sammlung?

Die “Sammlung” Krieger haben mein Mann und ich ab den 80er Jahren zu unserem Vergnügen erworben. Wir haben nie aus kommerziell technischen Gründen eine Arbeit gekauft, sondern nur, was uns zum jeweiligen Zeitpunkt interessiert hat und für eine junge Familie erschwinglich war! Es hat sich eine ziemlich große Menge an Arbeiten angesammelt, viele Fotoarbeiten dabei, auch Malerei, Zeichnung u.a.m.. Skulptur und Installation ist weniger möglich, das Haus bietet kaum Gelegenheit dazu. Die größten Arbeiten, die uns gehören, sind an die Kanzlei ausgeliehen, in der mein Mann Seniorpartner ist. Die anderen sind auf Lager. Nur wenige befinden sich bei mir im Haus oder in der Wohnung meines Mannes.

 

Zu Deiner Person: Welche Hintergründe hast Du? Wie bist Du auf die Kunst gekommen?

Mein Kunstinteresse geht auf die Förderung meines Vaters zurück, der mich schon als kleines Mädchen sonntäglich mit ins Folkwang-Museum und andere Ausstellungen nahm – übrigens auch mit in Theater, Oper und Konzerte. Viele Museen im Ruhrgebiet kenne ich von daher schon lange. Bei mir hat es immer Kunst an Wänden gegeben – ich arbeite u.a. auch an Konzepten von  Beleuchtung bildender Kunst, an Lichtkonzepten überhaupt, genauso wie an Interior- und Exteriordesign.

Welche Struktur hat die Baustelle? Wie sind die Aufgaben in Deinem Team verteilt?

Wir haben uns die Arbeitsbereiche je nach zeitlichen Möglichkeiten und Interessen aufgeteilt. Stefanie und Susanne, die seit fünf Jahren im Team sind, haben meist die direkten Künstlerkontakte, Alex bearbeitet die Büroangelegenheiten und Eckhard betreut die Website. Und jeder springt bei jedem ein, alle teilen sich die Aufgaben beim Fotografieren der Ausstellungen, alle reden bei den Ausstellungs- und Kunstpreiskonzepten mit. Wir arbeiten nach einem Konsensprinzip. Und ich? Mache das Networking, bringe Nachrichten über interessante KünstlerInnen von außen in die Runde und sage auch schon mal nein! Und natürlich muss ich den Finanzrahmen betreuen. Seit März sind wir ein gemeinnütziger Verein mit neuen Möglichkeiten, aber auch vielen neuen Anforderungen.

 

Habt ihr eine konzeptuelle Linie? Werden bestimmte Medien oder Themen bevorzugt? Und: Wo kommen die Künstler her, die Du ausstellst?

Nein, wir haben uns keine Konzeptlinie gegeben und wir bevorzugen auch keine Medien oder Themen. Themenausstellungen gab es zu den drei bisherigen Kunstpreisen, sonst nie. Es zeigt sich allerdings, dass Installationen unter Einbeziehung des Raums weit überwiegen. Bisher mussten wir aus Sicherheitsgründen leider technische Medien in der Dauerausstellung auslassen (da werden wir aber umstellen).

Unsere Künstler bewerben sich bei uns oder werden von mir  / uns eingeladen. Sie kommen aus Düsseldorf, Essen, Münster, Berlin, Braunschweig, Karlsruhe, Köln, Frankfurt, Hamburg, aus den Niederlanden, Italien, Dänemark, eigentlich aus ganz Europa. Einige kommen sogar aus Lateinamerika oder aus Israel…

Luca Vanello

Warum? Befürchtest Du, dass eingebrochen wird?

Wir haben bisher technische Medien nur einbezogen, wenn sie durch die Künstler nach der Eröffnung wieder abgebaut und gesichert werden konnten.
Einige haben dann ein Substitut an die Stelle gebracht (Tine Bay Lührsen, die den Beamer zur Projektion ihres Besens – Teil der Installation –  wieder abgebaute und an Stelle dessen einen realen Besen an die Wand lehnte. Wir konnten und können keine Verantwortung für Arbeiten und Geräte übernehmen. Und Leute, die auch für einen kleinen Ertrag die Scheibe einschlagen, gibt es immer mal.

Wir werden in 2013 den Kunstpreis für Videoarbeiten ausschreiben. Die Präsentationen können dann nur ein Wochenende stattfinden und wir werden alle Technik sichern.

Aussenansicht – Erika Hock: Cool Tools

Den Kunstpreis für Video? Das klingt ja interessant…

In den vergangenen Jahren haben wir regelmäßige Preisverleihungen für Nachwuchskünstler veranstaltet. Dabei legen wir jedes Mal einen neuen thematischen Schwerpunkt. Der erste Preis 2010 bezog sich auf die Region, die Stadt und den Raum. Nicolas Pelzer, Matthias Wollgast und Rimma Arslanov
wurden Laureaten. Ein Jahr später wurden Künstlerduos, also solche, die wirklich gemeinsam arbeiten, gefordert und Adrian Davila und Carolina Pinzon, sowie  die Raumzeitpiraten mit Tobias Daemgen und Moritz Ellrich bekamen den Preis. 2012 konnten sich Künstler für den Schaufensterraum, genannt “Schaustelle”, oder den hinteren Raum, den wir durch eine Wand abgetrennt hatten und als “Baustelle” genannt haben, bewerben. Laureaten wurden diesmal Luca Vanello und Cornelia Fachinger. Und für 2013 eben ein Preis für Videokünstler.

