Theorie

Maskierungen der Macht

Es ist zweifelsohne eine hochpolitische Zeit in der wir uns befinden. Die zu beobachtenden Verschiebungen sind für denjenigen der es denn wahrnehmen möchte gewaltig und überfordern naturgemäß die, die sich darauf einlassen, also sehen wollen, oder sehen müssen. Zunehmend ungläubig schaut man dem Treiben in der Welt zu und versucht dabei gleichzeitg doch irgendwie die eigene Position, die eben nicht mehr die sein kann, die man über die Jahrzehnte erlernt hat, zu finden oder zumindest zu halten.
Alles aber auch wirklich alles steht zur Disposition und es fällt schwer sich damit Abzufinden, dass da eventuell nur noch das Glück ist, welches einen Selber und die Liebsten schützen wird. Oder eben auch nicht, sollte der kleinen schwarzen Schwester Pech einmal nach etwas Anderem zu Mute sein. Und so sind wir, ohne es wirklich zu wollen, zu einer Gemeinschaft der Spieler geworden. Ärgerlich und dumm natürlich, wenn man – so wie die Allermeisten von uns – feststellen muss, dass der Spieleinsazt leider nicht wie bei den Zockern in Nadelstreifen das Leben der Anderen, sondern das Eigene, ist.

Aernout Mik – Shifting Sitting, 2011Aernout Mik – Shifting Sitting, 2011

Harte Nerven, höchste Konzentration, Flexibilität, Mut, Stärke, Gewandtheit, gleichzeitig aber extreme Gelassenheit und – ja wir sind wohl bald wieder dort angelangt – tiefes Gottvertrauen sind die Eigenschaftten die in der beginnenden Metamoderne von uns allen eingefordert und abverlangt werden.
Nichts ist mehr wirklich und der noch vorhandene Rest Wirklichkeit wird zu einer hochdynamischen Ansammlung der Zeichen, die keinerlei Rücksicht mehr auf das gewachsene historische Verhältnis zum Bezeichnete nehmen. Medien, allen voran das Netz, und Computer spielen natürlich eine Rolle in diesem Prozessen der parallelen Simulation und Dissimulation. Und wenn auch das Leben in diesem sozialen Zustand des zunehmend unspezifischen und undefinierten Daseins oftmals anstrengend ist, so ist es für die Künstler eigentlich gar kein so schlechter Ort.
Natürlich ist die, sich neu entfaltende (Un)Wirklichkeit auch, oder vieleicht sogar gerade, für diese prekären Lebensmodelle ein äußerst heikles Umfeld. Aber wir befinden uns in einer Situation in der Menschen mit künstlerischen Bildung und Prägung gebraucht werden, weil eben diese gelernt haben mit dem Unspezifischen zu arbeiten und die damit verbundenen Zustände auszuhalten wie es nur wenige Andere können. Sprich es gibt in der Jetztzeit zwar leider keinen Markt aber durchaus einen realen Bedarf an Künstlern und ihren spezifischen Fähigkeiten.
Der Künstler Aernout Mik widmet sich seit Ende der 90er Jahre mit raumgreifenden, oft begehbaren Videoinstallationen den politischen und psychosozialen Verfaßtheiten unserer gegenwärtigen Gesellschaften mit all ihren Brüchen, Veränderungen, Ängsten und Widersprüchen. Im Daremag gibt es unter dem Titel ‘Maskierungen der Macht‘ einen tollen Artikel zu seiner Arbeit zwischen Dokumentation und Fiktion, den ich an dieser Stelle empfehlen möchte.

Guten Morgen Düsseldorf, guten Morgen Welt!

