vor Ort

Intervention in der Flügelstraße

Der Frühling bringt eine frische Brise: Abseits des verkrampften sozialen Anspruchs und des lästigen Mitteilungsbedürfnisses mancher Wandmaler der Stadt, beweist ein Laie, dass die Straße jedem Mann gehört und dass Street Art durchaus auf Wände verzichten kann – und dies mit einer angenehmen Gelassenheit.

Pünktlich zum Frühlingsanfang und zu den ersten Sonnenscheinen hat Herr Ökkes Yildirim, seinerzeit Besitzer des Büdchens an der Ecke Flügelstraße/Linienstraße und glücklicher Oberbilker, die Straße zu einem surrealistischen Schauplatz verwandelt. Geschätz 200 Gitarren hat er an die Bäume gehängt – bis Anfang April verzaubern sie den Himmel über der Flügelstraße.

Die Initiative geht allein auf Yildirim zurück, der seine Zeit und sein Geld in diese Angelegenheit engagiert hat und sich damit scheinbar eine Freude machen wollte. Gerade diesen privaten Impuls und die Abwesenheit von jedem ideologischen Hintergrund macht diese Intervention begrüßenswert. Es ist zwar kein revolutionärer Akt, der die Geister noch lange prägen wird, aber eine freie Geste, die unbedingt nachgeahmt werden soll.

Eine Künstlerin, die ich zufälligerweise vor Ort traf, fand das Ensemble „zu dekorativ“ und hätte lieber nur einen bestückten Baum gesehen. Meinerseits habe ich mich dabei nie gefragt, ob wir vor einem Kunstwerk stehen würden und dieses im Kontext des Kustbetriebs beurteilt werden sollte. Die aktive Inbesitznahme des öffentlichen Raums und der Akt der „Verzauberung des Realen“ sind an sich legitim genug, um die Intervention (ich will nicht von einer Arbeit sprechen) als gelungen zu sehen – auch wenn der „Hobbykünstler“ (wz-newsline.de) sich nicht nach den Regeln und im Kontext des Kunstsystems artikuliert.

Und was sagt der Sonntagskünstler dazu? Laut Medienbericht, wollte er „Oberbilk positiv darstellen“ (wz-newsline.de). Soso. Bei soviel bürgerlichem Engagement sollte die Marketingabteilung der Stadt Düsseldorf , die ihrerseits mit dem „blauen Band am Rhein“ den Frühling bemüht  (diese Krokusse an den Rheinterassen, die das Natur-Tourismus-Event der Woche bilden), sich herzlich bei Yildirim für seine Initiative zur Erhöhung der Lebensqualität im Stadtteil bedanken.

OLIVER GATHER im Showroom Tina Miyake

Vom genius loci zur Mikrosoziologie: In der Vergangenheit ist Oliver Gather vor allem durch Aktionen aufgefallen, die sowohl auf die historischen, politischen und soziologischen Komponente eines Ortes eingingen als auch dessen immante poetische Qualitäten unterstrichen. Dann kam ein leichter aber unerwarteter Schwenk, und auf einmal waren es mehr Menschen als Systeme, die Gather interessierten. Menschen mit ihren kleinen Geschichten, ihren alltäglichen Strategien und ihren unspektakulären Methoden, den Raum zu erobern. Im Show-Room der Modedesignerin Tina Miyake ist die letzte Entwicklung des unerwarteten Schwenks zu sehen.

Oliver Gather (links mit Handschuhen) vor seiner Sammlung. Foto: Christof Wolff (www.null-zwo-elf.de)

Der Künstler als Sammler: Die CarSpamCardCollection (auf gut deutsch: Autohändlerkarten-sammlung) des Düsseldorfers Oliver Gather ist eine einmalige Anthologie von Kärtchen, die Autofahrer meistens auf ihren Windschutzscheiben finden und, nebst einer anekdotischen Fotografie und einer großgeschriebene Telefonnummer, das prizipielle Kaufinteresse eines Autohändlers bekunden, Fahrzeuge aller Arten und in aller Zuständen zu kaufen. In der Regel werden die Kärtchen direkt weggeschmissen und geraten, wie andere Flyers für Pizza-Lieferungsservices oder private Flohmarktankündigungen, sofort in Vergessenheit. Genau da setzt Gather ein. Wie ein Dipterologe (vgl. www.duden.de; auch sehr nützlich: www.klugscheisser.de) des 19. Jahrhunderts dringt er in die urbanen Djungel unserer Städte ein und verfolgt die Spuren der Kärtchen auf dem Boden. Man stellt sich Gather mit Tropenhelm und Schmetterlingnest vor, jubilierend vor jedem neuen Exemplar, das er vom Gulli retten kann.

Foto: Peter Podkowik

Diese Nebenprodukte der Dienstleistungsgesellschaft werden liebevoll aufgelesen und in eleganten Holzkisten zusammen getragen. Gather recycelt also das Recyclingsangebot von Second-Hand-Händlern und wertet es auf – schon durch seine bloße Aufmerksamkeit. In seiner Wunderkammer des Trivialen entwickelt er dann eine Taxonomie der Kärtchen, die nach Anbieter, Farben, Bildmotiven oder rhethorischen Formeln klassifiziert werden. Diese penibel und konzentrierte Tätigkeit, die sicherlich auf irgendwelchn Urtriebe der Menschheit zurückzuführen ist und sich jedenfalls auf jedes beliebige Objekt ausweiten lässt (so sammeln manche Schweizer ihr Leben lang Kaffeesahne-Deckel), gepaart mit dem systematischen Vorgang der Klassifizierung, lädt plötzlich die unbeliebte Werbung mit einer neuen Wertigkeit auf und zieht sie regelrecht aus dem Domäne des Abfalls und stellt sie auf dem Podest des Edlen und Wertvollen.

