Wie ist die Welt wenn wir die Augen schließen oder einmal ganz wo anders hinschauen? Und was hat das mit Schulbrot und Kita zu tun? (K)eine Antwort gibt’s hier.

Budhaditya Chattopadhyay, „Decomposing Landscape“

Budhaditya Chattopadhyay, „Decomposing Landscape“

Über so umfangreiche und komplexe Projekte wie das hier soll man ja – sofern man denn überhaupt was darüber sagen kann – eigentlich nur schreiben, wenn im Original gesehen. Ich falle damit also eigentlich erstmal aus, gleichwohl mich schon interessiert was da im Weltkunstzimmer derzeit aufgebaut ist. Am Trigger würde es also nicht scheitern. Nur zeitlich hat es dafür bei mir eben leider bisher einfach nicht gereicht.
Einschulung, Herbstferien, Kindergarten und eine weitere, nun aber sicher auch letzte Geburt haben unseren Alltag einmal mehr ganz schön durch einander gewirbelt.
Und so war es dann wohl eben auch mal bissi ruhiger in der Perisphere die letzten Wochen und Monate, über diesen wirklich wunderbaren, fast endlos erscheinenden Sommer weg. Der Schrebergarten war tagsüber Ort der Wahl und Nachts wollte der Windelwechsel im Halbschlaf wieder gelernt werden. Sprich der Fokus hatte sich einmal mehr verschoben die letzten Wochen und Monate. Noch weiter weg vom Streben nach der sexygeilen internationalen Kunstkarriere hinzu zum Alltag zwischen Schulbrot schmieren und Kita.

Conrad Kürzdörfer/Brian Holden, Sustainer (2018)

Conrad Kürzdörfer/Brian Holden, Sustainer (2018)

Und auch wenn ich dem Galeristen meines Vertrauens gegenüber, ob meines mangelnde Enthusiasmus für die Kunst derzeit fast schon ein bisschen schlechtes Gewissen habe, finden dann immerhin auf diese Weise die Selbige und das Leben doch noch zu einer Einheit zusammen. Wenn wohl aber auch nicht ganz so wie mal angedacht.
Aber nun, liebe Freunde, es ist wies ist, sag ich mir und man muss die Dinge so nehmen wie sie eben kommen auf unserem seltsamen Weg durchs Leben.

Werkausschnitt; CMUK* Artenübergreifendes Kollektiv

Werkausschnitt; CMUK* Artenuebergreifendes Kollektiv

Denn es gilt, was wieder viel mehr gelten muss jetzt in der Metamoderne, Family, Kids und Freunde first, erst dann das Ego, die Kunst, der Job und das Geld. Immer. Zumindest aber dann wenn Prioritäten gefordert und geboten ist. Anders wäre diese, sich gerade mal wieder fundamental wandelnde Welt doch nur schwerlich zu ertragen, ohne Drogen für die ich nun mittlerweile leider zu alt bin, weil ich sie zunehmend schlechter verpacke. Eine sehr bedauerliche Feststellung, weil mich die Wirklichkeit auf Pilz, LSD oder XTC doch immer … nun ja lassen wir die Vergangenheit ruhen, das ist eine andere Geschichte.

Heute wärmt statt dessen zum Glück ganz anderes das Herz und die Seele, so etwa der kleine Typ auf meiner Brust gerade. Denn ohne den Halt und die Wärme die mir dieser gerade mal 9 Wochen alte Kerl gibt, der hier ganz leise atmend schläft während ich schreibe, würde diese neue Welt der Maschinen und Computer keine wirklich schöne Welt mehr sein. Viel mehr wäre sie wohl ohne den formenden Geist des Menschen und die damit untrennbar verbundene Kraft des Lebens wohl gar keine mehr. Und bei aller Begeisterung für die Technik, das Virtuelle, das Immaterielle sowie die sich daraus ergebenden Möglichkeiten, Zwänge und Freiheiten, bleibt unsere Körperlichkeit nach wie vor existenzieller Bestandteil des Daseins sowie unsere Identität.
Transhumanismus, also die Welt ohne den Menschen zu denken, das ist, als Vater mit natürlichem Zeithorizont über das eigene Ende hinaus, nicht meine Position. Eigentlich wahr sie das nie. Ich bin, auch wenn der Humanismus derzeit einen schweren Stand hat, dieser Idee als solcher irgendwie immer treu geblieben.

