Kunstsystem

This man loves his job (and the job loves him)

Düsseldorf based artist Johannes Bendzulla did it again, this time at www.parkhaus-duesseldorf.com.
it seems hard but in fact is easy because he is very professional and loves his job. thats the well know secret of this busy man. we all know and love this way! i guess its better to stay in toch, so please dont forget to visit the mentioned tumblr – follow him and stay connected to the success.
this is the international way! why dont you just follow?

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VEIT LOERS ZU KUNSTVEREIN KIPPENBERGER FRIDERICIANUM, KASSEL, 1993

Ich habe den Kippenberger quasi zwangsmäßig kennengelernt, denn er wollte mich kennenlernen. Ich hatte immer Angst vor dem. Und zwar Angst in dem Sinne, nicht, dass er was von mir will, sondern, dass er irgendetwas Gemeines macht. Das war aber völlig unbegründet. Zuerst, war wohl während der documenta von Jan Hoet, kam er mit dieser Idee, eine Ausstellung seiner Sammlung im Fridericianum zu machen, nur das untere Stockwerk – nachdem die documenta zu Ende sei , aber alles mit den Wänden der documenta“. Ich dachte mir schon, dass er ein Fake dessen erstellen wollte, das hätte richtig Ärger gegeben, fand aber die Idee toll. Jedoch wäre der Abbau der Wände danach wahnsinnig teuer geworden und von meinem Budget zu tragen. Also konnte man es nicht machen. Da war aber schon mal der Kontakt da und seine Arbeiten gefielen mir besser als zuvor.
Kurze Zeit darauf haben Sie mir dann einen Teil weggenommen vom Fridericianum und haben ihn dem Kunstverein gegeben – unten links. Damit war die ganze Symmetrie gestört. Ich hatte mich tierisch aufgeregt. Ich war absolut dagegen. Und in der Zeit habe ich den Kippenberger dann besser kennengelernt, da er ja auch noch einen Lehrauftrag in Kassel hatte. Ich habe mich dann entschlossen, den Flügel, der nicht in der Symmetrie war, lahmzulegen – als „Museum auf Zeit“ um Geld zu sparen. Meine Idee war, dass Franz West einen Raum bekommt, Kippenberger einen Raum bekommt, Förg einen Raum bekommt, weiter Cady Noland und der Meuser.

Und dann habe ich deswegen mit dem Kippenberger geredet und der Martin hat gesagt: „Naja, ich will aber keine Werke ausstellen. Das finde ich nicht gut. Das ist blöd. Aber ich könnte mir vorstellen, dort meine Sammlung zu zeigen und vielleicht ein paar Freunde. Darauf habe ich geantwortet: „Gut Martin, die Idee ist, dass alles frei bleibt. Jeder kann mit Verantwortung machen was er will. Und wenn das Dein Wunsch ist, dann machst Du da drin eben Ausstellungen. Aber ich habe kein Budget dafür.“
Ich sehe uns noch da stehen und da habe ich gesagt: „Es ist ja eh schon Wurst, wenn Du da
Ausstellungen machst. Da drüben auf der anderen Seite ist jetzt der Kunstverein gelandet. Dann bist Du jetzt halt der Kippenberger Kunstverein!“ „Richtig!“, meinte Kippenberger. So kam es also zu den Worten. Den Inhalt und die Idee, wo er überhaupt etwas ausstellen soll, hat dann alles er gemacht. Die erste Ausstellung waren Albert Oehlen Zeichnungen, dann Cosima von Bonin, und auch seine Assistenten wie Johannes Wohnseifer und andere. Die beste Ausstellung aus seiner Sammlung, die hat mich wirklich umgehauen. Da hat er alles auf einer Achse gehängt, nach oben, nach unten, auf so einer erhöhten Achse. Und die hieß irgendetwas mit „Erotik“. Aber das war überhaupt nicht erotisch. Höchstens über drei Ecken. Das war wirklich zum Kaputtlachen. Und dann ist er immer gekommen und meinte: „Wir haben heute Ausstellungseröffnung! Wirst uns ja wohl ein paar Einladungskarten bezahlen können!“ So ging es dann schon. Aber ich muss sagen, er war jetzt nicht unangenehm. Er hat dann auch ein Plakat gemacht, auf dem „Fridericianum“ falsch geschrieben war. Aber im Nachhinein glaube ich, das hat er so gewollt. Das wusste man ja nie so genau bei ihm… .
Und dann ist uns irgendwann das Geld ausgegangen. Ich hatte wirklich gar nichts mehr. Und dann hat der Martin gesagt: „Ach komm, ist ja nicht mehr so wichtig. Wir haben jetzt doch ein paar Jahre was gezeigt. Dann lassen wir es einfach einschlafen.“ Er war also nicht böse. 

