vor Ort

The Ocean and the River in versch. Kölner Projekträumen

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Alle rheinischen Rivalitäten zu Trotz, ist es immer wieder erfreulich festzustellen, dass manche kölnische Umstände sich wenig von denen Düsseldorfs unterscheiden. Im Kapitel „Die Medien sind das Sprachrohr der bürgerlichen Empörung“, Abschnitt „Unser Dorf soll schöner werden“, herrscht nämlich der gleiche Tenor. Während die Landeshauptstadt den Worringer Platz zum offiziellen „Schandfleck“ gekürt hat, hat der Ebertplatz in der Domstadt ein solches Prädikat geerbt. Dort und drüben soll es hässlich, dreckig, laut und gar gefährlich sein. Alkoholiker, Dealer und mit Sicherheit sehr bald „Armutseinwanderer aus Rumänien und Bulgarien“ verunsichern die Bevölkerung – wenn man der populistischen Presse Glauben schenkt. Indes sind es genau diese zwei Plätze, die seit ein paar Jahren zu den neuralgischen Entstehungs- und Vermittlungszentren für junge Kunst geworden sind.

Am Ebertplatz, zwischen Boutique und Halle für Vollständige Wahrheit – Bild: Y. Klasen

Kein Standort in Düsseldorf zieht so viele Off-Projekte an wie der Worringer Platz; und der Ebertplatz ist seinerseits zum inoffiziellen Herz der unabhängigen Kölner Kunstszene geworden. Wie üblich im Zyklus der Gentrifizierung, leisten die dort angesiedelten Projekträume (Boutique, Bruch und Dallas sowie die Halle für Vollständige Wahrheit) praktisch Pionierarbeit, indem sie die verwaisten Läden bespielen, Leben in die Passage einhauchen und das Publikum mit Eröffnungen, Veranstaltungen und Partys anlocken. Ob irgendwann die Journaille verstehen wird, dass urbaner Raum mit geringem wirtschaftlichen Verwertungspotenzial und einer nicht-konventionellen „Aufenthaltsqualität“ zur Biotope für atypische Aktivitäten und Lebensformen (Stichwort: Obdachlose) werden kann?

Das sind die portugiesischen Künstler in Köln – Bild: Y. Klasen

Am Ebertplatz braut sich wieder etwas zusammen. Was mit einer privaten Reise anfing geht weiter mit einem aufwändigeren Künstleraustausch. Vor ein paar Monaten fuhren Paul Leo, einer der zwei Betreiber der Halle der Vollständigen Wahrheit, zusammen mit Yvonne Klasen, Mitbegründerin der Boutique und des Karat-Schaufenster am Friesenplatz, sowie mit Malo, der die höher erwähnte Halle mitbetreut, nach Porto. Sie trafen dort auf eine kleine und sehr aktive Szene von ausstrebenden Künstlern, die zwar voller Energie und Gestaltungsdrang erfüllt sind, jedoch keine Aussicht auf eine Vermittlung ihrer Arbeit finden. Anders als hierzulande ist die Gruppe der Interessenten für zeitgenössische Kunst in der portugiesischen Stadt beschränkt. Es gibt nur wenige Galerien, die auf internationalem Niveau arbeiten und zu wenige Institutionen, die sich für den Nachwuchs engagieren. Und die ausstrebenden Künstler voller Energie und Gestaltungsdrang tun viel um ihre Energie und Gestaltungsdrang sinnvoll zu kanalisieren; aber sie agieren eben nur unter sich. Die Bemühung, ein selbstorganisiertes Netzwerk aufzubauen und zu unterhalten, ist verschenkt, wenn das Publikum sich partout nicht für das Angebot interessiert. Trotz zahlreicher Initiativen beißt sich der Hund in den Schwanz und die Akteure treten auf der Stelle.

Diana Carvalho in der Boutique

Diana Carvalho

Diana Carvalho

Diana Carvalho

Die unabhängige Kunstlandschaft in Porto ist also nicht unbedingt von einem großen Stillstand gekennzeichnet, aber niemand hört den Ruf. Da ist zum Beispiel Maus Hábitos (auf dt.: „Schlechte Gewohnheiten“), eine mittlerweile etablierte Initiative, die sich neben der Bildenden Kunst auch dem Tanz, der Musik und dem politischen Aktivismus zuwendet. Da ist auch Na casa com, eine Art jährlich stattfinder Tag der Offenen Türen, bei dem eine kleine Gruppe von Künstlern ihre Ateliers der Öffentlichkeit öffnen. Ein kritischer Überblick über die selbstorganisierte Kunstszene von Porto erfolgt in kurzem an dieser Stelle.

Hernâni Reis Baptista – Bild: Y. Klasen

Hernâni Reis Baptista – Bild: Y. Klasen

Jedenfalls entschieden sich die drei kölner Künstler etwas zu tun und verpflanzten die Idee des Offs in den Köpfen ihrer portugiesischen Kollegen. Die kleine Kölner Delegation erzählte von ihren Erfahrungen als Off-raum-Betreiber und Gestalter eines lokalen künstlerischen Angebots und ermutigten ihre Gastgeber selbst aktiv zu werden. Bei dem großen räumlichen Leerstand in Porto und der Anzahl an Künstlern, die sich selbst überlassen sind, sollte die Motivation prompt greifen. Aber zunächst wollten sich die Portugiesen ein Bild der Lage machen und das Off vor Ort erleben. Nachdem in Januar über 30 Künstler interviewt wurden, wurden sechs auserwählt, nach Köln zu fahren um ihre Arbeit zu präsentieren und die Szene kennenzulernen. Dank einer Förderung der Bezirksregierung Köln fielen Fahrt- und Übernachtungskosten nicht zu Last der Organisatoren; der erste Künstleraustausch zwischen Köln und Porto war geboren.

Mónica Lacerda – Bild: Y. Klasen

David Ferreira – Bild: Y. Klasen

David Ferreira – Bild: Y. Klasen

Zur Ehre ihrer Gäste sind zahlreiche Projekträume zusammen gekommen und haben ein kleines Festival organisiert mit dem schönen Titel „The Ocean and the River“. Jeder der sechs portugiesischen Künstler erhielt eine Ausstellung, ob Maria Trabulo in den freien Schaukästen von Karat, Rita Medinas Faustino in der Baustelle Kalk oder Hernâni Reis Baptista im Klub Genau. Zusätzlich zu seiner Einzelshow in einem zu diesem Zweck gemieteten Lkw realisierte David Ferreira eine Performance am Ebertplatz, wo er die Zugänge des Ortes mit Kisten absperrte und damit die Passanten zu kreativen Umgangsstrategien zwang. Ein knapper Tag nach der Eröffnung ihrer Ausstellung in der Halle der Vollständigen Wahrheit wurde ihrerseits Mónica Lacerda gezwungen, ihre Arbeiten zu räumen: Schon am Samstagabend fand da ein Konzert statt und die Party ging bis zum Morgengrauen. Wer am Sonntagnachmittag zur Diskussionsrunde am Ebertplatz kam, traf ein gutes Dutzend leicht ermatteter Künstler, sich über die Lage der jungen Kunstszene in Porto unterhaltend. Noch war die Arbeit von Diana Carvalho in der Boutique zu sehen; wenig später verreisten die sechs zurück nach Porto.

Maria Trabulo

Maria Trabulo

Maria Trabulo

Und wie geht’s weiter? Im September werden sechs Kölner Künstler nach Porto fahren und ihre Arbeit dort präsentieren. Da die Vermittlungsstruktur (d.h.: ein Raum und Menschen, die sich darum kümmern) nicht vorhanden ist, stehen noch viele Details dieser Reise in den Sternen. Aber wir werden berichten….

when people had computers – Konzert in der Halle für Vollständige Wahrheit – Bild: Y. Klasen

Diskussionsrunde am Ebertplatz

 

 

Die USB-SHUFFLE-SHOW – ONE im Institut für Alles Mögliche

Text: Luisa Hänsel

Das Institut für Alles Mögliche experimentiert gern, vor allem wenn jeder mitmachen kann. Das neueste Experiment wurde am Donnerstag, dem 4. April, gegen 19 Uhr in der Abteilung für Alles Andere in der Ackerstraße 18 erstmals vorgeführt – die „USB-Shuffle-Show“: mit einem Open Call rief das Institut alle Interessierten dazu auf die eigenen Kunstwerke auf USB-Stick per Post einzuschicken. Wer bis zum 31. März seine Arbeit eingereicht hatte, wurde ohne Umschweife Teil der Show und erhielt die Chance seinen digitalen Beitrag einem Publikum vorzuführen.


Auf einem kleinen Couchtisch türmen sich Speichermedien in allen möglichen Ausführungen. Neben klassischen San-Disk-Modellen aus schwarzem Kunststoff, finden sich auch Hartplastik-Werbegeschenke oder praktische Miniatur-Formen fürs Portemonaie. Besondere Highlights: ein pinkes Nilpferd, ein mit Glitzer-Lametta verziehrter USB-Stick und eine graue, quadratische Box aus dicker Pappe.

Fast einhundert Datenspeicher beinhaltet der sorgfältig angelegte Katalog, den alle Besucher der Ausstellung in Form eines Memoriesticks als Begrüßungsgeschenk erhalten. So können sich Besucher die Kunstwerke speichern und mit nach Hause nehmen. Die schier unmögliche Ordnung des digitalen Chaos überblickt im Raum nur eine: Hanna – die Praktikantin.

Hanna sitzt mit dem Künstler Jona auf dem Sofa im vorderen Bereich des Raumes und steckt ein paar der nicht-flüchtigen Halbleiterspeicher in die dafür vorgesehenen Sammelbuchsen. Einen Augenblick päter wird der Film „Busen” an die Wand projiziert. Wir sehen mehrere Frauen oben ohne. Dann laufen verschiedene Bilder aus einem unbekannten Stadtraum von einem türkisfarbenden USB-Stick und im Anschluss erhalten wir eine Anleitung wie man sich imaginäre Freunde macht.

„Wenn ich mich an die Sachen erinnere, bedeutet das entweder, dass sie besonders gut oder besonders schlecht sind.“ erklärt mir Hanna mit einem Grinsen. Recht hat sie. Qualitativ unterscheiden sich die Filme und Fotos weit voneinander. Ein herausstechender Beitrag befindet sich in der quadratischen Pappbox.
Das Video auf dem Stick zeigt eine Einstellung aus der Subjektiven. Zwei Hände basteln mit Cutter, Kleber und Pappe den gerade benutzten USB-Stick. Was allerdings neben dem Speicher noch in den Karton eingepflanzt wird, ist geschickt ausgeblendet worden und verbleibt für den Betrachter im Dunkeln.

Auf die Frage, ob die gezeigten Werke zum Großteil von bildenden Künstlern stammen, antwortet mir der Gründer des Instituts, Stefan Riebel nur so viel wie „Das spielt keine Rolle. Jeder konnte ja seine Ideen einreichen.” Eine streng kuratierte künstlerische Leistung, soll in der USB-Shuffle-Show auch gar nicht gezeigt werden.

In erster Linie möchte das Institut für Alles Mögliche untersuchen ob der beliebte Datenspeicher auch ein Ort für Kunst und Kultur sein kann. Außerdem soll die Ausstellung zum Überdenken der Urheberschaft, Einzigartigkeit, Interaktivtät und kuratorische Praxis anregen.

Die USB-SHUFFLE-SHOW – ONE
4. – 6. April 2013
Institut für Alles Mögliche, Berlin 
Weitere Info unter: http://usb.i-a-m.tk/

 

MOFF benötigt Ihre Hilfe!

Lob und Zuspruch, Anerkennung und Nachfrage nach unserem Interviewmagazin mit Kölner Künstlern bereiten uns seit 4 Jahren Freude, sodass wir wieder mit viel Energie ehrenamtlich an der mittlerweile 7. MOFF-Ausgabe arbeiten. Am 15. April wird das kostenlose Magazin in einer Auflage von 5.000 Exemplaren erscheinen und erstmals auf der ArtCologne an einem Stand für junge Magazine vertreten sein.

Leider fehlen uns aktuell noch 2.400€, um die Druckkosten zu decken.

Wir freuen uns über jede Spende:

moff e.V. – Kto: 322 190 000 – Blz: 370 700 24 (Deutsche Bank)

 

Jeder Spender wird gerne in der Ausgabe namentlich erwähnt.

Selbstverständlich erstellen wir gerne eine Spendenquittung.

 

Und genauso freuen wir uns über jede Anzeigenschaltung:

Hier finden Sie die aktuellen Mediadaten.

 

Mit besten Grüßen aus Köln!

Stefanie Klingemann und Dr. Anne Schloen

 

 

Weitere Informationen zu MOFF

Ausgabe 7, 1/2013

Gespräche mit:

Gesine Grundmann

Katerina Kuznetcowa &

Alexander Edisherov

Maximilian Erbacher

Manfred Schneckenburger

Carola Keitel

Allan Gretzki

Dorothee Joachim

Andreas Oskar Hirsch

Diane Müller

Johannes Wohnseifer

 

Künstlerporträts von: Veit Landwehr

Sonderedition von: Johannes Wohnseifer

Gastgespräch von: Johannes Stahl

 

Erhältlich ab dem 15.04.2013 auf der ArtCologne und in vielen Galerien, Off-Spaces und Ausstellungshäusern in Köln und Umgebung!

Facebook: www.facebook.com/MOFFmagazin
Abo: abo@moff-magazin.de
www.moff-magazin.de

MOFF ist ein Magazin aus der Kölner Kunst-Szene. Im Mittelpunkt stehen acht bis zehn Gespräche mit Künstlern, die durch ein weiteres Gespräch mit einem Galeristen, Kurator, Kunstwissenschaftler oder Sammler ergänzt werden. Jede Ausgabe ist vollkommen anders und unterscheidet sich von der vorherigen: Das MOFF-Magazin verzichtet auf ein Branding, ein Logo oder eine Corporate Identity. Das Format, das Layout, der Umfang und die Specials des Magazins unterliegen stetigem Wandel und Entwicklung. MOFF ist kostenlos in Köln und Umgebung erhältlich z.B. auf der Art Cologne, in Galerien, Off-Spaces, Museen, Archiven, Bibliotheken, Bars und Cafés.

MOFF erscheint zweimal im Jahr: im Frühjahr zur Art Cologne sowie im Herbst zum Saisonstart und DC Open.
MOFF e.V.
Nägelistraße 16
50733 Köln

Telefon: 0176 – 95 55 44 35
Kontakt: mail@moff-magazin.de

Vorstand: Stefanie Klingemann, Dr. Anne Schloen

Lars Klostermann macht Filme über Kunst und Künstler – diesmal über Patrick Thomas

Partner, Kollege und Freund Lars Klostermann dreht, nicht ausschliesslich, aber doch regelmäßig, filmische Dokumentationen über Kunst, Kunsträume und Künstler. 2010 hatte er anlässlich des Vierwände Kunst Festivals unter dem Arbeitstitel Miniaturen alle damals aktiven Düsseldorfer Projekträume portraitiert.

Ein Jahr zuvor habe wir gemeinsam die Interviewreihe ‚Zu Besuch bei‚ angefangen und in diesem Zusammenhang Gespräche mit den Künstlern Paule Hammer und Andrea Lehmann geführt und aufgenommen. Widerum ein Jahr zuvor, im Herbst 2009, zeichnete er sich verantwortlich für den Trailer des Kunstfilmtags.
Lars Klostermann studierte Geisteswissenschaten und in diesem Rahmen, wie so viele andere unserer Generation irgendwas mit Kultur und Medien. Seit dieser Zeit beschäftigt er sich mit der Frage nach dem Authentischen und dem was authentisch sein kann. Sein Handwerk hat er im übrigen parallel dazu, als langjähriger Mitorganisator und Jurymitglied des Dokumentarfilm Festivals Duisburger Filmwoche gelernt. Auch hier war er über lange Jahre hinweg verantwortlich für die Trailer des Festivals.
Und wenn alles gut läuft wird er in den kommenden Wochen zusammen mit Emmanuel Mir eine filmische Serie über Kunst und Künstler für diesen Blog produzieren.

Diesmal war er allerdings nicht im eigenen, sondern im fremden Auftrag mit der Kamery unterwegs, die Qualität leidet darunter aber keineswegs, im Gegenteil. Herausgekommen ist ein – ich nutze das Wort in solchen Zusammenhängen nicht gern, doch hier passt es – schöner Film über die Multiples des Künstlers Patrick Thomas.

Lars Klostermann
Multiples, Patrick Thomas in der Galerie T

Walter Padao In Between

Kunstausstellungen in Anwaltskanzleien oder Arztpraxen sind – nun ja, wie soll man es formulieren? … – zumindest einmal etwas speziell.
Vieleicht nicht zwangsläufig der Anwalt, aber zumindest doch der Arzt als Inbegriff des ehrenwerten, bürgerlichen Berufs trifft auf den Künstler, der – in meiner romantisch, naiven Auffassung – das Anarchische, Andere, Chaotische, Destruktive weil kreative Potential unseres Zusammenlebens verkörpert. Zutiefst unterschiedliche Welten prallen zwischen Kartenlesegerät, Zimmerpalme und weißen Raufasertapeten auf- und reiben sich aneinander.



Aber natürlich wissen Sie als aufgeklärt desorientierter Mensch der Metamoderne, dass es eben nicht so einfach, dafür doch um so komlizierter ist, mit den authentischen Rollen auf der sozialen Bühne und den von uns dort dargestellten Figuren.
Mag sein, dass sich das irgendwann mal anders verhalten hat, als es noch Berufe und zugehörige Stände gab. Mag sein, dass es Reibungen und Provokationen jenseits kalkulierter und brachialer Tabubrüche einmal wirklich gegeben hatte. Doch in dieser unseren Zeit, in der wir uns maximal tolerant – was nicht zwangsläufig verkehrt ist – und mindestens ebenso flexibel geben wollen und müssen – was zunehmend anstrengend wird – verhält es sich mit der Reibung etwas anders.
Nun muss das nicht schlecht sein wenn Reibung verschwindet weil Grenzen sich auflösen, sich Kommunikation dadurch vereinfacht und Ideen besser zirkulieren.
Denn trotz aller Sympathie für starke Bewegung und große Reibung, sowie des damit verbundenen, immerwährenden und unerreichbaren Ziels der großen Revolution, begrüße ich die kontinuierlich, flukturierende Revolte und den damit verbundenen steten Wandel doch mindestens genauso. Ich bin da recht ambivalent, und um ehrlich zu sein hatte ich es mit radikalem Punk noch nie so recht. Für mich ist neben der Lust an Obsession und Wut immer auch Platz für Harmonie und Verständigung.

