London

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Ironie in der Kunst ist ja bekanntlich so eins der großen Dinge der Postmoderne. Ganz fein und ziseliert muss es sein, und den Kenner wissend schmunzeln lassen… Nun ja, es mag ja sein, dass dem ein oder anderen Ai Weiwei-Fan dabei noch einer abgeht. Hier in der Perisphere schlafen aber naturgemäß Gesicht und Füße ein sobald das feine Schwert der Ironie durch den fetten Klopps der Kunst gleitet, oder wahlweise flutscht. Kurz gesagt, und für jeden der den Schuß noch nicht gehört hat: IRONIE IN DER KUNST SUCKS! TOTAL!

Was aber nach wie vor geht, ist brachialer Humor, Komik und lautes Lachen. Lachen über sich, über Kunst, über Kunstkritiker, über Kuratoren und natürlich über die Welt. Denn fröhliches Auslachen ist eigentlich das Einzige was uns als metamodernen Untertanen technokratisch motivierter Algobots noch bleibt. Lachen, so laut und so lange es eben noch geht, einfach weil Menschen gerne und laut lachen.
Und weil ich beim ersten Blick auf den tumblr von Paul Powler und Georg Weissbach hier lachen musste, kommen die in den Blog – und hoffentlich auch bald mal ins Rheinland!

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» Gimme more of this please. now …

Formation – Peles Empire im Cell Project Space

von Benny Höhne (London)

 

Peles Empire – der Name scheint Programm zu sein bei Katharina Stoever (*1982) und Barbara Wolff (*1980), demjenigen Duo, das sich hinter dem Großmachtstatus beanspruchenden Alias verbirgt. Seit nunmehr acht Jahren leben und arbeiten die beiden Künstlerinnen in London, wo sie im Jahr 2005 ein Kollaborativprojekt gründeten, dessen Namen sie dem rumänischen Schloss Peleş entlehnten. Aber nicht nur ihr Name, sondern das gesamte Werk der zwei jungen Damen, die ausschließlich als Duo arbeiten, entspringt ausnahmslos diesem am Fuße der Karpaten, zwischen Transsilvanien und der Wallachei gelegenen Neorenaissance-Schlosses, das allem Anschein nach Quelle höchster Inspiration ist.

Formation 7  (digital prints on paper, 275 x 440cm) und Formation 2-6 (Porzellan und schwarzer Ton) (Bild: Damian Jaques)

Ausgangspunkt ihrer aktuellen Solo-Show FORMATION im Londoner Cell Project Space ist der Waffensaal des Gebäudes, den sie neben anderen Räumen des Schlosses bereits für vergangene Ausstellungen installativ interpretiert und rekonstruiert haben. Dabei präsentieren Peles Empire eine Gruppe von Arbeiten bestehend aus skulpturalen Objekten und digitalen Prints, welche das Verhältnis verschiedener Transformationsmöglichkeiten von Raum, Zeit und Materialität auszuloten scheint.

Formation 7. (Bild: Damian Jaques)

Dem Besucher begegnen zunächst zweidimensionale Rückführungen und Neuinterpretationen der ursprünglich räumlichen Nachbildungen des Waffensaals. Zwei große Schwarz-Weiß-Drucke unterteilen den Ausstellungsraum in drei gleichgroße Abschnitte und umgeben den Besucher als mehrfach verzerrte, digital modifizierte Version des originalen Schlossraumes, der hier visuell bis zur Unkenntlichkeit entfremdet ist. Nur puzzlehaft lassen sich Rückschlüsse ziehen auf ein ursprüngliches Ganzes, das von Stoever und Wolff fortlaufend – hierin ist ein Grundschema ihres Arbeitsprozesses zu erkennen – transformiert, permutiert und re-arrangiert wird.

Formation 8 (digital print on paper, 250 x 280cm). Bild: Mariell Amélie

Formation 8 (Bild: Marielle Amélie)

In FORMATION wird dieses Konzept mit fünf in einer Reihe auf dem Boden positionierten Objekten auf die Spitze getrieben. In einer subjektiven Wiedergabe einzelner abstrakter, aus den Fotomontage-Kulissen herausgegriffener Formen und Strukturen führt das Duo die vorherige Umwandlung von Raum zu Fläche in skulpturale Dreidimensionalität zurück und entfernt sich mit dieser abermaligen Umwandlung umso weiter von seinem Ausgangspunkt. Durch die untypische Materialkombination von weißem, unglasiertem Porzellan und Black Grog, einem schwarzen, grobkörnigen Pigment, verbinden sich die Keramiken einerseits mit der Farbigkeit der Fotokopien, stoßen sich durch ihre schroffe Oberflächenstruktur aber andererseits von den glatten Bildwänden ab, was für ein deutlich spürbares Spannungsverhältnis unter den verschiedenen Arbeiten sorgt.

Formation 7 und 1 (Prints auf Papier, je 275 x 440cm) und Formation 4-6, (Porzellan, schwarzer Ton). (Bild: Mariell Amélie)

Formation 5. (Bild: Mariell Amélie)

Formation 4. (Bild: Mariell Amélie)

Die Metamorphose ihres architektonischen Namensgebers vollzieht Peles Empire in einer zweiten Objektgruppe auch mit den im Waffensaal des Schlosses erhaltenen Artefakten, die als abstrahierte Keramik-Reproduktionen von Lanzen oder Speeren im hinteren Galerieraum gegenüber einer Collage aus geschredderten Schwarz-Weiß-Drucken an der Wand staffiert sind und die Ausstellung abschließen. Auch diese Arbeiten können im Hinblick auf eine zusammenfassende Einschätzung von FORMATION als berechtigter Versuch der Künstlerinnen gewertet werden, einen historischen Raum zu visualisieren, der seiner selbst allerdings so weit entrückt ist, dass der Betrachter sich in einer auf Realem basierenden Utopie wiederfindet, einem von Stoever und Wolff herbeigewünschten Ort, der hier in abermaligen Transformationen zu einem kuriosen Nirgendwo mutiert ist.

Formation 9 (Porzellan, schwarzer Ton, 212 x 58cm) und Formation 10 (Porzellan, schwarzer Ton, 212 x 58cm). (Bild: Mariell Amélie)

Formation 9. (Bild: Mariell Amélie)

Bild: Mariell Amélie

Nicht nur künstlerisch, auch kuratorisch sind Peles Empire höchst aktiv. Unter gleichem Namen betreibt das Duo momentan zwei eigene Off-Spaces in London und Cluj, in denen die zwei Städel-Absolventinnen bei regelmäßig stattfindenden Ausstellungen mit anderen Künstlern kollaborieren – demnächst wieder Ende Februar in London. Ihre nächsten Solo-Shows haben Peles Empire im März im Kunstmuseum Stuttgart, sowie im Mai in den Glasgower Sculpture Studios.

 

FORMATION – Peles Empire
31. Januar – 17. März 2013
Cell Project Space
258 Cambridge Heath Road
London E2 9DA
Öffnungszeiten: Fr – So, 12 – 18 h