Conrad Kürzdörfer/Brian Holden, Sustainer (2018)

Conrad Kürzdörfer/Brian Holden, Sustainer (2018)

Thimo Franke, Ohne Titel 1

Thimo Franke, Ohne Titel 1

Die Dinge, der Mensch und seine Artefakte gehören zusammen, bilden eine mystische Einheit und stehen auf den verschiedensten Ebenen in direkter Verbindung und in Wechselwirkung zueinander. Everything ist Connected mag zwar etwas abgelutscht klingen, hat aber imho durchaus seine Berechtigung.

Lisa Rave, "Europium"

Lisa Rave, „Europium“

Vielleicht nicht immer, oder eher gesagt vielleicht nicht konstant, viel eher dynamisch und wahrscheinlich nicht so wie wir glauben zu wissen. Nein ganz sicher nicht.
Aber so langsam dringt, im Zuge der totalen technischen Virtualisierung unsere Welt, in den Mainstream ein was Heisenberg, Schrödinger und die ganze Bande vor mehr als hundert Jahren schon mit der Quantentheorie formulierten und die Surrealisten immer wieder aufs Tableau der Künste brachten. Materie als solche existiert nicht so wie der Alltag uns weiss machen will. Wirklichkeit ist viel mehr verdichtete Information und Energie, angeordnet in unterschiedlichen Qualitäten und strukturiert in den diversen Layers und Metalayers, von daher also Fluid, stets im Flux und natürlich abhängig von unserer Wahrnehmung und der Art und Weise wie wir drauf schauen.
Aber es verwundert eigentlich gar nicht weiter, dass ein materialistisch ausgerichteter Kapitalismus der Objekte diese Erkenntnisse nicht wirkmächtig werden lassen mochte im letzten Jahrhundert. Anders etwa als heute in der globalen digitalkapitalistischen Welt von Google, Twitter, Amazon und Tencent-China.

Werkausschnitt; CMUK* Artenübergreifendes Kollektiv

Werkausschnitt; CMUK* Artenuebergreifendes Kollektiv

Werkausschnitt; CMUK* Artenuebergreifendes Kollektiv

Thimo Franke, Installationsansicht

Thimo Franke, Installationsansicht

Taka Kagitomi, The artist and the swinging wood

Taka Kagitomi, The artist and the swinging wood

Und so dringen mit der neuen ökonomischen Macht auch neue und andere Ideen und Vorstellungen von Welt ins populäre Bewusstsein vor und bieten damit eine – wenn auch minimale Chance – für den Neuanfang und eine damit verbundene holistische Ausrichtung von Ökonomie. Denn als Konstante gilt gestern wie morgen, die Welt ist lebendig und ganz und gar nicht so kühl und rational erfassbar wie uns das die Konsumkultur und der Materialismus der Post- und der Moderne versuch(t)en ins Hirn zu ballern.
Natürlich, KlaroX! Die kreative Ratio erdenkt ganz wunderbare Apparate, so wie etwa das Smartphone auf dem ich diesen Text in den Äther schreibe. Aber um den durch und durch magisch, absurden Ort den wir unsere Welt nennen zu erfassen, dafür braucht es in der kommenden Zeit wieder viel stärker das richtige Feeling und die entsprechende Intuition um eine Ahnung von dem zu bekommen was geht.
Nicht Wissen, sondern Fühlen lernen ist die neue Schlüsselqualifikation für jetzt und morgen.

Doch bevor ich mich nun gänzlich verliere und die letzte Leserin mit Langeweile vertreibe, soll es vorerst genug sein.
Denn ganz offensichtlich bin ich jetzt doch etwas abgedrifftet und ein wenig abgekommen vom eigentlichen Thema dieses Posts, der Ausstellung ‚inside ecologies‘ im Weltkunstzimmer in Düsseldorf, welche Janine Blöß dort kuratiert hat und die von Carsten Heisterkamp hier fotografisch dokumentiert wurde. (Danke für die pics!)
Und da ich, wie eingangs ja erwähnt, nicht vor Ort war, verweise ich nun auf Carl Friedrich Schröer vom Eiskellerberg, der sich die Zeit nahm und die Muße hatte sehr kompetent über die Ausstellung zu schreiben, die übrigens noch bis zum 4.11. zu sehen ist.

Raphael Brunk, Capture6723.11_23

Raphael Brunk, Capture6723.11_23

Julius von Bismarck/Julian Charrière, Objects in Mirror Might Be Closer Than They Appear VIII

Julius von Bismarck/Julian Charrière, Objects in Mirror Might Be Closer Than They Appear VIII

Jan Dibbets, New Horizons/Land + Sea DB1

Jan Dibbets, New Horizons/Land + Sea DB1