Nathalia Stachon

Wie schätzt Du die Kunstszene in Essen ein? Wenn ich mich nicht irre, ist die Baustelle das einzige Off-Projekt der Stadt, oder? 

Die Kunstversorgung in Essen wird hauptsächlich durch das Folkwang-Museum bestimmt. Es fördert, unterstützt und fordert. Leider ist in den vergangenen Jahrzehnten einiges versäumt oder auch unnötig vernachlässigt worden. Die Szene, die ich bei meinem Umzug nach Düsseldorf im Jahr 1983 verlassen habe, war lebendig. Die, die ich 2007 wieder vorgefunden habe, konnte und kann immer noch starke Förderung brauchen. Seit einiger Zeit  kommt die Kunst wieder aus ihren Winkeln hervor, ganz langsam.

Leider hat 2010 (gemeint ist die Ernennung von Essen und dem Ruhrgebiet als Kulturhauptstadt Europas, Anm. d. Red.) für die zeitgenössische Kunst nicht den Anstoß gegeben, den das Ruhrgebiet hätte aufnehmen können. Dann gibt es immer wieder temporäre Ausstellungssituationen von Gruppen, verstreut über die ganze Stadt. Auf Zeche Carl hat sich wieder eine Gruppe zusammengefunden, die auch KünstlerInnen aus Düsseldorf u.a. einladen. Diese Gruppe war vorher direkt bei uns in der Nähe – das war klasse, weil die Eröffnungen zum gleichen Zeitpunkt stattfanden und viel Publikum zogen.

Brigitte Krieger

 
Und zum Schluss: Was steht in den kommenden Wochen für euch an ?

Wir werden im Januar eine Künstlerin vom Goldsmith College London ausstellen und direkt anfang februar im großen parallelraum zwei künstler, die mit digitalen medien arbeiten. heisses thema, s. heuteige FAZ Sonntag. es bleibt lebendig bei uns.

Pierre Beloüin über das Abenteuer der Glassbox

Das Gespräch führte Emmanuel Mir.

Vielen Dank an Havva Erdem für die Korrektur der Übersetzung!

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Pierre Beloüin in his magnificent splendor

 

Du bist Gründungsmitglied der Glassbox in Paris, einem Projektraum, der als einer der ersten dieser Art in Frankreich galt. Kannst du auf die Geschichte des Raumes und der Gruppe zurückkommen?

Während meines Studiums an der Beaux-Arts de Paris, Mitte der 1990er, hatte ich bereits das Label Optical Sound lanciert und war auf der Suche nach Formen der Zusammenarbeit, nach möglichen Synergien. Alles hat mit einem Treffen mit Sandie Tourle, Frédéric Beaumes und Gemma Shedden angefangen. Sie haben mich gefragt, ob ich mich nicht zu ihnen gesellen wollte um, unter anderem, Webmaster der Galerie-Homepage zu werden – damals stand das Web ja noch in den Kinderschuhen. Das sollte also meine Spezialität werden, aber, wie alle anderen Gründungsmitglieder der Gruppe (es waren übrigens alle Künstler), war ich vielseitig beschäftigt. Neben den eben genannten Menschen, gehören übrigens auch Laurence Delaquis, Stefan Nikolaev und Jan Kopp zu den Gründungsmitgliedern der Glassbox.

Gemma, eine Engländerin,  war damals die Lebensgefährtin von Stefan Nikolaev. Beide waren in Großbritannien schon mit dem Phänomen des artists run spaces in Berührung gekommen und sie haben praktisch das Model einer selbstverwalteten Galerie, deren Programm von Künstlern bestimmt wird, nach Paris importiert. Auf dieser Basis wurde der Verein „Smart“ gegründet und man fand bald einen modulierbaren Raum von 120qm (konzipiert vom Architekt Marc Borel) im 11. Arrondissement von Paris.

v.l.n.r.: Gemma Shedden, Pierre Beloüin, Jan Kopp, Stefan Nikolaev, Frédéric Beaumes. Bild ©Philippe Munda

 

Du meinst, dass es damals keine andere Initiative dieser Art in Paris gegeben hat? Habt ihr also den ersten artists run space der Hauptstadt gegründet?

In dieser Form waren wir in der Tat die Ersten. Man sollte natürlich die E.P.E (Etablissements Phonographiques de L’Est) auf der Strasse des Chemin Vert erwähnen, oder auch Circuit Court, aber diese Projekte waren in erster Linie auf Musik und Film konzentriert. Die Usine Éphèmere oder die Frigos waren auch aktiv, aber es handelte sich da eher um Künstlerateliers als um reine Showrooms. 1997, nach der Gründung von Glassbox, sind weitere Projekte entstanden, wie Console, Lap’s, Place des fêtes, Immanence, 2 Pièces cuisine, Accès Local, Infozone, Eof, PPR, etc…

 

Wie erklärst du dir die Tatsache, dass diese Art von Initiative sich erst so spät in Paris entwickelt hat?

Vielleicht liegt es daran, dass die jungen Künstler und andere kulturelle Akteure, die zu diesem Zeitpunkt in der Hauptstadt arbeiteten, eine  Art „Was soll’s“-Haltung pflegten. Es gab jedenfalls eine lasche Einstellung der Künstlerschaft, meilenweit von der punkigen Idee eines „Do it yourself“ entfernt – einer Idee, die wir wiederum auf die zeitgenössische Kunst übertragen wollten. Nachdem die autonomen Squats (damit sind wilde Ateliers gemeint, die in verlassenen Industriestandorten errichtet werden) von der Stadt Paris nicht mehr geduldet und in den späten 80ern aufgelöst wurden, gestaltete sich die Gründung von nicht-offiziellen Initiativen schwierig. Das hat Einige sicherlich demotiviert.