Aber wie gesagt, die Erotik-Ausstellung war der Hammer. Und die Leute haben meistens gar nicht verstanden, was da eigentlich passiert, aber es kam immer seine Truppe, die Studenten aus Frankfurt und natürlich die Assistenten.

Der Live Bericht wurde 2015 in Köln aufgezeichnet.
Zur Person: Dr. Veit Loers (*1942 in Schaidt) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Kurator. Von 1987 bis 1995 war er als Direktor der Kunsthalle Fridericianum in Kassel tätig.Anschließend leitete er u.a. das Museum Abteiberg in Mönchengladbach und betreute als Bundeskurator die Sammlung für zeitgenössische Kunst der Bundesrepublik Deutschland.

Veröffentlichung mit bestem Dank an Ben Kaufmann vom Neuen Aachener Kunstverein.

Die Ökonomie des Subversiven, ein Trauerspiel?

"A KOONS IN A MILLION; 50.932297,6.930211" Jerome Daly 2012

“A Koons In A Million; 50.932297,6.930211″ Jerome Daly 2012

Ein Kaspar Hauser im Trümmerfeld

“Die demokratischen Systeme dieser Welt stehen vor tief greifenden Erschütterungen.” schreibt der deutsche Politologe Wolfgang J. Koschnick1 in seiner Einleitung zu einer Artikelreihe, die in dem Online-Magazin Telepolis erscheint. Weiter schreibt er: “Die entwickelten Demokratien in aller Welt – von den USA über Europa bis Japan – stehen vor dem gleichen Elend: Zwischen den Völkern und ihren Politikern ist ein tiefer Graben der Entfremdung aufgerissen, […] [...]Die Menschen haben kein Vertrauen mehr in das politische System, in den Parlamenten und den politischen Parteien herrschen Hierarchien, es geht nicht mehr demokratisch zu, die Volksvertretungen nicken Regierungsentscheidungen nur noch ab, wichtige Entscheidungen werden in Hinterstuben getroffen, die politischen Institutionen sind handlungsunfähig [...]“2. Im weiteren Verlauf des Textes legt er nahe, dass es sich um eine grundsätzliche Systemkrise der Demokratie handelt, die zur heutigen Realität gehört. Diese Systemkrise bezieht sich jedoch nicht nur – und nur ist vielleicht nicht das richtige Wort um es in diesem Zusammenhang zu gebrauchen – auf die Demokratie, sondern auf alle Systeme. Wir sprechen heute von einer Bankenkrise hier, einer Energiekrise da und gleichzeitig werden Bürgerrechte ausgehebelt, sowie die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander gezogen.

Dennoch halten die meisten Menschen an den Systemen fest, weil sie nicht anders können. Auch darauf hat Wolfgang J. Koschnick eine Antwort: “Wer religiös erzogen wurde, bewahrt ein Leben lang seine kindlichen Vorstellungen darüber, [...] [...]Diese kindlichen Vorstellungen bleiben meist mächtiger als alle späteren Einflüsse und Überlegungen des Erwachsenenlebens.[...] [...]Wenn systembedingte Katastrophen den Alltag beherrschen, wird krampfhaft nach Erklärungen und nach Sündenböcken gesucht[...] [...]Aber das demokratische System bleibt sakrosankt. Unantastbar.”2 Dieses Phänomen beschreibt er wie eine Barriere, die dafür sorgt, dass die Zweifel am System selbst nicht zu Ende gedacht werden. Das System selbst ist also mit unseren grundlegendsten Überzeugungen verbunden: “Demokratie ist untrennbar verknüpft mit der Achtung und Verteidigung von Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Bürgerrechten. Das macht sie so kostbar. Und niemand kann sich deren Abschaffung wünschen.”2 Es fehlt also, laut Wolfgang J. Koschnick, an radikalem kritischem Gedankengut um die Welt neu zu denken. Wir bräuchten sozusagen eine Armee aus Kaspar Hausers3, die losgelöst von ihrer Erziehung und einer systemischen Verwebung neue Definitionen schaffen für das was ist, um es einmal überspitzt zu formulieren. Aber was hat das nun alles mit der bildenden Kunst zu tun? Auch die bildende Kunst befindet sich in einer systemischen Krise und wirkt in sich fest gefahren. Auch sie scheint korrumpiert durch ein System das sie sich selbst geschaffen hat. Aber vielleicht müssen wir, um dies zu erkennen, uns erst einmal dem System Kunst selbst widmen.