Und deshalb habe ich mich sehr wohl gefühlt, an diesem harmonischen Abend in Oberkassel, als Walter Padao, Düsseldorfer Maler und Künstler seine aktuelle Malerei in der psychoanalytischen Praxis von Brigitte Ziob zeigte.
Jenseits von bürgerlichen und nichtbürgerlichen Klisches traf hier zusammen was nicht nur auf freundschaftlicher Verbindung beruht. Denn sowohl Brigitte Ziob, die ihre Räume für den Abend zur Verfügung stellte, als auch Walter Padao beschäftigen sich in Ihrer Arbeit nicht nur, aber dennoch deutlich mit dem Unter- und Unbewussten und den dort zu findenden Bildern.

Auch wenn man Walter Padao wohl nicht direkt als Surrealisten bezeichnen würde, zeichnet sich seine Malerie durch einen traumhaften, surrealen Charakter aus, allerdings ganz anders als das etwa ein Neo Rauch mit seinen plakativen und deutliche erkennbaren Bilderrätseln tut. Padaos Szenarien sind dynamischer, undeutlicher, verschwommener und damit sehr viel näher dran an dem was Rausch und Träumen ist, oder uns als Erinnerung an diese Zustände bleibt.

Bewegung und Zeit sind zentrale Themen in den Bildern Padaos, sowohl als wichtiges Narrativ für die Malerei, wie beim Motiv der Tänzerin im Bild unten, als auch Forschungsfeld der interessierten und intensiven Beschäftigung mit den Phänomenen selber.

Schon seit einigen Jahren ist Padao fasziniert vom Bullettime-Effekt, welcher bekanntlich erstmals in den Matrixfilmen zu sehen war. Er untersucht die daraus resultierende Bildfolgen, sowie die Auflösung der Bewegung mit den Mitteln der Malerei in dem er die einzelnen Frames über Bildtableaus verteilt und diese Bilder dann nebeneinander auf die Wand bringt. Auf diese Weise rückt er die Malerei als älteste aller Verfahren der Bilderzeugung nahe an das heran, was man Heute mit dem unschönen Begriff Medienkunst bezeichnet, geht dabei aber über das ansonsten oft inflationär betriebene Spiel mit der Technik hinaus.
Padao entlockt mit seiner Malerei auf einfache Weise einem modernen Kamera-Computerbild-Trick eine eigene Komponente und dreht den spektakulären Effekt noch einmal einen Schritt weiter, in dem er die kreisende Bewegung der Kamerafahrt auflöst um sie dann wieder gleichzeitig und strukturiert auf der Wand ausbreitet.

Die Gastegeberin Brigitte Ziob schreibt dazu:

Der Düsseldorfer Maler Walter Padao arbeitet mit Körpern in Bewegung.. Dabei interessiert ihn weniger das Einfrieren eines Augenblicks wie beim Foto, sondern das Sichtbarmachen der Zeit. Es geht nicht um Eindeutigkeit, sondern um Unschärfe, also das, was „in between“, also dazwischen ist. Hier läßt sich eine Verbindung zum psychoanalytischen Prozess ziehen: Innere Bilder entstehen, werden bearbeitet, verwischen und führen zu neuen Assoziationen. Im therapeutischen Prozess geht es oft darum, eingefrorene Strukturen wieder in Bewegung zu bringen, Facetten spürbar zu machen, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven sehen zu können. Hier kann man einen Bezug zu den Bildern von Walter finden, der seine Figuren in verschiedenen Perspektiven festhält, als ein eingefrorener Moment in der Bewegung.

Die Bewegung als ein „Dazwischen“ im Raum, woraus sich die zeitliche Perspektive ergibt. Denn der äußere Raum ermöglicht uns das Zeiterleben. Das menschliche Zeiterleben entwickelt sich schon früh durch immer wiederkehrende Prozessabläufe im Kontakt mit dem pflegenden Primärobjekt, meist der Mutter, die den äußeren Raum repräsentiert, durch Berührungen, Nahrungszufuhr usw.. Dazu kommen frühe Erfahrungen von erträglicher Anwesenheit bis hin zu unerträglicher Abwesenheit in einer Zeitspanne, als Zeiterleben, das schon frühe Bewältigungsformen verlangt.
So hilft die Phantasie dabei, Situationen des Alleine-Seins zu mildern durch die Schaffung von Übergangsobjekten. So wird der Zeitfluss schon früh strukturiert die Umwelt, als einen sozialen und geographischen Raum des Seins. Damit verbunden sind Erlebniskategorien wie Gleichzeitigkeit, Sukzession, Kontinuität, den Augenblick oder die Dauer. Was wir dann als solche unterscheiden können. Damit aber etwas bei uns hängenbleibt, müssen Erlebnisse in der Zeit eine gewisse Dauer und Intensität besitzen, um zu  einer inneren Erfahrung werden zu können.

Walter Padao arbeitet mit der Reflektion über das Zeitliche. Er hat dafür ein eigenes Verfahren gefunden: Er stellt sein Modell zunächst ins Zentrum. Dann schreitet er mit einer digitalen Fotokamera die Markierung ab und macht 24 Fotos – so viele, wie beim Film pro Sekunde durch den Projektor rattern. Dieses Verfahren heißt „Bullett-Time“. Es bezeichnet einen Special Effect, bei dem der Eindruck einer Kamerafahrt – um ein in der Zeit eingefrorenes Objekt entsteht. Wir kennen das aus „Matrix“, wenn Keanu Reeves in der Luft zu schweben scheint. Es geht darum, die Zeit anzuhalten und sie damit sichtbar zu machen. So ist das auch bei den Bildern, die Bewegung ergibt sich aus einem eingefrorenen Moment, einem festen Bild. Hier kann man einen Bezug sehen zur psychischen Realität: In diesem Spannungsverhältnis von Momentaufnahme als Anhalten des Zeitlichen verbunden mit der Bewegung in der Zeit bewegen sich die Bilder von Walter Padao.       

Praxisausstellung „In Between“ am 2.2.2013, 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr.
Gezeigt wurden Bilder des Düsseldorfer Malers Walter Padao. Die Ausstellung ist der Auftakt zu regelmäßig halbjährlich stattfindenden Ausstellungen unter dem Aspekt „Kunst auf der Couch“ in der Psychoanalytischen Praxis von Dipl.-Psych. Brigitte Ziob.

http://www.padao.de/

Pepper + Woll zeigen SUPER in Köln

Mit der speziell für den Ort entwickelten Arbeit „SUPER“ des in Düsseldorf lebenden Künstlerduos PEPPER + WOLL präsentierte die Projektreihe 10qm am Freitag den 08. März um 18 Uhr die neunte für den Ort konzipierte Arbeit.

10 QM – SUPER ist eine temporäre Architektur-Skulptur, welche sich durch Einbeziehung der spezifischen Raumkoordinaten am Ort manifestiert. Die Intervention schafft ein neues Zentrum innerhalb des vorhandenen Wohnquartiers, indem sie eine Schnittstelle im innerstädtischen Gefüge von Park, Kirche und Anwohner von Köln/Nippes provoziert. „Super“ funktioniert als architektonische Geste, die die Aufmerksamkeit des Anschauenden bannt und Fragen, Meinungen bzw. Prozesse der Kommunikation eröffnet!

„Super“ ist durch die freie Verwendung konventioneller Baumarktmaterialien und der Glorifizierung gegenüber der Technik geprägt. Ausgediente technische Objekte wie z.B.  der Lüfter (Bobble), der Stromkasten oder aber auch der Leuchtturm (Glockenturm) sind ausgediente technische Objekte mit Wiedererkennungswert, die in der gebauten Struktur eine scheinbare Logik ergeben.

Alle Bilder by Pepper +Woll via E-Mail.
Danke Mark!

10qm
Freitag den 08. März, 18 Uhr
www.10qm.de
www.facebook.de/zehnqm
www.pepperwoll.com

Neues aus Hamburg: Carola Deye – Sorry Safari und Tillmann Terbuyken – Spitzen

Dank der Unterstützung der frisch nach Hamburg gezogenen, jungen Künstlerin Theda Schillmöller werden wir ab jetzt und in den kommenden Monaten etwas tiefer in die Kunstszene der norddeutschen Hafenstadt einsteigen – eine Stadt im übrigen, die auch für einen Teil der Perisphere schon einmal zwei Jahre lang Heimat gewesen ist, bevor es dann ins Rheinland ging.
Zur Feier des Tages und weil man auch mal was verrückter tun muss, machen wir den Auftakt – ganz untypisch für uns – mit einem fotografischen Doppel zu zwei Räume.

Danke Theda!

Tillmann Terbuyken präsentiert Spitzen bei Isa Maschewski

Der Maler und Bildhauer Tillmann Terbuyken eröffnete letzte Woche seine Ausstellung ‚Spitzen‘ im Projektraum Isa Maschewski in der Admiralitätstraße. Er zeigt Arbeiten aus den letzten sieben Jahren. Zeitgleich ist eine Auswahl seiner Arbeiten in der Ausstellung ”Passagen und Werkzustände” bei KM in Berlin zu sehen. Beide Ausstellungen laufen noch bis März 2013.

Carola Deye zeigt Sorry Safari im Goldbekhof

Carola Deye, Gastkünstlerin im Goldbekhof 2012, zeigte am 31.01.2013, ihre Abschlussausstellung ‚Sorry Safari‘. Deyes Arbeiten beziehen sich auf die gleichnamige Tom & Jerry-Folge und spielen u.a. mit Stolperfallen und Perspektivverschiebungen. Der Großteil ihrer Arbeiten ist während ihres einjährigen Aufenthalts im Gastatelier Goldbekhof entstanden und kann, je nach Räumlichkeit, sowohl zweidimensional, als auch dreidimensional ‚gelesen‘ werden. Deyes Arbeiten sind tiefgründig und humorvoll zugleich – dieser Spagat gelingt ihr ganz gut, finden wir.

spitzen
tillmann terbuyken
Projektraum Isa Maschewski
Admiralitätstr. 71
20459
Hamburg

Ausstellung: 25.01.2013 – 21.03.2013
Öffnungszeiten: Dienstag – Donnerstag 14 – 18 Uhr
und nach Vereinbarung
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sorry safari
Carola Deye
Goldbekhof
Moorfuhrtweg 9 B
22301 – Hamburg

Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf 2013

eine Bildstrecke von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Alle Jahre wieder… Ein sehr langer (aber selbstverständlich nicht vollständiger) Rundgang durch den Düsseldorfer Rundgang. Wahllos, hierarchiefrei, so sachlich, wie nur möglich. Mit schönen Grüßen aus dem Echtzeit-Archiv. Für Hinweise auf falsche Zuordnungen und Versäumnisse sind wir dankbar.

Die Seite wächst nach und nach bis zum Ende des Rundgangs am 24.2.

 

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Gallery Opening in Düsseldorf Flingern

von Florian Kuhlmann (Düsseldorf)

Letztes Wochenende, gemeinsames Gallery Opening in Düsseldorf Flingern – der Name ist Programm. Wer von auswärts mit liest und Flingern nicht kennt, der stelle sich bitte einfach Berlin Mitte vor, allerdings nicht nur komplett durchsaniert sondern in der Zusatzvariante völlig tote Hose.
Aber warum trotzdem nicht einmal aus nächster Nähe sehen was man in der WZ derzeit unter dem Zentrum der Avantgarde-Händler versteht.

Eine fantastische Fotostrecke wollte ich mitbringen. Bilder mit weltklasse Kunst die unseren Lesern die Tränen in die Augen treiben und sowohl Spitzenhöschen als auch Feinrippbuchse nass machen. Ich war guter Dinge!

Leider wurde nichts draus.

Die mehrheit der Bilder und Artefakte konnten nicht überzeugen, das allermeiste war selbst für unsere Verhältnisse zu off, geradezu offoff eigentlich. Eine der wenigen Ausnahmen Gregor Schneider – aber Schneider ist eben Schneider – mit einem einfachen und nachhaltig beeindruckenden Video seines Indienprojekts.

Gregor Schneider war in Indien und hat unter anderem ein Video mitgebracht. Ein Bild wie eine Faust. Respekt!

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Sven Blatt im Interview mit Anthony Cragg

Tony Cragg Declination

Das Interview mit Anthony Cragg ist schon etwas länger online und ich wollte schon die ganze Zeit einmal darauf hingewiesen haben. Aber zwischen den Jahren machte sich so eine überaus angenehme Faulheit und Antriebslosigkeit breit. Der Kollege Sven Blatt von kunstdüsseldorf wird es uns nach sehen, immerhin zum Lesen hat es gereicht.

Nach einem etwas holprigen Anfang nimmt das Gespräch gut Fahrt auf und was Cragg über künstlerischen Erfolg zu sagen hat ist nicht nur sympathisch sondern auch vernünftig. Darüber, dass sich eine solche Haltungen natürlich sehr viel einfacher einnehmen lässt wenn sich der künstlerische Erfolg bereits auf allen Fronten eingestellt hat liesse sich eventuell diskutieren. Wir sparen und das, weil wir auch renommierten Künstler das Recht zu gestehen etwas kluges zu sagen. Und am Besten lest Ihr sowieso einfach selbst.

Zum Interview mit Prof. Anthony Cragg, Rektor der Kunstakademie Düsseldorf und international
renommierter Bildhauer.

PS: Frohes neues Jahr und alles gute für 2013! Lasst es Euch gut gehen.

 

Bild: von Bengt Oberger (Eigenes Werk)
[CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)],
via Wikimedia Commons

Die Tagung des Kulturrats NRW zum geplanten Kulturfördergesetz im Düsseldorfer Landtag

von Florian Kuhlmann (Düsseldorf)


Vergangenen Montag tagten einige Vertreterinnen und Vertreter des nordrheinwestfälischen Kunst- und Kulturbetriebs auf Einladung des Kulturrats NRW im Düsseldorfer Landtag. Erklärtes Ziel war es eigene Wünsche und Vorgaben für ein derzeit geplantes Kulturfördergesetzt zu definieren. Das Kulturfördergesetzt soll die Finanzierung der Kulturlandschaft NRW, sowie die Verteilung der Aufgaben und Lasten zwischen Kommune und Land regeln und dem vergleichsweise kleinen Posten im Landesetat in den kommenden Jahre einen gewissen Schutz vor den zu erwartenden Einsparmaßnahmen bieten. Wir waren wie angekündigt dabei.

Diskutiert wurde auf erfreulich hohem Niveau, mit viel Wissen über und Verständnis von der Materie in jeweils 3 Foren am Vormittag und 3 weiteren Foren Nachmittags. Themen der einzelnen Foren war etwa die Frage nach den Schutzmöglichkeiten für Neues, oder ganz generell die Frage welcher Kulturbegriff das Gesetz prägen soll.
Wer sich die Redebeiträge jeglicher Couleur und aller Parteien aufmerksam anhörte, konnte sich des Verdachts nicht erwehren, dass es sich offensichtlich um ein mysteriöses Versehen handeln muss, dass der Kulturetat der kleinste und nicht der mit Abstand größte Posten im Landeshaushalt ist. Wir waren uns einig, Kultur ist wichtig und die unverzichtbare Basis für unser Zusammenleben. Nur von Systemrelevanz sprach leider niemand.

Zum geplanten Haushalt 2013

Der Kulturrat hatte aber gegenüber der Ministerin des Landes NRW Frau Ute Schäfer seine starken Bedenken gegen die Reduzierung der Kulturfördermittel im Haushaltsentwurf 2013 zum Ausdruck gebracht. Denn angesichts des minimalen Anteils der Kulturausgaben am Gesamthaushalt und am Haushalt des zuständigen Ministeriums sind zu erwartenden die Kürzungen offensichtlich unverhältnismäßig hoch. Sie betreffen in der aktuell geplanten Form wichtige Aktivitäten der Künstlerinnen und Künstler in Nordrhein-Westfalen.
Derzeitige Planung ist den Haushalt von 196 Mio. auf 180 Mio. €. zu kürzen, was in etwa einer Kürzung von 10% entspricht. Auch wenn darin Reserven enthalten sind, die im Moment nicht zur Ausgabe anstehen, so macht sich die Landesregierung in den Augen des Kulturrats allerdings doch auf den Weg zu dramatischen Kürzungen, da dieser Prozess mit dem Haushalt 2013 nicht abgeschlossen sein dürfte.
Der Kulturrat NRW fordert nun die Projektmittel in Höhe von rd. 4,5 Mio € auf keinen Fall zu kürzen und die jetzige Haushaltsmittel so zu sichern, dass in den nächsten Jahren in den Reserven nicht mehr zu Verfügung stehen weitere Einschnitte vermieden werden. Auch gegen andere Einsparvorschläge hat der Kulturrat erhebliche Bedenken.
Gemessen wird die Landesregierung an der klaren Aussage der Ministerpräsidentin in der Regierungserklärung: „Kunst und Kultur sind kein Luxus – und dürfen es grade in schwierigen Zeiten nicht sein.“
Diesem Anspruch wird der vorgelegte Kulturhaushalt allerding nicht gerecht. Deshalb soll es Anfang nächsten Jahres weitere Gespräche mit den Landtagsfraktionen und der Landesregierung geben, um zu verhindern, dass der Haushalt in der Form des Entwurfes verabschiedet wird. Der Kulturrat begrüßt in diesem Zusammenhang, dass die Kultursprecher der Landtagsfraktionen, nicht nur der Opposition sondern auch die der Regierungskoalition, den Haushalt in der vorgelegten Form kritisieren.

Kulturfördergesetz

Der Kulturrat NRW unterstützt das Projekt eines Kulturfördergesetzes NRW und verbindet damit die Hoffnung, dass Kulturpolitik aufgewertet wird. Der Kulturrat erwartet dass das Gesetz die Förderung von Kultur, Kunst und kulturelle Bildung der Förderung einen verlässlichen Rahmen gibt.
Unter anderem kommt es darauf an den Städten und Gemeinden Handlungsspielraum zu ermöglichen, sie zu motivieren Kunst und Kultur zu fördern. Zudem sollte Kulturpolitik entwickelt und verlässlich formuliert werden und damit den Künstlerinnen und Künstlern Planungssicherheit zu gewähren.

Darüber hinaus hält der Kulturrat NRW eine Entbürokratisierung des Förderwesens für unabdingbar. Wir übrigens auch.