Foto: Peter Podkowik

Ich glaube nicht, dass Gathers Sammlung eine erneute Parodie auf das manische Verhalten des Sammlers (wie bei Feldmann oder Collin-Thiébaut) oder ein ironischer Kommentar der musealen Institution und der Entstehung von Werten (wie bei Broodthaers) ist. Natürlich geht es hier auch – wie erwähnt – um die Statusfrage des ausgestellten, bzw. gesammelten Objektes und um die Legitimität mancher Kunstwerte. Aber es scheint eher das Interesse an soziologischen Phänomenen zu sein, die den Künstler zu dieser absurden Tätigkeit führt. Diese Karten verweisen nämlich nicht nur auf das Geschäft mit gebrauchten Wagen hin; sie sind die konkreten Spuren des Verteilers, der durch die Stadt geht und sich gezwungenermaßen die Strassen aneignet. Wie Hänsel und Gretel hinterlässt er Spuren aus buntem Plastik; unbewusst markiert er seinen Weg und macht sein Parcours sichtbar – Gather läuft nach und hält den Streifzug fest.

Ich weiß, dass Gather sich für diese Art von winzigen, unbedeutendsten Spuren unserer Zivilisation interessiert, und dass er auf solche gesellschaftliche Mikrointeraktionen besonders achtet und sie in seine Arbeit integriert; ich weiß, dass Gather diese ansonsten unbeachteten Spuren als Indikatoren unserer Beziehung zum Raum versteht. In dieser Hinsicht ist diese kleine Ausstellung der originelle Beitrag eines Künstlers zur Mikrosoziologie.

Ausstellung bis zum 16.4.2011

Showroom Tina Miyake

Ackerstr. 39

www.tinamiyake.de

Danke an die zwei Fotografen ! Endlich bekommt dieser Blog vernünftige Bilder.

Das BÜRO ADALBERT ist zu Besuch in Düsseldorf

Zurzeit gibt es in Düsseldorf knapp dreißig unterschiedliche Off-Projekte mit künstlerischem Schwerpunkt. Im Schnitt gibt es aus diesem Bereich mindestens eine neue Ausstellungseröffnung oder Veranstaltung pro Woche. Und weil wir immer noch nicht satt sind, kommt Berlin zur Hilfe.

Wenn meine Informationen stimmen, gab es Anfang der 1990er-Jahre ein Künstlerprojekt namens Büro Bert. Es war in Berlin ansässig und hatte sich vorgenommen, in unterschiedlichen Städten der  Republik zu intervenieren, um das politische Potenzial von Kunst im öffentlichen Kontext auszuloten. Das Unternehmen war also nomad – was damals immer noch ganz hip war – und vor allem politisch motiviert – was damals schon ziemlich out gewesen sein dürfte. Als ich neulich hörte, dass zeitgleich zum Rundgang ein ominöses „Büro Adalbert“ aus Berlin sich auf der Graf-Adolf-Straße angekündigt hatte, glaubte ich zunächst an einem Sequel. Weit gefehlt: Außer dem lustigen Büronamen und dem nomadischem Prinzip hat das Büro Adalbert rein gar nichts mit dem älteren Projekt zu tun – und wusste noch nicht mal davon.

Das Büro Adalbert ist eine kleine Gruppe von Künstlern aus der Hauptstadt, die Ausstellungen an fremden Standorten organisiert und den vorgegebenen Leerstand kurzfristig bespielt. Dabei werden für jede neue Ausstellung Künstler eingeladen, die nicht explizit zur Kerngruppe gehören und für Frische und Erneuerung sorgen. Es ist also eine typische selbstorganisierte Initiative, die offensiv in die Öffentlichkeit geht und den Kontakt zu Künstlerkollegen sucht. Liest man die Pressemitteilung der – übrigens professionell und seriös wirkenden – Gruppe durch, stößt man auf Begriffe wie „Förderung des Austauschs“ oder „Erweiterung unseres Netzwerkes“, die die Absichten der forschen Künstler deutlich macht.

Der erste Ausflug des Projektes außerhalb von Berlin führte Dominik Halmer (Büroleiter), sowie drei weitere Künstler, in einen ehemaligen Laden an der Graf-Adolf-Straße. Vier distinkte Positionen, die sich gut im schlauchartigen und diffizilen Raum einfügen und, ohne sich von einander abzuschotten, ihre Integrität bewahren.

Heinz Martin Breuer

Heinz Martin Breuer, ein ehemaliger Meisterschüler von Immendorf, sucht aktuell sein Glück in China. D.h.: Er lebt und arbeitet dort. Merkwürdig, wenn man – natürlich aus europäischer Sicht – die Qualität der chinesischen Malerei betrachtet und die plumpe Fantastik und plakative Figuration, die Jahr für Jahr den europäischen Markt fluten, erleiden muss. Wir wollen lieber nicht wissen, was Breuer dort sucht, aber eine Ahnung hätten wir ja. Seine zusammen gesetzten Motive, die wie zerrissene Zitate erscheinen, suchen unbedingt den größtmöglichen Kontrast. So trifft das Glatte, Figürliche und brav Aufgetragene auf das Wild-gestische, und sein grafischer Stil lässt immer Farbflecken zu, die, trotz aller Liebe zum Motiv und zur Zeichnung, an die Materialität der Malerei erinnern. Die starke schwarzweiße Akzente betonen noch die Fremdheit und Distanz dieser Bilder.