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Kunstwerke für Audi Art Award 2014 fahren im Cabriolet zur Jury

Je länger ich auf die Bilder drauf schaue, desto mehr überlege ich ob das eventuell ein Fake oder studentischer Scherz ist? Um das aufzulösen, müsste man wohl einmal beim Absender, der PR-Agentur publiccologne.de anrufen? Andererseits ist das alles so schön gemacht, ich will da jetzt nicht enttäuscht werden, am Ende ist es doch wieder nur eine ironische Kunstaktion …
Wie auch immer. Soeben erreichte mich per E-Mail die Nachricht, dass die heute eingereichten Arbeiten für den Audi Art Award just in diesem Moment (Montag 4.8. – Nachmittags) per Cabriolet von Köln nach Düsseldorf verbracht werden.
Uns genauso soll es ja auch sein. Und natürlich niemals anders!
Denn in der Metamoderne dreht sich bekanntlich alles ums Objekt. Das ist der entscheidende Wandel, den man verinnerlichen muss, um der intelektuelle Verwirrung zumindest ein wenig Herr zu werden.
Und deshalb ist das was hier passiert absolut schlüssig. Natürlich fährt heute nicht mehr der aufgeklärte freie Mensch im Automobil durch die Kulturlandschaft – solche Späße sind langfristig überhaupt nicht mehr finanzierbar. In Zukunft sind es die Objekte und Produkte – hier in Form eines Kunstwerk – die in diesen Genuß kommen. Wer sich über so etwas ärgert, der sei beruhigt. Diese Entwicklung ist nur logisch und konsequent weiter geführt, was im Rahmen von allgegenwärtiger Effizienzsteigerung und Rationalisierungsbemühung derzeit angedacht und ausgeführt wird.

Danke für den Hinweis liebes team von Publiccologne, so etwas kann und darf hier nicht fehlen!

Audi Art Award 01 Audi Art Award 02

Erik Stein beendet mit dem Besten vom Besten aus Düsseldorf

Das ist Schade! Erik Stein, langjähriger Blogautor des Donnerstag hört auf (Wir hatten uns vergangenes Jahr im April mit ihm unterhalten, das Gespräch findet Ihr hier) und schreibt seinen letzten Artikel dort.

Zum Abschluss haut er aber noch mal richtig auf die Pauke, in dem er hier mit viel Geduld analysiert und seziert was an Kunst derzeit anödet und nervt. Um sich nicht völlig im luftleeren Sprachraum zu verlieren greift er dazu die Ausstellung ‘Das Beste vom Besten’ im Düsseldorfer Kunstverein auf. Kunstkritik at it’s best. Wir wünschen viel Vergnügen.

Bild vom Donnerstag Blog geliehen. Danke!

Bild vom Donnerstag Blog geliehen. Danke!

Und bei Kunstverein und Kunstkritik fällt mir auf einmal wieder ein, dass ich eigentlich noch mal etwas über den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik schreiben wollte. Denn beim Blick auf die wechselnde Abfolge von Preisträgern und Jurymitglieder der vergangenen Jahre offenbaren sich Qualitäten die ebenfalls an der von Erik gedachten Linie angedockt werden können. Auch hier zeigt sich, und zwar recht ungeniert und schamlos, eine fast schon grenzdebile Lächerlichkeit, die das Unterfangen mit der Kunst offen desavouriert (und das für läppische 3000 Scheine).
Man kann und soll so etwas als ästhetisch geschulter, denkender Mensch bitte nicht mehr all zu ernst nehmen. Denn wir wollen uns die  Selbstachtung und den Respekt vor einer Welt bewahren, die in Teilen durchaus schön ist, in der Menschen permanent erstaunlich gute und edle Dinge vollbringen und in der es einer ganzen Menge von Leuten jeden Tag aufs Neue gelingt den inneren Schweinehund erfolgreich in Zaum zu halten.

Seine Aufgabe und seine Berufung Ernst nehmen und die Distanz wahren soll aber bitte auch Erik Stein weiterhin, in dem er hoffentlich an der richtigen Stelle weiter macht. Und dem Donnerstag wünschen wir, dass man die entstehende Lücke erfolgreich schließt und die Arbeit der vergangenen Jahre dort genauso bissig, klug und selbstsicher fort setzt wie bisher.