 

 

Wie sah der Raum aus?

Es war ein Lokal von 120qm und wir bespielten das Untergeschoss des Hauses. Es gab auch einen Garten und große Fenster, durch die wir auf den Projektnamen gekommen sind.

 

Was war eigentlich eure Motivation ?
Die französische Kunstszene orientierte sich hauptsächlich an Galerien und Institutionen. Wir wollten da einen autonomen Impuls generieren. Mit dem in Frankreich völlig unbekannten Modell der artists run spaces als Inspiration, wollten wir eine dynamische und vielseitige Kreation unterstützen.

 

Wie wichtig war der Aspekt der Selbstvermarktung für euch?  Wie man es an den heutigen Off-Spaces unschwer feststellen kann, gehört die Gründung und das Betreiben eines künstlerischen Projektraumes zu einer beliebten Strategie, um das persönliche Netzwerk zu pflegen und zu erweitern, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erreichen und sich im lokalen künstlerischen Feld zu behaupten. Haben solchen Gedanken damals eine Rolle gespielt?

Unbedingt! Das war auch eine unserer Motivationen. Aber uns ging es vor allem darum, einen Erfahrungsschatz aufzubauen, Verwaltungsaufgaben zu bewältigen, zu lernen, die Organisation einer Ausstellung zu beherrschen, Künstler zu treffen, etc. Dies sind Dinge, mit denen man sich in einer Kunsthochschule nicht konfrontiert.

Damals war diese Form der Arbeit allerdings nicht unproblematisch, denn die von uns vorgenommene Öffnung und Interdisziplinarität war nicht besonders geschätzt. Es war zum Beispiel leicht anrüchig, gleichzeitig Künstler und Kurator zu sein, während es später eher akzeptiert wurde, Kritiker und Kurator zu sein.

 

Wie waren die Reaktionen des Publikums und der Künstlerschaft unmittelbar nach eurer Gründung?

Wir hatten das vielfältigste Publikum, das man sich vorstellen kann. Galeristen, Institutionsvertreter, Kritiker, Künstler und Nachbarn waren da. Von Anfang an haben wir eine sehr gute Resonanz bekommen. Das mag an dem guten Programm, an der Qualität der Werke und der Präsentation gelegen haben und auch an dem innovativen Konzept der Glassbox oder der professionellen Kommunikationsarbeit, die wir da geleistet haben. Sicherlich hat auch das Sponsoring von Ricard ein Übriges getan!

Ich erinnere mich, dass die Qualität unserer Ausstellungen, aber auch die Relevanz unserer Partner und unsere Presseresonanz beneidet wurden. Dabei haben wir alles mit bescheidenen finanziellen Mitteln realisiert. Ausschlaggebend war unsere Kompromisslosigkeit und die Tatsache, dass wir eine geschlossene Teamarbeit geleistet haben und dass jeder in seinem Bereich brillierte. Es war eine sehr intensive Zeit.

War der direkt-urbane Kontext der Glassbox besonders wichtig für euch? Habt ihr euch nur aus ökonomischen Gründen im 11. Arrondissement angesiedelt?

In der Tat war der Ort um Oberkampf herum, der damals generalüberholt wurde, ziemlich wichtig. Vor allem mit der Eröffnung des Café Charbon, das schnell als einer unserer Partner fungieren sollte, wurde das Viertel Bastille entlastet. Die typische Kundschaft der Bastille, die, wie du weißt, aus einer Mischung aus  populärer und trendig-kreativer Bevölkerung besteht und für eine besonders stimulierende Atmosphäre sorgt, sollte ins 11. Arrondissement gelockt werden. Jedenfalls stand die Straße, in die wir gezogen waren, gerade in einem größeren Wandlungsprozess. Es wurde da viel gebaut, aber viele Geschäfte oder Hotels standen noch leer. Und abgesehen von der Tatsache, dass unsere Miete sehr moderat war, wollten wir einerseits am Stadtteilleben teilhaben und andererseits zeitgenössische Kunst zugänglicher machen.

 

Wie habt ihr euch finanziert ?

Wir erhielten eine Förderung der Stadt, der DRAC Ile-de-France (Kulturbehörde auf regionaler Ebene) und der Caisse des dépôts et consignation (staatliches Finanzinstitut), sowie privater Sponsoren wie dem Café Charbon, dem Café Mercerie, La Mère Lachaise oder dem Espace Paul Ricard – eine Seltenheit zu diesem Zeitpunkt.

 

Habt ihr eine besondere konzeptuelle Linie gefolgt ? Wie wurde das Ausstellungsprogramm bestimmt?

Glassbox zeigte französische und ausländische Künstler, stellte die Arbeiten fremder Künstler sowie der eigenen Betreiber aus und vertrat sowohl die Sparte der Bildenden Kunst als auch die des Designs, der Architektur und der Musik. Es wurde vor allem an einer Öffnung der Disziplinen, der Kulturen – und der Orte – gearbeitet. Wir haben immer wieder neue Vernetzungen mit verwandten Strukturen gesucht (wie Attitude, In Vitro, Field, Kaskadenkondensator, büro, light cone, icono etc…) oder fremde Kuratoren eingeladen (hier könnte man Cécile Bourne oder Robert Fleck nennen). Auch die Interaktion mit dem Publikum oder externe Interventionen waren uns wichtig.