Dominik Halmer

Mit einem ähnlichen Prinzip, jedoch völlig anderen Mitteln präsentiert Dominik Halmer vier Arbeiten auf ungrundierten Leinwänden. Weniger roh und expressiv als der Kollege Breuer, dekliniert Halmer vereinzelte Motive, Gesten und Malspuren durch, die er gekonnt in Szene setzt. Die heterogenen Objekte, die an der Oberfläche seiner Kompositionen schweben, scheinen weniger für ihre genuine Bedeutung oder ihre Symbolkraft gewählt zu sein als für ihre Texturen und Stofflichkeiten. Schattierungen, Abdrücke und abstrakte Passagen artikulieren sich subtil im Raum und behaupten deutlich ihre Andersartigkeit. Besonders bei der hyperrealistischen Darstellung von glänzenden Oberflächen stellt Halmer sein technisches Können unter Beweis. Und überzeugt trotzdem nicht. Sein Fluss der Dinge ist zu steril und intelligent; zu gewollt, um richtig zu berühren. So bleibt man bewundernd aber unbeteiligt vor diesen Gemälden.

Ria Patricia Röder

Das fotografische Medium ist durch Ria Patricia Röder vertreten. Die jüngste Künstlerin der Clique macht einen extremen Verbrauch von Blitzlichtern, die sie bei der Aufnahme von nächtlichen Szenen einsetzt. Dies ergibt ein haloartiges, kaltes und sehr scharfes Licht, das sich auf wenige Objekte konzentriert und einen Großteil der Landschaft im Dunkeln lässt. Ein interessanter Zugang zu dieser besonderen Technik, der jedoch noch in der Phase der Entwicklung erscheint: Die Notwendigkeit (und dadurch: die Qualität) der Motive, worauf Röder zurück greift, war nicht gegeben.

Andreas Breunig

Andreas Breunig, schließlich, hat drei Skulpturen hingestellt und damit ein bisschen Humor in eine ansonsten sehr ernsthafte und ein wenig zu formelle Angelegenheit gebracht. „Androni Super Pro“, sein bäuerliches Hommage an Marcel Duchamp, ist zugleich eine Vorbeugung vor Georg Herold. Das Rad nimmt den Geist der Modernität auf die Schüppe und lässt die Postmoderne noch einmal drehen. Und auch die „Androni Hyper Pro“, die ich als einen Arschabdruck interpretiert habe und den Besucher am Eingang des Raumes begrüßt, schafft es wunderbar, die Atmosphäre einer Ausstellung zu lockern, die, gerade wegen ihrer professionellen und bemühten Betreuung, einen Gesamteindruck von Steifheit hinterließ.

RUNDGANG DER KUNSTAKADEMIE 2011

Virtueller Rundgang durch den Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf.

No Comment.

Und wie es so schön heißt: Click to enlarge.

P.S.: Die folgende Auswahl ist keineswegs repräsentativ eines persönlichen Geschmacks, sondern lediglich ein unsystematischer und launischer Versuch, die Eindrücke eines jeden Besuchers fest zu halten. Manchmal muss dieser Besucher aufs Klo und verpasst die eine oder andere Klasse; manchmal ist er in einem Gespräch verwickelt und vergisst, ein Bild zu machen; manchmal hat er einfach kein Bock, die Kamera aus der Tasche zu holen. Dies erklärt die mysteriösen Lücken der Darstellung.

Klasse Tony Cragg

• Klasse Katharina Fritsch


Klasse Durs Grünbein

 

eine Klasse für sich

Klasse Siegfried Anzinger

Klasse Katharina Grosse

 

Klasse Eberhardt Havekost

Klasse Christopher Williams

 

Ess-Klasse (oh no!)

 

Klasse Hubert Kiecol

Klasse Richard Deacon

Klasse Thomas Grünfeld

•  Klasse Aussicht

Klasse Didier Vermeiren

 

Klasse Martin Gostner



Klasse Georg Herold



Klasse Lieber Gott

Klasse Andreas Schulze


Klasse Peter Doig

Arkadengang


Klasse Herbert Brandl

Klasse Andreas Gursky

Klasse Marcel Odenbach


Zuordnung verpennt, aber schöne Dinger




GIULIA BOWINKEL und FRIEDEMANN BANZ in der VASELINE

Nein, die Ankündigung der neuesten Ausstellung der zwei Open-Gründer nimmt nicht Bezug auf einen Porn-Klassiker der 1970er-Jahre. Auch wenn es so schön passt.

Für alle, die ihre Möbel und Einrichtungsgegenstände bei IKEA kaufen und „Vaseline“ mit einem Gleitmittel assoziieren würden: Vaseline ist ein Laden für Retro-Artikel und Vintage-Deko-Zeug in der Altstadt. Eine Art Ali-Baba-Höhle für werdende Bourgeois Bohemiens und eingesessene Crazy People. Der Inhaber Rolf Buck hat in der Vergangenheit einen Raum seines Garage-Ladens für Künstler zur Verfügung gestellt. Und nach einer Weile die dort unregelmäßig stattfindende Ausstellungsreihe eingestellt. Und dann wieder reaktiviert. Und dann wieder eingestellt. Und nun dürfen Bowinkel und Banz, um die es, seit ihrer fantastischen Oktober-Bar, ruhiger wurde, den kellerartigen Nebenraum bespielen.