Die Verwendung des Wortes Kunst verbietet sich derzeit. Zu viel Reaktionäres und Ungutes, welches unter diesem Begriffen subsumiert wird, und einem, wenn man es zu Nah an sich ran lässt, merklich die Laune und den Glauben an die Sache verdirbt. PR-Profis, Hasenfüße und Streber haben auch hier das Kommando übernommen und halten glücklich und devot das Heft fest in der Hand – und für die nächste Eins mit Auszeichnung bereit.
Das ist nichts für Leute mit Haltung, so wie einem gewissen ästhetischen und politischem Mindestanspruch an sich und die Welt. Und so gilt es Abstand zu nehmen von der Kunst, die zwar auch nur ein Wort von vielen, meist im komplett neutralisierten Umfeld, von netten, freundlichen, braven, zuvorkommenden und überaus distinguierten Leuten verwendet, aber dennoch und eben auch gerade deswegen derzeit Tabu, ist. Und wer sich Heute noch unbekümmert als Künstler bezeichnet, ohne dabei verschämt, leicht rot zu werden, der oder die hat offensichtlich den Schuss nicht gehört.
Dabei geht es natürlich nicht um die Sache an sich, sondern um die Dinge, mit denen man sich gemein macht, in dem man den Begriff für das eigenen Tun und Schaffen verwendet.
Nennt es also wie Ihr wollt, macht was Ihr wollt, aber seht zu, dass Ihr Abstand haltet oder einen wirklich, wirklich(!) guten Deal rausholt, wenn Ihr Euch und Euren guten Namen als Stütze des Systems hergebt. Und wer diesen Deal nicht unterschrieben und gesichert zuhause und auf dem Bankkonto hat – und das sind natürlich alle die, die das hier lesen – hat sich für unbestimmte Zeit fern zu halten von allem was Kunst genannt wird, hat sich fern zu halten um die Dinge zu tun, die Kraft haben, Potentiale entwickeln und diese frei zu setzen vermögen.

Von daher fängt das nachfolgende Video mit der Frauenstimme etwas mau an, (“i am an artist, … “) mag sein, dass das wie so oft halb-ironisch angelegt ist. Ich weiß es nicht und will es aber an dieser Stelle eigentlich auch nicht wissen müssen.
Zum Glück ist das dann aber auch schnell vergessen, denn im weiteren Verlauf wird der Clip herrlich schräg und voll versöhnlich. Die modernen Storm-Trooper-Ritterkostüme mag ich sehr, das Hand-Zepter ist einfach top und lässt das Gerede vom Künstlerin-sein schnell vergessen. Ein solches Kostüm wollte ich immer schon mal haben um damit Nachts durch Düsseldorf zu schweben! Eventuell würde ich dann sogar endlich mal am Karneval gefallen finden.

Und völlig gleichgültig in welche Kategorie die 4:30 Min nun gehören, am Ende bleibt eine knappe aber schöne Remineszenz an den Tausendfüssler, die ehemalige Hochstraße durch Düsseldorfs Mitte, um deren Abriss es viel Diskussionen gab, die aber jetzt, da sie weg ist, nicht wirklich fehlt. Und wenn ein Abriß zu solchen Videos führt, dann gibt es jetzt einen weiteren triftigen Grund in dieser Stadt noch so einiges mehr umzugraben…

 

Weisser Westen is a Duesseldorf artists duo formed by Angela Fette and Phillip Schulze. In her work Fette refers to the idea of the artist in the spirit of the classical avant-garde — embracing painting, costume design, poetry, and performance art. The media-artist and composer Schulze creates and programs electroacoustic sound and light sculptures.

In Weisser Westen Angela Fette chants absurd hymns and manifestos in an imperative, gestural way over the intermittent beats and chiseling electronica of Phillip Schulze. The group presents itself guised in masks and armor, with a look reminiscent of Constructivism or Dada.

www.weisserwesten.com

(via e-mail, Danke Phillip!)

Für heute habe ich genügend fette Frauen gesehen


Der nachfolgende Text erschien erstmalig am 7. Februar 2013 im tumblr-Blog von UBERMORGEN.COM und wird im Sommer 2013 in: What’s next? Kunst nach der Krise, herausgegeben von Johannes M. Hedinger/Torsten Meyer im Kulturverlag Kamdos erscheinen. Wir kopieren, verweisen und verlinken jetzt schon mal, sagen artig Danke und freuen uns, dass wir uns hier um unsinnige letzte Leistungsschutzrechte einer verschwindenden Verlagswelt nicht kümmern wollen und müssen.
Film ab!

Für heute habe ich genügend fette Frauen gesehen


UBERMORGEN.COM / Februar 2013

Die Prämisse klingt in unseren Ohren wie Ketzerei: Kunst sei nutzlos, ja komplett sinnlos und es wäre immer schon so gewesen und es würde auch immer so bleiben. Dem liegt die These zu Grunde, dass die Kunst – wie auch die Finanzindustrie – keinerlei Produkte und auch keine Dienstleistungen erzeuge. Kunst produziere keine Nahrungsmittel, keine Medizin, keine Energie, keine Baustoffe, keine Maschinen, keine Information, und auch keine Kultur, nicht einmal Sinn oder Wissen würde durch Kunst erschaffen, und das hieße Kunst sei einzig und alleine für die Unterhaltung, die Ablenkung und die Befriedigung der Menschen da, und ab und zu diene sie auch als Statussymbol und Geldwaschanlage für reiche und einflussreiche Menschen und Firmen, ja sie sei sogar verbraucherfreundlich, und dieser Zusatznutzen sei überhaupt das schlagendste Argument gegen die romantische Verklärung eines solch unregulierten Bereichs unserer Gesellschaft.