Unsere erste Programmausstellung fand am 4. Oktober 1997 statt und hieß “Ne me quitte pas”. Neben der Liebesthematik, die ich für meine Installation absichtlich wörtlich genommen hatte, ging es da um die kulturelle Entwurzelung der Raumbetreiber.

 

Du hast vorhin behauptet, dass bei der Gründung von Glassbox die französische Kunstszene eher kommerziell oder institutionell ausgerichtet war. Hast du, 15 Jahre später, das Gefühl, dass sich etwas verändert hat und dass autonome Präsentationsmodi an Gewicht gewonnen haben ?

Die semi-autonomen Ausstellungsstrukturen haben sich auf jeden Fall vermehrt, und dies in der Provinz noch stärker als in Paris selbst – vielleicht, wie damals schon, aufgrund der hohen Mietpreise in der Hauptstadt. Die Förderungsmodi haben sich jedoch wenig verändert und sind nach wie vor beschränkt…

Wenn man die heutige Pariser Projekträume betrachtet, merkt man, dass sie nicht mehr so lange bestehen bleiben wie damals und dass ihre Laufzeit sehr von der freiwilligen Energie abhängt, die jeder im kollektiven Projekt zur Verfügung stellt. Soviel ich weiß, haben sich viele Akteure der Szene irgendwann dazu entschieden, mehr für ihre eigene Arbeit zu tun oder irgendwelchen bezahlten kuratorischen Tätigkeiten nachzugehen.

Um deine Frage zu beantworten, kann man sagen, dass sich nichts verändert hat. Bis auf die Tatsache, dass die Zahl an echten selbstorganisierten Strukturen abnimmt, während institutionelle oder institutionalisierte Strukturen, die einen Off-Modus aufweisen aber dessen Kuratoren und Leiter sich von der öffentlichen Hand bezahlen lassen und institutionsabhängig sind (deshalb nenne ich sie „semi-autonomen“), gedeihen.

Wie, wann und warum ging das Glassbox-Abenteuer zu Ende ?

Mein Beitrag zum Projekt hörte 1999 auf, als ich mein Diplom der Beaux-Arts absolvierte und mehr Zeit für die eigene Arbeit benötigte. Ich hatte bereits vieles ins Glassbox-Unternehmen investiert. Zudem gab es Streitereien im Team wegen einer Frau (meiner damaligen Freundin, wohlgemerkt, die mich für ein Vereinsmitglied verließ…) und ich dachte mir, dass es eine günstige Zeit wäre, meine symbiotische Beziehung zum Projekt abzuschließen. Danach wechselte das Team regelmäßig; neue Persönlichkeiten wie Dominique Blais oder Julien Fronsacq kamen hinzu. 2006 musste Glassbox die Räumlichkeiten in der rue d’Oberkampf verlassen, blieb lange raumlos und hat sich wohl vor kurzem in der rue Moret eingenistet. Viele der damaligen Gründungsmitglieder sind übrigens  aus der Kunstproduktion oder –vermittlung ausgestiegen.

Im Gespräch mit Bülent Gündüz vom 360 Grad Blog

Auch wenn es manchmal den Anschein hat, Kunst und neue Medien finden im deutschsprachigen Raum derzeit nicht nur in Berlin statt. Obwohl die Konzentration von Blogs, Plattformen, Communities und anderen Onlineprojekten mit Kunst und Kulturbezug dort derzeit wohl unbestritten am höchsten ist. Aber – und das ist der Punkt – auch an anderer Stelle entwickeln sich innovative Projekte mit Pioniergeist und dem Anspruch neue Wege zu gehen. Die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn und das beschauliche Friedrichsthal sind solche Orte, denn dort entstehen die Ideen für den 360-grad-blog.de des Journalisten, Kunstkritikers, Beraters, Kurators und Bloggers Bülent Gündüz.

Und weil man das Rad nicht immer wieder neu Erfinden muss, und das Kopieren und Zitieren eine uralte Kulturtechnik ist die im Netz zu ungeahnter Blüte reift, greife ich an dieser Stelle kurzerhand auf Wikipedia zurück um den Mann kurz vorzustellen.

Gündüz ist der Sohn eines Türken und einer Deutschen. Er wurde in Saarbrücken geboren und wuchs in Friedrichsthal (Saar) auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums und der Ableistung des Zivildiensts studierte er Rechtswissenschaften. Nach Abschluss des Studiums begann Gündüz als freier Journalist für Zeitungen. Gündüz volontierte beim Kunstmagazin Artsjournal, war dort Redakteur und Ressortleiter und ist seit einigen Jahren freiberuflich für Magazine und Tageszeitungen tätig. Gündüz gilt als Experte für die Kunst des 20. Jahrhunderts, insbesondere für den Abstrakten Expressionismus. Seit 2009 ist Gündüz auch als freier Kurator und Ausstellungsberater tätig.

Hinzuzufügen wäre noch, dass der von ihm geführte 360-Grad-Blog seit 2006 existiert, damit zu den ältesten deutschsprachigen Kunstblogs gehört und der Autor selber, da 1971 geboren, noch ein Paar Jahre mehr auf dem Buckel hat. Aktuell arbeitet Bülent Gündüz an seinem ersten Buch, einer Biografie über den Maler Jackson Pollock.
Wir freuen und bedanken uns dafür, dass er sich dennoch die Zeit genommen hat die Fragen so ausführlich zu beantworten.