Dreamland im Venus und Apoll

eine Fotostrecke von Sirin Simsek (Köln, Düsseldorf)

 

Die THE CONEY ISLAND PSYCHOANALYTIC AMATEUR SOCIETY erkundet ein neues Land zwischen ‚Kunstwelt‘ und ‚Alltagsleben‘. Sie sucht verlassene oder anachronistische Orte heim, um sie in erfahrbare Räume rückzuverzaubern. Die Treffen der Society finden nie zweimal am selben Ort und stets in jeweils verschiedenen Konstellationen statt.
An der Düsseldorfer Versammlung beteiligt waren: Aaron Beebe, Zoe Beloff, Ul-rich Bernard NAILS NOW, Çish&Phipps, Johanna Daab, Iris Dankemeyer, Mf David Deery, Lisa Domin, Wythe Marschall, Scott Wyman Neagle, Andrew ‚Aberglaube‘ Kemp

 

 

 

 

 

Stefan Riebel – Somethings in der Boutique am Ebertplatz

von Florian Kuhlmann (Düsseldorf)

 

2010 wurde ich auf Stefan Riebels Arbeit ‘Black Pixel‘ aufmerksam – ein 1×1 Pixel großes, schwarzes Quadrat auf weißer Fläche. Die Arbeit hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen und da ich etwas neidisch auf ihn und seinen Einfall war, beschloss ich ihm die Arbeit zu stehlen.

Dazu speicherte ich seinen schwarzen Pixel bei mir auf der Festplatte, kopierte ihn dann per FTP in den Webspace meines Servers, um ihn von nun an dort unter der Domain www.stolen-black-pixel.de zu präsentieren. Stefan informierte ich dann per E-Mail über den dreisten Diebstahl, so kamen wir in Kontakt und es entstand über die Jahre ein äußerst fruchtbarer Austausch, mit gemeinsamen Projekten und Ausstellungen, vor allem in Berlin.

Um so schöner also, dass der Berliner Künstler, Kurator, Projektinitiator und Raumbetreiber (Institut für alles Mögliche) nun vom 18.11. bis zum 02.12.2012 mit einer Einzelausstellung in der Kölner Boutique zu Gast ist. Der Projektraum wird von Maximilian Erbacher, Yvonne Klasen
und André Sauer auf der unteren Ebene der Ebertplatzpassagen betrieben, wo sich mittlerweile mit gleich drei Räumen ein Zentrum der Kölner Off-Szene gebildet hat. Schräg gegenüber der Boutique liegt Bruch&Dallas, direkt daneben die Halle der vollständigen Wahrheit. Der Ort ist abgerockt, hinreichend zentral gelegen und dennoch abgeschieden genug um auch mal ordentlich feiern zu können – was im übrigen u.a. der Partyinszenator Alexander Wissel mit dem Single Club vor Ort auch dort bewiesen hat.

Somethings

ist der Titel der Ausstellung, unter dem Riebel ältere und aktuelle Arbeit zusammen gestellt hat.

somethings ist neben dem Namen der Ausstellung aber auch gleichzeitig Titel der größten und nach Außen hin sichtbaren Videoinstallation. Die dort zu lesenden Wörter auf der matten Scheibe hat Riebel assoziativ für diese Ausstellung gesammelt. Seit der Einladung hatte er immer wieder Worte notiert die ihm im zusammenhang mit diesem Ereignis in den Sinn kamen. So entstand eine ortsspezifische Wortsammlung, ganz ähnlich einer Tag-Cloud.
Riebel hat die Arbeit seit dem Jahr 2010 an verschiedenen Orten realisiert und die Ergebnisse dieser Denktätigkeit im Netz festgehalten http://somethings.stefanriebel.de/.

Die Arbeit dedication pieces besteht aus Postkarten und Plakaten die auf einem Holztisch ausgelegt und zum mitnehmen sind. Die Arbeit verteilt sich so mit Hilfe der Besucher langsam und kontinuierlich über die Welt. Auf den verschiedenen Medien in unterschiedlichen Formaten sind poetische, minimalistisch Widmungen notiert, die sich online nachlesen lassen dedication.stefanriebel.de/.

Die Arbeit bg (before google) – im Netz zu sehen unter www.beforegoogle.net war in Düsseldorf in der weißen Version bereits im Rahmen des Transprivacy-Projekts zu sehen. Auch hier lagen kleinformatige Flyer aus, über die sich das Konzept langsam aber leicht mit Hilfe des Publikums verteilt.

Die versuchsanordnung für plattenspieler, vinylrohling und zeit (#3) besteht aus einer einfachen Konfiguration. Auf einem Plattenspieler liegt ein Vinylrohling auf, der beim Abspielen durch die darauf kratzende Nadel beschrieben wird. Die dabei entstehende Tonspur wird gleichzeitig auf normalem Wegen auf den Boxen abgespielt.

dead pixel (on hyundai b71a) ist ein Sammlerstück aus Riebels Sammlung kaputter Pixel, wie sie sich auf diversen Monitoren und Flachbildschirm befinden. Dieser toter Pixel befindet sich auf einem Hyandai B71A Flatscreen. In der Vergrößerung und auf dem Kopf stehenden online hier zu sehen dead-pixel.stefanriebel.de/

Stefan Riebel, somethings
Dauer: 17.11.-01.12.2012
Öffnungszeiten: Do-Sa, 16-19 Uhr

Ebertplatz 0,
Ebertplatzpassagen,
50668 Köln

www.boutique-koeln.de

Rückblick Kunstfilmtag 2012

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Fotos (wenn nicht anders angegeben): Christof Wolff

 

Schon immer war der Düsseldorfer Kunstfilmtag ein Filmscreening der anderen Art. Lokale und soziale Aspekte spielten bereits bei den vergangenen Ausgaben eine wichtige Rolle, und die Gründerin der Veranstaltung, Susanne Fasbender, weigert sich seit der ersten Stunde beharrlich, von einem „Festival“ zu sprechen – denn sie hält die Vorstellung eines Wettbewerbs in diesem Fall für unangebracht. Der Kunstfilmtag ist in erster Linie ein großer Familientreff, der von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen anzieht, und neben Beiträgen aus der ganzen Welt viel Raum für die Film- und Videopräsentationen Düsseldorfer Künstler schafft. Von Mittag bis Mitternacht wird Programm gemacht. Die Kurzfilme werden in mehr oder weniger stringenten thematischen Blöcken gezeigt; im Foyer kommt man zusammen und tauscht sich in ungezwungener Atmosphäre aus. Gerade diese atmosphärische Komponente, fernab der professionellen Anspannung üblicher Filmwettbewerbe, macht den Charme des Kunstfilmtages aus.

„Die Sprache ist das Haus in dem wir leben“. Der schöne, poetische Titel der Veranstaltung, einem Film von Jean-Luc Godard entnommen, hätte zu einem engen programmatischen Korsett werden und den Kunstfilmtag zu einer didaktischen Übung werden lassen können. Die offene Filmzusammenstellung, die wie gewohnt besonders auf lokale Künstler einging und ein erweitertes Verständnis von Sprache zu Tage legte, umging dieses Hindernis aber geschickt. Zwar boten genug Filme Reflexionsstoff zur Thematik an; alles in allem gestaltete sich der Tag jedoch unaufdringlich. Von der Doku zur Fiktion, vom Animationsfilm zum künstlerischen Experiment, von der Bildsprache zum Sprachspiel, von der Sprache als Erinnerungsvermögen zur Sprache als Konstituierungselement der Welt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und mit einem guten Gefühl für Rhythmus entfaltete die abwechslungsreiche Vorführung zahlreiche Facetten ihres Sujets.

Foto: Saskia Zeller

Im Appendix-Saal des Malkastens hatte Susanne Fasbender eine Auswahl an längeren, zumeist politischen Filmen…

… zusammengestellt und damit eine konzentrierte Wahrnehmung ermöglicht.

Es war jedenfalls interessant festzustellen, wie die Aufmerksamkeit des Besuchers sich im Laufe des Tages veränderte und die Fokussierung auf sprachliche Phänomene sich verschärfte. Wer genug Sitzfleisch und Zeit hatte, um mindestens drei oder vier Blöcke zu erleben, konnte während der Pausen zusehen, wie die Welt sich in einen einzigen Sprechakt verwandelte. Und wer rein theoretische Aspekte vertiefen wollte, konnte sich mit den Aufsätzen des Katalogs befassen, wovon einige hochwertig waren (ich denke hier besonders an den Artikel von Frauke Tomczak).

Susanne Fasbender (Bild: Saskia Zeller)

Katharina Schmitt (Foto: Saskia Zeller)

Zwei wesentliche Veränderungen haben den diesjährigen Kunstfilmtag bereichert. Zunächst wurden die Beiträge nicht mehr per Post oder per pedes eingereicht, wie in den vergangenen Jahren, sondern auf der Reelport-Plattform hochgeladen und dann juriert. Dadurch wurde der Call for Entry weltweit ausgestrahlt und erreichte sowohl Künstler als auch „klassische“ Filmemacher und Filmkreative aller Couleur. Neben einer Steigerung der Einreichungen auf über 500 Filme, hat dieser Auswahlmodus zu einer Erweiterung der GenreBandbreite geführt; klassisch-erzählerische Kurzfilme, die bisher kaum berücksichtigt wurden, fanden so Eingang in den Kunstfilmtag. Die zweite Veränderung betraf die Konstituierung eines Teams. Fasbender hat alle drei vergangenen Veranstaltungen im (Beinahe-) Alleingang durchgeführt und war demnach ausgebrannt. Nun wurde sie von der Künstlerin Katharina Schmitt unterstützt, die sich mit viel Energie und Tatendrang in die inhaltliche und organisatorische Materie stürzte. Im Hintergrund wirkten noch einige Menschen mit, um die zwei Macherinnen zu entlasten.

Der Original-Trailer wurde von Frauke Berg realisiert (Foto: Saskia Zeller)

Nach Aussage einiger treuer Kunstfilmtag-Aficionados war diese Ausgabe die bisher beste. Die Qualität der Beiträge wurde hervorgehoben, das sympathisch-lockere Ambiente genossen. Dieser Kunstfilmtag war also ein Erfolg und bildete für Susanne Fasbender und Katharina Schmitt die Bestätigung einer guten Zusammenarbeit. Und nun, da das Gewicht der Organisation auf mehreren Schultern verteilt wird, können wir hoffen, dass es in naher Zukunft eine fünfte Ausgabe der Veranstaltung geben wird…

Eine Performance von Taka Kagitomi im Atelier am Eck

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Nach seiner Ausstellung im Gagarin vor ein paar Wochen, schlug Taka Kagitomi ein zweites Mal in der Landeshauptstadt zu. Zusammen mit der Malerin und Fotografin Barbara Kruttke zeigte er seine Objektassemblagen im Atelier am Eck, einem kleinen Show-Room, der seit beinah 20 Jahren von der Stadt Düsseldorf unterhalten wird.

Foto: Adam C. Oellers

Der begnadete Bricoleur kreiert surrealistische Geräte aus Materialfundstücken, die an Möbel, Musikinstrumente oder vergessene Werkzeuge erinnern. Ganz im Geiste des Fluxus, können und sollen die Steampunk-Assemblagen auch angefasst, verwendet und mit diesen auch gespielt werden. Ihr poetisches Assoziationspotential erschöpft sich also nicht in der Skurrilität ihrer Erscheinung oder in einem vermeintlich spektakulären Aha-Effekt, sondern appelliert an die Bereitschaft des Besuchers, die übliche rezeptionelle Passivität zu verlassen und etwas zu tun.Und wenn der Besucher nichts tut, tut Kagitomi selber etwas. Zum Abschluss der kurzen Ausstellung führte der Japaner eine ebenso kurze Performance mit einem seiner Exponate durch.

Foto: Adam C. Oellers

„Instrumental Alchemist“ besteht aus Besen-, Stuhl- und Schaukelstuhlelementen sowie aus einer kleinen metallischen Weltkugel, die von einem eingebauten Motor in Bewegung gebracht werden kann. Auf dem Boden erinnert das Instrument vage an eine Harfe oder an einen barocken Schlitten; der Korpus, an dem Saiten aufgespannt sind, kann aber auch auf dem Rücken getragen werden. Durch kleine Bedienungshebel wird die Weltkugel in Schwingungen versetzt, schlägt gegen die Saiten und das hölzerne Gerät fängt an, Töne von sich zu geben.

Kagitomis Klangkörper wurde während der Performance zunächst durch ein Kruzifix und einen Gitarrengriff bespielt, später auf dem Rücken des Künstlers durch die Umgebung transportiert – und verschwand schließlich hinter einem Busch.

 
Die Performance fand am 21.10.2012 im Atelier am Eck statt

Agassi F. Bangura bei Leonhardi Kulturprojekte

eine Bildstrecke von Havva Erdem (Frankfurt a. Main)

 

Nach einer ersten Umsetzung im Rahmen des Städelschulenrundgangs 2010 und einer zweiten Präsentation in Künstlerhaus Mousonturm, hat Bangura – diesmal ohne Cooperation mit dem Künstler Claus Rasmussen – nun schon zum dritten Mal seiner Idee von „African Fitness Studio/Gym“ Gestalt gegeben. Diese basiert auf Fitness-Studios in seiner Heimat, die von der Bevölkerung selbst, ohne finanzielle Mittel und mit Hilfe eigentlich völlig beliebiger Materialien aus dem Nichts geschaffen werden, freizugänglich – und kostenlos sind und von den erfahreneren Nutzern, ja, wie solll man sagen, technisch angeleitet werden.

 

 
Agassi F. Bangura
„African Fitness Gym“
Eröffnung: Samstag, 22. September 2012, 19 Uhr
Dauer: 23. September – 29. September 2012
Training und Besichtigung, täglich von 18-21 Uhr
Seilerstr. 36, 60313 Frankfurt am Main
Pavillon der ehem. Friedrich-Stoltze-Schule
http://www.leonhardikulturprojekte.org/index.php?id=821

 

Im Gespräch mit Bülent Gündüz vom 360 Grad Blog

Auch wenn es manchmal den Anschein hat, Kunst und neue Medien finden im deutschsprachigen Raum derzeit nicht nur in Berlin statt. Obwohl die Konzentration von Blogs, Plattformen, Communities und anderen Onlineprojekten mit Kunst und Kulturbezug dort derzeit wohl unbestritten am höchsten ist. Aber – und das ist der Punkt – auch an anderer Stelle entwickeln sich innovative Projekte mit Pioniergeist und dem Anspruch neue Wege zu gehen. Die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn und das beschauliche Friedrichsthal sind solche Orte, denn dort entstehen die Ideen für den 360-grad-blog.de des Journalisten, Kunstkritikers, Beraters, Kurators und Bloggers Bülent Gündüz.

Und weil man das Rad nicht immer wieder neu Erfinden muss, und das Kopieren und Zitieren eine uralte Kulturtechnik ist die im Netz zu ungeahnter Blüte reift, greife ich an dieser Stelle kurzerhand auf Wikipedia zurück um den Mann kurz vorzustellen.

Gündüz ist der Sohn eines Türken und einer Deutschen. Er wurde in Saarbrücken geboren und wuchs in Friedrichsthal (Saar) auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums und der Ableistung des Zivildiensts studierte er Rechtswissenschaften. Nach Abschluss des Studiums begann Gündüz als freier Journalist für Zeitungen. Gündüz volontierte beim Kunstmagazin Artsjournal, war dort Redakteur und Ressortleiter und ist seit einigen Jahren freiberuflich für Magazine und Tageszeitungen tätig. Gündüz gilt als Experte für die Kunst des 20. Jahrhunderts, insbesondere für den Abstrakten Expressionismus. Seit 2009 ist Gündüz auch als freier Kurator und Ausstellungsberater tätig.

Hinzuzufügen wäre noch, dass der von ihm geführte 360-Grad-Blog seit 2006 existiert, damit zu den ältesten deutschsprachigen Kunstblogs gehört und der Autor selber, da 1971 geboren, noch ein Paar Jahre mehr auf dem Buckel hat. Aktuell arbeitet Bülent Gündüz an seinem ersten Buch, einer Biografie über den Maler Jackson Pollock.
Wir freuen und bedanken uns dafür, dass er sich dennoch die Zeit genommen hat die Fragen so ausführlich zu beantworten.

» Gimme more of this please. now …

Stefan Balkenhol, die Documenta 13 und die OCCUPY-Bewegung

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Sie sind wie Starbucks-, McDonalds- oder Nordsee-Filialen – wenn man in eine fremde deutsche Stadt kommt, kann man versichert sein, sie irgendwo zu finden. Die Rede ist von den Occupy-Camps, die sich mittlerweile in den urbanen Landschaften der Republik etabliert haben und, trotz gelegentlichen Räumungen, nicht mehr weg zu denken sind. Was ist aus diesen Herden des Widerstandes geworden? Während sie in Großstädten wie Berlin oder Frankfurt teilweise zur Artikulierung eines relevanten politischen Diskurses geführt haben und den enormen Beitrag geleistet haben, Plattformen des Austausches und der Protestkoordination zu werden, wirken sie in Provinzstädten wie ruhige Aussteigertreffpunkte, die ausnahmsweise vom Ordnungsamt toleriert werden.

(Damit wir nicht missverstanden werden: perisphere begrüßt die Occupy-Initiative unbedingt. Dieser Kampf ist richtig, genau so richtig wie seine Ziele. Vorliegender Artikel ist lediglich Ausdruck einer tiefen Desillusionierung über den Weg zu diesen Zielen. Wir hoffen, dass die Bewegung einen neuen Aufschwung finden wird; und wenn wir auf manche Fehlentwicklungen hinweisen, dann nur, weil wir von dem dringenden Wunsch einer kohärenten, kräftigen und differenzierten Kapitalismus- und Neoliberalismuskritik bewegt werden.)

» Gimme more of this please. now …

Cloud Eleven im Malkasten

eine Bildstrecke von Saskia Zeller (Düsseldorf)

 

Nach der Beendigung des wunderbaren Projektes wg/3zi/k/b ist es nicht lange still geblieben im Malkasten. Die Ablösung ist da! Gestern fand in den ehrwürdigen Räumen des Vereins eine Performance von Pia Karaus, Daphne Stahl und Malwina Steinhoff. Eine kleine Kostprobe haben wir für Sie da…

 

 

Guten Morgen Düsseldorf, guten Morgen Welt!

Jacques Rigaut (1898-1929), Arthur Cravan (1887-1919) oder Jacques Vaché (1895-1919) waren drei Helden des französischen Dadaismus und gelten – obwohl sie Zeit ihres Lebens keine einzige künstlerische oder literarische Arbeit im herkömmlichen Sinne veröffentlicht haben – als wichtige Impulsgeber der Avantgarden um 1920-1930. Diese drei  Männer (auf dem stark devaluierten Begriff „Lebenskünstler“ möchten wir hier verzichten), die ihre Existenz zu einem radikalen Kunstwerk gemacht haben und demnach sich nie als Künstler verstanden haben, haben spätere Größen wie Marcel Duchamp, André Breton oder Jorge Luis Borges entscheidend beeinflusst.

An diesen drei mythischen (wenn auch unsichtbaren) Figuren der Moderne müsste ich denken, als ich letzte Woche, zum Abschluss der Kunstpunkte in Düsseldorf, auf Hubert Körner stieß. Hubert wurde von Mark Pepper in dessen Atelier „Verdichtung des Realen“ eingeladen, das neben seiner Funktion als Produktionsstandort auch der Vermittlung von Performances oder Konzerte dient.