Für heute habe ich genügend fette Frauen gesehen“,
anonymer Museumsbesucher.

Nun zur nahen Zukunft, dort wo Investitionen in elitäre und ekelhaft teure Kunst in Form von Ideen, Objekten, Zertifikaten auch für die Proleten der Unterschicht und für die Emporkömmlinge oder Statuserhalter der Mittelschicht möglich wird. Es drängt sich vordergründig der Vergleich zum Finanzmarkt der späten 1990er Jahre auf (Volksaktie, Dotcom, NASDAQ), kleine Investoren bekommen die Möglichkeit sagenhaft teure Kunst kollektiv zu erwerben, häppchenweise und zu einem erschwinglichen Preis, mit dem Versprechen, dass diese Kunst auch auf immer und ewig an Wert zunehmen werde. Die Kleininvestoren können in einzelne Kunstwerke oder ganze Werkgruppen, in umfassende Nachlässe und in globale Kunstmarken – Künstler, Galerien, Auktionshäuser, Museen – investieren. Aber wie schon seit jeher fließt der Hauptanteil des Profits auf wundersame Weise bergauf, es werden Transaktionsgebühren aufgeschlagen und der konsolidierte Mehrwert bewegt sich dann unaufhaltsam in Richtung der 0,01%. Der Mensch von der Straße dient als immerwährend stumpfer und zunehmend einfacher zu manipulierender Liquiditätslieferant, durch Massenmedien dumm gehalten und durch Medikamente und Drogen gedämpft, unfähig zu eigenem Willen, dienen diese Arbeitsesel zur schnellen und günstigen Finanzierung des weiteren Wachstum des sogenannten Kunstmarktes, diesem korruptesten und intransparentesten Gebilde mit limitiertem Zugang, Pragmatiker nennen es Marktversagen, Verschwörungstheoretiker und Wirtschaftswissenschaftler sprechen von einer Oligarchie.

In der zweiten Hälfte der 2010er Jahre gibt es dann erstmals Anzeichen von Demokratisierung und Regulierung dieses plutokratischen Systems. Die neugegründete Art Exchange Commission (AEC) in Shanghai wird als globale Regulierungsbehörde eingesetzt und in der Folge werden die neuen großen Marktplätze, gegen allen Widerstand, von den Chinesen aufgekauft und verstaatlicht. Der chinesische Staat greift auch sonst stärker in den Kunstsektor ein und beginnt eine globale Kunsttransaktionssteuer zu erheben. Durch Förderungen, Stipendien und zielgerichtete Zensur wird etwas mehr Stabilität für die kapitalstarken Investoren und eine Grundsicherheit für die kleinen Anleger suggeriert. Kunstobjekte von staatlich finanzierten Künstlern werden zumeist als Bonds zertifiziert und vertrieben. Der Staat hat ein neues Finanzkunst- / Kunstfinanzinstrument geschaffen und finanziert damit Kunstsubvention. Das System wird selbsttragend und dadurch ein lohnendes Zielobjekt für profitorientierte Entitäten.

Parallel dazu geschieht der Durchbruch, in Form des Konzeptes der „virtuellen Existenz“: Das Kunstwerk muss von nun an nicht mehr existieren, um gehandelt zu werden, es genügt ein Zertifikat um den Besitz zu manifestieren und zu legalisieren. Nun werden auch alle historisch relevanten Kunstobjekte verstaatlicht und eingezogen und nur noch zeitnahe, sogenannt zeitgenössische Kunst darf offen und virtuell gehandelt werden. Die Objekte und Dateien verschwinden in den Depots und auf den Servern der Institutionen zirkulieren legale und illegale Raubkopien und Zertifikate ungehindert. Dadurch wird die Kunst metaphysisch, sie beginnt erst im Moment ihrer eigentlichen Auflösung wirklich zu existieren.