Eine kleine, konzentrierte Ausstellung mit wenigen Werken.  Giulia Bowinkel und Friedemann Banz greifen auf ihre typische Collage-Technik zurück und erleichtern diese aber substanziell, indem sie sich weitgehends auf zweidimensionale Kompositionen beschränken – alles anderes wäre in diesem Raum unsinnig – und insgesamt weniger müllig und chaotisch werden.

Die zwei ehemaligen Oehlen-Schüler lassen zwar noch Wörter, Motive, Typos, Formen, Syntaxen, Farben und letztendlich Sinnzusammenhänge zusammen purzeln, es wirkt hier jedoch nicht so opulent und auswuchernd wie in den früheren Arbeiten. Zeichen der Reife?  Reaktion auf die Raumbedingungen? Wunsch des Gastgebers? Wer weiß es?

Zwei Bilder sind sogar eingerahmt und ich vermute: ES IST KEINE IRONIE. Oho.

Ein Fazit? Eine Ausstellung, knapp und spritzig wie ein Quickie.

Die Ausstellung ist vom 7.2. bis zum 28.2. zu sehen.

Vaseline

Wallstr. 35

Die SAO PAULO BIENNALE im MAP

Geschickter Coup: Philipp Rühr und Henning Fehr, beide noch Studierende der Kunstakademie, suchen und finden die Nähe zur älteren Generation Düsseldorfer Künstler und positionieren sich als die legitimierten Vermittler der (sehr) jungen Szene.

Das bisher geltende Kettenprinzip (ein Gastkünstler lädt für die nächste Ausstellung einen Künstler ein, usw.) der Präsentationen im Markus Ambach Projekte (MAP) scheint vorerst abgeschlossen: Angetan von einer Ausstellung im Capital Gold, lud Ambach höchstpersönlich Philipp Rühr und Henning Fehr dazu ein, die drei Räume am Bilker Bahnhof zu bespielen. Damit wäre es mit dem ortsbezogenen Charakter der Kunst und der internationalen Ausrichtung der gezeigten Künstler vorbei. Die erste sichtbare Auswirkung dieser Veränderung war der Andrang und die Verjüngung des Publikums während der Eröffnung am 29. Januar. Ein charakteristischer Zug dieser Szene: Düsseldorf stellt sich aus, also geht Düsseldorf aus.

Jonas Gerhard: RGB Jongleur
Jonas Gerhard: RGB Jongleur

In den drei MAP-Blöcken wurden sehr abwechslungsreiche Positionen zusammen getragen, Konzeptkünstler und Malerfürste, Hoffnungsträger und alten Eisen, Museumsgrößen und Akademiestudis. Eine erfrischende Mischung, die jedoch insgesamt ein wenig ziellos wirkt. Die Hängung ist zwar zum großen Teil nachvollziehbar, ab und an aber fragwürdig. So sieht man schon – trotz aller Qualitätsunterschiede der Arbeiten – was Tobias Hantmann und Jonas Gerhard, die im ersten Raum präsentiert sind, verbindet: einerseits die Dekonstruktion und Rekonstruktion des spektakulären Bildes, und anderseits ein Interesse für Wahrnehmungsphänomene. Da, wo Hantmann allerdings eine zugleich faszinierende wie verstörende Sehmaschine baut,  die ein dreidimensionales Bild aus zwei zweidimensionalen Bildern schafft und dieses dank einer Spiegelvorrichtung in den Raum projiziert (Bild), treibt Gerhard die Demonstration ein wenig zu weit und gerät unwillkürlich in den Bereich der pädagogischen Veranschaulichung. Seine Apparatur, wenn schon technisch einwandfrei und perfekt reguliert, führt nicht neues vor und erinnert eher an die selbstreflexiven Spielereien mancher Vorreiter der Videokunst (Bild). Um auf die Hängung zurück zu kehren: Die unmittelbare Nähe dieser zwei jungen Künstler zu Ian Wallace, mit einer sehr schönen konzeptuellen und dekonstruktivistischen Arbeit aus 1969, ist noch einigermaßen vertretbar. Was aber Markus Lüpertz mit seiner „Landschaft“ dazwischen verloren hat, bleibt ein Rätsel. Es wäre denn, es ist Humor.

Tobias Hantmann: Der erste Hirte
Tobias Hantmann: Der erste Hirte

Im nächstes Block wurde Bier und Suppe verteilt und der Raum war so belagert, dass die Arbeiten der Gastkünstler Philipp Rühr und Henning Fehr völlig untergingen.

Luft bekam man erst ein paar Meter weiter, im schlauchartigen Gang, der von Felix Schramm und Sutter bespielt (Bild) war. Die Kooperation ergab drei Arbeiten, alle sehr unterschiedlich und betont eklektizistisch. Ich habe sie als ironische Kommentare zur skulpturalen Praxis (oder zu einigen ihrer Möglichkeiten) aufgefasst, zwischen minimalen Materialfetischen, interaktiven, raumbezogenen Basteleien und dekorativem Kitsch. Besonders die Keramikstudien erinnern zwangsläufig an einer Serie, die Thomas Schütte Anfang der 1990er Jahren produziert hatte – und dieser Künstler könnte letztendlich als Pate für alle drei Werke stehen.