Mark Pepper

Körners kurzer und fulminanter Auftritt in der Stadt wird nicht so schnell vergessen. Der ehemalige Gärtner und letzter waschechter Sozialist dieser Republik wohnt seit 20 Jahren im Kreis Warendorf und darf nun das Leben eines Rentners genießen.  In seinen surrealistischen und trashigen Texten sowie in seinen an Art Brut erinnernden Collagen prangert er die kleinbürgerliche Korruption auf dem deutschen Lande und der tägliche, von allen Behörden abgesegnete Faschismus an. „Das Sexmonster von Warendorf“ war nur ein kleiner Auszug seines Talentes – und wer mehr erfahren und erleben will, kann auf YouTube einiges finden.

 

Für das wackelige Video und für die Einladung bedanken wir uns bei Mark Pepper.

Susan Collis im Honigbrot

Das HONIGBROT lädt herzlich ein zu:
SEPTEMBER HONIGBROT:
Susan Collis – Rein
Freitag 7. Sept – Sonntag 7. Okt 2012
Eröffnung / Opening Reception: Fr 7. Sept 19 Uhr
Fr 07. Sept 19 h: Ausstellungseröffnung
Sa 08.- So 09. Sept jeweils 14-16h: Cupcakes&Tea
Mi 19. Sept 20h: Der Glanz des Materials, eine Lesung zu Gernot Böhmes Atmosphäre (1995)
Do 27. Sept 20h: Screening: The Straight Story – David Lynch (1999), Popcorn&Bier
Sa 6. Okt 19h: Finissage, Musik&Drinks

PLATINE Festival in Ehrenfeld

von Maria Wildeis (Köln)

 

Bei dem Kölner PLATINE Festival werden rund 20 Werke in 6 verdunkelten Clubs und Kultureinrichtungen präsentiert, deren Ausstellungssituationen ein wenig an Rundgänge an Designhochschulen erinnern. Erklärung dafür könnten die Kooperationen mit der Utrecht School of the Arts, dem GameLab der HfG Karsruhe und der KHM sein.

Monkey Business von Ralph Kistler, Jan M. Sieber und Susann Maria Hempel, Photo: PLATINE)

Die PLATINE vermittelt einen Eindruck von einem wirklich unterhaltsamen Studienfeld der Medienkunst und den neusten Entwicklungen im Bereich der Augmented Reality („erweiterete Realität“). Unter Augmented Reality versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Durch diese Technik können sich herkömmliche Tische in Spielfelder verwandeln und Smartphones mittlerweile als neuartige Brillen eingesetzt werden, indem sie einen mithilfe von eingeblendeten Karten und historischen Informationen durch die nicht virtuelle Realität leiten.

[RE]ALITY von bildundtonfabrik, undefined development und putschkrakul

Die angehenden und ausgebildeten Entwickler, die auf dem Festival präsentiert werden, spielen mit den neuen komplexen Möglichkeiten der Einsen und Nullen der Softwareindustrie. Präsentiert werden Licht- und Soundarbeiten, die interaktiv auf den Benutzer reagieren, vielerorts durch Projection-Mapping, bei welchem 3D-Modelle auf reale Objekte projiziert werden und so die Nutzbarkeit des realen Objekts oder Sichtfeldes virtuell erweitert wird.

ROTOMAP, von GROSSE 8

ROTOMAP, von GROSSE 8

Der Rotomap 3000 ist ein audiovisuelles „DJ-Spiel“, bei dem mit einem Joystick unterschiedliche Klangspuren angespielt werden können. Vorher muss man die einzelnen Spuren erst frei spielen, indem man die jeweiligen Flächen mit einem kleinen Starfighter abschießt. Die Kombination aus Project-Mapping (die passgenaue Projektion auf 3-dimensionale Objekte) mit Bewegung und Sound in Echtzeit macht wirklich Spaß. Der Prototyp von 2012 wurde von GROSSE 8 entwickelt, den innovatien Grafikdesignern, die auch unter dem Namen Lichtfront als VJs tätig sind.

Der Regen hatte heute so seine Vorteile. So konnten wir zwischen den Schauern ausgiebig die teilweise raffinierten Projekte „ausprobieren“. Sie begreifen sich vielmals als Prototypen einer neuen Denkrichtung in der Spiele-Industrie. Dennoch, die meisten Arbeiten tangieren die Schnittstellen zur Kunst noch nicht ganz, die Werke begreifen sich vielmals eher als Prototypen und Modelle richtiger, sprich fertiger Kunst.

Boxes von JeongHo Park, Photo: PLATINE

Ausgereifte Gegenbeispiele dafür waren die Arbeit „Boxes“ von JeongHo Park und eine Lichtinstallation in der DQE-Halle von den RaumZeitPiraten, die der Kindheitsvorstellung eines richtigen Labors mit einer komplexen Konstruktion aus Lichtprojektionen, Lasern, blubbernden Glaskolben, Zahnrädern und Bewegungsmeldern visualisieren.

RaumZeitPiraten

RaumZeitPiraten

 

Platine Festival in Ehrenfeld
Locations: artheater / Club Bahnhof Ehrenfeld /Design Quartier Ehrenfeld / Zoo Schänke / Schreinerei auf der Heliosstraße
Bis Donnerstag täglich von 19:00 bis 23:00, Eintritt frei
www.platine-cologne.de

 

Fotos (wenn nicht anders ausgeschrieben): Michael Schaab

Gul Ramani im K4

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Für die neue Generation der jungen Düsseldorfer Videokünstler wird der Name Gul Ramani möglicherweise kein Begriff sein. Dabei bildete der ehemalige Paik-Student eine Ausnahmeposition in der hiesigen experimentellen Videoszene der 80er und frühen 90er Jahre. Seine humorvolle, narrativ angelegten und surrealistisch angehauchten Animationsfilme besitzen eine Leichtigkeit und eine Frische, die im besagten historischen Kontext Seltenheitswert haben. Mit schlichter und unprätentiöser Stop-Motion-Technik erzählte er heitere und grausame Geschichten, absurd, bunt, schelmisch und  melodiös wie manche Gedichten von Raymond Queneau. Trotz der verspielten, ja naiven Form, handeln die gebastelten Zeichentrickfilme von existentiellen Themen – Leben, Tod und immer wieder Liebe.

Die chronologische Mini-Retrospektive von Samstag machte deutlich, wie Ramani, der in seinem Frühwerk universell wirkende Kurzfilme produzierte, sich später seinen indischen Wurzeln wieder annäherte. In den späten 80er Jahren realisierte er animierte, auf indische Mythen zurückgehende Schattenpuppenspielen. Noch später schuf er dokumentarische Arbeiten die, ganz im Geiste seines Meisters Nam June Paik, das Auseinanderprahlen von indischer Tradition und Technologie fest hielten. Seine „Tierfilme“, die  von dem unverkrampften bis instrumentalisierenden Umgang asiatischer Völker mit Tieren handeln, bildeten den Abschluss der Präsentation. Einige dieser unkommentierten Filme sind jedoch so konventionell und klassisch, dass sie in einem Kunstfilm-Screening durchaus als verzichtbar gelten dürfen.

Die Rückschau hörte leider Mitte der 1990er Jahren auf, so dass Ramanis neuere Filmanimationen und sog. „Flash-Sketches“ – solche, die in erster Linie am Computer entstanden sind –, nicht präsentiert wurden. Der warmherzige Applaus und die zum Teil begeisterte Reaktion des Publikums zeigte jedenfalls, dass Gul Ramani kein bisschen vergessen worden ist – zumindest von der älteren Generation.

 
Gul Ramani im K4 am 28.7.2012
K4 – Kulturbureau Kiefernstr.
Kiefernstrasse 4
40233 Düsseldorf
Telefon: +49-211-7300256

Cineorama im Malkasten

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Die Idee ist zwei Jahre alt. Weil ihre Umsetzung aber doch nicht ganz simpel war, brauchte sie ein wenig Zeit um konkret zu werden. Diese Idee war, selten gezeigte Kunstfilme in einer eigens konzipierten Architektur mitten im Malkasten-Park zu präsentieren und, abseits des üblichen, düsteren Vorführungsraums, ein Filmfestival mit bukolischem Charakter und diskursiver Struktur zu kreieren. Initiatorin und hauptsächliche Antriebskraft des Projektes ist die Bildhauerin Erika Hock, über deren Arbeit wir hier bereits berichtet haben. Hock, die in ihren letzten Arbeiten dem Design und der Architektur immer näher kam – zunächst als Zitat und nun als autonome Eigenkreation – hat für das Cineorama ein hölzernes Modul konzipiert, das Raum für 30 bis 40 Personen bietet. Die offene aber bedachte Struktur, überzogen von einer elegant-rustikalen Bastoberfläche, artikuliert sich in zwei Momente: die Zuschauertribüne einerseits und ein Unterschlupf hinter der Projektionsfläche – der sich bei der gewitterigen Premiere am 22. Juni als besonders heilbringend erwies.

 

Trotz seiner schlichten, linearen Erscheinung war der Bau des Pavillons eine wahre Herausforderung für die Bildhauerin, die sie nicht ohne die kompetente Hilfe von Jürgen Findeisen hätte meistern können. Die begehbare Skulptur ist ein schönes Objekt geworden und integriert sich im Malkasten-Park perfekt. Aus praktischer Sicht könnte man einwenden, dass ein etwas größerer Entwurf durchaus angebracht gewesen wäre (viele Zuschauer müssen stehen und können die Projektionsfläche nur mäßig wahrnehmen); allerdings würde ein großes Objekt nur noch funktional wirken und, in diesem besonderen Fall, an skulpturaler Qualität einbüßen.

 

Hocks Metareflexion über die angewandte oder zweckfreie Funktion von Kunst, über den Status des künstlerischen Objektes und dessen Verhältnisse mit dem umgebenden Raum scheint sich auf neuen Komplexen geöffnet zu haben. Nun rückt sie die Beziehung Künstler-Kurator in den Mittelpunkt und, den Spieß umdrehend, lädt den Filmwissenschaftler und Kunsthistoriker Philipp Fürnkäs zur Gestaltung des Filmprogramms ein – die Kooperation als Arbeitsmodus bildet eine Konstante Hocks Ansatzes. Fürnkäs, derweil wissenschaftlicher Mitarbeiter von Julia Stoschek, hat zusammen mit der Künstlerin eine Reihe konzipiert, in der sich klassische Filmformate mit Lecture-Performances oder Arbeitspräsentationen abwechseln sollen. Das  Programm dreht sich dabei hauptsächlich um die Wahrnehmung von Architektur, bzw. von Urbanität.

Es ist in der Tat erstaunlich, wie viele junge bis mittelreife Künstler sich gegenwärtig mit dem Bild und der Funktion unserer Städte auseinandersetzen oder aber ihre Faszination für Bauwerke der Moderne (mehr oder minder) kritisch reflektieren. So fließen – in welcher Form auch immer – avantgardistische Architekturikonen und utopische Stadtentwürfe in das Forschungs- und Überlegungsfeld zahlreicher bildender Künstler, die, je nach Temperament und Ansatz, das Haus als künstlerisches Statement oder die Stadt als politisches Proposal verstehen.

 

Soweit wir es bisher urteilen können, erwies sich Fürnkäs und Hocks Wahl als präzise und konsequent. Die Fixierung auf Architekturthemen ist geradlinig; der Rahmen angemessen. Das Format der Veranstaltung ist klassisch (und richtig), die Filme werden von den Künstlern und von dem Veranstalterpaar selbst präsentiert und später vom Publikum kommentiert. Prinzipiell ist diese Saison-Veranstaltung eine unheimliche Bereicherung der Düsseldorfer Filmszene, worüber wir (wir Düsseldorfer) nur dankbar sein können. Was bei der Premiere ein wenig fehlte war der Geist der Unbekümmertheit, der an diesem Ort so deutlich berufen wurde. Die Anstrengungen der letzten Aufbautage waren bei den Organisatoren deutlich zu sehen, und trotz der charmanten Umgebung und der Ungezwungenheit des Gesamtkonzeptes, war ein Hauch von Anspannung zu spüren. Dies legte sich jedoch bei den folgenden Vorführungen.

 

Cineorama
jeden Donnerstag ab 20 Uhr
Jacobistr. 6, 40211 Düsseldorf
 
Kommende Programmpunkte sind geplant:
 
02.08 Filme von / Films by HEINZ EMIGHOLZ (Berlin) *1948
Maillarts Brücken (D 2001) 24‘
Zwei Projekte von Friedrich Kiesler (A/D 2006) 16‘
Einführung von / introduced by Philipp Fürnkäs

 

09.08 TOBIAS PUTRIH (Ljubljana/New York) *1972
Vortrag / Lecture: Cinema Projects 2007 – 2011
Im Gespräch mit / in conversation with Erika Hock
gefolgt von der Vorführung von / followed by the screening of
Golem, Paul Wegener (D 1920) 87‘

 

16.08 CORINNA SCHNITT (Braunschweig) *1964 zeigt / showing:
Das schlafende Mädchen (NL 2001) 8‘
Das nächste Mal (D 2003) 6‘
Living a Beautiful Live (USA 2003) 13‘
Tee trinken (D 2012) 15‘
Im Gespräch mit / in conversation with Philipp Fürnkäs

Karat: Interventionen am Straßenrand

von Maria Wildeis (Köln)

Leerstände implizieren Wandel: Etwas ist vorbei, eine Nutzung obsolet geworden und das Erschöpfen manifestiert sich in meist wahllos zurück gelassenen Einrichtungsgegenständen, verblassten Farben und dem Staub, der über den Oberflächen liegt. Der Staub dämpft die einfallenden Lichtreflexe, so verdunkelt sich der verlassene Raum und tritt aus dem Stadtbild zurück in ein Schattendasein. Er entzieht sich mehr und mehr einer öffentlichen Wahrnehmung und beginnt zu schweigen.

Bei Google-Maps werden die Vitrinen noch als Werbetafeln genutzt

Es ist ein beliebtes Mittel der Kunstschaffenden und ihren engagierten Förderern, diesen vergessenen Räumen neues Leben einzuhauchen, sie im verfallenden und immer wieder neu entstehenden Stadtgebiet zurück zu erobern und erneut zum Sprechen zu bringen. Sobald sich alte, verschlafene Räume auffinden lassen und die Möglichkeit es zulässt, wird der Ort unter frischer Regie wieder aufgeweckt und seiner Architektur eine neue Bedeutung verliehen.

So wurden auch in Köln alte Schaufensterkästen im Schatten eines oberhalb auskragenden, mit Wellblech verkleideten Parkhauses in der Innenstadt, unter jener frischen Regie der jungen Künstler und Off-Raum Betreiber Yvonne Klasen (hoi offraum), Malo (Hug me, Heimlich) und Paul Leo im April ganz beiläufig wieder zurück ins Licht gerückt. In der Nähe des Friesenplatzes befinden sich 14 alte Werbeschaukästen an einer viel befahrenen Straße, die längere Zeit nicht mehr als Anzeigenfläche vermietet wurden, wahrscheinlich wegen ihrer durch Parkplätze ungünstig gelegenen Position. Im Frühjahr erhielt das Karat-Team von den Parkhausbetreibern die freundliche Genehmigung für die neue Nutzung der Werbeflächen. Seitdem wurden die Vitrinen schon das dritte Mal bespielt.

Die aktuelle Ausstellung zeigt seit dem 16. Juni Arbeiten eines der Raumbetreiber, Malo (noch bis zum 8. Juli). Der Künstler präsentiert in den Kästen ungerahmte und sporadisch befestigte Malereien auf Papier, die in ihrer Farbigkeit und der gegenstandslosen Bildsprache hinter den alten Glasvitirinen das Stadtgefüge unauffällig in eine Ausstellungsfläche verwandeln. Die Intervention verfolgt nicht wie in einer Werbevitrine für gewöhnlich erwartet marktorientierte Absichten, ist nicht laut und bunt, reizt mit nackter Haut, sondern sie schenkt dem gewöhnlichen Moment des Vorbeigehens, des Auf-dem-Weg-seins, einen kleinen Augenblick der Entrückung.

Vergangene Ausstellungen zeigten eine Gruppenausstellung im April mit 14 Beteiligten aus der ganzen Welt (Amanda Midori (Sao Paulo, Brasilien), Benjamin Tillig (München), Frank Wunderlich (Leipzig), Johannes Amorosa (Köln), Katja Donnerstag (Köln), Linda Baumsteiger (Gent, Belgien), Lukas Goersmeyer (Köln), Lyoudmila Milanova (Köln), Matthew Randle (London, UK), Mercedes Mangrané (Barcelona, Spanien), Pavel Příkaský (Prag, Tschechien), Stefanie Klingemann (Köln), Tobias Becker (Köln)) und eine Ausstellung des zweiten Betreibers vom Projekt, Paul Leo, im Mai und Juni des Jahres. Da dürfen wir uns wohl bald auch auf eine Ausstellung von der dritten Karat-Organisatorin, Yvonne Klasen, freuen. Die leitete bis vor kurzem den mittlerweile wieder leer stehenden Hoi Offraum im Kölner Süden und wird als Künstlerin von der Galerie Mülhaupt vertreten.

Der Wandel steckt in jeder Architektur. Temporäre Eingriffe und Veränderungen zieren das Stadtgefüge und tauchen immer dort auf, wenn etwas vergeht, seine Strahlkraft verliert und Neuem weichen muss. Die architektonische Hülle bleibt bestehen, wird neu gestrichen, anders dekoriert und ausgeschmückt. Wir können gespannt sein, was in den Schaukästen, Off-Räumen und auf öffentlichen Plätzen der verschiedenen Innenstädte noch zu finden sein wird, wenn sie in unbestimmter Zeit wieder einer Umstrukturierung erliegen werden.

 

Infos zum Projekt: karat-ist-draussen.com

Der Single Club in der Raketenstation Insel Hombroich

Wenn Single Club und Raketenstation Hombroich mit sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein zusammen fällt, gibt es für die digitale Bohème Düsseldorfs natürlich kein Halten mehr. Sack und Pack werden mit Kind und Kegel in den Wagen verbracht und schon gehts ab aufs Land.

Und was soll ich Ihnen sagen? Es war ein wunderbarer Ausflug, mit allem was dazu gehört. Zumindest dann, wenn der ultimative Rausch und der zugehörige Exzess nicht mehr Mittelpunkt, sondern gut geplanter Akzent des Daseins ist, wenn man sich also dem bürgerlichen Leben sukzessive annähert.
Das sei hier im Vorfeld erwähnt, denn wir sprechen hier schließlich von einem Ausflug zum legendären Single Club und unsere Bildstrecke bricht eben an der Stelle ab, an der dieser eigentlich beginnt, nämlich bei einsetzender Dämmerung.
Aber was soll es, Partys soll man sowieso lieber feiern als anschauen …

Unser Trip durch Kunst, Architektur und Natur begann dafür schon am Nachmittag, in etwa hier, auf dem schmalen Weg vor der Langen Foundation. Natürlich reisten wir aber nicht mit dem Shuttlebus, sondern wie es sich gehört standesgemäß sportlich mit dem Wagen an.