Dieser radikale Schritt öffnet Tür und Tor für Spekulation, neue Transaktionsarten, geteilte Besitzmodelle und Handelssysteme entstehen und das neu erschaffene „Glaubenssystem“ basiert auf einer Pyramide deren Basis aus Kunstmarken, und die darüber liegenden Ebenen aus Nachlasssystemen, Genres, Generationen, Kunstbewegungen und -szenen, besteht. Kunstbesitz wird nun ausschließlich in Fonds strukturiert, und durch die, dank der Digitalisierung, sehr hohe Bewegungsfähigkeit entwickeln sich neue Formen der Distribution. Der Markt beweget sich in Richtung binäre Objekte – Zertifikate, Unterschriften, Gif-Animationen, Jpgs, Mp3, Filme, Textfiles und weitere historische Objekte wie html-, css- und flashfiles sowie neue noch unbekannte Formate. Obsolete und mittlerweile illegale Konzepte der Finanzindustrie (Aktien, Derivative, Optionen, Futures, Credit Default Swaps), Arbitrage und die Idee des Hedge Fonds werden adaptiert. Nun steht dem globalen Crash des Kunstsystems nichts mehr im Wege.

Die Marktplätze verschieben sich dramatisch, von den verstaatlichten Institutionen und Marktplattformen, den historischen Kunstgalerien und den letzten übriggebliebenen Messen hin zu den neuen digitalen Hochgeschwindigkeitshandelsplattformen.

Die Dinosaurier der Kunstmessen werden in spektakuläre, oscarartige, Preisverleihungsshows umgewandelt, um den Unterhaltungsaspekt des Kunstsektors und dessen Protagonisten optimal zu vermarkten. Kunst wird weiter popularisiert und immer mehr zu einem vordergründig praktischen Medium, vergleichbar mit Musik oder Film.

Der daraus entstandene, moderne Kunstmarkt und seine Teilnehmer sind Maschinennetzwerke in denen sich, einst von Menschenhand geschaffene, komplexe Algorithmen autonom weiterentwickeln. Es dominiert der Hochfrequenzhandel: Serverfarmen in Dubai, anonyme Handelsteilnehmer, offshore Zertifizierungsgesellschaften, bitcoinartige Währungssysteme und andere, dem Menschen unverständliche und seiner Kontrolle gänzlich entzogene Technologien und Instrumente, dominieren die Marktlandschaft.

Nun verlieren auch die Künstler komplett die Kontrolle über ihre Zuliefertätigkeit und die Netzwerke übernehmen die Kunstproduktion. Zu Beginn werden aufgrund der Analyse der Kunstgeschichte neue Konzepte errechnet und zertifiziert, ähnlich eines modernen Schachcomputers errechnen die Netzwerke optimale Varianten und Produkte. In der Folge werden alle Bereiche der Kunstproduktion autonom, und in einem ultimativen Akt der Autonomiemanifestation beginnen die Maschinencluster neue Identitäten, Marktsättigungslevels und Finanzierungs- und Marketingstrategien zu errechnen.

Die Konvergenz ermöglichte zu Beginn des binären Zeitalters die Benutzung einer Plattform für Handel, Produktion, Distribution und Konsumation von Kunst, und genau diese Konvergenz ermöglicht es nun den Netzwerken die Kunstproduktion zu emulieren, zu kapern und zu monopolisieren. Das Hauptargument: Die Qualität der Netzwerkkunst ist um ein vielfaches höher als die herkömmlich erstellten Produkte und auch die Kritik und das Bewertungssystem sind längst an die Netzwerke ausgelagert und in Folge übernommen worden.

Die Menschen sind obsolet geworden, sie sind reine Übersetzer, Beobachter ihres eigenen Machtverlustes und entweder Bewunderer der neuen Ästhetik oder fundamentalistische Kritiker jeglicher Netzwerkkunst. Die vormals neoliberalen Kuratoren und Kritiker dienen nunmehr als Handlanger, sie arbeiten als Assistenten für die virtuellen Instanzen – Historiker und Archäologen. Ihr Versuch die Netzwerke zu verstehen scheitert an der übermenschlichen Geschwindigkeit und an der unglaublichen Vielfältigkeit der Entwicklung. Es entsteht Natur pur, chaotisch und komplex und ohne Quellcode unmöglich zu interpretieren.

Nach einer längeren Periode der rein binären Kunst einigen sich die Netzwerke darauf wieder materielle Objekte herzustellen. Sie beginnen 3D-Macher – vormals 3D-Drucker – zu entwerfen, diese wiederum drucken 3D-Macher, welche dann effektiv materielle Kunst herstellen können. Ehemalige Museen, Fast-Food Restaurants, Copy-Shops, Bibliotheken und Kleidergeschäfte werden Musterzimmer für die Zurschaustellung maschinengemachter Dinge. Offensichtlich haben die Netzwerke Ironie und einen Sinn für Romantik entwickelt, und es stellt sich die Frage, ob eine Art kollektives Bewusstsein mit verschiedenen Seinszuständen und Selbstkritik folgen wird.