 

Mit Champagner und Gummiknüppel auf der Art Basel

«Die Basler Messe verhält sich genau so, wie ihr Neubau aussieht: wie ein ziemlich grosses Arschloch.» schreibt die WOZ. Und wer in den letzten Tagen im asozialen Netzwerk seiner Wahl unterwegs war, weiss eventuell auch worum es geht.
Die Art Basel hat Kannte gezeigt und getan was einige Leute mit zu viel Einfluss und Geld derzeit länderübegreifend für opportun halten, wenn diese sich in ihrem Tun gestört fühlen. Man hat also eine eher harmlose Intervention auf dem Messevorplatz der Art Basel ganz zeitgemäß mit Hilfe der Polizei, unter Einsatz von Gummiknüppel, Tränengas und Gummigeschossen beenden lassen.
Eine solche Aktion ist für die internationale Kunstmesse der Superreichen zwar irgendwie konsequent und ehrlich, kommt aber – wie man sich denken kann – auf Facebook, Youtube und Twitter gar nicht so gut an. Schnell ist das Urteil über dieses Vorgehen gefällt: Die Art Basel ist ein Arschloch!
Für unseren Geschmack fällt das Urteil allerdings dann doch etwas zu schnell. Nicht, dass wir es in irgendeiner Weise gut heißen würden, wenn Leute mit Tränengas oder Gummiknüppeln traktiert werden. Aber – und das muss man an dieser Stelle auch mal fest gehalten werden – die Art Basel hat hier durchaus etwas aufs Spiel gesetzt, um ihren Beitrag zu einem veritablen Kunstskandal zu leisten.

Keine Frage, auch wir haben überhaupt keine Lust auf solchen spaßbefreiten Partybesuch, allerdings feiern wir unsere Parties auch nicht auf Kunstmessen (es sei denn vielleicht, man lädt uns höflich ein und rollte den roten Teppich aus) und auf eben diesen den Anarchopunk zu spielen interessiert uns ebenfalls nicht.
Denn eines sollten wir doch bitte nicht vergessen. Eine Systemkritik die sich, wie hier geschehen, von vorne herein in den internationalen Kunstzirkus einreiht, nimmt dabei bewusst oder unbewusst eine ganz bestimmte Rolle ein. Es ist die Rolle des modernen Hofnarren, mal lustig, mal unverschämt, mal unterhaltsam, aber immer harmlos. Es ist einfach so, kritische Kunst, die sich als solche positionieren will, kann man – von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – eigentlich komplett in die Tonne treten.  Dirk Schümer fragt deshalb in seinem FAZ-Artikel zur Venedig-Biennale im übrigen auch völlig zu recht “Warum eigentlich kann sich die Gegenwartskunst immer noch als widerständiges Medium der Welterklärung und -verbesserung feiern, wenn kein anderes soziales Ereignis einen solchen Aufgalopp von Superreichen und Nobelmarken, mehr gierige Halbwelt und einverständige Mediengaffer anzieht als diese globale Kunstmesse im Lagunenbrackwasser?

Schwierig wird es zu dem oft, wenn Künstler dazu tendieren die höchst ambivalenten Wechselwirkungen zwischen Kunst, Kapital und Macht, und damit natürlich auch die eigenen Verstrickungen darin zu ignorieren, um aus einer vermeintlich moralisch überlegenen Position heraus kritische Arbeiten zu verfertigen. Eine solche Position suchen zum Beispiel Isabella Fürnkäs, Henning Fehr und Philipp Rühr in ihrem aktuellen Projekt mit dem etwas brachialen Titel »KÖRPER UND KNOCHEN« im Düsseldorfer Studio for artistic research. Selbstbewusst nimmt man auch dort Stellung zu den Geschehnissen in Basel und bezieht politisch korrekt Position.

Das ökonomische Diktat wird unaufhaltsam vorangetrieben, es vereinnahmt, zerschlägt und schreitet voran. Nicht ökonomisch zu verortende Strukturen werden mit den Knüppeln der Effizienzkriterien für Leistungsbilanzen standardisiert. Das Freihandelsabkommen „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ (TTIP) zwischen der EU und Amerika deklariert Kultur zur Ware, für die im Handel die selben Regeln gelten wie für jedes andere ökonomische Gut. Wer nicht im Sinne der Ökonomisierung durch Einkaufszentren marschiert sondern durch Frei- und Grünflächen spaziert, wird vernebelt und hinweggespült. Wenn die Favela zum Café geworden ist gibt es kein Zurück mehr. Was sich nebenan entwickelt wird niedergeschlagen. Die Schnittstelle zur Ökonomie verschwindet, alles wird zur Ökonomie.

Alles ist Ökonmie? Kultur als Ware?! Hm,… da war doch mal was?

Wie gesagt, ein schwieriges Feld, die Systemkritik in der Kunst. Und das Kapital ist ein widerspenstiges Biest.