Der stilechte Kunstblogger sollte immer von mindestens einer, im besten Falle, sogar von zwei schönen Damen begleitet werden.

… denen er mit etwas Abstand dezent folgt.

Vor der Langen Foundation traf sich das Kunstestablishment, es gab Currywurst mit Pommes und dazu eine Ausstellung.

Am Erdwall gegenüber vom bürgerlichen Lager treffen wir wie geplant auf Freunde, mit denen wir unseren Weg gemeinsam in Richtung der Raketenstation fortsetzen.

Wie nähern uns dem Ausstellungsort, die Assoziation des Ufos liegt nahe und gefällt. Wir kannten das Gebäude vorher nicht und waren natürlich von dem rätselhaft unfertigen Bau beeindruckt.

Der Bau wirkt wie die Kulisse eines Science-Fiction-Films und erinnert daran, im Jahr 2012, also in der Zukunft zu leben. Und je weiter wir gehen, desto mehr bewegen wir uns in einem Modell einer anderen, angenehmen Zukunft und vergessen für einen Moment die realen Dystopien um uns herum. Die Kunst beginnt zu wirken und es deutet sich an, dass alles eigentlich auch immer ganz anders sein könnte.

Der Blick auf den Eingang und in das Halbrund des Betonufos hinein, sorgt für mehr Irritationen. Wir fragen uns nach wie vor, was das für ein eigenartiges Gebäude ist und welche Bedeutung die aus der Ferne bereits erkennbare Holzkonstruktion hat. Die Dachlatten-Plastik im Eingangsbereich verstärkt den Eindruck des Unfertigen und steigert auf angenehme Weise die Verwirrung. Wir fühlen uns schnell wohl.

Um den Betonrund herum sitzen Gruppen von Besuchern auf Weg und Wiesen, trinken, rauchen, genießen den Sommertag und harren der Dinge.

Wir gehen rein.

Am Eingang gibt es Kraft durch Suppe. Wir sind uns nicht ganz sicher, ist es kalauernde Provokation zur Vergangenheit oder der Versuch des reflektierten Umgangs mit der Gegenwart? Wahrscheinlich beides und damit fast schon ein Schritt in Richtung Metamoderne. Das Schild wirkt trotzdem etwas prollig und unbeholfen, sorgt später auch für Unmut, woraufhin die SS-Rune entfernt wird. Als wir zum Bestellen kommen gibt es nur noch Uppe, die dennoch lecker schmeckt.

Beim Betreten des Innenhofs werden wir von den bereits anwesenden Gästen beobachtet.

Wir lassen uns davon aber nicht stören, sondern begutachten die erste großformatige Arbeit gegenüber des Uppenstands.

Die Lichtinstallation von Christoph Knecht arbeitet ebenfalls mit klaren Bezügen zu deutscher Vergangenheit und globalisierter Gegenwart, kommt dabei aber sehr viel weniger platt daher, als der Text am Eingang.

Die großformatigen Holzarbeiten von Stephan Engelke fügen sich gut in die Bauruine ein und geben einen ersten Hinweis auf die gelungene Komposition der Ausstellung. Im Whitecube würden die Objekte neutralisiert werden und mich schnell langweilen, hier entwickeln sie ein Eigenleben und wirken wie überdimensionale, zurückgelassene Baugerätschaften oder unfertige Möbelstücke.

Im Inneren des Gebäudes wird der Dialog zwischen Kunst und Gebäude fortgeführt. Zeichnungen, die wie Baupläne wirken, oder eventuell sogar welche sind, hängen gerahmt an den Wänden. Eine Videoprojektion zeigt ein Kameraeinstellungen einer Bauruine, wie die, in der wir uns befinden. Der Gesamteindruck ist allerdings stärker als die einzelnen Elemente. Das ist gut für die Komposition und das Arrangement der Ausstellung und des Settings vor Ort, aber weniger gut für die Wahrnehmung der einzelnen Arbeiten.

Die zahlreichen Räume des Gebäudes sind voll mit Kunst. Wir gehen durch die Gänge, lassen den Blick umherstreifem, schauen auf die Arbeiten, schauen auf die Architektur, schauen wenn möglich durch Nischen auf die Natur und schauen auf die Gäste. Der Blick auf die Kunst öffnet und verändert naturgemäß die Wahrnehmung, die Arbeiten bilden somit Fixpunkt und Kontrast zum Umfeld des Rohbaus, wirken wie surreale Schlüssel, die uns diesen inszenierten Ort eröffnen.
Und mir wird klar, eine gebührende Rezeption und Kritik der einzelnen gezeigten Arbeiten wird es nicht geben, man möge das bitte verzeihen. Die Kompetenz dafür liegt beim geschätzten Kollegen Mir und der weilt aktuell weit weg in Südfrankreich. Darüber hinaus sprengt der Umfang der Ausstellung den Rahmen unserer Möglichkeiten.

So beschränke ich mich auf das Flanieren, lasse den Blick weiter schweifen, und erreiche schließlich die Bar auf dem Dach, hole mir den Weißwein und beobachte nun selber die Gäste unten im Hof.

Unschwer zu erkennen ist das hier die Liste der teilnehmenden Künstler der Ausstellung the reality of the unbuilt.

Wir verlassen das Obergeschoß und begeben uns in den Keller.

Auch dort hängt Kunst, und der Kontrast zwischen Rohbau und ausgestellten Arbeiten wirkt stimmig. Assoziationen zu modernen Schatz- und Wunderkammern kommen auf.

Wir fotografieren.

Wir schauen.

Und schauen.

Und gehen.

Und machen in diesem Raum eine Pause, die Skulptur war beim ersten Blick von Oben bereits aufgefallen.

Dann gelangen wir in das Zentrum des Untergeschosses, wohnen für einen kurzen Moment dem 24h Sound-Performance-Programm bei und stellen fest, dass wir angekommen sind, es handelt sich offensichtlich um das Herz der temporären Gesamtkonfiguration.
Es ist des Singlecub.
Wir sind zufrieden, wir haben unser Ziel erreicht, haben es oder besser ihn gesehen, stellen uns kurz den Rausch, das Glück, den Wahnsinn und die Extase vor, die hier später vorherrschen wird, denken dann an die Übelkeit und die Kopfschmerzen des nächsten Tages, trinken schnell das Glas Weißwein leer und machen uns auf den Rückweg.

Rundherum war Kuchen bereit gestellt. Laut Facebook-Eintrag wurden die zu später Stunde noch als Waffen der Kritik eingesetzt werden. Bands die den Geschmack des Publikums nicht trafen, wurden damit beworfen. Für die Gäste der Party eventuell ärgerlich, für Außenstehende aber durchaus unterhaltsam und zweifelsohne eine tolle Geschichte, die nachhaltig zur Legendenbildung beitragen wird.

Wir glauben alles gesehen zu haben und verlassen den Keller lange bevor die Kritiker aktiv werden.

Oben versammeln sich immer mehr Leute.

Noch wird überwiegend ab- und rumgehangen, aber langsam kommt eine Ahnung von Partystimmung auf.

Wir werfen einen letzten Blick zurück und machen uns entspannt auf den Heimweg.

Stiftung Insel Hombroich
Raketenstation / Haus für Musiker
41472 Neuss

http://www.therealityoftheunbuilt.com
http://www.single-club.in

Auf der Bühne:

Stabil Elite (Italic)
Chiqueria (Single)
Felix Kubin (Gagarin Rec. / A-Musik)
Fragil (Single)
POPNONAME (Kompakt, Magazine)
Jan Schulte (Themes for Great Cities)
Sarah Feulner
TV ME
Horst Gläsker & Fabian Schulz
Wolfgang Betke
Radio Latte: Silent Disco

Mit Arbeiten von:
Johannes Bendzulla, Felix Burger, Nicolai Crestianinov, Frauke Dannert, Rußlan Daskalov, Stephan Engelke, Sabrina Fritsch, Sven Fritz, Ramon Graefenstein, Erika Hock, Clemens Hollerer, Oscar Hugal, Ko Ichikawa, Christoph Knecht, Timo Kube, Peter Miller, Anna Mirbach, Olga Pfeffer, Christoph Schellberg, Lukas Schmenger, Andreas Schmitten, Emil Schult, Koen Sels, Fari Shams, Jens Ullrich, Ben Van den Berghe, Rinus Van de Velde, Alexander Ernst Voigt, Moritz Wegwerth, Joachim Weischer, Sebastian Wickeroth, Edi Winarni, Alexander Wissel, Matthias Wollgast

I love Pubertät im Kunstverein Schwerin

Wer uns und unseren Blog etwas länger kennt der weiß, dass wir nicht nur online und digital aktiv sind, sondern immer wieder gerne den Platz hinter dem Schreibtisch verlassen um Projekte draußen, in der analogen Welt zu realisieren. Ein solches Projekt aus dem Umfeld der perisphere ist die aktuelle Ausstellung im Kunstverein Schwerin.

Julia Wirxel, die Organisatorin, ist nicht nur Berliner Korrespondentin unseres feinen Blogmagazins, sondern darüber hinaus auch noch Leiterin des Kunstvereins in Schwerin. Dort läuft bereits seit dem 21.06. eine Ausstellung über ein Thema, welches bei den allermeisten Leserinnen und Lesern bewegende Erinnerungen hevorrufen dürfte, die im Rückblick zwar durchaus belustigende Seiten entwickeln, im erlebten Moment selber aber oft alles andere als komisch, dafür aber hinreichend peinlich waren.

Kunstverein Schwerin - I Love Pupertät

Unter dem Titel ‚I ♥ Pubertät‚ präsentiert der Kunstverein Schwerin künstlerische Positionen von Heike Kati Barath und Joachim Weischer zu einer Zeit der Ersten-Male, der knallroten Köpfe und der abenteuerlichen Experimente mit sich, der Familie und den Anderen. Im Fokus der Ausstellung stehen aber weniger die konkreten Probleme junger, mit sich und der Welt ringender Heranwachsender, vielmehr geht es um allgemeingültige Fragen zum sozialen Kontext dieser wildschrägen Phase des Lebens.

Wie kann man die Pubertät lieben? Liebt man nicht eher New York? Und wer liebt sie, die Pubertät? Die Pubertierenden? Oder ihre Eltern? Oder die stets Junggebliebenen? Drückt man aufgrund der emotionalen Unvorhersehbarkeiten doch den Dislike-Button? Wie ist der Geschmack von Adoleszenz? Oder denken wir an Martin Kippenbergers Ausstellung „Durch die Pubertät zum Erfolg“?

Neue medizinische Entwicklungen versprechen Medikamente, die nach Lust und Laune eingesetzt werden könnten, um die Pubertät bei Kindern auszulösen, zu stoppen oder zu beschleunigen. Noch muten diese Möglichkeiten bizarr an. Bei Mädchen, die zu groß werden, wird die Pubertät bereits früher ausgelöst, um ihr Wachstum zu reduzieren (siehe den Film Tall Girls, 2012).

Und was ist mit der sozialen Pubertät? Diese verlängert sich, genau wie die körperliche stetig früher beginnt. Da ein jeder sich an die Wirrungen der eigenen Pubertät erinnern kann und Kunst per se einen Freiraum bereithält „anders“ zu sein, bietet sich eine Verschränkung von Kunst und Pubertät geradezu an. So sind die Positionen von Heike Kati Barath (*1966) und Joachim Weischer (*1971) als exemplarische zu begreifen. In ihrer Ausstellung kann man sich auf die Suche nach dem Pubertären begeben und in ihren Gemälden Verwandlungen vorfinden, die hormonell, mythologisch oder dämonisch bedingt sein können. Auch (Puber-)Tiere sind von den Transformationen nicht ausgenommen. Auf den Bildern der Künstler tummeln sich Teenager, die mit außergewöhnlichen Materialien versehen sind oder aus ihnen entstehen. Lange Silikonfäden werden bei Barath plastisch zu einzelnen Haaren. Ebenso unterstützt das Material Bauschaum verschiedene Metamorphosen. Joachim Weischer bearbeitet  vorgefundene Fotografien mit Knetmasse, fotografiert diese „Reliefs“ dann wieder und erzielt damit erstaunliche Ergebnisse. Die Haptik des Dreidimensionalen fügt sich bei ihm –  im Gegensatz zu Barath – wieder ins Zweidimensionale.

In beiden Werken sind kunsthistorische Referenzen zu finden, neben der Moderne wird die Pop Art thematisiert, als eine Referenz ist Philip Guston zu nennen, dessen Arbeiten zwischen Figuration und Abstraktion changieren. Interessanterweise haben fast alle Arbeiten der beiden Künstler keinen Titel, um eine größtmögliche Offenheit zu der in den Werken angelegten Erzählung, wie beispielsweise von Märchen, zu behaupten.

Generell wird eine Haltung spürbar, die Menschliches und Existentielles thematisiert und auch vor Abgründen nicht Halt macht. Übergangsphasen von der Kindheit in das Erwachsenendasein werden auf poetische Weise sichtbar, die die Pubertät als Metapher für das Leben und seine Herausforderungen schlechthin bereithält.

Joachim Weischer, Ohne Titel, 2008, Digitaler-C-Print

Heike Kati Barath, o.T., 2011, Acryl Fugendichter auf Leinwand

Programm

Freitag 29.06., 20 Uhr
Girls, Boys & Teenwolves. Monstrous Gender im Werwolffilm, ein Vortrag von Dr. Julie Miess, Literaturwissenschaftlerin, Berlin

Mittwoch 04.07., 20 Uhr
Führung und Filmabend, Chihiros Reise ins Zauberland, JP, 2001, Regie: Hayao Miyazaki

Freitag 13.07., 20 Uhr
Ein Kurzfilmabend zum Thema Pubertät von Nicole Rebmann, u.a. Kurzfilmtage Oberhausen

Mittwoch 18.07., 20 Uhr
Führung und Filmabend, So finster die Nacht, SE, 2008, Regie: Tomas Alfredson

Sonntag 29.07., 17 Uhr
Künstlergespräch mit Heike Kati Barath

Kunstverein Schwerin
Spieltordamm 5
19055 Schwerin
0049 (0)385 521 3166
www.kunstverein-schwerin.de

Kunst meets Open Source Festival

Das Open Source Festival in Düsseldorf unterscheidet sich in einem zentralen Punkt von zahlreichen anderen Festivals: Es geht kein ganzes Wochenende, sondern nur einen Tag und eine Nacht. Von daher steht der Exzess, also das kollektive Ausrasten inklusive Dixieklo-Umwerfen und Schlammbaden, die Bierrutsche zum Frühstück sowie der klebrige Geruch von Schweiß vermengt mit Grillwurst, nicht ganz so im Vordergrund wie andern Orts. Das Open Source auf der Pferderennbahn im Grafenberger Wald, wirkt in dieser Hinsicht vergleichsweise brav und gesittet – Düsseldorf eben.
Man fährt Mittags mit Fahrrad, Bus oder Taxi vor, man trinkt, man hört gute Musik, trifft Freunde und Bekannte und nicht all zu spät am Abend macht man sich wieder auf den Heimweg. Wer richtig Feierwütig ist zieht eventuell noch weiter, dieses Jahr ins Stahlwerk zur Nachtschicht.
Aber Gleichgültig ob nur am Tag oder am Tag und in der Nacht gefeiert wurde, die Besucher wachen am nächsten Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit im heimischen Bett, ziemlich sicher aber nicht im Zelt auf.

Diese Qualität macht das Festival zu einer Art großen Klassentreffen, an dem man all die Menschen wieder trifft, die man zwar kennt und mag, aber die man schon wieder ein jahr nicht mehr getroffen hatte. Es ist damit auch ein Treffen des Szenen, und diese Idee des lokalen Szenetreffs findet sich im Rahmenprogramm des Festivals wieder.

Zur lebendigen Kultur des Open Source Festival gehört neben der Musik ebenso die bildende und darstellende Kunst, Design und Mode. Alle Genres haben auf dem Open Source Festival eine Plattform gefunden, denn Musik ist längst eng verwoben mit weiteren Kultursparten.  Gemeinsam mit dem Amt für Wirtschaftsförderung kuratiert das Open Source Festival seit drei Jahren eine Auswahl von zwölf regionalen kreativwirtschaftlichen Konzepten, die ihre Ideen auf dem Festival vorstellen. Kaum in einer anderen Stadt ist die Verflechtung von Musik und bildender Kunst so stark wie in Düsseldorf und kaum eine andere Stadt brachte bisher so viele namenhafte Künstler hervor, wie u.a. Kraftwerk, Neu!, Kreidler, Mouse on Mars, Stabile Elite…. Zwei von ihnen – Mouse on Mars und Stabile Elite – sind mit neuen Klängen erneut auf dem diesjährigen Open Source Festival vertreten.

Der Kunstblog Eures Vetrauens hat sich diese Verflechtungen von Party, Kunst, Musik und Kreativwirtschaft angesehen und Bilder mitgebracht.

Toykio | Cafe, Designertoys, Urban Vinyl, Kunst und Szenemagazine
www.toykio.com

Mentor – Die Leselernhelfer Düsseldorf
www.mentor-duesseldorf.de

S/ash
de-de.facebook.com/slash.hhu

Kiosk zum röhrenden Hirsch
teilmoebliert.com

Gallery Slowboy
www.slowboy.de

Boehm Kobayashi
www.boehmkobayashi.de

el rizo
elrizo.com

Nina Sagt
ninasagt.de

Filmfest Düsseldorf
www.filmfest-duesseldorf.de

New Fall Festival
www.new-fall-festival.de

Roooms Project
www.roooms-project.com

garArt
www.garart-vivarte.de

Unique Records
www.unique-rec.com

Open Source Festival 2012
30.06.2102 in Düsseldorf
www.open-source-festival.de

brink – Ereignis zwischen Kunst und Wissenschaft

brink ist ein Hybrid aus Magazin und Ereignis zwischen Kunst und Wissenschaft. Das ambitionierte Projekt kommt aus dem Umfeld der Universitäten, ist aber über den Status eines studentischen Experiments hinaus. Das Laoyut ist professionell und der formulierte Anspruch hoch.
Thema und Titel von brink #2 ist Sprung. Ein Thema in vielen Beiträgen von jungen und renommierten Künstler_innen, Studierenden, Nachwuchswissenschaftler_innen und etablierten Professor_innen aus allen Wissenschaften und Persönlichkeiten aus Medien und Kultur. Kunst und Wissenschaft sollen sich bei brink in lebendiger Form begegnen und einen dichten und angeregten Austausch ermöglichen.