Bis heute wurden in den Netzwerkarchiven keine Kunst gesichtet, die fette Frauen beinhaltet, und anonyme Museeumsbesucher gibt es schon seit langen nicht mehr.

Alexander Kluge und Bazon Brock im Gespräch über Dada und die Folgen

Der Griff ins Schwarze – Bazon Brock über Dada und die Folgen

Zwei Männer sprechen über Dada und die Folgen und scheinen sich dabei prächtig zu verstehen. Für den Zuschauer ist bei aller offen zur Schau gestellten Übereinkunft natürlich nicht immer ganz klar um was es geht und über was gerade gesprochen wird. Aber eventuell geht es ja auch um gar nichts oder gibt es nichts, oder zumindest nicht immer etwas zu verstehen, außer dem Verstehen des Nichtverstehenkönnens.

Wie auch immer wir das nun interpretieren, die 45 Minuten lohnen sich definitiv. Einfach mal laufen lassen, wenn es am Rechner mal wieder was stupides zu tun gibt – so wie ja eigentlich immer.

“Der Griff ins Schwarze – Bazon Brock über Dada und die Folgen”
News & Stories vom 09.01.2012, RTL
Bazon Brock und Alexander Kluge

Ein Tischgespräch als Instagram Sprachmemo

Wir führen unsere kurze Reihe der Noninterviews an dieser Stelle fort. Und natürlich geht es auch dieses mal wieder um die Fragen nach der Metamoderne. Gewohnt Reflektiert und auf hohem analytischen Niveau wird zwar Anfangs etwas scheu, dafür dann aber ohne Hemmungen öffentlich und laut zu den Fragen der Zeit gedacht.
Das Gespräch wurde auch dieses mal von Gonzomode auf einem I-Phone der ersten Generation aufgezeichnet.

Aber schnell wird klar, dass jede Person absolut belanglos ist!

Wir empfehlen den Download der Datei und das Abspeichern auf Ihrem mp3-Abspielgerät zur Verwendung beim Joggen oder einer vergleichbaren Freizeitaktivität. Bitte aber unbedingt im Loop hören!

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(04:21)

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Metamoderne_2.mp3

Auf den Spuren der Metamoderne – mit 8000PS

Der Begriff der Metamoderne ist virulent, dient als dynamische Metapher und Container oder einfach nur als letzter Haltegriff für uns Heute, die wir über das nachdenken was um uns herum geschieht.
Dabei ist die eigentliche Bedeutung der Metamoderne derzeit noch gar nicht von Bedeutung. Zuerst einmal klingt der Begriff einfach gut, weil optimistisch, nach Mehr und nach dem, was Dahinter liegt. Metamoderne klingt nach etwas was für unsere Kultur aktuell nur schwer Vorstellbar ist. Metamoderne klingt nach der Zukunft.
Angesichts der täglich reaktionärer und – das ist ja der wahre Skandal – immer fantasieloser werdenden Entscheidungen einer Politik die sich den Namen nicht mehr recht verdienen will, gibt es nur wenig was wir derzeit so gut gebrauchen können wie diese.


Johannes Thies, Autor aus Köln, gehört zu denen die der Metamoderne bereits jetzt aktiv nachstellen. Er greift dabei auf das vom ihm und Kai Erdmann (Powergallery Hamburg) entwickelte Format des Non-Interviews zurück.
Das Non-Interview ist eine spezielle Form des Interviews, welches er am 31.07.2010 um 17:14:05 mit den Worten “sprachmemo instagram gratislover lederhose” umschreibt – natürlich per E-Mail.
Als exemplarisches Interviewformat einer Metamoderne unterliegt diese Definition aber, wie alles andere auch, dem Wandel. Und so gilt nur wenige Minuten zuvor, am 31. Juli 2012 17:06:52 “Das Non-Interview ist der gleichermassen verzweifelte wie extrem selbstbewusste Versuch, die Ahnungen zur Metamoderne in einen wie auch immer gearteten Æther zu bringen. Die einzigen, vaguen Bestimmungen sind: das Non-Invterview ist (wie auch die gesamte Metamoderne) völlig ohne Richtung, brutal sachlich, total im Jetzt und jederzeit global.