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Im Gespräch mit Anna-Lena Werner von artfridge

Die in Berlin lebende Anna-Lena Werner ist die zweite Gesprächspartnerin in unserer Interviewreihe mit deutschen Kunstbloggern, und bildet auch direkt eine Ausnahme. Denn der von ihr, mit Unterstützung von Amy Sherlock, geführte Blog Artfridge ist zwar stark in Berlin verortert, publiziert aber überwiegend in englischer Sprache. Der Themenschwerpunkt der Berichterstattung liegt auf dem Rheinland, Berlin und London.
Die Entscheidung für den internationalen Auftritt ist allerdings nicht nur strategisch bedingt, sondern hat durchaus persönliche historische Gründe. Anna-Lena hat selber lange Zeit in London gelebt und gearbeitet. Eine ihrer Redakteurinnen, Amy Sherlock ist nach wie vor dort. Ursprünglich stammt die leidenschaftliche Bloggerin aber aus Köln, also ganz aus unserer Nähe. Dem Rheinland ist sie dadurch immer noch verbunden und hat deshalb die Kunstszene hier nach wie vor gut im Blick.

Im Frühjahr diesen Jahres wechselte Sie aus der Rolle der Beschreibenden in die Rolle der Organistorin und Kuratorin, unter dem Titel “Untitled (Absence)” realisierte sie bei Savvy Contemporary eine Ausstellung mit Lela Ahmadzai aus Afghanistan und dem gebürtigen Dänen Lars Bjerre. Trotz ihrer Aktivitäten und Projekte hatte Sie freundlicherweise Zeit uns ein paar Fragen zu beantworten.

Anna-Lena Werner | artfridge.de

FK: Welche Ausstellung war für Dich besonders wichtig und warum?

ALW: Im Frühling 2005 habe ich im Hamburger Bahnhof in Berlin die Präsentation von Friedrich Christian Flicks Sammlung gesehen. Das war so mit das erste Mal, dass ich so viele gute zeitgenössische Kunstwerke geballt in einem Museum betrachten konnte. Ich war völlig fasziniert von Paul McCarthys Videoinstallation ‘Saloon Theatre’. Seine Arbeiten haben mich noch Jahre später beschäftigt – ich habe auch viel über ihn geschrieben. Für mich war diese Ausstellung wie eine Tür zur Kunstwelt, die sich ganz plötzlich öffnete. Alle hingen sie da: Cindy Shermans Fotografien, Bruce Naumans Installationen, Arbeiten von Nam June Paik, Peter Fischl und David Weiss, Martin Kippenberger, Pipilotti Rist und vielen anderen. Seitdem ist der Hamburger Bahnhof mein Lieblingsmuseum – die Räume dort haben eine ganz eigene Mystik.
Auch fasziniert hat mich “The Killing Machine and Other Stories” im MACBA in Barcelona. Das war 2007. Diese Sonderausstellung von dem Sound-Installations-Künstler-Duo Janet Cardiff und George Bures Miller war so schockierend wie radikal. Man versinkt in eine völlig abstrus-anti-utopische Welt. Ohne tatsächliche Gewalt zu zeigen, ruft die durchchoreografierte Installation “The Killing Machine” die tiefsten Ängste und Phobien hervor. Alle Sinne sind für diese Zeit vollständig auf das Werk konzentriert.
Mit der Bewertung von wichtigen und unwichtigen Schauen halte ich es also wirklich simpel: Wenn ich mich nach Jahren noch so scharf an Ausstellungen erinnern kann, wie an diese beiden, dann haben sie zumindest einen großen Eindruck hinterlassen.


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Im Gespräch mit Matthias Planitzer vom Kunstblog Castor und Pollux

Das nachfolgende Gespräch bildet den Auftakt einer neuen Reihe bei perisphere, in welcher wir in loser Abfolge die Kunstbloggerszene im deutschsprachigen Raum beleuchten werden. Den Anfang machen wir mit einem Interview mit dem Berliner Matthias Planitzer vom Castor & Pollux-Blog.

Matthias startete mit seinem Projekt im Januar 2009 und gehört damit nicht mehr ganz zu den Pionieren, aber mittlerweile immerhin doch zu den fest Etablierten unter den deutschsprachigen Kunstblogs, sein Schwerpunkt liegt von Beginn an auf dem Kunstgeschehen in der Hauptstadt Berlin. Mitte diesen Monats wurde die kontinuierliche Arbeit offiziell gewürdigt, Castor & Pollux wurde in Hamburg mit einem Lead-Award ausgezeichnet. Die Auszeichung wird übrigens heute Abend in Berlin in der Kim Bar gefeiert.

Matthias Planitzer ist vielseitig interessiert und äußerst umtriebig. Er studiert Medizin, ein Studium welches laut eigener Aussage mit kurzen Lücken von Kleinauf sein Berufs- und späterer Studienwunsch war, gründete aber parallel dazu gemeinsam mit Sol­veig Maria Ebbing­haus die Kommunikationsberatungsagentur Ebbing­haus Pla­nit­zer — Art Con­sul­tancy. Zusätzlich zu den Texten und Rezensionen in seinem eigenen Blog schreibt er einmal im Monat für das Kunst-Magazin und unterhält noch ein eher experimentelles Online-Projekt unter dem Titel Ganymed, in dem es ihn um die Verbindung von bildender Kunst und Literatur geht.