Sutter / Schramm
Sutter / Schramm

Und, welch eine Überraschung: Im dritten und letzten MAP-Raum trifft man auf einem Modell von Thomas Schütte, teilweise 1987 entstanden und 2011 erweitert (Bild). Den Raum dominierend, wirkt es wie ein Sequel – oder ein Ausläufer – der Retrospektiven in Bonn und Madrid.

Ein wenig weiter ist Bettina Marx mit einer erlesenen Auswahl von kleinen Bildern vertreten (Bild). Vage Stillleben oder angedeutete Interieurs, in denen die Farbe in all ihren denkbaren physischen Zuständen durchdekliniert und die heterogensten Gesten auf engstem Raum erprobt werden. Dabei behält Marx die Balance zwischen einer genauen, grafischen Pinselführung und einen sehr freien, organischen Duktus. Die Raffinesse und Virtuosität dieser Malerei erstaunt; der Einfallsreichtum, der nie bemüht wirkt und von einer gewissen Großzügigkeit bezeugt, hat einige Betrachter an diesem Abend länger beschäftigt. Nach dieser sinnlichen Opulenz, muss ich gestehen, dass ich es mir mit der trockenen-analytischen Konzeptarbeit von Dominic Osterried schwer getan habe. Damit bin ich nur ungerecht, denn seine Hefte hätten meine Aufmerksamkeit durchaus verdient. Für das nächste Mal…

Bettina Marx
Bettina Marx

Alles in allem eine gelungene Ausstellung, auch wenn sie einige Fragen auswirft. Die dringendste unter ihnen betrifft die einzigartige und keineswegs formal begründete Mischung aus jungen, unbekannten und älteren, renommierten Künstlern. Sind hier ein Markus Lüpertz, eine Candida Höfer oder ein Günther Förg, die mit alten, kleinen und zweitrangigen Arbeiten vertreten sind, wirklich notwendig? Muss man auf einer Edition von Rodney Graham zurückgreifen, um eine weitere internationale Referenz aufweisen zu können? Was war der Sinn der punktuellen Einfügungen von großen Namen in dem nicht-etablierten, kunstbetriebskritischen MAP-Rahmen? Auf die Gefahr hin, als Verschwörungstheoretiker der hiesigen Kunstszene abgestempelt zu werden, vermute ich hinter der Sao Paolo Biennale eine kluge Strategie der Positionierung.

Denn Fehr und Rühr sind nicht nur eine interessante und durchaus ansehnliche  – wenn auch aus kuratorischer Sicht fragwürdige – Ausstellung gelungen. Sie haben zudem – und vielleicht in erster Linie – die größte PR-Maßnahme ihrer jungen Karriere geschaffen. Unter der Schirmherrschaft des durchaus respektierten, erfolgreichen und bestens vernetzten Markus Ambach, bringen sich die zwei Studenten ins Gespräch, erwirken durch die Präsenz älterer Kanonen (sowohl Schütte als auch Höfer wurden übrigens an diesem Abend leibhaftig gesichtet) eine gewisse Legitimität und (fast institutionelle) Anerkennung für ihrer Arbeit und entpuppen sich als die Sprachröhre der aktuellen Kunstakademie-Generation. Geschickt. Und die Menschenmenge, die sich am vergangen Samstag auf dem MAP-Gelände drängte und normalerweise nicht in dieser Ausmaß zu sehen ist, hat bewiesen, dass Rühr und Fehr ihr Ziel erreicht haben. Von den zweien wird man noch hören…

Manche Maler waren an diesem Abend vom Bleirahmen des Lüpertzbildes regelrecht begeistert.
Manche Maler waren an diesem Abend vom Bleirahmen des Lüpertzbildes regelrecht begeistert.

MAP Markus Ambach Projekte
Bachstr. 139-143
40217 Duesseldorf
Tel. (0049) 0211-15927623

Performance von NESHA NIKOLIC feat. Chineselightbulb im FOYER

Die Subjunktiv-Veranstaltung des Monats: Es hätte spannend werden können, wenn die Performance stattgefunden hätte.

Erlebnisprotokoll, Freitag 28.1.2011:

21.37 Uhr

Ich betrete das Foyer vom Foyer. Stelle die erneute Veränderung des Lichtkonzepts fest und freue mich darüber. Grüne Laserpunkte wandern auf weißen Luftballons, begleiten mich bis zum hinteren Raum. Das Beton-Ungetüm von Thomas Woll und Mark Pepper liegt immer noch da, wie eine sympathische, schlaffende Bestie. Gehe direkt zur Bar.

21.42 Uhr

Fritschi steht schon hinter dem Pult. Ich trinke und starre begeistert auf den grünen Laser-Sternenhimmel über der Tanzfläche. Es ist schön, wie ein Urlaubstag in der Maschine. Versuche, wieder sachlich zu werden.

21.58 Uhr

Nicht viel los um diese Uhrzeit. Ein paar Schatten bewegen sich langsam oder sitzen da. Warten auf die Performance. Ich habe gehört, Nesha Nikolic sei ein heftiger Kerl, er gäbe alles, pass auf. Ziemlich radikal, ziemlich bekloppt. Ich gehe zurück zum Foyer vom Foyer. Na schau: Da ist ja schon ein bisschen Hard Trash vom besagten Künstler. Ich denke, es könnte gleich weh tun.