Und wer nun einen Eindruck davon bekommen möchte wie sich das anfühlt, klickt nachfolgend das 4:50 Min lange Non-Interview zur Metamoderne, aufgenommen am 21.07.2012 etwa um die Mittagszeit bei voller Fahrt auf einem 8000PS starken Speedboat zwischen Wien und Bratislava. Durch das Gespräch führt Johannes Thies, in weiteren ergänzenden Rollen zu hören sind Götz Gramlich, Kai Erdmann und ich.

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metamoderne_1-21_07_2012-speedboat_wien_bratislava.mp3

 

Kunst, ACTA und das Netz – Alexander Kluge wird 80

Selbst wer die Nachrichten der letzten Tage nur am Rande verfolgt hat, sollte von den Diskussionen um ACTA gehört haben. ACTA ist ein Abkommen bei dem der Umgang mit dem was man landläufig als geistiges Eigentum bezeichnet, international geregelt werden soll.
Eine ziemlich trockene Angelegenheit, politisch aufgeladen noch dazu und von daher eigentlich nicht Thema dieses Blogs. Da aber regelmäßig der Schutz von Kunst, Künstlern und künstlerischen Arbeiten als Anlass für die ACTA-Verträge vorgeschoben werden, wir uns mit unserem Blog mitten im Medium des Streits befinden und noch dazu ein so kluger Mann wie Alexander Kluge an seinem 80. Geburtstag etwas dazu sagt, wollen wir das Thema ACTA zumindest einmal kurz streifen.

Unter dem Titel “Transkription ist ein Ursprung der Kultur” hat der SWR ein kurzes Interview mit dem Filmemacher, Autor und Schriftsteller veröffentlicht, das hier zu lesen und zu hören ist.

Da ich nicht weiß wie lange der SWR Audiodateien im Netz behält, haben wir das mp3-File bei uns noch mal abgespeichert und hoffe dass wir damit nicht gegen ACTA oder ähnliches verstoßen. Der Download der Datei wird zwar offiziell angeboten, leider gibt es keine Informationen zu den Nutzungsrechten.

Letztes Wochenende waren übrigens deutschlandweite Demos, unter anderem auch in Düsseldorf. Wer hätte gedacht dass Menschen einmal wegen dem Copyright und Patentrechten auf die Straßen gehen?


Wer weitere Informationen zu ACTA sucht wird eventuell hier fündig:

 

Wozu Kunst? – Aisthesis

Mit unseren Bildstrecken zum Rundgang der Düsseldorfer Kunstakademie 2012 sind wir in den letzten Tagen sehr bildlastig geworden. Nicht, dass wir etwas dagegen hätten, aber das Gleichgewicht soll doch auch hier gewahrt bleiben. Und so verweisen wir heute auf eine Artikelserie die bei ‘Aisthesis‘ unter dem Titel ‘Wozu Kunst?’ im vergangenen Jahr erschienen sind.

Natürlich wissen auch wir, dass eigentlich schon der Verweis auf die, sich hinter den nachfolgenden Links verbergende, Textmenge in diesem Medium eine Zumutung ist. Aber wir möchten Ihnen gerne etwas zu muten, weil wir fest davon überzeugt sind, dass sie das abkönnen und Dieter Bohlen hier nicht mit liest.
Nehmen Sie sich also am Wochenende einfach mal etwas Zeit und widmen sich den Texten dort, es lohnt sich (so wie im übrigen der gesamte Blog). Denn die Frage ‘Wozu Kunst?’ ist auch im Kontext der großen Schau an der Düsseldorfer Akademie, welche den Betrachter zu Weilen alleine schon durch die riesige Menge an Exponaten zu erschlagen droht, von Interesse.
Wir wünschen den tapfersten Lesern unter Ihnen auf jeden Fall viel vergnügen bei der Lektüre und gratulieren bei dieser Gelegenheit auch gleich mal Blog und zugehörigem Autor Bersarin zum 3-jährigen Diesntjubiläum.

Teil 1 – Wozu Kunst? - 30.04.2011
Wozu Kunst? (Teil 2) – Das unendliche Kreisen um das Ende – Apokalypse Now (Part 1)12.05.2011
Wozu Kunst? (Teil 3) – Das unendliche Kreisen um das Ende – Apokalypse Now (Part 2) - 20.06.2011
Wozu Kunst (4) – Interludium, die Tonspur zum Sonntag25.06.2011
Wozu Kunst? (5) – Noch einmal: Hegel22.07.2011
Wozu Kunst? Zu Walter Benjamins „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1) - 08.08.2011