Aber liebe Freunde, es geht selbstverständlich nicht darum, Künstlern das Recht zur Systemkritik abzusprechen. Hier geht es um den Kontext, in dem das geschieht und die Rolle, die man dabei als Mensch einnimmt.
Man kann nun einmal nicht ein ganzes Jahrhundert lang bis in den heutigen Tage hinein totale Autonomie für Künstler und Kunst einfordern, im nächsten Moment aber mit der gleichen Stimme politisch mitreden wollen. Entweder das Eine, oder das Andere, Beides gleichzeitig geht nicht. Man muss sich da im Moment des eigenen Wirkens schon entscheiden.
Kunst ist, neben vielem anderen, nun mal der Ort, den wir den Abgründen, den Paradoxien und den Widersprüchen zugestehen, hier ist der Raum für die schwierigsten Diskurse mit unklaren Fronten. Es ist der Platz für die Themen zu denen es noch keine Antworten, meistens noch nicht einmal adäquate Fragen oder gar eine rechte Kritik gibt. Kunst ist damit der soziale Ort des Undefinierten und Unbekannten, an dem die Dinge und ihr Probleme erst noch formuliert werden dürfen und müssen – und braucht gerade deshalb absolute Kunstfreiheit.

Doch – und damit kommen wir zurück auf den Messevorplatz in Basel – weder die eine noch die andere dort als diffuse Kritik inszenierte Favela braucht diesen Freiraum. Zugegeben, die Favelaarchitektur von Tadashi Kawamata als urbanes Cafe und Champagnerbar für den gelangweilten, globalen Geldadel zu inszenieren ist nicht Provokation sondern verdesignter Kitsch. Diese dann auch noch als Diskurs über den Stadtraum anzusetzen, wie durch die Art Basel geschehen, in der Tat ein müder Kalauer für ein paar Wenige mit viel zu viel Tagesfreizeit.

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Diesen Kalauer aber um einen Weiteren in Form einiger selbst gezimmerter und schlecht gemachter Bretterbuden zu ergänzen, um dort dann andere Musik zu hören und Bier statt Latte Macchiato zu trinken, ist eben auch nicht sonderlich originell. Und wie es mit müden Witzen eben so ist, leider addieren sich zwei Schlechte nicht zu einem Guten.

Der entscheidende Punkt ist aber hier nicht der Grade der Originalität, sondern dass die Kritik, die in der Party-Intervention wage artikuliert wurde, bereits weltweit laut und deutlich auf den Straßen und Plätzen formuliert wird – mit allen dazu gehörigen oftmals unangenehmen Konsequenzen für die Beteiligten. Diese Systemkritik benötigt den Kontext der Kunstfreiheit, und damit den Vorplatz der Art Basel oder eines anderen Kunstraumes nicht mehr.
Orte für Engagement und Kritik gibt es hinreichend, man muss dafür nicht auf dem Vorplatz der Artbasel rumhängen, Bier trinken um sich damit bewusst oder unbewusst zum Hampelmann eines zuweilen recht grenzdebilen Kunstsystems zu machen. Wer Eier hat der macht so etwas auf der Demo seiner Wahl und lässt sich dort intim, anonym und ganz privat seine Ration Pfefferspray verpassen, während einem hilfsbereite Staatsdiener die Arme auf den Rücken drehen.

Die Art Basel braucht es dafür wie gesagt nicht. Auf dem Vorplatz in Basel wurden vielmehr hart erfochtene Freiheiten der Kunst fürs ‘Party-machen’ ausgenutzt, und unter dem Deckmantel einer Pseudokritik für die eigene Wertschöpfung innerhalb der Aufmerksamkeitsökonomie verbraten. Es wäre naiv zu glauben, dass die medial geschulten Aktivisten vor Ort nicht mit den diskursiven Prozessen dieser Ökonomie, welche engstens mit dem Kunstystem verzahnt sind, vertraut wären. Natürlich weiss man, dass eine Provokation an dieser Stelle mit erhöhter Aufmerksamkeit, Clicks und Likes belohnt wird und sich langfristig durchaus gut in der eigenen Vitae macht, die Karriere also auch befördern kann.

Die Messe in Basel hingegen hat einen ganz anderen Einsatz ins Spiel gebracht. Man war dort, wenn zu Anfang auch etwas verunsichert, dann aber später doch um so konsequenter bereit, volles Risiko einzugehen und das mühsam aufgebaute, wertvolle Image der Marke zu riskieren, um so aus einer müde dahin plätschernden Partyintervention, einen veritablen Kunstskandal zu machen.

Die kritischen Kunstaktionisten in Basel werden sich irgendwann einmal bei der Messe für diesen Einsatz und das Engagement bedanken.