22.09 Uhr

Trinke und unterhalte mich.

22.14 Uhr

Johannes Döring, der wie immer den künstlerischen Teil des Abends geplant hat, lässt sich blicken.

22.21 Uhr

Nesha Nikolic steht mit einem Saxophon in einer dunklen Ecke. Pustet einige, durchaus melodiöse Akkorde aus. Ein weiblicher Schatten aktiviert sich an einem Bass und einem Synthesizer. Elektronischer Hintergrund, ruhig, bedächtig. Die zwei nehmen sich Zeit, bauen langsam auf, steigern sich unmerklich. Muss an Bowie denken, Berlinphase. Tut doch nicht weh. Quatsche ein wenig mit Flo.

22.25 Uhr

„Schnauze halten! Schnauze halten!“, befehlt der Künstler im Mikro. Bin wohl zu laut geworden. An der Bar unterhalten sich auch ein Dutzend anderen Menschen, aber sie sind so weit, man hört sie nicht. Ich halte die Schnauze; ich habe eh nichts mehr zu sagen.

22.27 Uhr

„Aus technischen Gründen muss abgebrochen werden“, sagt plötzlich Nikolic. Stellt sein Saxo hin und geht. Der weibliche Schatten steht da verdutzt, ruft nach. Spielt noch ein bisschen, in der Hoffnung, er kommt wieder. Aber der Typ ist weg, und das ist nicht Teil der Performance. Ich halte die Szene fest, ein Bild für die Ewigkeit.

Foyer
Worringer Platz 4
40210 Düsseldorf

info@foyer-duesseldorf.de

Musik von sehr weit weg, aus einer anderen Welt

Neben der Kunst ist massig Platz.

Denn Off-Kultur hört bekanntlich nicht bei der Kunst – der bildenden nämlich – auf. Das Off gibt es überall und in den unterschiedlichsten Bereichen hat es die verschiedensten Namen. In der Musik war es früher etwa der Punk, später dann die Indieszene, die sich irgendwo Abseites des Mainstream mit eigenen Labels und Vermarktungsmodellen ausprobiert und durch geschlagen hat.

Aus welchen Gründen sich die Protagonisten dort nun ausgetobt und im Selbstversuch verausgabt haben, können und wollen wir im Einzelnen nicht definieren oder festlegen.
Für uns aber steht der Gedanke des Selbermachens sowie die Idee des ‚die Dinge in die Hand nehmen‘ und die damit verbundene Freiheit nach wie vor als wichtiger Bestandteil von Sub- und Offkultur um Vordergrund.

Denn die Lust an der Unabhängigkeit von Institutionen und den mit Ihnen verbundenen Regeln, ist nach wie eine wichtige Triebkraft für lebendige und offene gesellschaftliche Entwicklungen.

Nur dort, wo sich noch ein Mindestmaß an anarchisch-subversivem, regel- und grenzenlosem Spiel zwischen den Protagonisten entwickeln kann, besteht die Chance auf etwas Neues.
Nur an solchen Orten kann sich überhaupt noch entwickeln, was über genügend Potential verfügt, sich der stetig zunehmenden Entropie entgegenzustellen, dieser entgegenzuwirken, sie zu unterminieren und vielleicht sogar in Teilen wieder aufzulösen.

Andere Orte und andere Kulturen – lokal geerdet, global vernetzt

Nun gibt es, wie Eingangs erwähnt zahlreiche dieser Orte, die sich äquivalent zu unserem Off-Begriff verhalten. Einer davon ist die Szene der Netlabels, eine Musikkultur die sich primär über das Internet definiert und fast nur virtuell existiert. In gewisser Hinsicht sind sie die Erben der Mailorder-Idee, verzichten Sie doch weitgehend auf eine lokale Präsenz und verschicken ihre Musik – nun digital als Downloads – weltweit.
Allerdings, und das unterscheidet diese Labels, ebenso wie die dort vertretenen Musiker, tun sie etwas, was für einige so gar nicht in das gültige Menschenbild passt: Sie verschenken ihre Kunst, ihre Musik.
Denn die allermeisten dieser Labels stellen die Musik ihrer Künstler, ähnlich der Opensource-Idee, einer weltweiten Fangemeinde frei und kostenlos zur Verfügung. CreativeCommons-Lizenzen spielen hierbei eine bedeutende Rolle.

Hier im Rheinland ist eines der Zentren dieser digitalen Kultur- und Musikszene. Hier konzentrieren sich zahlreiche Netlabels, oder besser gesagt, die Betreiber leben in der Region. Aus dieser Kultur heraus hat sich auch netlabelism.com gegründet, eine freies Magazin aus der Netlabelszene für diese gemacht.

Allen die sich mit diesem Phänomen, der Idee, vor allem aber mit der Musik einmal näher vetraut machen wollen, sei diese Plattform als Einstieg nahe gelegt. Wir wünschen viel Vergnügen – beim Entdecken, vor allem aber beim Hören.

Weiterführende Links zum Thema

CAPITALGOLD zeigt HENNING FEHR, LUKAS MÜLLER und DAVID CZUPRYN

Mit einigen, wenigen anderen Künstlerprojekten der Stadt (in erster Linie Open und ExPeZe) erweist sich CapitalGold als eine der aktivsten autonomen Außenstellen der Kunstakademie. Die aktuelle Ausstellung präsentiert drei Studenten der ehrwürdigen Anstalt und bespielt zum ersten Mal alle Räume des Ladens.