Und weil die Pressemitteilung von brink so schön ist, übernehmen wir diese hier einfach.

brink hat seine Wurzeln im Schweigen an den Universitäten, der Unmöglichkeit selbst sehen und sprechen zu dürfen und den fehlenden oder gescheiterten Dialogen zwischen Kunst und Wissenschaft. Es ist ein Projekt von Studierenden, die einen neuen Ort der Rede und der Sichtbarkeit erschaffen wollten und mit brink ein Magazin zwischen Kunst und Wissenschaft eröffnet haben.

Modularisierte Studiengänge, straffe Stundenpläne und durchstrukturierte Lehrveranstaltungen, die weniger Interesse als pure Anwesenheit fordern, lassen den Studierenden nur wenig Raum für die Beschäftigung mit selbst gewählten Forschungsfeldern. Das Bestreben, neue Diskurse zu öffnen und bestehende Diskurse zu erweitern unterliegt Zeitdruck und Effizienzdenken.

brink will hier Alternativen schaffen, in denen sich ein Miteinander und Nebeneinander in der Differenz zeigt. Zwischen Kunst und Wissenschaft – das heißt, neue Räume zu öffnen, Randgänge, Schwellenerfahrungen, Grenzsetzungen und Grenzüberschreitungen in der Begegnung mit dem Anderen. Die Begegnung nicht nur der wissenschaftlichen Disziplinen, sondern auch von Bild und Text als gleichwertige Positionen. Zudem vollzieht sich eine Öffnung zu Leser_innen, Betrachter_innen, und Besucher_innen: brink ist immer in der Bewegung zum Anderen – im ›anderen sehen‹ und im ›Sprung‹.

Am 22. Juni 2012 ging das Projekt mit der zweiten Ausgabe und dem zugehörigem Ausstellungsparcours in Wuppertal in die nächste Runde. Wir waren mit dem Fotoapparat vor Ort und haben das Projekt dokumentiert.

Projektraum Hebebühne

Ruth Weigand - Hinter einigen Tannengipfeln

Projekt UTOPIASTADT

Projekt UTOPIASTADT Innen

Jennis Li Cheng Tien - Counterforce bei UTOPIASTADT

Kunst und, oder Kunst vs Fussball? - UTOPIASTADT

Altes Tanzstudio

Bernd Härpfer & Pascal Fendrich im Alten Tanzstudio

Jan Verbeek im Alten Tanzstudio

Tom-Oliver Schneider im Alten Tanzstudio

Ana und Henrique Pereira da Silva

Julius Schmiedel und Michael Schmitt im Alten Tanzstudio

Raumzeitpiraten in der Postkutscherei

Kunstblogger mit Baby am Mann beim Erklimmen einer Arbeit von Anton Studer & Balz Isler in der Postkutscherei

Videoinstallation von Judith Rautenberg in der Postkutscherei

Weitere Informationen im Netz unter
www.brinkmagazin.de
twitter.com/brinkmagazin

facebook.com/pages/brink-Magazin-zwischen-Kunst-und-Wissenschaft/

Boehm/Kobayashi präsentiert Ant!Foto 2012 im Kunstraum Düsseldorf

Oliver Sieber und Katja Stuke alias Boehm/Kobayashi haben auch dieses Jahr zu Ant!Foto in den Kunstraum Düsseldorf eingeladen. Dem Aufruf gefolgt sind Laura Bielau, Rene Bonsink, Olivier Cablat, Jason Evans, Ulrike Heydenreich, Ted Partin, Pia Stadtbäumer,  80*81(Georg Diez & Christopher Roth) & Christoph Dettmeier »Country Karaoke«.

Franz Schuier vom Düsseldorfer Kreativstudio beansandbacon.com hatte sich zu unserer großen Freude vor einiger Zeit auf unseren Call-for-papers gemeldet und sich dann auch noch freundlicherweise bereit erklärt für unsere Leser mit der Kamera in der Ausstellung vorbeizuschauen. Zurück kam er mit einem gelungenem Minidokumentarfilm (01:51 min), in dem er einen schnellen und präzisen Einblick in die Ausstellung gibt. Wir finden das Super und sagen an dieser Stelle schon einmal Danke für den ersten Einsatz!

Und sie, liebe Leserinnen und Leser, drücken uns bitte die Daumen, dass uns der Mann erhalten bleibt!

Wie bei uns auch sonst üblich, verzichten wir bei Videoeinbindungen auf lange Texte und lassen den Film, die Ausstellung sowie natürlich Oliver Sieber und Katja Stuke sprechen.

Wer Ant!Foto 2012 persönlich in Augenschein nehmen will, der muß sich etwas beeilen, denn die Ausstellung läuft nur noch bis zum 01.07.2012.
Weitere Infos gibt es auf der Projektwebseite unter http://www.antifoto.de.

Ant!Foto 2012
24.5.–1.7.2012

Kunstraum Düsseldorf
Himmelgeister Straße 107e
40225 Düsseldorf
Tel. 0211.330237

Marc Sparfel in der Galerie t in Düsseldorf Flingern

Verlassene Möbel, die keinen Zweck mehr erfüllen oder einfach nicht mehr modern sind, bilden einen ‚urbanen Wald‘, der aus dem Asphalt erwächst.“ mit diesem Satz umschreibt Mark Sparfel kurz und knapp seine Arbeit. Vom 14.06. bis zum 20.07.2012 ist der Künstler in der relativ jungen Galerie t in Düsseldorf Flingern zu Gast. Freund und Kollege Klostermann war mit der Kamera vor Ort und hat ein Paar Impressionen der Ausstellung mitgebracht.

Galerie t
Hermannstraße 24
40233 Düsseldorf

http://www.galerie-t.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag nach Vereinbarung
Freitags 17-19 Uhr
Samstags 11-15 Uhr
Sonntags geschlossen

Christian Keinstar zu Gast bei Teapot in Köln

Der in Köln lebende Künstler Christistian Keinstar war vom 18.04. bis zum 19.05.2012 unter dem Titel „THE DARK AGE OF LOVE“ mit einer Soloshow und einigen neuen Arbeiten in der Teapot-Galerie in Köln zu sehen. Von dem Projekt gibt es eine ausführliche Videodokumentation, die wir hier einfach mal weitest gehend kommentarlos einbinden – einzige subjektive: Mein persönlicher Favorit ist Kanon 03.
Ich klicke Gefällt mir!

Und alle Düsseldorfer, die die Arbeiten von Keinstar mal live sehen wollen und es nicht nach Köln geschafft haben, freuen sich auf seine Show mit Susanne Giring, im kommenden Jahr im Parkhaus im Malkasten.

THE DARK AGE OF LOVE
18.04. – 19.05.2012

Teapot Galerie
Herwarthstrasse 3
50672 Köln
www.weareteapot.com

www.keinstar.de

 

Directors Lounge in der Black Box

Ein Bildbeitrag von Stefanie Pürschler (Düsseldorf)

Draußen wartet die ekstatische Masse darauf, dass die japanische Kulturbehörde mehrere Hundert Tausend Euro in die Luft verpulvert. Unmittelbar am Rheinufer aber, geschützt unter der Hülle des Filmmuseums, drängt sich ein besonnenes Publikum in die Black Box, um das alternative Programm zum Japan-Tag zu erleben. Dieses wurde von der Director Lounge aus Berlin zusammen gestellt, worüber wir hier bereits berichtet haben. Kuratiert von Julia Murakami und André Werner (der auch die Veranstaltung präsentierte), konzentrierte sich die Filmreihe auf kurze japanische oder japanisch-zentrierte Werke. Zum Schluss traten VJ Chuuu an der Turntable-Animation und der Multimedia-Künstler und das Kraftwerk-Gründungsmitglied Eberhard Kranemann zusammen auf. Und ihr Auftritt hatte die Fulminanz und die visuellen Prägnanz eines Feuerwerks…

 

André Werner als Master of Ceremony

Eberhard Kranemann

VJ Chuuu

release-party des kunstfilmtags 2012

ein Bildbeitrag von Christian Ahlborn (Düsseldorf)

Ungezwungene Atmosphäre, ziemlich gut gelaunte Gäste und ein pointiertes Programm: Der kunstfilmtag ist zurück!

Emmanuel Mir als freundlicher Moderator

Gezeigt wurde ein 50-minutiges Filmprogramm, bestehend aus ausgewählten Arbeiten der 5 vergangenen Jahren

Occupy Biennale in den Kunst-Werken Berlin

Die Berlin Biennale hat Occupy Museum mit den Kunst-Werken einen nicht unbedeutenden Teile der verfügbaren Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Occupy Museum ist im November 2011 aus der Occupy Wallstreet Idee hervor gegangen und startet damals mit einem Marsch in Richtung MOMA und Natural History Museum.

Occupy Moma - New York

Occupy Moma - New York

Nun hat es die Kunst-Werke Berlin erreicht und wird sich dort unter dem Titel Occupy Biennale für die kommenden zwei Monate gegenüber den komplexen Vereinnahmungsmechanismen des Kunstsystems behaupten müssen.
Wir möchten das Projekt im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten in dieser Zeit begleiten und den Versuch unternehmen, die daraus erwachsenden Paradoxien mit dem ein oder anderen Beitrag zumindest einmal anzuschneiden.
Glücklicherweise kam bereits vor einiger Zeit über facebook ein Kontakt mit der aktuell in Berlin aktiven Rafaela zustande, die uns nun mit ein Paar ersten Bildern von dort versorgt hat. Wer sich gerne eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte, dem seien die folgenden verlinkten Beiträge ans Herz gelegt.

Matthias Planitzer vom Castor-und-Pollux-Blog hat sich bereits im Dezember 2012 in einem längeren Artikel mit Occupy Museum und den damit verbundenen Aktivitäten in New York beschäftig.

Thing Frankfurt begleitet die Thematik seit Oktober 2011 unter dem Titel Occupy Schirn, erste Debatten zum Thema gab es auf der dortigen Mailingliste aber bereits im August 2009 (eine Zusammenfassung der Diskussion gibt es hier).
Für die Leser, die immer noch auf Künstler-Manifeste stehen lohnt sich der Click zu rebel:art (mit Video!) und wer ein Interview mit Noah Fischer dem (Nicht?)-Sprecher der Gruppe lesen möchte, dem sei der direkte Besuch der Webseite der Berlin-Biennale empfohlen.

Und für unsere Leser mit Ohren, die sich einen möglichst authentischen Eindruck wünschen, ist der nachfolgende, von radio99Prozent zur Verfügung gestellte, Audiomitschnitt der Pressekonferenz zu Occupy Biennale eventuell das Richtige. Videos davon gibts übrigens hier.

Und wer der Meinung ist, das politische Kunst Unsinn und sowieso schon lange fürn Arsch ist und eigentlich immer nur wegen der schönen, bunten Bilder hier vorbei surft, für den gibt es jetzt endlich die versprochenen Impressionen aus den Kunst-Werken Berlin.

Aber völlig unabhängig davon, was man denn davon hält und was nun daraus wird, zumindest als Ausstellung, als Happening oder als Performance sieht die Revolution doch eigentlich gar nicht so schlecht aus …

mit bestem Dank an rafaela.

Indignad@s Occupy Biennale
http://occupybb7.org

Kunstwerk Berlin e.V.
Auguststr. 69
10117 Berlin
www.kunst-werke-berlin.de/

Oliver Raths Fleischwaren in der Kunsthalle Heidelberg

Die Kunst/Halle in Heidelberg ist eines der klassischen Beispiele für den Wandel eines erfolgreichen Offprojektes zur etablierten Kunst- oder Kulturinstitution. Vor 9 Jahren startete die zugehörige halle02 als temporäres Projekt für ursprünglich nur zwei Jahre als Ort für zeitgenössische Kunst und Musik.
Seitdem bewegen sich die Betreiber Wolfram Glatz, Valentin Lüdike, Hannes Seibold und Yarid Wachsmuth mit ihrem Projekt laut eigenen Angaben auf dem ‚Schmalen Grad zwischen Anspruch und Kommerz, zwischen Sub- und Hochkultur‘, sind damit aber mittlerweile zum festen Bestandteil der regionalen Kulturszene geworden.

Die Kunst/Halle ist der aktuellste Spin-Off der umtriebigen Truppe, der sich deutlicher als in den Jahren zuvor als Hochkultur-Projekt positioniert und somit auch auf der ästhetischen Ebene die Anschlussfähigkeit an das globale Kunstspektakel beansprucht.
Off- und Subkultur wird sich in Heidelberg zukünftig an anderer Stelle neu definieren müssen.

Die aktuelle Show: Fleischwaren – Fotografien von Oliver Rath

Im April ist nun der Wahlberliner Oliver Rath mit einer Fotoshow an seinen Geburtsort zurückgekehrt. Oliver Raths Fotografien, die er regelmäßig auf seinem Blog rath-photografie.de veröffentlicht, zeigen unterschiedliche Szenen und Milieus – von Prominenten wie Karl Lagerfeld, Tim Raue und Boris Becker, über Musen wie Caro Clash, bis zu weniger bekannten Menschen, die Rath opulent und provokant inszeniert. Was viele der Bilder gemeinsam haben: Die Fotografien wirken wie Stills aus Filmen, mit durchgeplanten Choreographien, Requisiten und Schauspielern.

Der Heidelberger Tausendsassa, Fotograf und Sandkastenfreund des Autors dieser Zeilen Rüdiger Glatz war mit seiner Kamera vor Ort und hat die Vernissage in Bildern festgehalten.

Fotos: BHP

Fleischwaren – Fotografien von Oliver Rath
13.04.2012 – 02.06.2012
KUNST/HALLE HEIDELBERG

www.kunsthalle-heidelberg.de/

Projektraum Rottstr. 5 in Bochum

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

 

Mit ihren herunter gekommenen Gebäuden, ihren Sex-Shops und ihren zwielichtigen Kneipen ist die Rottstraße für die bürgerliche Bevölkerung von Bochum das Synonym des Anrüchigen schlechthin. Für die Akteure der hiesigen Kulturszene ist dieselbe Straße jedoch ein wichtiger Treffpunkt geworden, wo, jenseits aller Halbwelt-Romantik, ein unabhängiger Raum des Austauschs und der Vermittlung entsteht. Gerade auf der Nummer 5 verdichtet sich die Off-Szene. Angetrieben von einigen initiativreichen Produzenten und Vermittlern, organisiert sich hier der Widerstand gegen eine zentrale Lenkung des kulturellen Angebots. Nach den bitteren Erfahrungen von 2010, als Essen und das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt Europa erklärt wurden und spektakulären Mainstream-Großprojekten die Arbeit der altansässigen Kulturproduzenten in den Schatten stellten (in Bochum wäre der Platz des Europäischen Versprechens von Jochen Gerz zu nennen), will man sich auf seine Stärke zurückbesinnen: lokale Relevanz.

 

Eine lokale Relevanz findet man allemal auf der Rottstraße 5. Auf halben Weg zwischen Innenstadt und Jahrhunderthalle, mitten im Bochumer Westend, entwickelt sich etwas, was manche Medien gerne als „Kreativviertel“ bezeichnen. Die unter einer S-Bahn-Brücke gewonnenen Resträume, die lange als Produktionsstätte eines Fensterherstellers dienten, beherbergen seit ein paar Jahren ein kleines Theater, dessen unorthodoxes Programm von der Kritik gefeiert wird. Nebenan wurde 2005 eine Projektgalerie für Experimente aller Arten geöffnet. Federführend für einen Großteil des Programms ist nun Georg Mallitz, ein diplomierter Geologe, Philosoph und langjähriger Kunstvermittler, der, zusammen mit Christiane Conradt und im Auftrag des Hauptmieters des Ortes, Manfred Duch, den Raum animiert. Anstatt auf hippe Internationalität zu setzen, aktiviert Mallitz die lokale, bzw. regionale Szene und verstärkt damit ein lebhaftes Bochumer Künstler-Netzwerk.

 

Gewiss ist der Raum an sich nicht gerade einfach zu bespielen. Die dominanten Tonnengewölbe verbieten eine gescheite Präsentation von Malerei oder Grafikarbeiten; der Schwerpunkt liegt demnach auf Bildhauerei, Installation oder Performance. Die gute Akustik inspiriert auch Klangkünstler; bis vor kurzem war eine Klanginstallation von Robert Rosshoff in dem leeren Halbzylinder zu erleben. Die Galerie ist ziemlich das Gegenteil eines White Cube und bleibt eine Herausforderung: In ihrer Auseinandersetzung mit dem ungewöhnlichen Volumen des Raumes, sind die Künstler gezwungen, die üblichen Inszenierungsmodi ihrer Arbeit zu revidieren und auf neue Lösungen zu kommen.

Ansicht der Ausstellung Angst vor Licht

Auch wenn sie sich in einem Innenhof versteckt, ist die Rottstraße 5 keineswegs als kulturelle Enklave aufzufassen. Punktuelle Projekte, die die hiesige Bevölkerung einbeziehen und die umliegenden Läden als Präsentationsplattform nutzen, werden immer wieder realisiert – wie für das Großprojekt Angst vor Licht, das am Ende letzten Jahres stattfand. Demnächst soll eine riesig lange Wand in der Verlängerung der S-Bahn-Brücke als Ausstellungsfläche benutzt werden, so dass  der öffentliche Raum stärker bespielt wird.

Georg Mallitz, Kurator

Apropos Brücke: Auch wenn die Bochumer Szene einen besonders starken Zusammenhalt aufweist und Mallitz an weiteren Projekten mit lokalen Produzenten tüftelt, werden Brücken zu Münster, Essen und Düsseldorf geschlagen. Der redselige und Ruhr-verliebte Kurator sucht die Verbindung zu den dortigen Kunstakademien, bzw. Kunstschulen und hat eine kühne Vision entwickelt: Er will seine Heimatstadt als Auffangbecken verschiedener Strömungen in der Rhein-Ruhr-Münsterland-Region profilieren und gerade auf der Rottstraße eine Konvergenz der Medien bewirken. Es ist ambitioniert und leicht größenwahnsinnig – und deshalb gefällt es uns besonders.

 

Eine sehr gute Nachricht haben wir noch: Trotz seines gut gefüllten Terminkalenders wird Georg Mallitz künftig für perisphere schreiben und aus dem Ruhrgebiet berichten. Größenwahnsinnige Typen – wenn sie gut sind – sind bei uns immer gut aufgehoben. Schließlich wollen wir die Welt mit diesem Blog erobern.