Matthias Planitzer | Castor & Pollux


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Katrin Herzner zeltet in Berlin in der Abteilung für alles Andere

1200 km Luftlinie ist Katrin Herzner für ihr Kunstwerk OST mindestens gewandert. Sie versucht so gerade wie möglich zu laufen – per Kompass nach Osten – um zu sehen, was passiert und herauszufinden, wie weit man kommt. Begonnen hat sie die erste Etappe in Freiburg im Breisgau im Herbst 2010. Vor wenigen Wochen endete die fünfte Etappe in den ukrainischen Karpaten. Die Fortsetzung folgt in Teil VI voraussichtlich im Herbst 2012.
Während den Wanderungen lässt sich das Geschehen jeweils ausschließlich per Audio-Live-Übertragung per Telefon mit verfolgen.

In diesem Sommer sucht Katrin Herzner unterdessen Plätze zum Zelten im Innen- oder Außenraum, in Deutschland und seinen Nachbarländern. Sie zahlt dafür mit einer Arbeitsstunde pro Tag für Tätigkeiten aller Art. Vom 11. bis zum 19. Juni hat, oder vielmehr hatte, Katrin Herzer ihr Zelt in der Abteilung für Alles Andere aufgebaut.

Abteilung für alles Andere, Berlin

Katrin Herzner zeltet in der Abteilung für alles Andere in Berlin

Katrin Herzner schreibt dazu „Ich zelte diesen Sommer, weil es mir momentan widerstrebt, einen Mietvertrag abzuschließen. Zu sehen gibt es in der Abteilung also mein Lager, neue Videos und mich selbst.
Die POSTOST-MONOLOGE,
(ein Programmpunkt der Aktion – Anm. d. Red. ) beschäftigen sich größtenteils mit unterschiedlichen Aspekten von OST – der Wanderung zum Live-Hörbuch von Katrin Herzner. Hier erkläre ich alles, wonach ich üblicher Weise nicht gefragt werde.“

Zelten in Berlin | Abteilung für alles Andere

Zelten in Bremen

Zelten in Aachen

Wir haben Katrin einen Minifragenkatalog geschickt, den sie uns freundlicherweise beantwortet hat.

FK: Welches war das größte und schwierigste Hinderniss welches du auf Deiner Wanderung 1200km überwunden hast?

KH: Es sind 1200 km luftlinie – gelaufen bin ich vermutlich an die 2000 km, weil ich nicht fliegen kann. Dann … Groß und Schwierig sind zwei paar Schuhe. Der höchste Punkt war gerade erst in den Karpaten: ca. 1420 Meter. Das schwierigste bin ich selber und ich bin immer da.

FK: Dir wiederstrebt es einen Mietvrtrag abzu schliessen. Als moderner Mensch ist man auf vielfältige Weise vertraglich gebunden. Wie hälst Du es mit anderen Verträgen, wie KV, Handy, Altersvorsorge?

KH: Ich finde Verträge gut, weil deswegen alles schriftlich geklärt ist. Man sollte bei Bedarf halt prüfen, was man da unterschreibt. Macht im besten Fall Sinn für beide Seiten. Ich will halt nur keinen Mietvertrag unterschreiben. Denn das bedeutet, Miete zu zahlen und diesen Klotz von Zimmer oder Wohnung am Bein zu haben, der die Bewegungsfreiheit einschränkt. Aber man kann sich ja glücklicher Weise aussuchen, ob man einen Vertrag unterschreibt oder nicht.

FK: Was hälst du vom Konzept des Grundbesitz?

KH: Grundbesitz ist Eigentum von Landflächen? Er legt sich wie ein Bild über den Planeten Erde und verändert die Oberfläche – manchmal sehr großflächig, manchmal ganz klein parzelliert. Das ist ganz interessant, da quer durch zu gehen – sich manchmal durch zu mogeln und manchmal aus Respekt oder Schüchternheit einen Bogen zu machen. Ich würde gerne auch Land besitzen. Ich denke allerdings, wenn jemand kommt und eine Linie darüber gehen will, würde ich ihn auf jeden Fall lassen und einen Kaffee kochen.

FK: Cowboy oder Indianer?

KH: Einzelbison.

FK: Das Zelt ist im Rahmen der Occupy-Aktionen zum Symbol einer globalen Protestbewegung geworden, hat das für Dich Bedeutung?

KH: Nein. Für mich ist es mein Haus, und ich kann ganz so mit 1,4 kg meinen Raum erzeugen. Ich frage immer, ob ich an einem Ort zelten darf und bin kein Besetzer. Zelte sind auch Flüchtlingslager, Notlazarette, Rock am Ring, Nomadenhäuser und vieles mehr – das zweite nach der Höhle, schätze ich. Occupy natürlich auch, klar – aber im Verhältnis zum Zelt an sich ist das meiner Meinung nach nur ein kurzer Moment.

FK: Beim aktuellen Projekte tauschst Du Dich eine Arbeitsstunde gegen die Möglichkeit Dein Zelt aufzuschlagen. Warum der Rückgriff auf den Tauschhandel?

KH: Weil ich gerade nicht viel Geld habe und trotzdem nicht schmarotzen will. Das sind auch schöne Jobs … Ich mache da Sachen, die schon lange mal hätten erledigt werden sollen.