Full House. Links an der Wand: H. Fehr. Rechts: L. Müller

Der erste Raum ist ein Farbkracher. Die konzeptuelle Grafikserie von Henning Fehr und die gegenständlichen Gemälde von Lukas Müller, mit ihren betont kontraststarken Kompositionen, sind geschickt zur Straße hin platziert worden und strotzen vor jugendlicher Potenz. Dabei sind die Herangehensweisen der zwei Künstler eindeutig unterschiedlich.


 

Lukas Müller

 

Die Kunst von Lukas Müller ist eine Art Höllenfahrt durch die Moderne. Auch wenn er behauptet, die Motive seiner grell-pastosen Landschaftsbilder aus persönlicher Erfahrung gewonnen zu haben, sind die zahlreichen kunsthistorischen Anleihen von Müller nicht von der Hand zu weisen. Kandinsky, Klee, Macke (sehr), Kirchner (weniger) oder sein Namensvetter Otto (eben Müller) werden herbeizitiert und durch den Fleischwolf der naiven Malerei (Rousseau & Co.) liebevoll geschreddert. In klumpingen, direkt aus der Tube gepressten und kaum vermischten Farbflächen werden zumeist bayerisch angehauchte Landschaften gebildet, in denen alle stilistischen und handwerklichen Regeln der Malerei schonungslos über den Haufen geworfen werden. Der Mann und seine Kunst sind insofern destabilisierend, als sie äußerst freundlich und arglos daher kommen und die alten Fragen des Geschmacks, der Professionalität und des Könnens brachial in Frage stellen – hinter dem Vorwand einer authentischen, ironiefreien Malerei. Erfrischend und qualvoll zugleich.


 

Im Hintergrund: Henning Fehr

 

Henning Fehr hat im selben Raum eine Serie von gleichformatigen Bildern gehängt, die sich visuell gegen Müller gut behaupten. Auf jedes Blatt sind vertikale Streifen in einer zweier-Farbkombination, übermalt von Begriffen wie „The Locust“, „The Donald“ und „The Littel“. Die Begriffe, in großen, ebenso farbigen und lasierten Buchstaben geschrieben, haben angeblich eine teilweise negative Konnotation in der angelsächsische Sprache. Ihre exakte Bedeutung aber – falls es eine gibt – tritt deutlich hinter ihrer gestalterischer Qualität zurück. Den Farbdialog, der das tapetenähnliche Muster und die expressive Schrift unterhalten, ist durchaus ansprechend, beinah verführerisch. In den hinteren Räumen ist die Stimmung gedämpfter. Die zweite große Bildreihe von Fehr verzichtet auf Sprachspiel, Handschrift oder Expressivität. Auf vier Bänder entwickelt sich ein elegantes Raster in grauen Tönen und Schwarz – kühl und verspielt zugleich, aalglatt aber doch lebhaft, höchst ästhetisch, eigentlich schon dekorativ. Ein Flirt mit der Hochglanzwelt des Designs?


Im Vordergrund: David Czupryn

Vor dieser Arbeit hat David Czupryn seine kleine Bildhauerkiste geöffnet und einige seiner Werke auf einer bescheidenen Platte ausgebreitet. Styropor, Gips, Knete, ein Rest Holz und eine Streife Alufolie. Form und Unform; Material und Objekt; Raum und Volumen; Monument und Sperrmüll; Geschichte und Ideal; Erzählung und Avantgarde; Abstraktion und Gegenständlichkeit; rau und raffiniert; architektonisch und organisch; frech gebastelt und brav modelliert. Czuprin surft mal auf dieser, mal auf jener Welle. Er evoziert, deutet an, setzt an; aber lässt sofort alles Angefangene im Schwebezustand. Die heterogensten Inspirationen und Motivationen addieren sich, türmen sich, überlappen sich oder reihen sich. Kein tour de force in diesem Eklektizismus, keine Demonstration; eher eine lakonische Folge von Gesten, ein Repertoire der Möglichkeiten der Bildhauerei. Ohne Pathos, ohne Pose, ohne Genieallüren. Aber mit einem leicht ironischen Augenzwinkern.


Drei unverwechselbare Positionen, drei distinkte Stimmen – und trotzdem ein gemeinsamer Tonfall. Die Nonchalance von Fehr, Müller und Czupryn, ihr unbeschwerter bis nachlässiger Umgang mit gewissen künstlerischen Traditionen, ihre stilistische Pluralität und ihre mehrdeutige Praxis erinnern an der abgeklärten „anything goes“-Haltung von Künstlern wie Kippenberger, Oehlen oder Büttner. Nachdem Markus Heinzelmann und Stefanie Kreuzer die These aufgestellt haben, es gäbe eine neue „postironische Generation“ (s. die aktuelle Ausstellung im Leverkusener Schloss Morsbroich), ist die Schau im CapitalGold der Keim einer neuen, ironischen Generation? Ist der Rückkehr einer selbstbewussten Beliebigkeit und einer eklektizistischen Formsprache das Programm der Künstler, die in den 1980er geboren sind und langsam den Weg zur Öffentlichkeit finden? À suivre…

Suchspiel: Ein Schlumpf hat sich im Bild versteckt! Findest du ihn? Ein Tipp: er trinkt kein Bier!