Henrik Vibskov feiert sein Zehnjähriges bei Ruttkowski68

von Florian Kuhlmann (Düsseldorf)

 

Das Schreiben über die Kunst und die Künstler ist nicht meine, sondern nach wie vor die Domäne vom Kollegen Mir. Und so soll es auch bleiben, denn hier macht jeder das was er am besten kann. Ich habe allerdings nach wie vor die bessere Kamera und bin dank jahrelangem Training auch (noch) besser mit Photoshop. Von daher ist die Aufgabenverteilung klar: Beim Herrn Mir geht es ans Eingemachte, während ich die schönen Bilder für Zwischendurch liefere. Damit unsere Leser vor dem Schauen aber zumindest ein paar kurze Infos zum Geschauten bekommen, habe ich das wichtigste aus der Pressemeldung herauskopiert – Strg-C und strg-V sind auch hier wie so oft meine Freunde.

Henrik Vibskov, der vor allem für sein nach ihm benanntes Modelabel bekannt ist macht neben der Kunst auch Musik: er ist der Drummer der Elektro-Band Trentemøller und stellt weltweit in Museen und Galerien aus. Jetzt hat er Station in Köln gemacht, dort feiert er unter dem Titel Ruttkowski;68 – Vibskovski;72 das erste Jahrzehnt seiner Karriere. Auf seine typisch verspielte Art hat Vibskov 30 hölzerne Objekte angefertigt, die an die Vorstellungskraft appellieren sollen. Was auf den ersten Blick kindlich, spontan und zufällig wirkt, ist vom Künstler durchdacht.

Wir waren vor Ort, haben uns die Arbeiten angesehen und Bilder mit gebracht.

Einsames Bild an weißer Wand

Viele Bilder im kleinen Raum

Lustige Objekte in Holz hinter Glas

 

Ruttkowski68 – Vibskovski;72
13. April – 20. Mai 2012

www.ruttkowski68.com/
Bismarckstrasse 68
50672 Köln

Das Freie Kunst Territorium in Bochum

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Wenn es prinzipiell stimmt, dass eine unabhängige Kunstszene sich vor allem in großen, reichen Städten entfalten kann und von einem vorhandenen Angebot an kommerziellen Galerien, Kunsthochschulen oder Museen besonders profitiert, gibt es jedoch genug Ausnahmen, die diese Regel bestätigen. Bochum ist beispielsweise nicht gerade prädestiniert, ein solche Kunstszene zu beherbergen. Aber die Stadt besitzt eine wichtige Voraussetzung um Kunstschaffenden anzulocken: Preiswerte bis sehr preiswerte Mieträume in zentraler Lage.

Diese Tatsache hat Uwe Siemens dazu bewegt, die besser gestellte Stadt Essen zu verlassen und sich in ein verwaistes Gebäude von Thyssen-Krupp im Zentrum von Bochum anzusiedeln. Zusammen mit Christoph Gruse, Cristóbal Márquez, Dorothee Schäfer, Gabi Moll und Joanna Zadora-Gruse hat Siemens 2009 das Freie Kunst Territorium (FKT) gegründet, eine Ateliergemeinschaft, die die fantastischen räumlichen Möglichkeiten ihres Standortes ausschöpfen möchte.

En Teil der FKT-Truppe: Uwe Siemens, Christof Gruse, Gabi Moll, Dorothee Schäfer und Zorro

Die Zentrale des FKT befindet sich einem langgestreckten, bungalowartigen Gebäude, in dem lungenkranke oder verletzte Angestellte von Thyssen-Krupp sich bis vor ein paar Jahren behandeln ließen. Mit der strukturellen Umwandlung der Firma hätte das in den 1950er Jahren errichtete Mini-Sanatorium eigentlich abgerissen werden müssen. Aber während die umliegenden Hallen verschwanden, wurde das Haus aufgrund seiner industriekulturellen Relevanz – sowie mancher interessanten architektonischen Details – unter Denkmalschutz gestellt und blieb erhalten.

Bild: T. Bocian

Bild: T. Bocian

Ein Glücksfall  für Künstler und Kreative: Hier gibt es extrem preiswerte Quadratmeter und jede Menge Raum. Thyssen-Krupp kann sich übrigens glücklich schätzen: Das FKT, sowie die anderen Nutzer des Hauses, pflegen und hüten das Objekt und garantieren es vor einem sicheren Verfall. Der Schwerpunkt des FKT an diesem Standort liegt auf die Atelierarbeit. Die Künstler haben sich in den relativ niedrigen Räumen eingerichtet und, neben der Fortführung ihrer eigenen Produktion, veranstalten immer wieder Workshops und Kurse in Malerei, Bildhauerei oder Aktzeichen für ein Laienpublikum.

Christof Gruse im Atelier

Atelier Gabi Moll

Atelier Dorothee Schäfer

Diese Öffnung der Gemeinschaft zur Öffentlichkeit wird noch deutlich verstärkt durch die zahlreichen Ausstellungen, die in den Kellern des Hauses stattfinden. Dort sind keine riesigen Hallen zu erwarten, aber es ist immerhin genug Platz, um kompakte Präsentationen in guten Bedingungen zu ermöglichen. In unregelmäßigen Abständen werden hier lokale bis regionale Künstler präsentiert; monumentale Projekte sind eher ausgeschlossen.

Zu dieser Ausstellungstätigkeit kommen noch diverse interdisziplinäre Projekte, die die Schnittstelle zu Literatur, Theater und Musik suchen. Die passend betitelte Masala-Reihe bringt beispielsweise Künstler aller Sparten in dem Haus zusammen und, mit diversen Programmpunkten, schafft eine Festivalstimmung auf kleinstem Raum.

Sibylle Pieper - Performance während Masala 2011. Bild: © Cristóbal Márquez

Anja Schreiber - Performance während Masala 2011. Bild: © Cristóbal Márquez

Mia Sellmann - Performance während Masala 2011. Bild: © Cristóbal Márquez

Lesung von Witek Danielczok während Masala 2011. Bild: © Cristóbal Márquez

Apropos Raum: Das Gelände um die FKT-Zentrale steht der Gruppe auch zur Verfügung und wirkt zunächst unendlich groß. Die denkmalgeschützte Lage hält Investoren fern und, außer den üblichen halbwilden Tieren, haben die Künstler keine Nachbarn, die sich über Lärm beschweren können. Von solchen räumlichen Zuständen träumt die Künstlerschaft der großen Städte. Der Bochumer postindustrielle Garten wird immer wieder in Anspruch genommen, um Kunst im Freien auszustellen oder außergewöhnliche Aktionen zu realisieren. Im Mai startet eine poetische Performance-Nacht, in der Gedichte beim Vollmond und an unterschiedlichen Stellen des Gelände vorgelesen werden. Auch bei dem kommenden Natur-Festival wird eine Brachfläche bespielt.

Diese besondere räumliche Großzügigkeit, gepaart mit der Erreichbarkeit des Ortes, führen zu regelmäßigen externen Anfragen – die Lage ist für Konzerte, Partys und größere Freiluft-Events so toll, dass es eigentlich nicht überrascht. Die Gemeinschaft lässt aber nicht jeden zu und überlegt sich genau, wer rein kommt und wer draussen bleibt. Nicht-kommerzielle Projekte, die eine gewisse Geistesverwandtschaft zu den Grundsätzen des FKT aufweisen und trotzdem ein anderes Publikum generieren können, bekommen meistens den Zuschlag. Demnächst wird hier z.B. das Forum Freies Theater aus Düsseldorf eine Produktion realisieren.

Selten genug um unterstrichen zu werden: Das FKT ist übrigens kein e.V. und hat auch keine Ambition, ein solcher zu werden. Trotz des möglichen finanziellen Vorteils dieser Rechtsform, hat keiner Künstler wirklich Lust, Vereinsarbeit zu leisten und Zeit an administrativen Angelegenheiten zu verlieren. Das „Freie“ des Freien Kunst Territoriums ist wohl ernst gemeint…

Alex Müller im L40

Ein Bildbeitrag von Julia Wirxel (Berlin)

Wer wissen will, was das L40 eigentlich ist, kann es hier erfahren. Mehr Informationen zum Projekt von Müller gibt es da.

 

Shannon Bool und Alex Müller

Rundgang der fadbk in Essen

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Seit über 10 Jahren gibt es sie, die freie Akademie der bildenden Künste in Essen Kupferdreh. Die kleine, überschaubare Einrichtung mit der idyllischen Lage an dem Baldeneysee unterscheidet sich in vieler Hinsichten von anderen Kunsthochschulen im Lande: Jeder Student kann gleichzeitig bei mehreren Professoren oder Dozenten studieren und steht deshalb nicht in einem so engen Verhältnis zu seinem Mentor wie in den sonstigen, klassischen Kunstakademien. Anstatt des üblichen esprit de corps und der starren Klassenmentalität, die in den deutschen Kunstakademien herrschen, ist die Struktur der Lehre in der fadbk offen und durchlässig. Ein wenig nach dem britischen Modell erleben die Studenten dort eine große Freiheit.

 

Die gut ausgestattete Schule ist übrigens zum großen Teil berufsbegleitend orientiert. Diese Tatsache schraubt das Durchschnittsalter deutlich in der Höhe; nicht selten sind die Dozenten und Professoren jünger als ihre Studierenden – und Letztere lassen sich vor allem am Wochenende blicken.

 

Wenn der Rundgang einer Kunsthochschule tatsächlich als Spiegelbild der Qualität ihrer Lehre gelten soll, lässt sich, kurz und bündig, Folgendes über das Niveau der fadbk sagen:

Die Bereiche der Bildhauerei sind deutlich unterrepräsentiert. Der (erdrückende, beinah einseitige) Schwerpunkt der Lehre liegt hier auf Grafik und Malerei. Dass andere Medien möglich und willkommen sind, ist deutlich an den gut eingerichteten Werkstätten für Skulptur oder an den High-End (aber verwaisten) Videoschnittplätze zu erkennen – allerdings wird das Angebot nicht richtig angenommen.

Andrea Wyskott-Blauschek (Klasse Köpp)

Die relative Reife der Studierenden führt zu einer sofort erkennbaren Ernsthaftigkeit ihrer Auseinadersetzung mit Kunst. Dies ist noch längst kein Kriterium für Qualität, aber zumindest eine Grundbedingung für Qualität. Wer sich mit 40 oder 50 Jahren in den Kopf setzt, Kunst zu studieren, und sich auf die Gebühren der Privatschule einlässt, meint es in der Regel ernst – und ist dabei selten ein absoluter Anfänger. Wenn man hingegen die Absprungsrate von jungen Studenten in den herkömmlichen Kunstakademien betrachtet und die chronische Unentschlossenheit der Künstler-Aspiranten, versteht man auch das (teilweise) bestürzende Niveau der dortigen Rundgängen.

Uwe Siemens (Klasse Schneider / Schrudde)

Uwe Siemens (Klasse Schneider / Schrudde)

 

Konkret heißt dies: Exit die pathetische und expressive Schmiererei und die post-wilden Akzente; die Malerei wirkt in Essen selten so pubertär, ungeschlachtet und willkürlich wie in Düsseldorf. Abgesehen von ihrer jeweiligen Relevanz sind dort die Fragestellungen deutlicher formuliert und konsequenter verfolgt. Auch im Bereich  des Unzulänglichen sind die Unterschiede beider Institutionen vielsagend: Da wo die schwächsten Arbeiten im letzten Rundgang der Düsseldorfer Kunstakademie einfach belanglos und aufgeblasen wirken, sind die schwächsten Arbeiten in Essen konventionell, blaß, angepasst und akademisch.

C. Katja Veiser (Klasse Schrudde / Mechler / Köpp)

 

Grazyna Burek (Klasse Hantzsch)

Nicole Krinn (Klasse Mechler / Köpp)

 

Andrea Wyskott-Blauschek (Klasse Köpp)

 

 

Kristine Tusiashvili (Klasse Hantzsche)

Kristine Tusiashvili (Klasse Hantzsche)

Denise Ogan (Klasse Hantzsche)

 

Christian Schüler (Klasse Schneider)

Christian Schüler (Klasse Schneider)

Pit Molling (Klasse Schneider)

Pit Molling (Klasse Schneider)

 

Nicole Krinn (Klasse Mechler / Köpp)

 

Anna Schneider (Klasse Parlow / Schrudde)

 

 

Ralf Altreuther (Klasse Schneider)

Marlies Langenhorst (Klasse Schneider)

 

Claudia Knuth (Klasse Mechler / Köpp)

 

Christine Fischer (Klasse Ruch)

 

Der einzige Rundgang der Bundesrepublik mit freiem Büffet

 

ENTHUSIASM II im Düsseldorfer Schauspielhaus

Ein Bildbeitrag von Sirin Simsek (Köln und Düsseldorf)

Text: John Copy und Bob Paste

Die Enthusiasm-Reihe ist ein Echoraum für künstlerische und politische Avantgarden. Enthusiasm ist das Theater oder nicht.

1962 fand in Düsseldorf eine Revolution statt. Im Schulterschluss und Streit mit seinen Freunden Paik, Constant, Cage, Novalis und anderen entwickelte Carlheinz Caspari seine Denkarchitektur LABYR: ein Utopia, das jede Vorgabe ablehnt – und in radikaler Gegenwärtigkeit Kunst, Architektur, Politik, Philosophie als untrennbare Einheit denkt. LABYR ist Labor (Tätigkeit, Produktion) und Labyrinth (Unübersichtlichkeit, Zufall, Anarchie), in dem jeder Akteur und Zuschauer ist.


Enthusiasm II ist eine Labyrbegehung oder auch nicht. 17 Künstler, Performer, Artisten suchen nach der Labyrgesellschaft 50 Jahre nach Fluxus und 200 Jahre vor New Babylon. Es geht um nichts oder um die Veränderung der Welt. Der aktuelle Labyrbedarf ist gewaltig: Anfang der Sechzigerjahre fand in Düsseldorf keine Revolution statt.

Mit: Mary Bauermeister, Ellen Caspari, Wilfried Dörstel, Ludwig Haugk, Markus Herse, Christian Jendreiko, Andreas Korte,Marie Milbacher, Thorsten Nolting, Christian Posthofen, Kevin Rittberger, Celine Schäfer, Elena Schmidt, Stefan Schneider, Julia Stoschek, Stefan Werni, Volker Zander

Venus und Apoll – Ortsbegehung

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Auch an Mut fehlt ihr nicht. Julia Stoschek hat sich mit ihrer auf Film- und Videokunst fokussierten Sammlung binnen weniger Jahre einen Namen in dem internationalen Kunstbetrieb gemacht. Ihr junger und hochkarätiger Kunstbesitz, der seit 2007 in einem burgähnlichen White Cube (eigentlich einer Black Box) auf der Schanzen- straße zu bewundern ist, sowie die regelmäßigen Screenings, Performances und Events, die dort stattfinden oder stattgefunden haben, haben die Düsseldorfer Kunstlandschaft unheimlich bereichert. Die Frau hätte sich mit diesen Errungenschaften begnügen und weiterhin ihre Zeit zwischen Kunstmessen, Galerien, VIP-Empfängen und der eigenen Sammlung verbringen können.

Aber nun dass die Maschinerie der Sammlungspräsentation perfekt läuft und dass sich etwas wie der Anfang einer Routine einstellt, sucht die Umtriebige eine neue Herausforderung. Und diese musste natürlich weit weg von dem Glamour und von der Perfektion ihrer natürlichen Umgebung gefunden werden. Der Worringer Platz schien dabei ein geeignetes Terrain, um mit neuen Formaten zu experimentieren und die (ohnehin einiger- maßen vorhandene) Bindung an die junge, unabhängige lokalen Kunstszene zu verstärken.

Nach zähen Verhandlungen gelang es Stoschek, die Räume eines ehemaligen russischen Kosmetikstudios (das eher als Kulturzentrum der anderen Art zu bezeichnen wäre) zu mieten. In der in Venus und Apoll unbe- nannten Lokalität sollen ein Jahr lang Konzerte, Performances, Gesprächsrunden und Filmscreenings präsentiert werden. Anders als die bisherigen aufwendigen Events der Julia Stoschek Collection sollen die Projekte hier relativ schlicht bleiben und unvermittelt über die Bühne gehen.

Die Idee stand von Anfang an fest: Man übernimmt die Räume wie sie sind, renoviert nichts und macht einfach Programm. Nichts gestalten, nichts anrichten, nur machen – eine angenehme Herangehensweise. Daher gab es bei der Ortsbegehung am vergangenen Samstag einiges zu erkunden. Die ehemalige Ladenbesitzerin hatte dort im Laufe der Jahre einen verwinkelten Beauty-Palast mit Ost-Block-Touch aufgebaut und dieser war noch in seinem ursprünglichen Charme zu erleben. Vor allem der Gang in das Untergeschoss erwies sich als eine Reise in eine andere Dimension des Geschmacks. Auf einem mit Mickey-Mouse-Masken gezierten Massage- raum folgten einen Nagelstudio mit kitschigen Harlekin-Posters oder eine Friseur-Abteilung, aufgehübscht mit karnevalesken Überbleibseln und den abgerissenen Doppelseiten erotischer Magazine.

Zwischendurch eine rot bemalte Kammer mit schrägen Dächern, eine merkwürdige Wasserstelle am Ende eines langen Korridors oder ein grell beleuchteter, befleckter, verließartiger Raum, dessen Funktion schleierhaft blieb. Daneben ist Guantanamo ein Holiday-Inn; Gregor Schneider kann wieder einpacken.

Das Erdgeschoss bietet seinerseits eine sehr große Fläche, bestens für Konzerte, Lesungen oder Partys geeignet. Eine Bar wurde improvisiert und die vorhandene Bühne benutzt. Eine Party wollte die Eröffnungsfeier allerdings nicht wirklich werden. Nach einer nicht besonders originellen Darstellung der postpubertären Band Beefy Arms Spring Break (Zusammenfassung: Schall und Rauch), legte Andreas Korte auf; aber anstatt zu tanzen wollte das Kunstvolk lieber draußen rauchen und klönen. Das funktionierte sehr gut – wenn Venus und Apoll die Geselligkeitsfunktion übernimmt, die wg3zikb nun nicht mehr erfüllen kann, dann ist die hiesige Künstlerschaft gerettet.

Allerdings zeigte Düsseldorf an diesem Abend früh genug sein wahres Gesicht: Um Punkt 22:40 Uhr (es war Samstag!) kam die Polizei und bat darum, die Bässe runter zu drehen. Diese Stadt hat ihre Künstler nicht verdient.

Es soll trotzdem weiter gehen: Der nächste Termin ist der 13. April, zum Screening von Filmen des britischen Filmemachers John Smith. Im Mai gibt es die Katalogpräsentation der aktuellen Ausstellung, zu der begleitend einen Film von Ben River gezeigt wird. Wir werden mit Sicherheit dabei sein und berichten.

