von Florian Kuhlmann (Düsseldorf)

Letztes Wochenende, gemeinsames Gallery Opening in Düsseldorf Flingern – der Name ist Programm. Wer von auswärts mit liest und Flingern nicht kennt, der stelle sich bitte einfach Berlin Mitte vor, allerdings nicht nur komplett durchsaniert sondern in der Zusatzvariante völlig tote Hose.
Aber warum trotzdem nicht einmal aus nächster Nähe sehen was man in der WZ derzeit unter dem Zentrum der Avantgarde-Händler versteht.

Eine fantastische Fotostrecke wollte ich mitbringen. Bilder mit weltklasse Kunst die unseren Lesern die Tränen in die Augen treiben und sowohl Spitzenhöschen als auch Feinrippbuchse nass machen. Ich war guter Dinge!

Leider wurde nichts draus.

Die mehrheit der Bilder und Artefakte konnten nicht überzeugen, das allermeiste war selbst für unsere Verhältnisse zu off, geradezu offoff eigentlich. Eine der wenigen Ausnahmen Gregor Schneider – aber Schneider ist eben Schneider – mit einem einfachen und nachhaltig beeindruckenden Video seines Indienprojekts.

Gregor Schneider war in Indien und hat unter anderem ein Video mitgebracht. Ein Bild wie eine Faust. Respekt!

Ansonsten das Übliche, viel sehen und gesehen werden, vieleicht noch schnell einen Kontakt machen, einem wichtigem Kurator die Hand schütteln. Das Alles bei grellem Neonlicht und mit gedämpfter Stimme – warum ist es im Whitecube eigentlich immer so still, wo doch eh keiner die ausgestellten Produkte ansieht und bei dieser Tätigkeit gestört werden könnte?
Rästelhaft! Erinnert mich von der Stimmung immer ein wenig an Sanifair Autobahntoiletten, allerdings ohne die irre Stimme aus der Zukunft.

David Burton malte Ereignisse der Geschichte und ist selber Teil dieser. Er starb bereits 1945 – seine Malerei hat einen Anarchowitz der mir gefiel.

Alles belangloser Mist!‚ wäre so mancher zu schreien versucht gewesen. Ein junger Künstler tat es beim Anblick von David Burtons farbenfroher Malerei in den Räumen von Linn Lühn auch prompt. Worauf ihn seine ebenso junge Begleiterin mit lieblicher Stimmer und den für meinen Geschmack etwas herben, aber unvergesslichen Sätzen „Reg Dich nicht auf! Auch Deine Zeit kommt noch. Meine ist schon gekommen.“ tröstete.
Das hatte auf jeden Fall gesessen, seine Kritik verstummte und ich war nachhaltig beeindruckt von ihrem brachialen Feingefühl und dem offen zur Schau gestellten Mangel an Bescheidenheit.

Linn Lühn servierte Becks Bier, 1 Becks Bier light und Wassfläschchen dazu.

Kadel Willborn hatte ebenfalls Becks – aber 0,5 Liter – dazu Wein mit Schraubverschluss und Wasser in 1,5 liter Plastikflaschen (Lidl?) aufgeboten.

van Horn servierte Flensburger Pils und Champagner

OMG!!!1!!! Bei Conrads entdeckte ich diese extrem gewagte und freche Form der Präsentation.

Eigentlich hätte ich jetzt einen Drink gebraucht. Leider konnte der freundliche Praktikant ausgerechnet hier nur Wasser und etwas Rotes, das nach Kopfschmerzen aussah, reichen.

Im oberen Stockwerk der zweifelsohne beeindruckenden Räumlichkeiten von Konrad Fischer angelangt brachte einer der Begleiter spontan den, wie ich nach wie vor finde, passenden und auch witzigen Spruch „Den Typen der das Laminat verlegt hat, würde ich verklagen.
Ja liebe Leserinnen und Leser, Kunstkritik kann und darf manchmal so einfach sein. Es ist eben nun mal wie es ist, vor allem dann wenn man mit der Mimimal Art spielt.

Etwas unprofessionell verlegtes Laminat bei Konrad Fischer.

Damit wären die Highlights des Abends aber auch schon durch. Einzig zu erwähnen eventuell noch der Porsche den Schönewald Fine Arts im Außenbereich zeigte – denn Porsche geht ja irgendwie immer.
Und der nicht minder unbescheidene Tresen im Innenbereich.

Schönhauser Fine Arts zeigt links Porsche und rechts Tresen. Symbolische Konkurrenz von totem Kapital im OffOff.

Ich frage mich bei sowas allerdings doch immer auch, was diese Leute denn nun ausgerechnet mit der Kunst wollen? Investmentbanking, Immobilienspekulation, Hedgefontverwaltung oder von mir aus auch Risikokapitalgeber, das ist doch etwas vergleichsweise solides. Zumindest weiß man was man hat und worum es geht, nämlich aus Geld mehr Geld machen. Nicht mein Ding, aber auf ihre Art und Weise sind das doch eigentlich ganz ehrliche und unpretentiöse Nummern.
Können die Finearts ihre Distanz zur Welt also nicht einfach dort ausleben? Warum denn ausgerechnet bei uns? Und mal nebenbei bemerkt: die meisten Märkte sind doch viel größer, reichhaltiger und potenter als die vergleichsweise popeligen Einnahmen aus der Produktion zeitgenössicher Kunstschaffender. Nehmt Euch doch einfach mal Euer sauer verdientes Geld und schaut Euch ganz unverbindlich um. Die Welt ist voller wunderbarer, lohnender und manchmal sogar sinnvoller Spekulations- und Anlagemöglichkeiten.
Muss es denn wirklich die Kunst sein?

Ertappt, ich habe gelogen. Einer hat sich doch die Bilder angeschaut…

 

Galerien Flingern
http://www.galerien-flingern.de/ 

Conrads – Cosar HTM – Kadel Willborn – Linn Lühn – Konrad Fischer Galerie – Petra Rinck Galerie – Schönewald Fine Arts – Van Horn