von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

 

Für die neue Generation der jungen Düsseldorfer Videokünstler wird der Name Gul Ramani möglicherweise kein Begriff sein. Dabei bildete der ehemalige Paik-Student eine Ausnahmeposition in der hiesigen experimentellen Videoszene der 80er und frühen 90er Jahre. Seine humorvolle, narrativ angelegten und surrealistisch angehauchten Animationsfilme besitzen eine Leichtigkeit und eine Frische, die im besagten historischen Kontext Seltenheitswert haben. Mit schlichter und unprätentiöser Stop-Motion-Technik erzählte er heitere und grausame Geschichten, absurd, bunt, schelmisch und  melodiös wie manche Gedichten von Raymond Queneau. Trotz der verspielten, ja naiven Form, handeln die gebastelten Zeichentrickfilme von existentiellen Themen – Leben, Tod und immer wieder Liebe.

Die chronologische Mini-Retrospektive von Samstag machte deutlich, wie Ramani, der in seinem Frühwerk universell wirkende Kurzfilme produzierte, sich später seinen indischen Wurzeln wieder annäherte. In den späten 80er Jahren realisierte er animierte, auf indische Mythen zurückgehende Schattenpuppenspielen. Noch später schuf er dokumentarische Arbeiten die, ganz im Geiste seines Meisters Nam June Paik, das Auseinanderprahlen von indischer Tradition und Technologie fest hielten. Seine „Tierfilme“, die  von dem unverkrampften bis instrumentalisierenden Umgang asiatischer Völker mit Tieren handeln, bildeten den Abschluss der Präsentation. Einige dieser unkommentierten Filme sind jedoch so konventionell und klassisch, dass sie in einem Kunstfilm-Screening durchaus als verzichtbar gelten dürfen.

Die Rückschau hörte leider Mitte der 1990er Jahren auf, so dass Ramanis neuere Filmanimationen und sog. „Flash-Sketches“ – solche, die in erster Linie am Computer entstanden sind –, nicht präsentiert wurden. Der warmherzige Applaus und die zum Teil begeisterte Reaktion des Publikums zeigte jedenfalls, dass Gul Ramani kein bisschen vergessen worden ist – zumindest von der älteren Generation.

 
Gul Ramani im K4 am 28.7.2012
K4 – Kulturbureau Kiefernstr.
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