 

 

wg-Auflösung

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Markus Ambach und Birgit Jensen (Foto: Jörg Weule)

Es wurde kein pathetischer Abschied; es gab keine rückblickende Rede mit Tremolo-Stimme, keine Lebewohl-Gesänge mit hoch gehaltenen Feuerzeugen und keine Tränen in den Augen von Birgit Jensen und Markus Ambach. Aber alle waren sich einig: die wg hinterlässt eine Lücke. Ein Mal pro Monat trafen sich in dem Malkasten Künstler, Wissenschaftler, Galeristen und andere kreative Geister auf der Suche nach einer anregenden Kultur der Gastlichkeit und des Austauschs. Aus der gesamten Bundesrepublik und aus dem Ausland kamen die eingeladenen Gäste, um über ihre Arbeit zu sprechen, um Musik aufzulegen, Performances durchzuführen, Vorträge zu halten, Truthähne zu backen und Wein auszuschenken. Mit der Tradition der wg3zikb verschwindet ein lokales Kulturgut, das in Düsseldorf keine Äquivalenz kennt.

Feldforschung Abendbrot (Foto: Birgit Jensen)

Dabei sind weder Birgit Jensen noch Markus Ambach die Kräfte ausgegangen. Vielmehr merkten die zwei Künstler, dass neun Jahre genug waren. Geboren wurde das Projekt aus einer Notwendigkeit. Die Notwendigkeit, den in die Jahre gekommenen Malkasten-Verein durch eine energische Zellenkur zu erneuern, jüngere Künstler zu aktivieren und die hervorragenden Räume im Jacobihaus zu nutzen. Mit der großen Unterstützung des Vereins entstand ein Ort der Geselligkeit und der Kommunikation; und das Veranstaltungsformat, das sich im Laufe der Zeit etablierte, hat nicht an Frische verloren.

Ingke Günther (Foto: Birgit Jensen)

 

Feldforschung Abendbrot (Foto: Birgit Jensen)

Für die Dernière wurden vier Gäste eingeladen. Wie Jensen schelmisch bemerkte, berichtete der eine über das, was er gemacht hat, der andere über das, was er nicht gemacht hat und der dritte über das, was zu machen ist. Die vierte Partei bildeten Jörg Wagner und Ingke Günther, die mit ihrer Feldforschung Abendbrot ein deutsches Phänomen untersuchen, das vom Aussterben bedroht ist – eben: das Abendbrot – und die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten dieser Gattung präzise analysieren. Die Künstler schmierten an diesem Abend Domino-Brote und wiedersprachen damit dem guten, alten deutschen Spruch, wonach man nicht mit dem Essen spielen darf.

(Foto: Birgit Jensen)

 

Fritz Balthaus (Foto: Birgit Jensen)

Aus Berlin war Fritz Balthaus angereist und präsentierte in seinem Vortrag „Lassenmüssen“, eine Kompilation seiner Projekte im öffentlichen Raum, die aus welchem Grund auch immer nie durchgeführt wurden. Eine schöne Form des Recyclings für gescheiterte oder totgeborene Projekte.

Volker Lang (Foto: Birgit Jensen)

Der Hamburger Volker Lang präsentierte im Gegenteil seine Realisierungen und erörterte also, was er aktuell macht. Der Bildhauer bezieht Literatur in seine Arbeit ein und verwandelt das gesprochene Wort zu einem plastischen Bestandteil seiner skulpturalen Praxis.

Stefan Saffer (rechts hinter dem Apfel) (Foto: Birgit Jensen)

Stefan Saffer schließlich erläuterte was zu tun ist und präsentierte dem gutgelaunten Publikum seine ästhetisch-philosophische Betrachtungen „Aus Schirnaidel“.

(Foto: Birgit Jensen)

Trotz der relativ emotionalen Zurückhaltung der letzten Feierlichkeiten, soll es noch ein Abschiedsfest geben. Voraussichtlich am Ende des Jahres wird eine Publikation zu den vielfältigen Tätigkeiten des wg3zikb erscheinen – ein Anlass, um auf die schönen Jahre anzustoßen. Und vielleicht haben sich bis dahin unternehmungsfreudige und ideenreiche Nachfolger gefunden. Wer die wg3zikb in dieser oder einer anderen Form wieder aufleben lassen möchte, soll sich nun erheben…

Wie Birgit Jensen sagte: „Wir hoffen, dass wir etwas gesät haben und das bald etwas entstehen wird“

BURNING BEASTS von Claudia Bosse

Die Rhein-Main-Linie ist in der Perisphere noch nicht nahtlos und der Informationsfluss manchmal zäh. Es ist schon zwei Wochen her, als die Regisseurin und Künstlerin Claudia Bosse ihre langatmige Performance Burning Beasts vor dem Frankfurter Kunstverein veranstaltete. Die Ingredienten der lauten und zerstörerischen Aktion: 10 Autowracks, 40 Lautsprecher, eine Handvoll schreienden und gestikulierenden Performers in Astronauten-Pyjamas und der beschauliche Fußgängerweg zwischen dem Rathaus Römer und dem Kaiserdom. Unsere Frau vor Ort hat sich der Gefahr ausgesetzt.

Ein Bildbeitrag von Havva Erdem (Frankfurt a. Main)

Burning Beasts erkundet im öffentlichen Raum die Grenzen und Ikonen der Überschreitung öffentlicher Ordnung. Was ist zu tun angesichts der weltweiten Unsicherheiten über die politische und gesellschaftliche Zukunft? Die Stimme erheben? Kollektiv das Sprechen verweigern? Oder brennende Biester sprechen lassen? Burning Beasts ist eine temporäre performative Installation im öffentlichen Raum Frankfurts.

Während eines Aktionszeitraums (13. – 18. Februar 2012) entsteht im öffentlichen Raum zwischen Dom und Römer eine performative Installation bestehend aus 10 Autokörpern und 40 Lautsprechern. Die Autos werden bearbeitet, verändert, verformt. Über die auf den Autos installierten Lautsprecher sind Interviews über Demokratie und Freiheit sowie Musik zu hören.

“Die für das Ausstellungsprojekt ‘Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen’ entwickelte performative Installation ‘Burning Beasts’ tritt in einen Dialog mit dem öffentlichen Raum und verhandelt dort Vorstellungen von Demokratie, Besitz und Freiheit. Anhand des Bildes zerstörter Autos, das sich als Symbol für den Angriff auf die Sicherheit, Mobilität und Selbstbestimmtheit des Einzelnen in unser kollektives Gedächtnis eingeprägt hat, untersucht Bosse die Grenzen und Ikonen der Störung öffentlicher Ordnung. Die Wracks schreiben sich in die städtische Struktur ein, stören die bestehende Stadtlandschaft und befragen die Bedingungen der öffentlicher Ordnung: Was ist zu tun angesichts der weltweiten Unsicherheiten über die politische und gesellschaftliche Zukunft? Die Stimme erheben? Kollektiv das Sprechen verweigern? Oder ‘brennende Biester’ sprechen lassen?” (Frankfurter Kunstverein).

single-club: Die Februar-Session

Vom Keller einer albanischen Kneipe am Worringer Platz zur ersten Hausnummer auf der Kö: Der Sprung, den Alexander Wissel mit seiner Single-Club gewagt hat, hätte kaum größer sein können. Nach dem Verdruss mit dem Ordnungsamt im letzten Jahr, hat sich das skulpturale Konzept in einem Wanderprojekt verwandelt und okkupierte am vergangenen Samstag die Attic, jene von den craaazy Party-People bekannte Adresse mitten in der Stadt. Dort stammte Wissel zusammen mit Frauke Dannert, Lukas Goersmeyer, Gesine Grundmann, Tomas Koester, Martin Pfeifle, Jan Vedder, Jan Wagner und Matthias Wollgast die exotische  Austattung im Schlaraffenland-Stil und ließ es von 20 bis 8 Uhr krachen. Ein Teil der produzierten Ausstattungsobjekte werden übrigens ab nächste Woche im MAP zu sehen sein, wo das Single-Museum in der Ausstellung „Am Rande der Kunst“ präsentiert wird – Eröffnung ist am 3.3.  (keine Panik; wir werden schon berichten).

ein Bildbeitrag von Sirin Simsek

 

Andrea Knobloch und Ute Vorkoeper im Nachtfoyer – zum nachhören

Am vergangenen Donnerstag fand in der Kunsthalle Düsseldorf die Präsentation des Buchs Kunst einer anderen Stadt von Andrea Knobloch und Ute Vorkoeper statt. Erstere ist Künstlerin, die zweite Autorin und Kuratorin und beide führten zwischen 2009 und 2011 ein groß angelegtes Projekt im Rahmen der IBA in Hamburg durch.

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Die IBA hat sich vorgenommen, die Stadtentwicklung voran zu bringen und die südlichen Gebieten mit neuen, ökologisch und sozial sinnvollen Konzepten zu erschließen (der Erweiterungsplan läuft unter dem medialen Codename „Sprung über die Elbe“ und klingt für einige kritische Geister ein wenig wie die Überschreitung des Rubikon). Dabei sollen bisher verwaiste Stadtteile wie Wilhelmsburg und Veddel gründlich rehabilitiert und in die sich profilierende Metropole integriert werden.

Während die übrigen Akteure der IBA sich in unzähligen Ausstellungen und Podiumsdiskussionen über das Hamburg der Zukunft unterhielten, realisierten Knobloch und Vorkoeper eine Kunstplattform, die die gesamte Veranstaltung begleitete und den Blick des Rezipienten auf Felder lenkte, die von der IBA-Maschinerie nicht berücksichtigt wurden. Jenseits von reinen hanseatischen Ausweitungsansprüchen wurde zudem eine grundsätzliche Reflexion zur Rolle der Kunst in der Stadt angestachelt und damit eine Meta-Perspektive geöffnet.

„Kunst einer anderen Stadt fokussiert deshalb auch weniger auf Kunst und Stadtentwicklung, ohne das Feld auszuklammern, dafür mehr auf den gesamten Handlungsraum bzw. das Handlungsgefüge Kunst in der sich wandelnden Stadt, das dank der IBA über mehrere Jahre beobachtet, erprobt und reflektiert werden konnte. Der Band zeichnet die Bedingungen und die sozialen wie kulturellen Bedeutungen nach, die bildende Kunst und Bildung durch Kunst im benachteiligten Randgebiet ebenso wie in wie in der ganzen, sich vielfach verändernden Stadt, mithin in einer sich verändernden demokratischen Gesellschaft zu übernehmen vermag.“ (Knobloch / Vorkoeper aus dem Vorwort der Publikation).

Im Vorfeld hatten wir auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Nun ist – dank der freundlichen Mitwirkung von Frauke Berg –  die Buchpräsentation in voller Länge zu hören.

Nachtfoyer am 14.02.2012 in der Kunsthalle Düsseldorf

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Wenn Sie diese Aufnahme nicht über unsere Webseite hören wollen, können sie diese gerne herunter laden. Das mp3-file steht unter der Creative Commons License CC BY-NC 2.0 zum Download bereit.

nachtfoyer – kunst einer anderen stadt.mp3

.wav – We are visual in der Galerie im Gängeviertel

Das Hamburger Trio .wav stellte im Oktober 2011 in der Galerie im Herzen des Gängeviertels aus.

Aus der Galerie auf die Straße

We are visual, abgekürzt .wav, ist ein in Hamburg ansässiges Künstlertrio, das vor allem Arbeiten im öffentlichen Raum realisiert. Brent Dahl, Felix Jung und Marc Einsiedel arbeiten dabei gerne mit vorgefundenem Material oder intervenieren ungefragt im Stadtraum.

Im Unterschied zu vielen ihrer Kollegen aus dem Streetart und Graffitibereich arbeiten die Drei nicht im Schutz der Nacht, sondern sind fast immer tagsüber aktiv. Anstelle der Strategie der Tarnung bevorzugen Sie die Täuschung, so sperren Sie ihr Arbeitsgebiet mit Hilfe von Pylonen fachgerecht ab und arbeiten in der knallorangefarbenen Schutzkleidung von Straßenarbeitern für jeden gut sichtbar – und bleiben damit in ihren Absichten doch (meistens) unbemerkt.
Auf diese Weise entstehen einfache und witzige Eingriffe wie surREAL, am Alten Rindermarkt in Hamburg oder Touristosaurus in der Hamburger Hafencity, die dann zum Glück für all diejenigen, die nicht zufällig dabei sind, als Video dokumentiert werden.

surREAL am Alten Rindermakt

Ausstellung in der Galerie im Gängeviertel

Neben ihrem Enagagement im öffentlichen Stadtraum betreiben sie seit einiger Zeit eine Galerie im Gängeviertel, in dem sie vorzugsweise junge Hamburger Künstler zeigen. Im Oktober 2011 haben die Drei dann den Ort genutzt um dort zum ersten Mal Ihre eigenen Arbeiten zu präsentieren. Unter dem Titel Materialstudien waren dort Werkstudien zu sehen, welche dann später als skulpturale Eingriffe final auf der Straße installiert wurden. Der Weg geht hier also nicht von der Straße in den Ausstellungsraum, wie so oft in der aktuellen Streetart zu beobachten, sondern zur Abwechslung einmal in die umgekehrte Richtung.

Teil der Ausstellung waren unter anderem eine aus Absperrmaterialien gefertigte Bank sowie eine Skulptur mit dem Titel der Baum. Beide Arbeiten wurden mittlerweile in Hamburg ausgesetzt.

Die Bank als Studie in der Ausstellung

Die Bank als Exponat ausgesetzt in Hamburg

Der Baum - die Studie


Der Baum wir ausgesetzt

Weitere Bilder und Infos gibt es bei den Kollegen von rebel:art und urbanshit.
Mehr Informationen zu .WAV und Videos ihrer Aktionen unter www.wearevisual.org.

Cage-Performance in der Kunstakademie Düsseldorf

Im September 2012 wäre John Cage 100 Jahre alt geworden. Der Komponist, der eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Neuen Musik gespielt hat, wirkte im Kreis der Fluxus-Bewegung und war eng befreundet mit Joseph Beuys und Nam June Paik, beide Professoren der Kunstakademie. Einige seiner Stücke wurden Zeit seines Lebens in Düsseldorf aufgeführt und so ist es nur konsequent, dass im Rahmen dieses Jubiläums eine verstärkte Beschäftigung mit seinem Werk in dieser Stadt stattfindet.

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)
Fotos: Sirin Simsek


Vor den drei Konzert-Performances, die im November dieses Jahres noch aufgeführt werden, gab es während des Rundgangs der Düsseldorfer Kunstakademie ein kleines Vorspiel, dirigiert von Roland Techet, Kapellmeister an der hiesigen Oper, und gespielt von ca. 10 Akademie-Studenten. Das Stück wurde am 12.2. in der Aula präsentiert und hat manche Nostalgiker an die glorreichen Stunden des Hauses in den 1970er Jahren erinnert, als Paik, Beuys oder Vostell auf der Bühne standen…


Wie Herbert Willems, Assistent von Tony Cragg in der Kunstakademie und aktiver Performance-Teilnehmer, erzählte, begann die Aufführung mit einer Aktion, in der alle Solisten Steine auf dem Fußboden rieben. Zehn Minuten lang. Nach dieser Einleitung hatte bereits eine natürliche Auslese stattgefunden; die Hälfte des Publikums hatte den Saal verlassen und suchte eine seichtere Unterhaltung woanders. In der Folge wurden unterschiedliche Bewegungsabläufe nach einem bestimmten, für den Zuschauer nicht nachvollziehbaren Takt, gespielt. Mehr oder minder kurze, immer abgeschlossene Gesten wurden von den Solisten „vorgetragen“; eine Bohrmaschine, ein Trommelfell und diverse Utensilien kamen dabei ins Spiel. Nach der Anweisung von Roland Techet sollte aus dem Gesamtstück weder Harmonie noch repetitive Struktur zu erkennen sein.


Zwischen den jeweiligen Solisten- oder Gruppenauftritten wurde noch Wassermusik (also: die Aufnahme von Wassergeräuschen) aufgeführt und Techet spielte noch vier Klavierstücke, begleitet von Videos der Studenten. Zum Schluss der 50-minutigen Performance wurden Öl und Wasser als Klangerzeuger eingesetzt und das Publikum beim Geräusch von geriebenen Steinen auf dem Boden entlassen.


Dieser Performance vorausgegangen war ein Workshop, bei dem Techet die Teilnehmer in die Kunst der Komposition kurz einführte und dabei die besondere Herangehensweise von John Cage verdeutlichte. Das Stück, das aus dem Songbook entnommen ist, besteht nämlich aus einer Zahlenreihe, die zwar einen Rhythmus vorgibt, aber den Inhalt der Aufführung vollständig frei lässt. Die während des Stücks variierten Gesten und Bewegungen sowie die Instrumentenwahl wurden von den jeweiligen Solisten selbst festgelegt. Diese kontrollierte Freiheit (wie gesagt: der Takt war vorgegeben) konfrontierte sowohl Publikum als auch Performer mit der plastischen Qualität von Gesten, mit der Interdependenz von Bestimmung und Zufall und mit dem Konzept der Leere oder der Stille, das in den Kompositionen von John Cage eine so große Bedeutung bekam.

RUNDGANG 2012 der STÄDELSCHULE in Frankfurt a. Main

Wir spinnen weiter an unserem Kunstnetz. Und blicken nach dem ausgedehnten Gang durch die Düsseldorfer Kunstakademie auf eine weitere,  ehrwürdige Bildunsganstalt der Kunst: die Städelschule in Frankfurt. Die deutlich kleinere Schule (in Düsseldorf dürfen sich fast vier Mal mehr Protokünstler als in Frankfurt tummeln) macht kein Spektakel aus ihrer Studentenpräsentation und geht sachlicher mit dem Ereignis um – das spricht für die Mainmetropole. Vor Ort war die Künstlerin Havva Erdem, eine Bekannte dieses Blogmagazins.

 

Ein Bildbeitrag von Havva Erdem (Frankfurt a. Main)

 

Simon Speiser

Amr Al Janadi

Seth Pick

Othmar Farré

Giovanni Sortino

Giovanni Sortino

Joakim Martinussen

Eloise Hauser

Letizia Calori & Violette Maillard

Letizia Calori & Violette Maillard

vorne: Eloise Hauser; hinten: Hanna-Maria Hammari

Martin Wenzel

Moritz Grimm

Othmar Farré

Florian Auer

Benedikte Bjerre

Filippa Pettersson

Filippa Pettersson

Benedikte Bjerre

Christin Berg

Christin Berg

Ian Edmonds

Jonas Weichsel

Moritz Grimm

Florian Auer

Florian Auer

Mark Walker

Eloise Hauser

Eloise Hauser

Florian Auer

Florian Auer

Lennart Constant

Leda Bourgogne

Luzie Hanna & Karolina Meyer

Luzie Hanna & Karolina Meyer

Luzie Hanna & Karolina Meyer

Anna-Lisa Theisen

Ana Vogelfang

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Marcello Spada

Rahel Flink

Bianca Baldi

Lina Katan

Rasmus Sondergaard Johannsen

Hannes Michanek

Hannes Michanek