von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Markus Ambach und Birgit Jensen (Foto: Jörg Weule)

Es wurde kein pathetischer Abschied; es gab keine rückblickende Rede mit Tremolo-Stimme, keine Lebewohl-Gesänge mit hoch gehaltenen Feuerzeugen und keine Tränen in den Augen von Birgit Jensen und Markus Ambach. Aber alle waren sich einig: die wg hinterlässt eine Lücke. Ein Mal pro Monat trafen sich in dem Malkasten Künstler, Wissenschaftler, Galeristen und andere kreative Geister auf der Suche nach einer anregenden Kultur der Gastlichkeit und des Austauschs. Aus der gesamten Bundesrepublik und aus dem Ausland kamen die eingeladenen Gäste, um über ihre Arbeit zu sprechen, um Musik aufzulegen, Performances durchzuführen, Vorträge zu halten, Truthähne zu backen und Wein auszuschenken. Mit der Tradition der wg3zikb verschwindet ein lokales Kulturgut, das in Düsseldorf keine Äquivalenz kennt.

Feldforschung Abendbrot (Foto: Birgit Jensen)

Dabei sind weder Birgit Jensen noch Markus Ambach die Kräfte ausgegangen. Vielmehr merkten die zwei Künstler, dass neun Jahre genug waren. Geboren wurde das Projekt aus einer Notwendigkeit. Die Notwendigkeit, den in die Jahre gekommenen Malkasten-Verein durch eine energische Zellenkur zu erneuern, jüngere Künstler zu aktivieren und die hervorragenden Räume im Jacobihaus zu nutzen. Mit der großen Unterstützung des Vereins entstand ein Ort der Geselligkeit und der Kommunikation; und das Veranstaltungsformat, das sich im Laufe der Zeit etablierte, hat nicht an Frische verloren.

Ingke Günther (Foto: Birgit Jensen)

 

Feldforschung Abendbrot (Foto: Birgit Jensen)

Für die Dernière wurden vier Gäste eingeladen. Wie Jensen schelmisch bemerkte, berichtete der eine über das, was er gemacht hat, der andere über das, was er nicht gemacht hat und der dritte über das, was zu machen ist. Die vierte Partei bildeten Jörg Wagner und Ingke Günther, die mit ihrer Feldforschung Abendbrot ein deutsches Phänomen untersuchen, das vom Aussterben bedroht ist – eben: das Abendbrot – und die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten dieser Gattung präzise analysieren. Die Künstler schmierten an diesem Abend Domino-Brote und wiedersprachen damit dem guten, alten deutschen Spruch, wonach man nicht mit dem Essen spielen darf.

(Foto: Birgit Jensen)

 

Fritz Balthaus (Foto: Birgit Jensen)

Aus Berlin war Fritz Balthaus angereist und präsentierte in seinem Vortrag „Lassenmüssen“, eine Kompilation seiner Projekte im öffentlichen Raum, die aus welchem Grund auch immer nie durchgeführt wurden. Eine schöne Form des Recyclings für gescheiterte oder totgeborene Projekte.

Volker Lang (Foto: Birgit Jensen)

Der Hamburger Volker Lang präsentierte im Gegenteil seine Realisierungen und erörterte also, was er aktuell macht. Der Bildhauer bezieht Literatur in seine Arbeit ein und verwandelt das gesprochene Wort zu einem plastischen Bestandteil seiner skulpturalen Praxis.

Stefan Saffer (rechts hinter dem Apfel) (Foto: Birgit Jensen)

Stefan Saffer schließlich erläuterte was zu tun ist und präsentierte dem gutgelaunten Publikum seine ästhetisch-philosophische Betrachtungen „Aus Schirnaidel“.

(Foto: Birgit Jensen)

Trotz der relativ emotionalen Zurückhaltung der letzten Feierlichkeiten, soll es noch ein Abschiedsfest geben. Voraussichtlich am Ende des Jahres wird eine Publikation zu den vielfältigen Tätigkeiten des wg3zikb erscheinen – ein Anlass, um auf die schönen Jahre anzustoßen. Und vielleicht haben sich bis dahin unternehmungsfreudige und ideenreiche Nachfolger gefunden. Wer die wg3zikb in dieser oder einer anderen Form wieder aufleben lassen möchte, soll sich nun erheben…

Wie Birgit Jensen sagte: „Wir hoffen, dass wir etwas gesät haben und das bald etwas entstehen wird“