FISIMATENT – Katrin Herzner zeltet in der Abteilung für Alles Andere
Ausstellung vom 11. – 19. Juni 2012
Ackerstraße 18, Berlin Mitte
http://www.a-a-a.cc/

http://www.katrin-herzner.de

 

Der MetaAether im Abruch und Demontage

von Florian Kuhlmann (Düsseldorf)

Das Internet ist eine große Schmuddelkiste; es ist Spielplatz für Spanner, Exhibitionisten und Überwachungsfetischsten. In der Show MetaAether werden die zugehörigen Bilder und Geschichten zum Material für die Kunst.
Lukas Breitkreutz, Götz Gramlich und Max Hathaway haben im April bei Abruch und Demontage für eine Woche besagten MetaAether inszeniert. Ich habe mit Götz Gramlich (gggr) per SkypeChat ein Speed-Interview gemacht und mich mit ihm über das Projekt unterhalten.

Im Internet werden wir zu Spannern, zu Zaungästen der Fremden und ihrem fremden Treiben. Im Sitzen vor der heimischen Kiste bleibt alles gemütlich fern – wie aus der Vogelperspektive sehen wir hinab in den Daten-Aether, aus der fernen Sicherheit unserer Home-Cockpits.

fk: Wer oder was ist MetaAether?
gggr: Der aether ist für uns synonym vom netz, von der information die um uns fleucht. meta heisst nicht nur ueber sondern auch mitten insofern ist metaaether, ein bestandsaufnahme des istzustandes des netzes allerdings leuchten wir nur eine sehr kleine, dunkle ecke aus, zumindest im roten part.

fk: Die Show bestand aus drei Arbeiten. Dem Wühltisch, dem Wandfresko und den Leuchtkästen. Richtig?
gggr: … und dem Diaraum.
fk: war das der raum hinter dem wandbild?
gggr: nein, ein extraraum-mit einem alten carousel diaprojektor.
fk: Dann beginnen wir doch einfach mit dem Krabbeltisch, was lag auf da drauf, was gab es da zu wühlen?
gggr: wir haben ueber 1000 bilder aus dem netz geerntet und diese auf fotopapier ausbelichtet. die wurden nummeriert. etikettiert und kamen in den krabbeltisch.
fk: die leute konnten sich die bilder mitnehmen?
gggr: das war so gedacht, ja. wir wollten die anonymen fremden aus dem netz reissen und auf reise gehen lassen.

fk: Ihr arbeitet viel mit recht intimen Bilder von Leuten. Wo habt ihr die Bilder eigentlich her?
gggr: Das ist das kernthema vom metaaether red. der öffentliche zugang zu den intimsten privatsphären. die bilder sind alle von seiten, die öffentlich (ohne einloggen etc) zugänglich sind.
fk: Kannst du ein paar webseiten nennen?
gggr: Zum beispiel submityourex, guesshermuff und wie sie sonst noch alle heissen. Ich denke, die meisten menschen auf all den bildern, wissen gar nicht, dass sie (im netz) öffentlich zur schau gestellt werden. vielen unterstelle ich moralisch einwandfreie absichten hinter ihren selbstschuessen und -posen. sie wollen gefallen, anderen ihre zuneigung beweisen, anziehend wirken. das sie dann später vom gehörnten ex o.ä. in den aether gespeist werden, ahnen wahrscheinlich die wenigsten vorab.

fk: Wissen die Personen auf den Bildern von dem Projekt?
gggr: Natürlich nicht. wir wissen ja nicht, wer sie sind und was sie wollen. es ist aber interessant zu beobachten, was passiert, wenn die bilder in der realität, dem aether entrissen, anrichten. z.b. wenn so ein bild mal im zugabteil liegt. oder auf einem waldweg.
fk: hast du ein beispiel für eine beobachtung?
gggr: beschämt, belustigt, abstossend. andere erzählten mir, es gab aerger mit den eigenen frauen.
fk: warum?
gggr: nun, erklär mal deiner frau, die bilder anderer frauen in deiner tasche. oder auf deinem schreibtisch.
fk: :-)
gggr: sie greifen so in unser leben ein. naja, das ist ein schöner nebeneffekt vom grabbeltisch.
gggr: letzten endes ging es aber darum: dem tisch zu widerstehen. was niemand konnte.
gggr: da kamen echte wsv-gefuehle auf. in 2 reihen gedraenge und gewuehle. senioren die sich stapelweise pix einstecken. junge maedchen die sich ueber errigierte glieder amuesieren und sie ganz schamlos mit nehmen “fuer meine freundin” hoert man.

fk: würdest du sagen der spannerblick ist im netz normaler als im alltäglich umfeld?
gggr: dachte ich immer. letzten endes ist dieses grabbeln ja nichts anderes als bilder klicken im netz.
fk: ja. das netz hat schon irgendwie was billiges, wie ein wühltisch…
gggr: ein endloser wuehltisch. wir haben einfach mal ein stueck abgeknapst und realisiert.

fk: um was gehts bei dem großen wandbild?
gggr: das wandbild ist eine doppelwand. vorne ein riesenbild mit typischer pose: bild mit digicam durch den spiegel auf sich selbst
fk: Was sieht man durch das Guckloch?
gggr: dahinter, die gleiche person. nackt. in tausendfacher ausgabe. repetiert. ins unendliche. der blick geht wohlbemerkt durch den sucher der cam.
fk: invertiert. in den kopf der frau?
gggr: nun, sobald sie den auslöser drückt, und sich selbst uploaded, schiesst sie ihr selbst in den aether, frei unendlich oft kopiert und verlinkt zu werden. eine art unsterblichkeit. fluch und segen. viele fragen.

