von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Seit über 10 Jahren gibt es sie, die freie Akademie der bildenden Künste in Essen Kupferdreh. Die kleine, überschaubare Einrichtung mit der idyllischen Lage an dem Baldeneysee unterscheidet sich in vieler Hinsichten von anderen Kunsthochschulen im Lande: Jeder Student kann gleichzeitig bei mehreren Professoren oder Dozenten studieren und steht deshalb nicht in einem so engen Verhältnis zu seinem Mentor wie in den sonstigen, klassischen Kunstakademien. Anstatt des üblichen esprit de corps und der starren Klassenmentalität, die in den deutschen Kunstakademien herrschen, ist die Struktur der Lehre in der fadbk offen und durchlässig. Ein wenig nach dem britischen Modell erleben die Studenten dort eine große Freiheit.

 

Die gut ausgestattete Schule ist übrigens zum großen Teil berufsbegleitend orientiert. Diese Tatsache schraubt das Durchschnittsalter deutlich in der Höhe; nicht selten sind die Dozenten und Professoren jünger als ihre Studierenden – und Letztere lassen sich vor allem am Wochenende blicken.

 

Wenn der Rundgang einer Kunsthochschule tatsächlich als Spiegelbild der Qualität ihrer Lehre gelten soll, lässt sich, kurz und bündig, Folgendes über das Niveau der fadbk sagen:

Die Bereiche der Bildhauerei sind deutlich unterrepräsentiert. Der (erdrückende, beinah einseitige) Schwerpunkt der Lehre liegt hier auf Grafik und Malerei. Dass andere Medien möglich und willkommen sind, ist deutlich an den gut eingerichteten Werkstätten für Skulptur oder an den High-End (aber verwaisten) Videoschnittplätze zu erkennen – allerdings wird das Angebot nicht richtig angenommen.

Andrea Wyskott-Blauschek (Klasse Köpp)

Die relative Reife der Studierenden führt zu einer sofort erkennbaren Ernsthaftigkeit ihrer Auseinadersetzung mit Kunst. Dies ist noch längst kein Kriterium für Qualität, aber zumindest eine Grundbedingung für Qualität. Wer sich mit 40 oder 50 Jahren in den Kopf setzt, Kunst zu studieren, und sich auf die Gebühren der Privatschule einlässt, meint es in der Regel ernst – und ist dabei selten ein absoluter Anfänger. Wenn man hingegen die Absprungsrate von jungen Studenten in den herkömmlichen Kunstakademien betrachtet und die chronische Unentschlossenheit der Künstler-Aspiranten, versteht man auch das (teilweise) bestürzende Niveau der dortigen Rundgängen.

Uwe Siemens (Klasse Schneider / Schrudde)

Uwe Siemens (Klasse Schneider / Schrudde)

 

Konkret heißt dies: Exit die pathetische und expressive Schmiererei und die post-wilden Akzente; die Malerei wirkt in Essen selten so pubertär, ungeschlachtet und willkürlich wie in Düsseldorf. Abgesehen von ihrer jeweiligen Relevanz sind dort die Fragestellungen deutlicher formuliert und konsequenter verfolgt. Auch im Bereich  des Unzulänglichen sind die Unterschiede beider Institutionen vielsagend: Da wo die schwächsten Arbeiten im letzten Rundgang der Düsseldorfer Kunstakademie einfach belanglos und aufgeblasen wirken, sind die schwächsten Arbeiten in Essen konventionell, blaß, angepasst und akademisch.

C. Katja Veiser (Klasse Schrudde / Mechler / Köpp)

 

Grazyna Burek (Klasse Hantzsch)

Nicole Krinn (Klasse Mechler / Köpp)

 

Andrea Wyskott-Blauschek (Klasse Köpp)

 

 

Kristine Tusiashvili (Klasse Hantzsche)

Kristine Tusiashvili (Klasse Hantzsche)

Denise Ogan (Klasse Hantzsche)

 

Christian Schüler (Klasse Schneider)

Christian Schüler (Klasse Schneider)

Pit Molling (Klasse Schneider)

Pit Molling (Klasse Schneider)

 

Nicole Krinn (Klasse Mechler / Köpp)

 

Anna Schneider (Klasse Parlow / Schrudde)

 

 

Ralf Altreuther (Klasse Schneider)

Marlies Langenhorst (Klasse Schneider)

 

Claudia Knuth (Klasse Mechler / Köpp)

 

Christine Fischer (Klasse Ruch)

 

Der einzige Rundgang der Bundesrepublik mit freiem Büffet