CapitalGold

capitalgold.de

Oberbilker Allee 37

Die Ausstellung ist nach telefonischer Absprache (0163  45 77 259) vom 15.1. bis zum 28.1. zu besichtigen.

PLAN.D. zeigt DEBORA KIM und LUDGER HEINISCH

Gibt es ein geheimes Abkommen zwischen den Machern von plan.d. und der südkoreanischen Botschaft? Ist das Lokal an der Dorotheenstraße eine getarnte Schleuse für die Infiltration japanische Künstler in Deutschland?
Wichtige und weltbewegende Fragen, die wir, aus Mangel an Beweisen, gerne an die zuständigen Instanzen weiter geben. Die auffällige Affinität von plan.d. zu asiatischen Künstlern wird jedenfalls mit der Ausstellung von Ludger Heinisch und Debora Kim neu bekräftigt. In gewohnter Manier lädt ein plan.d.-Mitglied einen Gastkünstler ein und sie bespielen zusammen sämtliche Räumen der Galerie.

Nun wurde also Debora Kim, in Seoul geboren und in Braunschweig studiert, von Heinisch eingeladen. Wie Letzterer auf Erstere kommt kann nur gemutmaßt werden. Möglicherweise handelt es sich um eine direkte Bewerbung von Kim (plan.d. ist einer der wenigen Off-Räume, der regelrecht von Künstlermappen überschüttet wird), möglicherweise um einen persönlichen Kontakt; stilistische Verwandtschaften sind in den Werken der zwei Künstler jedenfalls nicht auszumachen.

Für ihre dreidimensionalen Arbeiten und ihre Rauminstallation geht Kim von einfachen Formen aus, die zum Repertoire des Minimal Art gehören (Kubus, Viereck), und umhüllt diese mit farbigem Garn. Sie spielt mit der warmen Materialität des Textilfadens, mit seiner haptischen Qualität, mit seinen Farbmöglichkeiten, und bricht somit die formale Strenge der puristischen Skulpturen.
Der unspektakuläre und triviale Stoff, der eine bescheidene weibliche Haushaltsarbeit evoziert (der Autor dieser Zeile ist selbstverständlich männlich; die lustigsten Protestbriefe werden in diesem Blog publiziert), rundet regelrecht die harten Kanten der Stelen und der symmetrisch angeordneten Kuben ab.
In einer kleinen Bildserie lotet Kim weiterhin die Möglichkeiten des Materials aus und schafft abstrakte Kompositionen, die eine systematische Nähe zur Malerei (ob informelle oder minimale) suchen.

Ludger Heinisch spielt seinerseits mit Verfremdungen und Manipulationen, und bevorzugt dabei weder Medium noch Sujet. Eine Fliege, eine Steckdose, das menschliche Auge; die visuelle Eigenschaften von allgegenwärtigen Gegenständen sind die Ausgangspunkte seiner lustvollen Verzerrungen, die oft an der Grenze zur optischen Täuschung stoßen.
Trotz der Wiederkehr des Insektenmotivs, wirkt seine Arbeit weniger systematisch und konstant als Kims Werk; im wahrsten Sinne des Wortes flatterhafter, freier, und, anscheinend, von einzelnen inspirierten Momenten getragen. Im surrealistischen Sinn provoziert er kleine Gedankensprüngen, die die scheinbare Ordnung des Realen leicht erschüttern. Allerdings platziert Heinisch im Keller der Galerie gebastelte Schmetterlinge und Kokons, die die Grenze seiner handwerklichen und konzeptuellen Fähigkeiten zeigen.

Es geht weiter!

Und eine gute Nachricht am Rande des tatsächlichen Ausstellungsbetriebs des plan.d. für 2011: Die Miete ist drin. Nachdem im vergangenen Herbst Gerüchte eines anstehenden Umzugs des Vereins kursierten, erfuhren wir, dass die Finanzierung der laufenden Kosten mindestens für das erste Halbjahr gesichert sei.
Grund der Umzugserwägung war die Streichung der Förderung durch die Stadt – manche Vertreter im Beirat waren nämlich der Meinung, dass ein Off-Space, das schon über zehn Jahre besteht und eine solche professionelle Arbeit leistet, keine finanzielle Unterstützung mehr benötigt und endlich selbstständig agieren soll. Eine Logik, die, im Extremfall, das Ende der Subvention aller Kulturhäuser der Stadt einläuten würde… Wir freuen uns also mit plan.d. auf die nächsten Ausstellungen und auf vielen neue Künstler aus Japan, Korea oder sonstwo.

www.galerie-plan-d.de

Dorotheenstr. 59

40235 düsseldorf

Hallo Welt! – jetzt als online-mag: vierwände Off

es geht weiter denn es gibt immer noch was zu tun!

vierwände off ist unser jüngstes projekt. an dieser stelle werden wir unsere arbeit über off- und subkultur fortsetzen. wir beobachten das geschehen, berichten und reflektieren darüber, denn wir sind der meinung das phänomen des off gibt nach wie vor genug her um es nicht aus den augen zu lassen. wie der ort über den wir berichten wollen, ist auch dieses projekt ein raum für experimente und versuche. wir sind offen für vorschläge, hoffen auf zuspruch und lassen uns – wenn es zu uns und dem thema passt – auch auf gastbeiträge ein.

wir sind selber gespannt, wie es wohl weiter geht.
deshalb unser aufruf an sie:
bitte bleiben sie an den apparaten, es bleibt spannend!