Es ist ein alter Hut und ich erzähle Euch natürlich nichts wirklich Neues, wenn ich an dieser Stelle erwähne, dass die Qualität der Dinge oftmals erst durch ihre Abwesenheit und die dadurch entstehende Lücke richtig sichtbar werden. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Veranstaltungsreihe um die es jetzt geht eine sehr deutlich spür- und sichtbare Lücke hinterlässt.

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Ich für meinen Teil mochte die WG sehr gerne, auch wenn ich wohl eher kein Stammgast war. Aber Stammgast sein, war eben auch nicht notwendig um sich dort wohl zu fühlen. Die Fluktuation, die enorme Anzahl an Gästen, aber auch die Offenheit für Themen sorgten für ein Umfeld in dem es nicht schwer war sich heimisch zu fühlen. Zwei mal durfte ich sogar selber auftreten und damit Nerdkultur in die altehrwürdigen Hallen des Malkasten tragen. Mein ehrlicher Dank an dieser Stelle noch mal an Markus und Birgit!

Jetzt ist es vorbei mit der WG und natürlich ist das irgendwie Schade. Um so besser aber, dass sich die beiden Initiatoren Markus Ambach und Birgit Jensen noch einmal hingesetzt habe, um alles das was dort über die Jahre geschehen ist, in ein dickes Buch zu packen.

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Cornelia Schwabe fasst freundlicherweise im nachfolgenden Text noch einmal zusammen um was es geht und ging.

Wenn Kuratoren kochen und Künstler Kunsträume neu erfinden

Was 2003 als Experiment der Künstler Birgit Jensen und Markus Ambach begann, einen Kunstdiskurs zwischen internationalen Künstlern und der Düsseldorfer Kunstszene im historischen Jacobihaus zu eröffnen, wurde schnell zu einer angesagten Institution in Düsseldorf, der Kunststadt in NRW, die an ihren legendären Ruf als Kunstavantgarde in den sechziger und siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts schon lange nicht mehr anknüpfen konnte.
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Etwas Neues musste einfach her. Und dann auch noch in den luxuriösen historischen Räumen des Jacobihauses, das den Künstlerverein Malkasten beherbergt, der sich ebenfalls zu erneuern suchte. So entstand etwas von Künstlern für Künstler, was es vorher noch nicht gegeben hat. Der Name „WG“, der vielleicht noch an die siebziger Jahre erinnerte, war Programm: der Austausch, der Diskurs, der Vortrag eines Künstlers, die Performance, die Musik standen im Vordergrund und natürlich gab es auch eine Bar, damit Getränke immer reichlich vorhanden waren. Der Ort für das Experimentieren von Künstlern und für neue Formen der Kunstrezeption war entstanden und wuchs immer weiter.

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Und so liest sich die Liste der 350 Künstlern, die von 2003 – 2012 jeweils einmal im Monat die WG gestalteten, wie das „Who is Who“ der wichtigsten Künstler im Rheinland und internationaler Gäste. Dazu muss man auch die Kuratoren und Kunstkritiker rechnen, die im Rahmen des WG-typischen Formates „Curator´s Kitchen – sie kochen für uns“ an verschiedenen WG-Abenden die Aufgabe übernommen hatten, für die immer zahlreicher werdende Künstlerschaft zu kochen. Und auch hier war der Kunstanspruch oder das Motto hoch gesteckt: Julia Stoschek kochte Knödel im Dirndl, Susanne Titz Spargel mit Parmesan und Basilikum und Anke Volker stellte Max Inzingers Kochstudio aus den 70ger Jahren nach – es gab aber auch einen kulinarischen Abend nur mit Gerichten aus weltweit importierten Dosen oder ein meterlanges Brot von Luka Fineisen, hot tamale von Rita McBride und Glen Rubsamen, hängende Spiegeleier von Tom Koesel oder die legendäre „Kaltmamsell“ von Friederike Schardt.

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Das Anzusehen oder Nachzulesen macht auch noch viel Spaß.
Gerade ist der 500 Seiten starke Band „WG/3ZI/K/BAR„ herausgekommen und für 38,00 Euro (plus Portokosten) zu beziehen über die Website www.wg3zikb.de oder über mail ät birgitjensen punkt de