fk: Was für Bilder sind auf den Leuchtkästen zu sehen?
gggr: Das sind jeweils bilder der gleichen person. in verschiedenen “zuständen”. brav, privat angezogen und nackt, wohllustig, offen fuer alles. fuer uns war auch das jeweilige setting des bildes interessant-in den kaesten wie im wuehltisch. oft erhascht man einen blick auf das interieur, elemente des lebens. buecher, toiletten, plfegemittel usw. und sofort faengt man an, geschichten um die menschen zu stricken. sind sie europaer? was lesen sie? was ist das in der ecke? warum ist die frau auf allen vieren vor der toilette? wir versuchen vertrauter mit ihnen zu werden, indem wir versuchen mehr ueber sie zu erfahren. aber wollen wir das?


gggr: Bei der menge der bilder ist es auch klar, das oft ungewollte, sehr kunstvolle kompositionen entstehen. auch die galt es zu entdecken. fast eine art spiel. viele details der bilder haben wir nochmal extrahiert, die gab es auf dias zu sehen.
zusammen mit kommentaren von den jeweilgen sites-zu bildern. die auch sehr viel ueber die rezipienten erzählen. diese gepaart mit den bildern und eigener prosa, waren die inhalte der dias im diaraum. mit einem gewissen abstand zueinander, was eine schoene raeumliche wirkung ergibt.

fk: ist das abbruch und demontage eine feste location in mannheim oder war das temporär?
gggr: seit längerem temporär. keine ahnung wie lange noch?

fk: Wer war jetzt beim dem Projekt eigentlich dabei? Seid ihr eine feste Gruppe oder hat sich das so zusammen gefunden?
gggr: das hat sich so ergeben. die beiden jungs, lukas breitkreutz und max hathaway sind in einer grupe aktiv: einkollektiv.de. mir haben ihre arbeiten immer sehr gut gefallen. meine ihnen wohl auch, ein dritter hat uns dann mal zusammengebracht. hat sauviel spass gemacht.

fk: Habt ihr ein nächstes Projekt in der Planung?
gggr: Wir wollen noch einen aether green und blue machen, damit sich der kreis schliesst.
fk: RGB…
gggr: green wird evtl volldigital, worauf wir bei red absichtlich verzichtet haben. aber mal schauen, erstmal durchatmen.
fk: Jetzt mal durchatmen ist nur euer gutes recht. wir sind auf jeden fall gespannt wie es weiter geht, wünschen euch alles gute und bedanken uns für das gespräch.
gggr: freu mich auf deinen beitrag, danke dir fuers interesse.

Fotos: Götz Gramlich

METAÆTHER RED
Lukas Breitkreutz, Götz Gramlich und Max Hathaway
14.04.2012 – 21.04.2012
Abbruch und Demontage
Luisenring 16 / Mannheim
http://abbruchunddemontage.wordpress.com/

Ein Facebook Interview mit Philipp Meier – 96 Jahre Dada

Das Cabaret Voltaire in Zürich ist ein legendärer Ort. Von Hugo Ball und Emmy Hennings am 5. Februar 1916, also heute vor 96 Jahren gegründet, ging von dort einer der einflussreichsten künstlerischen Impulse des 20. Jahrhunderts aus. Im Umfeld des Cabaret Voltaire entwickelte sich DADA und verbreitete sich dann rasend schnell über den Globus. New York, Paris, Berlin und Köln wurden im Zuge dieser revolutionären Entwicklung zu weiteren wichtigen Zentren dieser Idee.
“Im Wesentlichen war es eine Revolte gegen die Kunst von Seiten der Künstler selbst, die die Gesellschaft ihrer Zeit und deren Wertesystem ablehnten. (Wikipedia) “.
Für all die Leser, die die damit verbundenen Ent- und Verwicklungen noch mal kurz auffrischen möchten, bietet der verlinkte Wikipedia-Artikel einen brauchbaren Einstieg in die kurze Geschichte des DADA.

2004 besetzte die Künstlergruppe Kroesus erneut das Gebäude in der Spiegelgasse 1 in Zürich und knüpfte damit an die Geschehnisse zu Beginn des letzten Jahrhunderts an. Mittlerweile wird das Cabaret Voltaire durch die beiden Co-Direktoren Adrian Notz und Philipp Meier geführt und durch die Stadt Zürich und private Förderer unterstützt. In letzter Zeit gab es im Cabaret Voltaire mehrere Projekte und Veranstaltungen mit dem Ziel die Idee DADA weiter zu denken und sich mit der Frage zu beschäftigen was DADA heute sein könnte.
Wir haben uns mit dem Co-Direktor Philipp Meier über die vergangenen und aktuellen Projekte per Facebook-Timeline unterhalten. Das Gespräch ist so weit möglich in der Originalfassung belassen worden. Die Einschübe einiger, Ihnen eventuell unbekannter, Autoren sind Facebook-Freunde des Cabaret Voltaire, die sich so an dem Gespräch beteiligten.
Wir wünschen viel vergnügen beim Lesen.
Kurz lebe ADAD!

96 JAHRE DADA – A COFFEEBREAK OF A REVOLUTION

voina und philipp meierdie russische kunstaktivistengruppe voina und philipp meier im cabaret voltaire


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